BATTLE BEAST - Battle Beast

:: LITA FORD


Lita Ford (14. Juni 2012):

Ich wollte einen Song für meine Kinder schreiben. Ich wollte einen Song schreiben, von dem ich hoffe, dass ihn meine Kinder eines Tages auch zu hören bekommen.

Mit einem bärenstarken Rockalbum namens "Living Like A Runaway" meldete sich die Queen des 80ies Rock/Metal eindrucksvoll zurück. Das sich hinter der rockigen Fassade der Blondie eine zutiefst verletzte und verzweifelte Mutter befindet, fanden wir in einem wirklich hoch emotionalen Telefongespräch mit LITA FORD heraus.

Interview by reini
Interview...

Du Lita, über „Wicked Wonderland“ müssen wir uns schon noch unterhalte. Ich persönlich war ja regelrecht geschockt von dem Album. Und ich kann mir vorstellen, die Die-Hard LITA FORD Fans, die haben ab da nicht mehr wirklich viel auf Dich gesetzt.

Das war aber auch kein LITA FORD Album. Das Ding hatte lediglich meinen Namen oben, da war aber genau gar nichts, was ich auch nur im Ansatz selber komponiert hätte oder so. Kurz gesagt, das war ein Projekt, welches mein ex-Mann zusammengestellt hat und welches er unter meinem Namen zu verkaufen versuchte.

Aber jetzt bist Du ja mit einem wirklichen Rockalbum zurück, einem verdammt starken obendrein. Für mich ist das Album ja fast schon ein Flashback in die mighty 80ies Rockscene.

Ja das ist cool. Wir haben die 80ies Einflüsse auf dem Album, es klingt aber niemals altbacken, verstehst Du?

In dieser Hinsicht hat Gary Hoey, mein Produzent, einen fantastischen Job abgeliefert, sodass „Living Like A Runaway“ wirklich up to date klingt. Die Songs sind irgendwie zum Leben erwacht und das war definitiv das Ziel welches wir hatten. Bei jedem Song war die Vorgabe, dass sowohl das Feeling, als auch die Emotion spürbar sein muss. Und es sollte natürlich niemals langweilen. Wenn wir draufkamen, dass in irgendeinem Part nur der Ansatz von Langeweile aufkommen hätte können, dann haben wir sofort versucht das Arrangement zu verändern.

Wir waren auch während des ganzen Prozesses ungemein fokussiert. Oft passiert es ja, dass beim Mix was danebengeht, dass beim Mastering sogar was verloren geht, wir haben versucht während all dieser Phasen nie den Fokus aus den Augen zu verlieren. Selbst beim Coverartwork. Natürlich gab es Stimmen die meinten „put a sexy photograph on the album“, ich sagte nur, dass diesmal die Musik dafür einfach nicht geschaffen sei, das ist kein „Kiss Me Deadly“ Record, und glaub mir, ich liebe „Kiss Me Deadly“! Dieses Album jetzt ist mehr eine Reise, mehr eine Geschichte, darum wollten wir auch, dass das Artwork diese Reise, dieses Living Like A Runaway widerspiegelt.

Einen der Songs auf dem Album hat ja der Nikki Sixx von MÖTLEY CRÜE geschrieben. „A Song To Slit Your Wrists By“ ist sicher – auch auf Grund seiner Industrial Einflüsse – der unrockiest Track auf dem Album.

Der Song ist ja sicher schon 15 Jahre alt und Nikki hat den damals für seine ex-Frau geschrieben. Ich weiß gar nicht mehr genau wie es passiert ist, aber auf einmal hatte ich diesen Track auf dem Desktop meines Computers. Nachdem ich den Track gehört hatte, schoss mir ein „ich hab doch gar keine Nikki Sixx Songs auf meinem Computer“. Es war, wie wenn Gott mir diesen Song einfach geschickt hätte. Ich hab dann Nikki eine E-Mail geschickt und fragte ihn woher stammt dieser Song? Er war von einem Projekt, dass Nikki mit u.a. Steve Gibb (Vocals) hatte und welches sich 58 nannte. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass gerade dieser Track sich wunderbar auf meinem neuen Album machen würde. Ich fragte Nikki dann, ob er mit einem ReMix von uns einverstanden wäre und fragte ihn auch, welchen Vibe würdest Du diesem Song heute geben? Nikki meinte Industrial-Like so NINE INCH NAILS mäßig. Das haben wir versucht umzusetzen und glaub mir es hört sich jetzt komplett anders an als das Original von Nikki.

„Mother“ ist ja für mich der wohl am meisten berührende Song, welchen ich in den letzten Jahren zu hören bekam. Wie hart war es für Dich derart offen und schonungslos Deine innersten Gefühle preiszugeben?

