Rhapsody of Fire

:: KREATOR


Mille Petrozza (24. Mai 2012):

Also da ging es jetzt nicht darum, dass ein Gothic Part um des Gothic Parts Willen rein musste, es war vielmehr so, dass dieser ruhige Abschnitt einfach zum Song gehört.

KREATOR haben auch mit ihrem neuen Album "Phantom Antichrist" bewiesen, dass die Ruhrpottler unangefochten auf dem Thrash Metal Thron sitzen. Wir sprachen mit Mastermind Mille Petrozza nicht nur über den neuen Rundling, sondern auch über die Big 4, Einflüsse wie IRON MAIDEN oder die FIELDS OF THE NEPHILIM, sowie eine Bomben-Europa Tournee 2012 mit MORBID ANGEL, NILE und FUELED BY FIRE.

Interview by reini
Interview...

Nach dem Andy und letztes Mal dem Moses Schneider bzw. Colin Richardson zog es Euch diesmal nach Schweden ins Fascination Street Studio zum Jens Bogren. Warum der Tapetenwechsel, ich mein über die Klasse eines Jens Bogren brauchen wir nicht diskutieren, aber war Euch vielleicht auch ein Aufnahmeort außerhalb Deutschlands von Anfang an wichtig?

In erster Linie wollen wir immer mal weg von unserer Heimatstadt, damit wir nicht abgelenkt werden. Unsere früheren Alben sind ja zum Teil in Amerika entstanden, in Berlin haben wir auch schon aufgenommen, Hauptsache weit weg von unserer Heimatstadt. Das ist eigentlich das Wichtigste.
Warum Jens? Keine Ahnung. Wir haben einfach nach einem Produzenten gesucht, der uns hilft das Album so zu gestalten wie wir uns das vorstellen. Ich hab mich dann ein wenig umgehört und ein paar Produzenten angecheckt, aber Jens war der Erste den ich angerufen habe und hatte sofort ein gutes Gefühl.

Würdest Du mir – zumindest im Ansatz – zustimmen, dass „Phantom Antichrist“ Euer Hymnenhaftetest und auf jeden Fall auch Euer abwechslungsreichstes Album geworden ist?

Ja definitiv! Das sehe ich auch als Kompliment. Mir war es wichtig, dass wir uns nicht wiederholen und ich finde, dass „Phantom Antichrist“ von der Härte her mit „Hordes of Chaos“ und den anderen Alben davor mithalten kann, nur es gibt halt mehr Abwechslung, völlig richtig.

Das ist ja das faszinierende an KREATOR, dass ihr mich, trotz aller Zweifel die ich habe wenn ein neues Album ansteht…

Mille bricht in schallendes Gelächter aus…
Warum zweifelst Du an uns, wie kommt das?

Na nicht wirklich zweifeln, aber sowohl „Enemy of God“, als auch „Hordes of Chaos“ waren bei mir zwei volle Punkte Alben und da fragt man sich natürlich, ob die Neue das auch wieder schaffen wird können…aber und das muss auch gesagt werden, es ist einfach State oft he Art Thrash Metal…

Schön…

Du sagst es ja im Promozettel Deiner Plattenfirma so schön: „It will blow everything away, the “Big Four” have released in the past few years“.

Ja das seh ich auch so… *lacht*

Der Promozettel war natürlich pure Provokation. Ich bin natürlich totaler Fan von diesen Bands, aber man muss sich natürlich selber ein Ziel setzen, weißt Du. Wobei das war eine typische Plattenfirmengeschichte. Die rufen mich an und fragen völlig überraschend „Hey sag mal was über das neue Album“. Tja und das hab ich das gesagt.


