Rhapsody of Fire

:: LUNAR AURORA


Aran (01. März 2012):

Irgendwann wird LUNAR AURORA enden, aber für die nächsten ein bis zwei Jahre ist erstmal ein neues Album angedacht.

Die deutsche Black Metal Institution LUNAR AURORA meldet sich mit "Hoagascht" nach langer Pause endlich wieder zurück. Mastermind Aran sprach mit uns über lange Pausen, die Unlust am Touren und seine Vorliebe für Österreich.

Interview by FO
Interview...

Hallo Aran, ich fange gleich mal mit der typischen Frage an. „Hoagascht“ ist euer erstes Album seit über fünf Jahren, ihr habt euch seitdem verdammt rar gemacht. Aus welchen Gründen waren LUNAR AURORA auf Eis gelegt und was hat euch zum Quasi-Comeback bewogen?

Zum einen waren wir seit 1994 recht produktiv. Diese Konstante kann aber keine Band auf Dauer ohne Qualitätsverlust durchziehen. Zum anderen gab es private Umstellungen und Dinge, die einfach mehr Zeit und Kraft in Anspruch nahmen. Eine Auszeit war also einfach mal nötig.

„Hoagascht“ ist oberbayrischer Dialekt und für mich nicht ganz verständlich – klär mich doch mal auf bitte. Ebenfalls im oberbayrischen Dialekt sind sämtliche Lyrics des neuen Albums. Wie seid ihr auf die Idee gekommen, was versprecht ihr euch damit und wird’s dafür verbale Prügel aus Norddeutschland geben?

Verbale Prügel dürfte es von keiner Seite geben. Tendenziell ist es in diesem Musik-Genre schon immer üblich, Lokalkolorit in die Musik einfließen zu lassen. Ist also nichts Neues. Nur mit bayrischem Dialekt kannte man das halt noch nicht so.
Dazu veranlasst hat uns, dass wir dem „Geist“ unserer Heimat und was wir damit verbinden, eine Ausdrucksform geben wollten. Als die neuen Lieder entstanden, stellten wir fest, dass das Album in eine recht erdige und spröde Richtung gehen wird. Von daher bot es sich stimmungsmäßig an, dies mit den bayrischen Texten zu untermauern. Die bayrische Sprache eignet sich sehr gut für diese Art von Musik. Sächsisch oder Rheinländisch würde eventuell eher unfreiwillig komisch klingen. Wienerisch wahrscheinlich auch.

„Hoagascht“ leitet sich von „Heimgarten“ ab und bezeichnet ursprünglich eine Zusammenkunft verschiedener Musikanten zum Zwecke des gemeinsamen Aufspielens im Garten. Zum einen sehen wir uns immer noch als lose Musikanten, die frei zusammenkommen, zum anderen assoziieren wir mit dem „Garten“ einen - metaphysisch verstanden - in sich geschützten, verzauberten und verwunschenen Bereich. Das findet man aber schon in vielen alten Kulturen und Märchen... und es geht sogar zurück bis zum Garten Eden. Es ist in unserem Sinne somit ein Begriff für das Jenseitige, aus dem wir Menschen kommen und wieder gehen werden.

„Hoagascht“ eignet sich also perfekt für das Thema dieses Albums: Die weltliche Heimat, die innere Heimat und die übergeordnete Heimat im Jenseitigen. Alles im Bildnis eines Gartens.

Liedtexte liegen mir keine vor, ich weiß auch nicht, ob sie verstehen würde. Wenn ich aber nach den Songtiteln gehe, kommt mir das wie eine Art Konzept über eure oberbayrische Heimat samt ihrer Natur vor. Liege ich da richtig, oder geht es um komplett andere Dinge?

