Interview...
Blaze, im Jahr 1995 erlebte ich dich das erste Mal live mit IRON MAIDEN. Danach warst du unter anderem 2002 als Support von SAVATAGE in Österreich zu sehen. Und Ende letzten Jahres ergab es sich, dass ich ein Konzert von dir im ehrwürdigen B.B. King Blues Club in New York City sehen konnte. Was soll ich sagen? Es hat sich absolut nichts geändert und das meine ich im positiven Sinne: Deine Performance in New York strotze vor der gleichen Power und unbändigen Liebe zur Musik, wie ich es auch schon 16 Jahre zuvor erleben durfte. Von woher kommt diese Kraft, jeden Abend alles zu geben, unabhängig davon wie groß das Publikum ist?
Sie kommt von den Fans. Ich glaube an die Fans und habe immer an sie geglaubt. Als wir 1984 mit WOLFSBANE angefangen haben und in einem kleinen Van herumgetingelt sind - ohne Plattenvertrag, ohne Roadcrew – schafften wir es nur durch die Fans, dass unser Konzertpublikum in kurzer Zeit von fast Null auf mehrere Hundert pro Gig wuchs. Weil die Fans an uns glaubten und das hab ich nie vergessen. In all den Jahren im Musikgeschäft hatte ich immer wieder das Gefühl, dass insbesondere Heavy Metal Fans trivialisiert wurden. Man nahm sie nicht für voll und gab ihnen nie den Respekt, den sie sich verdient hätten.
Das neue Album trägt den Namen „The King Of Metal“. Der Titel bezieht sich aber nicht auf mich, sondern auf die Fans - ich widme ihnen dieses Album. Für mich sind sie die wahren Kings Of Metal. Ohne den unendlichen Support der Fans hätte Metal all die Jahre nicht bestehen können. An der Spitze des Musikbusiness wimmelt es nur so von gierigen Leuten, von Geschäftemachern die Musik gar nicht interessiert und die den Heavy Metal beinahe zerstört hätten. Schau dir zum Beispiel die wirklich guten Festivals an. Hier sind Leute am Werk, die an erster Stelle Fans und erst an zweiter Stelle Geschäftsleute sind. So handhabe auch ich das. Ich habe bei dieser Tour kein großes Stage-Set dabei, ich habe keine Roadcrew und werde sogar mein Merchandise selber verkaufen. So kann ich die Ticketpreise so niedrig wie möglich halten und ich hoffe, dass mich dadurch viel mehr Leute live sehen können. Es wird eine sehr harte Tour mit unzähligen Dates und ich bin mir nicht sicher, ob ich am Ende überhaupt noch am Leben sein werde - aber das ist die Einstellung, die ich vertrete.
Du steckst gerade mitten in den Aufnahmen zum neuen Album. Wie läuft es und wann wird der King Of Metal das Licht der Welt erblicken?
Das Album wird ab 8. März 2012 auf meiner Website erhältlich sein. Das Artwork geht gerade in den Druck und ich hoffe, dass ich das Album bei den ersten Gigs der Tour schon dabei haben werde. Der offizielle Veröffentlichungstermin wird der 20. Mai 2012 sein.
Im Studio arbeiten wir gerade an den Gitarrensolos (Anmerkung: die Aufnahmen sind inzwischen fertig gestellt) und die Musiker, mit denen ich an der Platte arbeite, sind großartig! Es ist eine Ehre mit so talentierten Musikern zusammenzuarbeiten.
Kannst du uns etwas über die Musik auf „The King Of Metal“ sagen? Ich habe gehört, dass es ein wenig „Back To The Roots“ gehen soll.
Ja, das kann man so sagen. Es geht mehr in die Richtung der Songs, die man auf den ersten zwei Alben „Silicon Messiah“ und „Tenth Dimension“ zu hören bekam. Ich mochte diese Werke sehr und hatte den Drang wieder verstärkt in diese Kerbe zu schlagen. Es wird einige sehr schnelle Nummern geben und auch wirkliches heavy Zeug. Ich bin voller Leidenschaft für „The King Of Metal“ und vertraue darauf, dass es den Fans gefallen wird.
Gibt es auch ein textliches Konzept, das sich über das gesamte Album spannt? So wie es zum Beispiel bei „Tenth Dimension“ der Fall war?
Absolut! Der gedankliche Grundtenor des Albums ist folgender: Lass dich nicht von anderen Menschen definieren. Erlaube es nicht, dass dir jemand sagt, was du nicht tun kannst. Lass die Gedanken und Meinungen von anderen Leuten nicht dein Leben bestimmen. Entsage der täglichen Gehirnwäsche der Medien und der Konsumgesellschaft. Der Glaube an dich selbst sollte unerschütterlich sein. Lebe dein Leben!
Jemand, der diese Einstellung sehr stark vertreten hat, war Ronnie James Dio. Ist es richtig, dass es auf „The King Of Metal“ einen Tribute Song für den kleinen Mann mit der großen Stimme geben wird?
Ronnie war immer ein sehr großer Einfluss für mich. Eben auch in dem Sinne, dass er die vorher genannte Botschaft immer gelebt hat. Ich wollte einen Song machen, der den Grundgedanken dieses Albums widerspiegelt und dabei typische DIO-Trademarks vereint, die Ronnie mit all seinen großartigen Projekten wie BLACK SABBATH, RAINBOW und seinen Solowerken vollbracht hat.
Sobald das Album fertig ist, begibst du dich ja auf eine ausgedehnte Europatour. In den letzten Jahren touren viele Bands viel häufiger, als sie es zuvor taten. Dies hat sicher auch mit verringerten Albumverkaufszahlen zu tun. Wie denkst du darüber und wie ist es, auf so eine große Tour zu gehen? Ist es immer aufregend oder hadert man auch öfters damit, so lange on the road zu sein?