Pic by Heilemania

Provokant könnte man ja sagen, dass Du Dir die Latte ja nicht wirklich sehr hoch legst

Stimm allerdings *lacht*

Ich mein MEGADETH und ANTHRAX haben gute, aber keine herausragenden Alben veröffentlicht, über METALLICA brauchen wir nicht viel reden…

Genau

Einzig die „World Painted Blood“ von SLAYER war wirklich sehr, sehr gut…

Die fand ich auch gut, definitiv. Aber alles in allem sind das unglaublich gute Bands, keine Frage. Ich würde auch niemals den Respekt vor solchen Bands verlieren, aber ich bin trotzdem der Meinung, dass man so was heutzutage auch sagen kann, da ich sonst immer so nett bin, darf ich das schon.

Diese akustischen Zwischenparts waren ja auch schon bei „Enemy of Gods“ und „Hordes of Chaos“ präsent, diesmal habt ihr meiner Meinung nach aber nochmal einen draufgelegt. Sind gerade diese – sagen wir -elegischen Parts, wo Du ja auch oft mit Deiner wirklich saustarken, ziemlich tiefen Singstimme brillierst, eines jener probaten Stilmittel um noch mehr Auflockerung und Abwechslung reinzubringen?

Das kann man so nicht genau sagen, weil das Alles ja passiert um einzig und allein dem Song zu dienen. Alles was wir auf diesem neuen Album gemacht haben ist in erster Linie dadurch entstanden, dass ich mich nicht hingesetzt habe und meinte, ok der Song braucht jetzt einen ruhigen Part, nein, der war deswegen nötig, weil ich eine Geschichte erzählen möchte und in dieser Geschichte ist das einfach wichtig gewesen. „Your Heaven My Hell“ hat ja zu Beginn so einen, wo ich mich ziemlich an IRON MAIDEN und FIELDS OF THE NEPHILIM orientiert habe, nichts desto trotz es klingt eindeutig nach KREATOR.

Wichtig war für mich in diesem Fall, dass ich den Anfang super ruhig beginne, weil ich ja die Geschichte von diesem Typen erzählen will, der als Kiddie von einem Priester vergewaltigt wird und als er erwachsen ist, möchte er alle Religionen dieser Welt auslöschen. Das ist eine Geschichte, die ich mir einfallen hab lassen und die musste musikalisch umgesetzt werden. Also da ging es jetzt nicht darum, dass ein Gothic Part um des Gothic Parts Willen rein musste, es war vielmehr so, dass dieser ruhige Abschnitt einfach zum Song gehörte.


Pic by Heilemania

OK, ganz ernst ist das jetzt nicht, aber bei manchen Songs bzw. Refrains hab ich echt das Gefühl gehabt, dass BLIND GUARDIAN auf einer heftigen Thrash Welle daher schwimmen *he he* „From Flood Into Fire“ und auch im Refrain des abschließenden „Until Our Paths Cross Again“

Das hat meine Freundin auch gesagt, ich weiß es ehrlich gesagt nicht, ich war nie der große BLIND GUARDIAN Fan, obwohl ich die Band sehr schätze. Wir haben uns da aber eher an IRON MAIDEN orientiert, es ist klar, ich weiß was Du meinst, meine Freundin kennt BLIND GUARDIAN und die hört es auch, die kennt dafür IRON MAIDEN nicht so gut. Im Kontext kann ich es nachvollziehen, aber natürlich haben wir uns jetzt nicht bewusst an einer anderen Band orientiert. „From Flood Into Fire“ ist so ein Song z. B., der hat auch eine ganz lange Geschichte. Theoretisch war der Song, bzw. der Versepart schon bei „Hordes of Chaos“ fertig, wir haben ihn damals aber nicht eingespielt, weil der Chorus noch fehlte. Damals gab’s auch den Anfang noch nicht, der Chorus war ein anderer, der Track war kürzer und kompakter. Der Moses Schneider (Produzent von „Hordes of Chaos“) hat den damals auch so abgelehnt, da haben wir den Song natürlich auch in Frage gestellt. Der jetzige Chorus entstand dann auch erst kurz vor der Produktion zum Album, das heißt der Song war der letzte der fertig wurde und er ist meiner Meinung nach auch einer der interessantesten auf dem Album.