Da liegst du im Prinzip schon richtig. Es ist kein Konzeptalbum, aber konzeptionell geht es natürlich um unsere Heimatregion Oberbayern. Vorallem um den Raum südlich von München, Rosenheim, Inntal, Chiemgau. Wir behandeln in den Texten aber keine Sagen oder Überlieferungen oder Brauchtumsgedanken, sondern unsere ganz persönlichen Assoziationen und Reflektionen über die Heimat. Dabei geht es um Orte, die man seit der Kindheit gerne aufsucht, um Erlebnisse und Eindrücke. Dabei spielen auch viele mystische und spirituelle Themen mit hinein. Wer das Glück hatte, in seiner Geburtsregion naturnah und behütet aufzuwachsen, weiß vielleicht, von was ich spreche. Der „Geist“ einer Landschaft prägt den eigenen Geist, wenn man offen ist und mit verschiedenen Sinnen wahrnimmt. Es geht uns aber um keine Verklärung von „Heimat“, sondern um die inneren Welten, die sich durch äußere Welten auftun. Mehr ins Detail kann ich in der Theorie schlecht gehen. Dafür haben wir die Musik und die Texte, um es fühlbarer zu machen.

Im deutschen Black Metal-Sektor seid ihr schon seit vielen Jahren mit einer großen Underground-Fanbase ausgestattet, die euch bis auf’s Blut verteidigen würde – egal was ihr fabriziert. Wie wichtig sind euch eure im Hörer im Kontext zu eurer Kunst und warum wollt ihr nicht mehr live auftreten?

Es wäre unseren treuen Hörern gegenüber nicht fair, zu sagen: „die verteidigen alles, was wir fabrizieren.“ So undifferenziert und unkritisch ist keiner. Aber ich weiß natürlich, was Du mit der Frage ausdrücken wolltest. In der Tat ist es schön, wenn man hier und da mitbekommt, dass es Hörer gibt, die uns schon lange begleiten und schätzen. Sehr achtenswert und ehrenswert!
Mir fällt es aber immer etwas schwer, den Standpunkt, den LUNAR AURORA in der Öffentlichkeit hat, einzuschätzen.
Live spielen wir nicht mehr, weil wir weder die Zeit, die Nerven oder die Lust haben, uns wieder mit neuen Mitgliedern und Organisatoren herum zu schlagen. Ganz einfach.

„Hoagascht“ klingt im Vergleich zu „Andacht“ oder den älteren Alben noch dunkler, atmosphärischer. Hattet ihr ein gewisses Konzept im Kopf, als ihr euch an die Arbeit gemacht habt? Wie würdet ihr das neue Album mit dem letzten Output vergleichen?

Wie schon weiter oben beschrieben, gibt es ein bestimmtes „Konzept“, was sich auf unsere Heimat bezieht.
Jedes Album ist durch seine Zeit und den damaligen Lebensumständen geprägt. Somit kann ich „Andacht“ - und keines unserer Alben - nicht mit früheren oder späteren Werken vergleichen. Jedes zu seiner Zeit, alles zu seiner Zeit. „Hoagascht“ ist erdiger, spröder und bodenständiger. „Andacht“ ist sakraler. So kann ich es vielleicht grob umschreiben.

Das Cover-Artwork für euer Album gibt es gleich in zweifacher Ausführung. Einmal mit Eule und einmal mit schneebedeckter Hütte. Wer hat es designt und inwiefern unterscheiden sich die beiden, wenn sie im Handel stehen?

Ich bin für die Malerei verantwortlich. Siehe auch: www.sperber-illustrationen.de.
Ich hatte einfach zwei Cover entworfen und fand es schade, eines der beiden nicht zu benutzen. Somit fand eines für die CD und eines für die LP Verwendung. Aber auf der Rückseite der LP wird auch das Cover der CD zu sehen sein.

Wie ist denn der Produktionsprozess für das Album abgelaufen? Wo und wie lange habt ihr daran gefeilt und wie seid ihr dabei vorgegangen? Habt ihr zuerst mit dem Schlagzeug angefangen oder anders?

Zum Zeitpunkt der Komposition hatten wir leider eine größere räumliche Trennung, was es schwer machte, sich wegen jeder Note zu treffen. Somit entwarf ich das Grundgerüst des Albums an der Gitarre und später arrangierte man dann rum. Ich habe alles selbst aufgenommen und abgemischt. Whyrhd konzentrierte sich diesmal hauptsächlich auf den Gesang. Das Mastering ließen wir aber dann doch in einem professionellen Studio in München machen.

Was bei den Szene-Freaks wahrscheinlich weniger auf Anklang stoßen wird, ist der Einsatz eines Drumcomputers. Der ist meiner Meinung nach zwar ziemlich realistisch programmiert, aber eben doch nicht aus Fleisch und Blut. Warum habt ihr euch für diese Variante entschieden? Wird es künftig einen menschlichen Drummer geben?

