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:: AS I LAY DYING


Nick Hipa (30. November 2011):

Wenn du jemanden wie Andy Sneap im Boot hast und ihm deine Songs übergibst, sorgst du dich nicht, OB es gut klingen wird oder nicht, sondern bist neugierig, WIE GUT es klingen wird.

Letzte Woche haben AS I LAY DYING im Rahmen ihrer AMON AMARTH Support-Tour im Linzer Posthof Halt gemacht, wodurch ich ein paar Stunden vor ihrem Auftritt die Gelegenheit bekam, mit Nick Hipa ein Interview zu führen. Hier ein Ausschnitt aus dem rund 22 Minuten dauernden Interview, in dem der unglaublich sympathische AILD-Leadgitarrist von überraschendem Erfolg, vollen Terminkalendern und musikalischen Einflüssen berichtet.

Interview by Silver Wings
Interview...

Zehn Jahre AS I LAY DYING - das ist ganz schön beachtlich! Ich habe euch damals mit “Shadows Are Security” kennengelernt und hätte nicht gedacht, dass es euch schon so lange gibt.

Ja, die Zeit ist wirklich schnell vergangen! Ich finde es interessant, dass du “Shadows Are Security” als das erste Album, an das du dich erinnern kannst, erwähnst. Dieses Album ist 2005 rausgekommen - das ist also gerade mal sechs Jahre her, und ich würde sagen es ist das Album, mit dem sehr viele Leute auf uns aufmerksam wurden, mit dem wir das erste Mal nach Europa kamen, die Welt bereisten. Zu der Zeit sind auch die Besucherzahlen in die Höhe gegangen, aber die Jahre davor war die Band wirklich auf einem niedrigem Level - ich glaube nicht, dass es eine derartig große Fanbase vor 2003, als “Frail Words Collapse” veröffentlicht wurde, gab. Während der Tour zu “Frail Words Collapse” sind Phil und ich zur Band gestoßen und “Shadows And Security” war dann das erste Album, an dem auch wir beteiligt waren. Phil und ich sind also jetzt etwa sieben, acht Jahre in der Band und das ist eine lange Zeit um alles Mögliche zu tun, aber es ist verrückt, wie schnell sie vergeht. Das ist einfach so ein zeitintensiver Lebensstil, ich meine du tourst da mit einem Album herum und machst all die Sachen, die gemacht werden müssen - schon sind zwei Jahre deines Lebens vorüber, und wir haben diesen Zyklus einfach immer wieder wiederholt.

Wenn du dich mal an 2005 und diesen großartigen Erfolg für euch zurückerinnerst: Hast du damals schon in irgendeiner Weise einen solchen Erfolg, wie ihr ihn heute habt, erwartet?

Oh nein, absolut nicht, wirklich - wir wollten einfach nur ein Hammeralbum rausbringen. Wir waren alle ziemlich jung und wollten einfach was richtig Gutes machen, das uns hoffentlich in Klubs mit 500 bis 600 Leuten headlinen lässt, das wäre schon fantastisch gewesen. Wir haben das also gemacht und das Album veröffentlicht, welches dann eben sehr gut angenommen wurde. Plötzlich haben wir Shows gespielt, die größer waren, als wir sie je erwartet hätten - und wir merkten, dass die Band richtig wächst. Das ging immer so weiter und wir alle waren angenehm überrascht, als die Dinge, die wir uns früher höchstens erträumt hätten, plötzlich Realität geworden sind.

“Shadows Are Security” wurde von Andy Sneap produziert, wenn ich das richtig im Kopf habe.

Nicht ganz: Andy hat das Album abgemischt. Ich glaube es war mehr eine Eigenproduktion als alles andere, da wir keinen offiziellen Produzenten hatten. Wir hatten zwar einen Tontechniker, der die ganzen Aufnahmen übernommen hat, aber auf die Produktion selbst wurde kein Einfluss genommen. Mit Andy Sneap hatten wir jedoch jemanden, den wir respektierten und bei dem wir wussten, dass das Ergebnis gut klingen wird.

Und wenn ein Andy Sneap beteiligt ist, weiß man schon irgendwie, dass da etwas Erfolgsträchtiges dabei rauskommen wird, denke ich.

