Interview...
Metalcore, Rock, Progressive Metal, Punk, Pop, Swing, Electro, Grunge, Symphonic Black Metal, Crossover. Das alles und noch viel mehr wird von den vier durchgeknallten Finnen mit dem epischen Namen FOR THE IMPERIUM auf ihrem Debüt-Hammer zelebriert. Viele Combos haben schon Mühe, überhaupt eine musikalische Richtung zu definieren, die ihnen entspricht. Die Finnen-Combo besitzt gar eine fast unendliche Stilvielfalt, weshalb natürlich die Frage naheliegt, wie man als Band auf die Idee kommt, eine derartige stilistische tour de force zu wagen:
„Jeder von uns hatte bereits vorher verschiedene Projekte, aber keiner war so richtig zufrieden damit,“ erklärt Ville Suorsa (Gitarrist) einleitend. „So haben wir uns im Jahr 2009 dafür entschieden, zusammen Musik zu erschaffen, die keiner von uns je zuvor gemacht hat. Den ersten Song den wir geschrieben haben („Missing One“) war eher Math Metal und Fusion. Wir mochten den Song, wussten aber auch, dass wir noch andere Dinge dazu mixen wollten. Zur Erklärung muss man wohl noch anfügen, dass wir vor unserer Debüt-Scheibe bereits drei EPs rausgebracht hatten, auf denen wir verschiedene Dinge ausprobierten. Schlussendlich hat sich der jetzige Stilmix denn auch erst mit der Zeit und der Songwriting-Arbeit ergeben."
Bereits beim ersten Durchgang der Scheibe sind die extremen technischen Fähigkeiten der Jungs – die kaum von dieser Welt zu sein scheinen - nicht zu überhören:
„Ja, wir beherrschen unsere Instrumente nicht erst seit gestern“, gibt Ville unumwunden zu. "Wir sind bzw. waren alle im Pop- und Jazz Konsveratorium. Ich und unser Drummer sind immer noch in Ausbildung. Die Basics und Grundfertigkeiten haben wir dort zwar gelernt, aber natürlich nicht diese Art von Musik, die wir jetzt spielen, haha“.
FOR THE IMPERIUM
Bei FOR THE IMPERIUM fällt sofort eine gewisse stilistische und stimmliche Nähe zu den Crossover-Göttern von FAITH NO MORE auf, was denn auch kein Zufall ist, wie der Gitarren-Hero einräumt:
„Ja, diese stilistische Verwandtschaft ist uns bewusst und auch nicht rein zufällig. FAITH NO MORE, MR. BUNGLE und andere Sachen die Mike Patton gemacht hat, sind ein grosser Einfluss für mich und unseren Sänger. Meiner Meinung nach hört man aber auch noch ältere Vintage-Rock-Einflüsse drin, wie beispielsweise THIN LIZZY oder so. Als wir dieses Album komponiert haben, habe ich zudem viel Country Music und Hip Hop gehört. Tuomas, unser Drummer, beschäftigt sich viel mit Filmmusik und klassischer Musik – und das kann man auch in unseren Songs hören. Sodann mögen wir DIMMU BORGIRs letztes Album mit diesem grossartig arrangierten Symphonie-Orchester sehr. Ich muss aber zugeben, dass ich heute praktisch keinen Metal mehr höre – den habe ich mir angehört als ich jünger war. Wenn Du selbst Metal machst und dann noch Metal hörst, dann ist dein Horizont doch sehr eingeschränkt.“
Ville scheint es mit seinen Metal-fremden Vorlieben wirklich ernst zu meinen, gerät er doch bei der Aufzählung seiner weiteren Hörgewohnheiten regelrecht ins Schwärmen. Jedem traditionsbewussten Metalhead werden sich ob der kommenden Aufzählung wohl definitiv die Zehennägel aufrollen:
„Ich mag den Sound von SKRILLEX, dieses Dub-Step-Zeugs. Wir arbeiten ja bereits an den Songs für unser neues Album und dort hatte es sogar einige Dub-Step-Einflüsse drin. Aber wir haben uns dann doch dafür entschieden, diese Parts rauszunehmen, da die ganze Dub-Step-Welle bereits wieder am Abflauen ist – da wären wir mit unserem kommenden Album ohnehin zu spät gewesen. Ich liebe zudem DON HENLEY von den EAGLES – sein Song "New York Minute" ist einer der besten Stücke, die je geschrieben wurden. Und ich mag auch PHIL COLLINS und ELTON JOHN. Denn es spielt keine Rolle wie technisch anspruchsvoll ein Track ist. Herade diese beiden haben grossartige Songs komponiert – ohne grosse technische Achterbahnfahrten. Wobei, meine frühere Lieblingsband als ich noch in der Highscool war, war eigentlich DREAM THEATER. Heutzutage höre ich die zwar nicht mehr an. Aber „Images And Words“ ist immer noch eines meiner Lieblings-Alben. Sie haben ihren eigenen Sound kreiert und Progressive Metal quasi erfunden. Und wenn man bedenkt, dass die Scheibe anfangs der Neunziger aufgenommen wurde, wo es noch kein Pro Tools gab um zu tricksen, ist es wirklich beeindruckend, was die dort hinbekommen haben. Aber es ist auch schade, dass DREAM THEATER versucht haben, noch mehr nach Metal zu klingen. Es gibt wirklich viele junge grandiose und verrückte Metal-Bands. DREAM THEATER sollten nicht versuchen, mit denen zu konkurrenzieren."
