Interview...
Da ich mir ziemlich sicher bin, dass große Teile der österr. Metalheads mit LAKEI noch nicht wirklich was anfangen können, würde ich Dich bitten, dass Du uns die Band mal vorstellst bitte.
Hey, ich bin Øyvind und ich bin der Screamer in der Band. Ich habe die ganze Geschichte mit Arne, unserem Drummer zusammen gestartet. Als sich die Dinge so entwickelten, haben wir ein paar Freunde in unser Line-Up integriert. Ich hab in einer D-Beat Hardcore Punk Band namens LIVSTID zusammen mit Robert (Guitar) und Jack (Bass) gespielt, daher war es naheliegend die beiden auch in LAKEI spielen zu lassen. Unser zweiter Gitarrist Bjørn hat in einigen wirklich coolen Death Metal Bands gespielt und obendrein ist er ein enger Freund von uns. Man könnte sagen, dass wir eine fest verschworene Einheit sind, fast wie eine Familie.
Ich liebe Punk, dass ist einer meiner Haupteinflüsse, neben Old-School Death Metal natürlich. Unser Drummer ist mehr der pure Metal Fan, der ist dem Punk nicht so verbunden wie ich. Daher hat sich unser Sound aus diesen Strömungen entwickelt, irgendwie festgeknotet zwischen Hardcore, Punk und Metal. Uns war immer klar, dass wir kein Album machen wollen, welches in die komplett überschätzte und ekelerregende Black Metal Szene passt, welche wir hier bei uns vorfinden. Wir wollten etwas Ehrliches schaffen…
Gutes Stichwort, ihr kommt ja aus Bergen in Norwegen, und ich bin mir sicher, dass fast jeder mit Bergen hauptsächlich Black Metal in Verbindung bringt. Aber Eure (und jetzt zitiere ich Eure Facebook Page) Hardcore punk sludge metal noise Mixtur ist härter und böser als ein großer Teil der Black Metal Bands…
Wenn Du das sagst. Meiner Meinung nach ist Black Metal mittlerweile ziemlich berechenbar und langweilig geworden. Die komplette norwegische Metalszene wird faktisch mit den Ursprüngen und der Ästhetik des Black Metals überschwemmt. Und das Ganze klingt mittlerweile auch nicht mehr extrem, egal wie schnell man das spielt, es ist einfach nur vorhersehbar und überproduziert. Die Kultscheiben von damals, die waren weit aggressiver vom Sound her – wir wollten bewusst das Tempo drosseln und Experimente einbauen, natürlich war es uns auch wichtig, dass wir unsere Punk Roots nicht verleugnen.
Leute haben zu uns tatsächlich gesagt “you can’t play like that, that’s not how you’re supposed to play metal”. What the fuck is that all about!.
Dafür gibt es aber kein Instruction Manual oder?
Man kann nicht einem einfachen Rezept folgen, so in etwa wie wenn man Lasagne kocht. Sicher könnte man das, aber die Gefahr, dass das dann ziemlich schnell langweilig wird ist sehr, sehr groß. Wir glauben an das was wir tun, und ehrlich: fuck the rules! Ich hoffe ja schon, dass wir vielleicht die ein oder andere Metalband hier bei uns überzeugen können, dass sie sich auch einmal ein bisschen mehr zutrauen und nicht so klingen wollen wie jede andere Band hier bei uns.
Photo by Chris Andre Gilberg
Ihr habt ja 2011 eine selbst betitelte Demo Kassette auf den Markt gebracht. Das ist ja – bei allem Respekt für diese Aktion – eine ziemlich kultige Angelegenheit, aber bitte wie kommt man auf die Idee ein erstes musikalisches Lebenszeichen auf einem de-facto totem Medium zu veröffentlichen?
HaHa. Ja das stimmt, aber sehen wir es mal so, ein Tape ist verdammt cool, that’s all!
Die Underground Metalszene, sowohl Death, als auch Black Metal, wuchs und gedieh aus der Tapetrading Szene Anfang der 90er. Zusammen mit Fanzines half das Tapetrading eine komplette Underground Szene entstehen zu lassen.
Die Kassette mag zwar ein aussterbendes Medium sein, aber auch nur im kommerziellen Sinne, weil einfach kein Geld mehr investiert wird, aber speziell im Underground hat das Tape noch einen großen Stellenwert. Zuerst einmal macht es die wirklich geringe Auflage so interessant, auch gibt es einige Fans, die komplett auf solche Veröffentlichungen abfahren, die Collector und so weiter… Und es gibt uns als Band das Gefühl, dass wir treu zu unseren Wurzeln sind, Old School halt. Und das Wichtigste: Wenn Du Dir so ein Ding zulegst, dann weißt du, dass das Endprodukt welches du in Händen hältst, ein Low-budget Underground Release ist, der ohne jeglichen kommerziellen Druck und Marketing Bullshit entstanden ist. Es ist etwas reales, dass direkt von den Künstlern kommt.