Genau! Wenn du jemanden wie Andy Sneap im Boot hast und ihm deine Songs übergibst, sorgst du dich nicht, OB es gut klingen wird oder nicht, sondern bist neugierig, WIE GUT es klingen wird. Er ist so talentiert und hat so viele gute Sachen gemacht, dass es keine Frage war, dass er es absolut phantastisch klingen lassen wird. Zu dieser Zeit waren die Spuren, die wir ihm gaben, nicht wirklich so gut als hätte er sie selbst aufgenommen, aber er hat genommen, was er bekommen hat und daraus etwas Hervorragendes gemacht. Absoluten Respekt für diese Leistung!

War das dann ungefähr die Zeit, ab der ihr von der Musik leben konntet?

Ja, bis zu diesem Punkt haben wir Tourneen gespielt, an deren Ende wir etwas Geld für uns aufteilen konnten, aber Tim hat damals noch bei seinen Eltern gewohnt und ich teilweise auch bei ihm oder bei Freunden... Ich glaube man könnte sagen, dass wir uns damals mit der Band finanziell etwas unterstützen konnten, so dass wir eben gerade über die Runden kamen. Wir waren so viel unterwegs, dass wir kaum etwas anderes zu tun hatten, als auf Tour zu sein. Es war so ab etwa 2004, dass wir nur mehr das gemacht haben und zur Vollzeit-Band wurden.

Wie dürfen wir uns denn so ein durchschnittliches Jahr eines AILD-Mitglieds vorstellen? Habt ihr da auch mal festgelegte Pausen und Urlaubszeiten oder so?

Das ist lustig, weil das geplante Jahr jedes Mitglieds natürlich an den Tourplan gebunden ist und wir üblicherweise etwa acht Monate im Jahr unterwegs sind, aber wenn wir von der “The Powerless Rise”-Tour zurückkommen werden und uns auf die Pause im Jänner und Februar freuen, haben wir dennoch nicht wirklich frei, da wir in dieser Zeit ein neues Album schreiben wollen. Wenn man das berücksichtigt, endet die Arbeit in diesem Sinne eigentlich nie. Wenn du etwas beruflich machst, das zugleich dein Hobby und deine wichtigste Sache im Leben ist, kannst du dich nie wirklich davon trennen. Selbst wenn wir acht Monate unterwegs waren und dann für zwei, drei Wochen heimkommen, bleiben wir aktiv - wir sind also alle ziemlich beschäftigt mit unserer Band.

Findet ihr während einer Tour auch Zeit, um Songs zu schreiben?

Ich denke jeder versucht seine Ideen oder Riffs kurz aufzunehmen, einfach um Ideen zu sammeln, aber bei uns hat sich noch nie jemand zusammengesetzt und unterwegs einen fertigen Song geschrieben.

Reden wir mal über diese Tour. Wie gefällt es euch, gemeinsam mit AMON AMARTH und SEPTICFLESH zu spielen? Die haben beide ja einen doch anderen Musikstil und infolge dessen sicher auch andere Fans. Wie funktioniert das für euch?

Für uns war das nicht besonders abwegig, mit AMON AMARTH auf Tour zu gehen, da wir selbst solche Bands hören, und auch wenn es sehr harte Musik ist, sind sie dennoch melodisch. Sie sind eine brutale Band, haben aber eine Menge Melodie in ihrer Musik, und wir haben eine Menge Melodie und sind auch eine harte Band, aber die Art, wie wir angenommen werden, ist komplett anders. Ich denke sie werden als mehr “Metal” verstanden als wir, während wir cleane Vocals und andere Elemente haben, die davon abweichen, aber ich denke das hat mehr damit zu tun, wie die Fans harter Musik die Bands auslegen.
Wir jedenfalls haben uns sehr darauf gefreut, ein paar Auftritte gespielt und dabei festgestellt, dass wir wirklich unterschiedliche Fans haben, was komisch war, weil wir das niemals wirklich erwartet hätten oder nur davon gehört hatten, aber selbst nicht daran glauben wollten. Hierher zu kommen und das dann tatsächlich zu erleben war irgendwie auch anspornend, weil wir erkannt haben, dass es eine großartige Möglichkeit für uns ist, für Leute zu spielen, die eventuell unsere Musik noch nicht gehört haben, weil sie eben dachten, wir wären eine bestimmte Art von Band.

Eine gute Chance also, um neue Fans zu gewinnen.

Ja genau! Wer AS I LAY DYING vorher nie gehört hat, jedoch wegen AMON AMARTH hingeht und dann eine 45-minütige Show von uns durchhalten muss, stellt vielleicht fest, dass wir anders als gedacht sind. Das funktioniert sehr gut für uns und wir sind froh, mit guten Bands mit unterschiedlichem Sound auf Tour zu sein, wodurch wir ja alle profitieren können, da wir jeweils unsere eigenen Fans anziehen und diese - ob sie mögen oder nicht - immerhin diese Gelegenheit bekommen.