FOR THE IMPERIUM
Neben all den Schwärmereien, gibt es aber auch Mucke, mit der Ville kaum was anfangen kann, wobei seine Antwort – angesichts des Sounds seiner eigenen Truppe – dann doch etwas erstaunt:
„Ich möchte keine Bands dissen. Aber ich mag diese ganze Metalcore- und Screamo-Szene nicht. Ich habe eh das Gefühl, dass es damit langsam vorbei ist.„
Auf weitere finnische Metal-Combos angesprochen gibt sich Ville aber eher diplomatisch zurückhaltend:
„Ehm, NIGHTWISH? Was soll ich sagen… Ich mochte das Album „Once“ und ich mag auch die neue Sängerin. Dagegen kann ich mit den neueren Veröffentlichungen nicht mehr so viel anfangen. Aber ich bewundere was sie tun, diesen Gigantismus. Aber manchmal klingt es so gross, dass es nur noch lustig ist."
"WALTARI? Ja, diese Truppe ist ein sehr gutes Stichwort - Waltari waren Pioniere für eine ähnliche Art von Musik, wie wir sie auch machen. Und ich bewundere sie wirklich. Das „The Big Bang Theory“-Album ist wirklich grandios."
FOR THE IMPERIUM
Einmal mehr ist es nicht weiter verwunderlich, dass eine derart abgedrehte Combo aus Finnland kommt, hält sich das Klischee der „Crazy Finns“ doch seit langem hartnäckig:
„Das ist nicht nur ein Klischee. Es ist ein verrücktes Land, im Guten und im Schlechten,“ gibt sich Ville nachdenklich. „Wir sind extreme Leute. Entweder sind wir total verschlossen und kontaktieren niemanden, sind asozial und deprimiert – oder wir sind total besoffen, schliessen mit jedem Freundschaft und gehen im Winter draussen schwimmen. Ich liebe Finnland, aber mit den Jahreszeitenwechseln habe ich Mühe. Es ist wirklich sehr dunkel, etwa 6 Monate des Jahres. Das zieht mich jeweils extrem runter. Aber ich liebe es hier im Sommer. Da feiern wir die Nächte durch und niemand geht schlafen.“
Ein weiterer Beweis, dass in Finnland alle etwas anders ticken ist auch der Umstand, dass FOR THE IMPERIUM in ihrer Heimat bereits mit ihrem Debüt-Album einen Major-Deal mit Warner Music einfahren konnten:
„Ja, das ist selbst für finnische Verhältnisse ungewöhnlich,“ ist sich Ville bewusst. „Warner war wirklich mutig uns zu signen. Wir hatten ein paar traditionellere Metal-Labels, die an uns interessiert waren. Die Band die nach uns bei Warner am meisten heavy ist, ist HIM, haha. Wobei, die sind gar nicht mehr bei Warner, somit sind wir allein auf weiter Flur. Warner wollte ein Risiko eingehen und ins Metal-Karussell in Finnland einsteigen. Ich hoffe es zahlt sich aus für beide Seiten. Unsere Gigs in Finnland waren zwar praktisch immer ausverkauft, was nicht so ein schlechtes Zeichen ist - und wir haben gute Feedbacks erhalten. Aber wir machen halt trotzdem nicht den Sound, den sie in Finnland im Radio spielen.“
FOR THE IMPERIUM
Dass die stilistischen Wildwüchse der Jungs nicht überall auf Gegenliebe und in der traditionsbewussten Metal-Szene, milde gesagt, auf teilweise ablehnende Reaktionen stossen würden, war dem Vierer von Anfang an klar:
„Ja sie hassen uns bereits, haha. Gerade hier in Finnland gibt es eine Gruppe, die den Metal wirklich traditionell mag. Und die verabscheuen uns! Sie hassen uns immerhin nicht so sehr, wie sie die Core-Bands hassen, haha. Am verhasstesten sind aber immer noch die Nintendo-Core-Bands.“
Dabei will die Kapelle doch für alle nur das Beste, wie sich auf die Frage nach der Bedeutung ihres Bandnamens herausstellt:
„Wir kämpfen für das ganze Imperium. Wir kämpfen für alle da draussen,“ stellt Ville ohne mit der Wimper zu zucken und ganz ernsthaft klar.
Und der Kampf für das Imperium soll natürlich nicht nur auf heimischen Boden, sondern bestenfalls weltweit, oder zumindest europaweit geführt werden:
„Ja, eine Europa-Tour hat absolute Top-Prioriät für uns. Diesen Sommer gehen wir zwar schon wieder ins Studio und nehmen unser neues Album auf und spielen in Finnland ein paar Festivals. Aber für Herbst/Winter ist definitiv ein Kreuzzug durch Europa geplant!“ Na da sind wir gespannt!
Überblick...