Und wenn du es noch weiter spinnen möchtest: In vielen Plätzen dieser Erde haben die Leute noch gar keine CD Player, oder sie können sich einfach keine leisten, Indonesien ist so ein Beispiel. Wenn Du in diese Gegenden Deine Musik versenden möchtest, dann ist ein Tape noch immer die beste Wahl. Ich persönlich liebe ja Tapes, ich hab sicher eine Million selbstzusammengestellter Tapes zu Hause, die schnöde CD-Rs niemals ersetzen werden können – sorry!
Euer Debütalbum „Konspirasjoner“ wurde ja in den legendären Göteborger Studios Fredman vom Godfather des schwedischen Death Metals Fredrik Nordström gemixt und gemastert. Warum habt ihr Euch für Fredrik entschieden und wie war die Arbeit mit diesem legendären Produzenten?
Ich kann über Fredrik und Henrik (seinem Studiopartner) nur das Beste erzählen. Fredrik ist wahrhaftig der Master und es gab mehrere Gründe warum wir ihn ausgewählt haben. Natürlich weil er an dutzenden legendären Alben mitgearbeitet hat und seinen Beruf versteht. Er hat mit den Besten der Punk, als auch der Death Metal Szene gearbeitet – zum Beispiel wurden SKITSYSTEMs „Stigmata“ und MARTYRDÖDs „In Extremis“ im Fredman gemixt. Dann hat er ein wunderbares Gehör um einer Band einen eigenen Sound zu verleihen. Nicht einfach einen guten Sound, nein einen speziellen Sound, der auf deine Band zugeschnitten ist. Das gab uns von vornherein die Gewissheit, dass Fredrik einen super Job abliefern wird.
Sie haben uns dort auch wie alte Freunde aufgenommen und nach einer Woche intensiver Arbeit wurden wir auch Freunde. Zuerst dachten die beiden ja, dass unser Gitarrensound the most extreme, fucked up thing in the world sei. Sie sagten zu uns: “What the hell did you guys do, this is insane!” “I can’t fix this shit!” “Did you try to ruin your own record, or something?!”
Nach einer gewissen Zeit begann aber Fredrik zu verstehen was wir erreichen wollten und er erkannte, dass wir keine glatte, oder gar moderne Metalproduktion haben wollten. Dieser LAKEI war ein komplett anderes Biest. Als Fredrik dies, nach einer ca. 10 Minuten andauernden Phase der Frustration, begriffen hatte, wurde er ungemein enthusiastisch, wie wenn ein Blitz in seinem Gehirn eingeschlagen hätte.Er warf sich wie im Rausch über sein Mixing-Desk, denn plötzlich wusste er exakt wie unser Album klingen sollte. Sind Coole Guys, beide.
Photo by Chris Andre Gilberg
Irgendwie hat mich ja Euer Artwork fasziniert, dieser menschliche Totenkopf, der Lava kotzt. Entworfen hat das ja der mexikanische Künstler Santiago Armengod. Wie seid ihr auf den gekommen und ich kann mir vorstellen, dass der Zeitunterschied zwischen Norwegen und Mexiko nicht gerade förderlich war im Austauschen der Ideen und Entwürfe?
Santi ist unglaublich talentiert. Man findet einige seiner Arbeiten auf Justseeds.org. Santiago hat viele Cover für mexikanische Underground Punkbands entworfen. Bands wie ANTIMASTER oder NAGAF. Dadurch bin ich auch auf ihn gekommen. Er war sofort interessiert mit uns zu arbeiten, hat sich alle Lyrics durchgelesen und begann dann auch gleich die ersten Ideen auszuarbeiten. Und er hat es einfach fantastisch gelöst, für mich eines der besten Albumcovers der letzten Jahre.
Der von Dir angesprochene Zeitunterschied war natürlich completely fucked. Wir haben viele Ideen via Email ausgetauscht, aber natürlich mussten wir von Zeit zu Zeit auch miteinander reden, was dann bei uns irgendwann mitten in der Nacht war. Einmal musste ich sogar mal mit 10 Bier intus nach Hause hetzten nur um eine Skype Verabredung mit Santi einzuhalten *ha ha* Das hättest Du sehen müssen, ein nach Luft schnappender, schwitzender und betrunkener bärtiger Metalhead, der nach Hause sprintet in sein Mobiltelefon brüllt „Dreh meinen Computer auf, ich hab ein Date mit Santi via Skype“ – Du musst wissen, dass mein ca. 100 jähriger Computer geschlagene 20 Minuten braucht um hochzufahren… Was soll’s, ich hoffe nur, dass mehrere Bands auf Santi aufmerksam werden, er ist ein total netter Kerl und irrsinnig talentiert.
Die letzten Worte überlass ich gerne Dir Øyvind:
We would really like to do some shows in Austria, so hopefully we will see you on the road somewhere. Alright, thanks a lot for this interview and take care in the land of famous composers!
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