Ok, kleiner Schwenk zu eurem neuesten Album “Decas”. Neben drei neuen Songs sind da ja mitunter auch ziemlich abgedrehte Remixes drauf. Hört von euch jemand Dubstep und sowas?

(lacht)
Nicht unbedingt, aber das ist eine interessante Geschichte. Wir hatten “Paralyzed” noch von den “The Powerless Rise”-Aufnahmen übrig und über ein Album zum zehnährigen Jubiläum nachgedacht, wofür wir noch ein Cover und eventuell noch einen Song aufnehmen und als EP mit drei Nummern rausbringen wollten. Wir haben also mit den Aufnahmen angefangen und hatten plötzlich drei neue Songs und einige Covers, zudem waren wir uns dessen bewusst, dass viele unserer Fans auch Remixes mögen, weshalb wir einfach von allem etwas rausbringen wollten. Bringen wir doch drei neue Songs raus - darüber freut sich jeder Fan. Veröffentlichen wir einige Cover-Nummern - manche Kids mögen SLAYER oder JUDAS PRIEST vielleicht nicht mal kennen und mehr auf Remixes und elektronisches Zeugs stehen, aber dann gibt es ja auch die alten Typen, die SLAYER usw. lieben und niemals elektronische Musik hören würden. Also nahmen wir diese unterschiedlichen Teile und fügten sie zu einem Album zusammen, das nicht als LP gedacht ist, aber für jeden, der die Band mag, etwas enthalten sollte. Es ist bestimmt nicht etwas für jeden, aber es ist für jeden etwas dabei. Wir denken mit iTunes ist das heutzutage ein guter Weg, weil man einzelne Nummern nicht kaufen muss, wenn sie einen nicht interessieren. Es war letztlich auch schlicht ein Album, um den Leuten die Wartezeit auf das nächste Album, das bei uns üblicherweise in einem Zyklus von etwa zwei, zweieinhalb Jahren folgt, zu verkürzen.

Ist es euch wichtig, den Fans mit Songs von JUDAS PRIEST und SLAYER eure musikalischen Wurzeln zu zeigen?

Wenn du über die Auswahl der gecoverten Songs nachdenkst, hast du eine Band wie SLAYER, die sehr aggressiv ist und in der Intensität einen Aspekt unserer Musik ausmacht, aber dann hast du auch JUDAS PRIEST, die sehr melodiös sind und ebenso Einfluss auf unsere Band nehmen. Den DESCENDENTS-Song haben wir eher zum Spaß gemacht, aber wenn man sich Hardcore näher ansieht, spielen die DESCENDENTS auch eine wichtige Rolle.
Alle diese Bands repräsentieren also gewissermaßen Genres, die für unseren Sound relevant sind. Sie zu wählen war jedenfalls besser, als irgendwelche albernen Songs zu covern, die für die Band keine Bedeutung haben.

Es gibt ja nicht wenige andere Metalcore-Bands, die etwa in IRON MAIDEN-Shirts zu sehen sind oder stets davon berichten, wie sehr sie auf den alten Metal stehen. Kann man da schon irgendwie von einer Identitätskrise des Metalcore sprechen, wenn immer wieder auf die musikalischen Wurzeln verwiesen wird?

Ich würde nicht sagen, dass es eine Identitätskrise ist. Du hättest uns 2004 fragen können und wir hätten die selben Einflüsse angegeben. Wenn überhaupt, dann sehe ich diese Krise in den Medien, da sie sich nur auf einen Aspekt der Musik konzentriert haben, als sie rauskam. Da wurden Bands schnell abgestempelt, ohne genauer zu hinterfragen, welche Entwicklung hinter diesem Sound gesteckt hat. Solange eine Band nichts unternimmt, um das Gegenteil zu zeigen, wird sich diese Sichtweise auch nicht ändern.
Wir haben nun diese Covers rausgebracht, wodurch die Leute einen Zusammenhang herstellen und sich über unsere Einflüsse Gedanken machen können. Also nein, ich glaube wirklich nicht, dass es eine Identitätskrise gibt.

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AS I LAY DYING - Awakened (CD, 2012)
AS I LAY DYING - Decas (Compilation) (CD, 2011)
AS I LAY DYING - The Powerless Rise (CD, 2010)
AS I LAY DYING - An Ocean Between Us (CD, 2007)
AS I LAY DYING - Shadows Are Security (CD, 2005)
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