Interview...
Ihr bezeichnet eure Musik als „Skater Thrash Metal“. Wer von euch ist eigentlich aktiv am Board unterwegs?
Johannes: Skaten bedeutet mehr als nur auf dem Rollbrett zu fahren. Es ist eine Lebenseinstellung, und einige Leute verbinden unsere Musik mit dieser Attitude, daher kam der Begriff „Skate-Metal“. Aktiv ist leider keiner mehr von uns. Mario hatte mal ein paar gute Angebote, aber er hat sich für die Musik entschieden. Wir sind alle nicht mehr top in Form, und es kann verdammt gefährlich sein total verkatert an einem Samstagvormittag im Pool zu sein. Es wäre fatal, wenn sich einer von uns z.B. die Hand brechen würde, oder wir unschuldige Passanten durch unsere Fahrweise verletzen würden.
Die Band ist also das Hobby Nr. 1, aber was war zuerst da: Die Leidenschaft fürs Skaten oder die für den Metal?
Johannes: Ich glaube das kam ungefähr gleich: Mit 12/13 Jahren, wenn du anfängst cool zu werden und dir die ganzen Skatevideos rein ziehst, bei denen coole Mucke im Hintergrund kommt. Das ist bei jedem von uns aber unterschiedlich. Ich bin zum Beispiel über die Jimi Hendrix Platten meines Vaters zum Metal gekommen.
Viele eurer Genregenossen singen über Mord und Totschlag. Eure, vermutlich nicht ganz ernst gemeinten, Lyrics handeln hauptsächlich von Bier und Party. Warum ist das so? Wer hat euch in dieser Hinsicht beeinflusst?
Johannes: Beeinflusst hat uns das Leben. Das klingt vielleicht ziemlich philosophisch, aber so ist es. Wir können uns persönlich einfach mehr mit Party und Spaß identifizieren als mit Drachentöten und Rittern. Und auch von Geschichte oder Spiritualität wissen wir zu wenig als noch irgendetwas Neues bringen zu können. Jeder Metaller hat doch in seinem Alltag genug Scheiße um die Ohren. Metal ist eine Erholungsinsel für die Seele, und dazu möchten wir beitragen.
Mittlerweile habt ihr mit Phil einen eigenen, nicht instrumental tätigen, Shouter für die Growls am Start. Werden die Death Metal- Einflüsse in Zukunft noch weiter ausgebaut?
Johannes: Bei uns läuft es wie im Swinger-Club: „Alles kann - nichts muss“. Die Mischung aus den Thrash-Vocals und den Death-Vocals mit dem ein oder anderen „BreeBree“ macht uns momentan viel Spaß, deshalb wird sich wohl in absehbarer Zeit nichts ändern. Aber wir haben auf dem neuen Album „Green Machine Laser Beam“ sogar ein Lied, bei dem Phil überhaupt nicht singt. Der Song heißt „Captain Quick And The Pirates“; wir wollten eigentlich einen typischen Prophecy-Song daraus machen, haben uns aber spontan im Studio entschieden eine Art Power-Metal-Persiflage daraus zu machen. Grund dafür war ein freier Abend im Studio ein SKULL FIST Konzert und einige Liter Gerstensaft.
TP23 goes Cartoon.
Wenn man sich bei euch die Zeit seit dem Release von „…To The Pit“ (Full-lenth Veröffentlichung von 2010, Anm. d. Verf.) anschaut, kommt man zum Schluss dass es mit euch stetig bergauf geht. Hat der Erfolg des letzten Albums eure Erwartungen erfüllt? Wo liegen eure Ziel mit dem neuen Release „Green Machine Laser Beam“?
Johannes: „… To The Pit“ war unser Debut Album bei einem großen Label (Massacre Records) und wir waren schon bevor es raus kam total geflasht, das wir überhaupt einen Plattenvertrag bekommen haben. Das die Scheibe dann aus dem Stand heraus noch so gut ankommt, hätten wir uns nie träumen lassen. Die Reaktionen der Fans auf den unzähligen Konzerten oder auf dem Wacken-Open-Air haben uns total umgehauen. Wenn es mit „GREEN MACHINE LASER BEAM“ so weiter geht, weiß ich nicht, ob unsere Lebern das lange mitmachen.
Reicht die Unterstützung des Labels aus um eure Träume von Ruhm und Reichtum zu verwirklichen?
Johannes: Um Ehrlich zu sein träumen wir gar nicht von Ruhm und Reichtum. Uns geht es darum, die Musik zu machen, die uns gefällt und das zusammen mit den Leuten die wir lieben. In der Metal-Szene geht es nicht um das große Geld sondern um den Spirit bei den Konzerten. Klar ist es praktisch, wenn du davon leben kannst aber bis dahin ist es ein langer und harter Weg.
Neongrüne Coverartworks sind eines eurer Markenzeichen. Wie kam es eigentlich zur Zusammenarbeit mit Illustrator Marvin Clifford (u.a. „MAD“-Magazin, Anm. d. Verf.)?
Johannes: Als Comicfans stehen wir schon seit Jahren auf den Stil von Marvin und da haben wir ihn einfach angeschrieben, ob er Bock auf Metal hat. Und er hatte Bock! Marvin ist ein sehr guter Mann und wir sind 100% zufrieden mit seinen Artworks. Mit dem Neongrün möchten wir das Plattenregal ein bisschen aufmischen, denn ich glaube in jedem noch so krassen Metaller steckt immer auch ein bisschen neongrün.
Ihr nehmt offen Stellung gegen braunes Gesindel (siehe Songtitel „Surf Nazis Must Die!“, Anm. d. Verf.). Hattet ihr bereits persönliche negative Erfahrungen mit Rechtsradikalen Zeitgenossen?
Johannes: Ja, leider. Zum Glück trifft man auf Metal Events nur selten Menschen, bei denen Vorurteile und Hass so stark präsent sind. Es war auf einem größeren Festival, bei dem wir als Besucher waren. Im örtlichen Biergarten hat eine Gruppe von Neonazis, die aussahen wie Metaller im Suff angefangen antisemitistischen Parolen zu grölen. Aus unserer Gruppe ist dann einer zum Anführer der Jugendlichen Nazis gegangen und die Lage ist verbal zunächst etwas außer Kontrolle geraten. Ich bekomme heute noch Gänsehaut, wenn ich daran denke aber ich werde es nie vergessen, wie auf einmal ALLE Metaller im Biergarten aufgestanden sind und die Nazis aus dem Biergarten vertrieben haben. Es wurde keine Gewalt angewendet, alleine die Überzahl der Metaller mit Verstand war so präsent. Wir haben einen Song über dieses Erlebnis geschrieben, der auch auf der neuen Platte ist: „No Followers – No Leaders“. Aber zum Glück passiert so was nur sehr sehr selten.
Danke für das Interview mit einer der originellsten Thrash- Bands die es derzeit zu entdecken gilt! Bitte noch um eine letzte Message an die Headbanger unter den Stormbringer-Leser!
Johannes: Danke ebenso! Wenn ihr Bock auf partytauglichen Thrash/Death habt, dann hört in unsere neue Platte “GREEN MACHINE LASER BEAM” rein und besucht uns im Pit oder auf www.theprophecy23.de . Bleibt dem Stormbringer-Zine treu, denn es ist genau dort wo Metal sein muss – in der Szene!
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