Das hat hauptsächlich mit der eben erwähnten räumlichen Trennung zu tun. Und mit der Unlust unsererseits, neue Musiker anzulernen. Und wenn wir in dem Album irgendeinen fiktiven Schlagzeuger namentlich erwähnt hätten, hätte wahrscheinlich keiner was gemerkt. Nur geübte Ohren hören den Computer raus. Ironischerweise klingen heutzutage oftmals getriggerte Schlagzeuger unechter, als ein Drumcomputer.
Ob für ein nächstes Album ein echter Drummer eingesetzt wird, kann ich jetzt noch nicht sagen. Das ergibt sich aus der Situation und aus den Möglichkeiten.

Euer langjähriger Mitstreiter Sindar ist letztes Jahr aus der Band ausgeschieden. Aus welchem Grund habt ihr euch von ihm getrennt und gibt es eine Rückkehr-Möglichkeit, nachdem die ganze Geschichte bei euch ja familiär ist?

In Sindars Leben hat sich einiges getan. Er wurde Vater und hat auch sonst ein paar private Veränderungen erlebt. Es hat sich einfach über die letzten Jahre so viel getan, dass der Anschluss nicht mehr gelang. Sindar kam auch mit der musikalischen Arbeitsweise nicht mehr klar. Er „jammt“ lieber und experimentiert auf teils verworrene Art (was auch seine Vorzüge hat), aber für „Hoagascht“ passte das nicht. An dieser Stelle möchte ich sein Projekt KAMERA OBSKUR empfehlen.


Die Art eurer Musik erinnert mich of an die österreichischen ABIGOR oder die australischen AUSTERE. Kennst du die Bands bzw. wie findest du sie? Welche Bands / Musiker / Künstler inspirieren dich zu deinen Werken?

AUSTERE sagt mir nur am Rande was, aber ABIGOR kenne ich. Mit ihren neuen Sachen kann ich aber nichts mehr anfangen. Ich fühle sehr wohl, was sie damit ausdrücken wollen, aber es ist nicht mehr mein Ding. Dennoch sehr genial gespielt und umgesetzt.
Generell inspirieren mich aber keine Bands zu meiner Musik. Ich höre verschiedenste Bands, aber wenn ich letztendlich an der Gitarre oder am Computer sitze, sind all die Lieder anderer Bands nicht mehr in meinem Kopf. Dann höre ich nach innen und habe keine andere Quelle als mich selbst.

Ihr beide habt euch in eurer bisherigen Karriere auch schon gefühlte Tausend Mal an verschiedene Instrumente gesetzt. Gibt es ein Instrument, das du ungern spielst bzw. fehlt dir noch eines in deinem Repertoire?

Ja, ich saß in der Tat schon - mehr schlecht als recht - für zwei Alben am Schlagzeug, habe Bass gespielt, Gitarre, Keyboard, programmiert, etc... Am wenigsten komme ich aber mit dem Keyboard klar. Ich bastel gerne an Sounds, aber dann direkt über den Rechner.

Nachdem ihr jetzt fast fünf Jahre weg wart – besteht für LUNAR AURORA-Fans erneut die Gefahr einer langen Abwesenheit oder kann man jetzt wieder konstant mit euch rechnen?

Ich plane schon an einem neuen Album, aber darüber hinaus denke ich nicht. Irgendwann wird LUNAR AURORA enden, aber für die nächsten ein bis zwei Jahre ist erstmal ein neues Album angedacht.

Was sind denn deine aktuellen fünf Lieblingsalben?

Da kann ich leider nichts nennen, da bei mir die Alben nach Stimmung schnell variieren. In letzter Zeit höre ich aber eh kaum Musik. Wenn man über Monate an einem Album schraubt, ist man privat irgendwann echt satt.

Hast du noch ein paar letzte Worte für die Stormbringer-Leser?

Als Oberbayer ist einem Österreich seit frühester Kindheit recht vertraut. Ich find's gemütlich bei euch! Und schräg! Ein Land, aus dem „Alltagsgeschichten“, „Pezibär“, „Tohuwabohu“, „MA 2412“, „Kottan ermittelt“, „Confetti TV“, „Tom Turbo“, die EAV etc. kommt, kann so falsch nicht sein.

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