Ganz ehrlich: Die größte Schwierigkeit liegt darin, dass man seine Wäsche gewaschen bekommt. Darum bitte ich meine Fans auch immer, frische Socken für mich zu den Gigs mitzubringen. Einfach nur schwarze Socken, nicht teuer. Und die Beschaffung an qualitativ hochwertigen Deodorants kann auch eine Herausforderung darstellen. Zur Touring-Situation an sich: In den späten 80er und frühen 90er Jahren war es schrecklich! Ich hatte Labels bzw. Verträge die mir sagten: „Du kannst nicht auf diese und jene Tour gehen. Du musst diese und jene Band supporten. Du kannst nicht in dieser kleinen Location auftreten, das sieht nicht gut aus. Die Leute werden glauben, du kannst keine größeren Hallen füllen.“
Das empfand ich immer als extrem unehrlich. Und wenn Bands jetzt viel bzw. mehr auf Tour gehen müssen und eine Menge Leute sie live zu Gesicht bekommen, dann ist das gut für mich. Denn einige Bands sind live wirklich scheiße. Live werden die Tricks aus dem Studio schnell enttarnt und man erkennt die wahren musikalischen Fähigkeiten dieser Truppen. Das ist gut für mich. Ich habe keine Studiotricks. Du hörst mein Album, du siehst mich live und es ist was es ist. Eine Performance voller Leidenschaft, Herzblut und Integrität. Wenn andere Bands da nicht mithalten können, dann hab ich gewonnen – denn die Fans erkennen das.
Du hast 1984 angefangen und bist deiner Musik immer treu geblieben. Ohne Zweifel liebst, lebst und atmest du den Geist des Heavy Metals. Welche Musiker oder Bands außerhalb des Genres gefallen dir oder inspirieren dich?
Neben Heavy Metal mag ich Folk sehr gerne. Ich höre eine Menge Musik ohne Drums, besonders wenn ich ein neues Album aufnehme und sehr viel mit der Zusammensetzung und dem Rhythmus der verschiedenen Instrumente beschäftigt bin. Ich liebe Filmmusik wie den Soundtrack von „300“ und höre auch viel Klassik. Ich mag Singer/Songwriter Sachen. Dabei geht es mir gar nicht so um das Können und den technischen Aspekt der Stimme, sondern mehr um die Leidenschaft, die derjenige Künstler vermittelt. Ich mag es, wenn man hört und fühlt, dass der Künstler seine Sache ernst meint und lebt. Ich liebe Musik in all ihrer unterschiedlichen Ausdrucksformen und schließe dabei kein Genre an sich aus - auch wenn ich mit Dance-Musik und dem ganzen Drumherum nicht viel anfangen kann. Wie dem auch sei: Heavy Metal wird immer meine große Liebe bleiben. Guter Heavy Metal kann so viel Kraft und Gefühl vermitteln. Dieses Ziel verfolge ich mit meiner Musik.
Du scheinst voller Energie für dein neues Album zu sein. Über deine Facebook-Seite stehst du immer im direkten Kontakt mit deinen Fans und hältst sie persönlich am Laufenden. Du organisierst auch eine Release-Party inklusive Livekonzert, namens „Big Bash“ – und das bei freiem Eintritt. Gibt es ein ganz bestimmtes Ziel, welches du mit „The King Of Metal“ erreichen willst?
Es soll das beste Album und die beste Tour werden, die ich jemals gemacht habe. Wie immer man auch „das Beste“ definieren mag. Der Big Bash wird am 20. Mai 2012 stattfinden und ist mein „danke" an die Fans. Die kostenlosen Tickets kann jeder über meine offizielle Website bestellen. Die eigentliche Europa Tour startet am 8. März 2012 in Belgien.
Wie sieht ein typischer Freitagabend von Blaze Bailey aus, wenn er gerade mitten in den Aufnahmen eines neuen Albums und den Vorbereitungen auf eine Tour steckt?
Oh Mann, es ist der reine Krieg! Die letzten drei Nächte hab ich damit verbracht unzählige Korrekturen am Artwork zu machen, alles zu überprüfen und Änderungen vorzunehmen: Das gehört hier hin, da fehlt ein Text, das ist die falsche Farbe und so weiter. Es ist der absolute Krieg! Heute Abend habe ich 13 Interviewtermine. Währenddessen werden die Solos im Studio aufgenommen. Wenn ich kurz vor Mitternacht mit den Interviews fertig bin, muss ich mir die Aufnahmen kritisch anhören. Schließlich sollen sie das halten, was ein Album mit dem Titel „The King Of Metal“ verspricht. Und morgen Früh starte ich mit dem Gesang, für den ich eine Woche geplant habe.
Und wie gesagt: Das sollen die besten und mitreißendsten Aufnahmen werden, die ich jemals gemacht habe. Die Tour muss organisiert werden, die Designs der Shirts müssen fertig gestellt werden... es ist verrückt. Aber ich habe so ein wahnsinnig gutes Gefühl, was das neue Album und die Tour betrifft und deswegen nehme ich all diese Strapazen in Kauf. Nicht aufzugeben, das ist auch die Message von „The King Of Metal.“
Blaze, vielen Dank für deine wertvolle Zeit und alles Gute für die Zukunft!
Danke dir und ein riesengroßes Danke an all meine Fans in Österreich, die mich unterstützen und an mich glauben! Wegen euch kann ich dieses Leben führen und die Musik machen, die ich liebe. Danke!
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