Den wohl größten MAIDEN Einfluss hat ja der letzte Song des Albums, „Until Our Paths Cross Again“, da wirst Du mir ja Recht geben oder?

Definitiv! Der könnte fast von MAIDEN direkt sein. Obwohl ich mich natürlich nicht einmal im Ansatz mit Bruce Dickinson vergleichen möchte. Aber das sind so die Einflüsse weißt Du. Ich glaub die Einflüsse auf dem Album sind sehr stark von klassischem Metal beeinflusst. Natürlich sind wir nach wie vor eine Thrash Metal Band, aber wir machen schon so lange Musik, dass wir diesmal auch meinten, lass uns einfach mal melodische Leads und so Dinge machen.

Auch wenn es wohl eher unterbewusst passiert ist, aber mit diesen doch klassischen Metal Einflüssen könnt ihr vielleicht auch Fans erreichen, die jetzt nicht die totalen Thrash Maniacs sind?

Ja, vielleicht, weiß ich nicht, man muss sehen. Wir sind eine extreme Metal Band und das werden wir wohl auch immer bleiben. Wir haben es jetzt nicht bewusst darauf angelegt, man kann immer nur das machen was man fühlt und dann schauen wie es den Leuten gefällt. Jemand, der gerne GRAVE DIGGER hört, kann sich immer noch entscheiden ob er mal KREATOR hört oder nicht. Was aber ein Fakt ist, als wir Kiddies waren, da hörten wir alle Bands wie IRON MAIDEN, JUDAS PRIEST, SAXON, das waren unsere ersten Einflüsse. RUSH ist auch ein großer Einfluss.


Pic by Heilemania

Mille, wir beide sind gleich alt, damals waren das die Bands die gerade da waren – da hat es Bands wie GRAVE DIGGER noch gar nicht gegeben, oder die haben ganz andere Musik gemacht – die erste GRAVE DIGGER kannst Du mit heute nicht vergleichen.

Richtig. Die haben sich – so wie wir – auch entwickelt.

Wie sieht es mit den Songs aus, die Lyrics waren ja eh immer Deine Baustelle, aber hilft Dir beim Komponieren der Songs der Sami (Yli-Sirniö – KREATOR Gitarrist), oder ist „Phantom Antichrist“ zu 100% auf Deiner Kappe gewachsen?

Sagen wir mal so, es ist auf jeden Fall 90% mein Songwriting. Die anderen helfen natürlich dabei, das ist auch ganz, ganz wichtig, dass die mit ihrem Input da reingehen. Es ist definitiv kein Egotrip. Ich sage immer ich schreibe Songs und meistens ist es so, dass diverse Parts von den anderen geschrieben werden. Es ist mir natürlich ein Anliegen, dass die Songs die ich schreibe von den anderen unterstützt werden, Sami ist ein großer Einfluss, aber auch Ventor und sogar Spiesi, alle Drei helfen da total super mit.

Ihr werdet die USA zusammen mit ACCEPT beackern, was ich persönlich als ein vollkommen saucooles Package bezeichnen darf, hast Du für Europa ähnliches im Sinn, oder wird es da eher traditioneller zugehen?

Also wir spielen in Europa ein Paket mit MORBID ANGEL, NILE und FUELED BY FIRE. Ich hätte auch gerne in Europa mit ACCEPT getourt, aber das Package jetzt ist auch gut.

Mille ich bedanke mich für das Interview!

Reini, Danke Dir und ich hoffe, wir sehen uns auf der Tour, wenn wir in Wien Station machen.

Darauf kannst Du wetten Mille! Ciao!

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KREATOR - Hordes of Chaos (CD, 2009)
KREATOR - At the Pulse of Capitualtion: Live in East Berlin 1990 (DVD, 2008)
KREATOR - Enemy Of God (spec. Ed DVD) (CD, 2006)
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