Oh Boy!
Ich wollte einen Song für meine Kinder schreiben.
Ich wollte einen Song schreiben, von dem ich hoffe, dass ihn meine Kinder eines Tages auch zu hören bekommen.

Mir wurden ja meine Kinder quasi weggenommen. Ihr Vater verbietet ihnen jeglichen Kontakt mit mir. Sie dürfen mich weder sehen, noch mit mir sprechen. So blieb mir nichts anderes übrig, als die einzige Kommunikationsquelle zu nutzen die ich habe und das ist dieser Song. Ich weiß nicht, ob sie den Song dieses Jahr hören werden, oder nächstes Jahr, aber eines Tages – und da bin ich mir sicher – werden sie diesen Track hören und dann werden sie hoffentlich auch die Wahrheit herausfinden.

Es ist eine traurige Geschichte, aber ich glaube es gibt viele Leute, die so etwas nachvollziehen können. Es ist ja nicht das erste Mal, dass Kinder unter der Scheidung von ihren Eltern leiden müssen.

In solch einer Situation müssen natürlich die Kinder immer beide Seiten zu hören bekommen.

Meine Söhne kennen meine Version gar nicht, die kennen nur die ihres Vaters. Und das sind halt hauptsächlich Lügen. Ja das ist „Mother“, ein wirklich unter die Haut gehender Song.

Das stimmt, ich hatte Gänsehaut beim ersten Mal als ich „Mother“ hörte!

Hattest Du? Fantastisch! Der Song ist ja darauf angelegt, dass man Gänsehaut bekommen soll. Passiert das nicht, hast Du wahrscheinlich nicht richtig zugehört. Das haben wir aber auch bewusst so komponiert, wir wollten diesen Effekt erzielen. Als Gary und Ich diesen Song zusammen komponiert haben, war uns bewusst, der kann furchtbar cheesy werden, oder so richtig atemberaubend. Ein Mittelding wird es bei diesem Song nicht geben.

Ich finde ja, das in einigen Passagen - wie beim Titeltrack, oder „Love 2 Hate U“ - das Album wie eine rockigere Version von DEF LEPPARD klingt.

Ich hör das zwar nicht, aber danke ich liebe DEF LEPPARD.
Zum Titeltrack gibt es aber eine nette Story: Wir hatten den Titel des Songs und des Albums schon vorliegen, aber noch keinen Song dafür geschrieben. Olly (Hahn – AOR Manager) von SPV Records kam zu mir und sagte, so nennen wir das Album, es wird „Living Like A Runaway“ heißen. Ich dachte nur, Ok cooler Titel, let’s go for it. Als ich dann mit Olly telefonierte sagte ich zu ihm: Was soll ich jetzt tun, ich hab den Song ja noch gar nicht geschrieben…

Aber das ging dann relativ schnell, denn wir mussten das einfach hinbekommen. Irgendwie kamen die Ideen aber so von ganz alleine. Ich telefonierte mit Michael (Michael Dan Ehmig), mit dem ich diverse Songs schrieb, und sagte zu ihm…

LITA FORD fängt am Telefon zu singen an

Run Baby Run

und Michael antwortete

Cross New York City

dann ich wieder

Run Baby Run

und Michael übernahm wieder

Through The Streets of L.A.

Und dann fingen wir beide gleichzeitig zu schreien an we got it, we got it

LITA FORD ist in ihrem Gesang nicht mehr einzubremsen:

Yeah You Can’t Slow Down | And You Can Never Stay | When You’re Livin‘ Like A Runaway

Danach frage ich Michael nur mehr, ob er eh alles auf Tape hatte und das war’s *lacht*

DEF LEPPARD ist ja ein gutes Stichwort. Du wirst zusammen mit LEPPARD und POISON durch die Staaten touren. Welche Erwartungen hast Du an dieses Package?

Ich glaube es wird fantastisch. Ich bin auch sehr, sehr geehrt, dass ich diese Tour mitfahren darf. Es gibt diesen Sommer ja nur eine Handvoll Tourneen von größeren Bands, daher glaube ich, dass es nicht nur eine perfekte Kombination ist, sondern, dass man einfach kein besseres Package hätte schnüren können. Dafür komm ich aber nicht nach Europa.

Jetzt hast Du mir meine nächste Frage vorweggenommen – wie schaut es mit Europa Dates aus?

Also gebucht ist bis jetzt noch nicht, aber ich hoffe, ich will unbedingt nach Europa kommen.

Lita, Danke für dieses wirklich offene und teilweise auch emotionale Interview, es war mir eine Ehre, ehrlich!

Ich danke Dir, es hat echt Spaß gemacht.

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