BATTLE BEAST - Battle Beast

:: ELUVEITIE


Chrigel Glanzmann (09. August 2012):

Sobald die gesehen haben wie ich aussehe, haben sie Angst bekommen.

Bereits zehn Jahre ist es her, seit Chrigel Glanzmann seinen langehegten Plan verwirklicht hat, keltische Folkmusik mit Göteborg-Death Metal in einer einzigen Combo zu vereinigen. Grund genug zusammen mit Chrigel einen Blick zurück in die steinigen Anfangstage von ELUVEITIE zu wagen.

Interview by symX
Interview...

Nicht jede Combo öffnet breitwillig ihre Archive, um ihre ersten musikalischen Gehversuche einer breiteren Masse zugänglich zu machen. Denn nicht selten sind solche Frühwerke eher bescheidener Natur und werden dementsprechend am liebsten unter den Teppich gekehrt. Nicht so bei der schweizerischen Folk-Metal-Institution ELUVEITIE, die mit der Wiederveröffentlichung ihres Debüt-Albums „Spirit“ (2006) und der Neuaufnahme ihres allerersten Demos „Vên“ aus dem Jahre 2003 (als amtliches „The Early Years“ – Package) das zehnjährige Band-Jubiläum feiert und mit berechtigtem Stolz auf ihre Anfangstage zurückblicken darf.

„Auf der einen Seite stimmt es zwar schon ein bisschen, dass man als Musiker immer denkt, die neuste Scheibe sei die beste“, gesteht Mastermind Chrigel Glanzmann ein. „Auf der anderen Seite ist aber jedes Album, das du machst – so klischeehaft dies jetzt klingen mag – irgendwie dein Baby und dir ans Herz gewachsen. Deswegen sind mir gerade auch meine frühen Longplayer sehr wichtig. Zudem spielen wir live auch noch heute Songs von unserem alten Demo „Vên“. Deswegen war es eigentlich auch sehr spannend, gewisse Stücke noch einmal neu aufzunehmen, mit dem Feeling wie wir sie heute spielen. Die Tracks wurden für die Neuaufnahmen aber nicht neu arrangiert, wir haben höchstens marginale Änderungen vorgenommen.“


Chrigel anno 2003

Wer die „New-Wave-Of-Folk-Metal“-Superstars (wie sie von ihrem Label ganz unbescheiden genannt werden) bereits einmal mit ihrer grandiosen Live-Präsenz auf der Bühne erleben durfte, wird sich aber kaum vorstellen können, dass Mastermind Chrigel Glanzmann in den Anfangstagen der Combo die fraglichen Musiker fast dazu prügeln musste, sich ihm anzuschließen.

„Ich hatte eigentlich bereits Mitte der 90er-Jahre die Idee eine Band zu gründen, die Metal mit keltischer Folk-Musik verbindet. Es hat sich für mich einfach irgendwie passend angefühlt, zumal ich beide Stile schon lange vorher geliebt habe und sowohl Metal gemacht als auch Folk-Instrumente gespielt habe. Aber mit einer solchen Zusammensetzung hat es lange nicht geklappt - wohl einfach aus dem Grund, dass diese Kombination Mitte der 90er bei den Musikern eher für Stirnrunzeln sorgte. Wenn man den Metallern erklärt hat, dass man noch was mit einer Flöte machen will, wurde man recht schnell für verrückt erklärt. Das Gleiche passierte mir auch mit Folk-Musikern. Sobald die gesehen haben, wie ich aussehe, schwarz angezogen, mit langen Haaren, dann haben die Angst bekommen, haha.“

„Es ist denn auch nicht selten vorgekommen, dass die ersten Gehversuche als Metal-Folk-Combo entweder ganz in die Metal-Ecke abdrifteten oder als waschechte Folk-Band endeten. Es war mir aber von Anfang an total wichtig, dass beide Stile gleichberechtigt und authentisch nebeneinander bestehen. Ich hatte den Anspruch, dass man die Metal-Seite ausblenden kann und immer noch ein guter und anspruchsvoller Folk-Song vorhanden ist, der für sich alleine zu überzeugen vermag. Und das Gleiche sollte ebenso für den Metal-Anteil gelten! Wir sehen uns denn auch nicht als Folk- oder Pagan-Metal-Truppe. Wir sind sowohl 100% Metal als auch 100% Folk. Beide Aspekte müssen unabhängig voneinander funktionieren.“


1. Line-Up von ELUVEITIE (2003)

Dass Chrigel zu Beginn ziemlich Mühe hatte, Leute für eine Band mit dieser Stilkombination zu gewinnen, war mitunter auch der Grund, weshalb er ELUVEITIE zuerst nur als Studio-Projekt gegründet hat, wie er erklärend anführt.

„Das lief anfangs sehr pragmatisch ab. Die Leute die ich angefragt habe, haben sich alle nicht gekannt. Damals habe ich die Stücke, bevor sie von den anderen Musikern eingespielt wurden, alle alleine bei mir zuhause aufgenommen. Die Instrumente die ich nicht selber spielen konnte – wie z.B. die Drums – habe ich programmiert. Somit konnte ich den anderen genau das vorlegen, was sie zu spielen hatten. Sie kamen in’s Studio, spielten alles ein – und gingen wieder nachhause. Das erste und letzte Mal, dass sich die Musiker aus dem anfängliche Line-Up gesehen haben war, als wir die Bandfotos gemacht haben.“

„Ich habe dementsprechend gar nicht unbedingt damit gerechnet, das Ganze live umzusetzen. Aber dann hat das Demo sehr gute Reviews bekommen und war sehr schnell ausverkauft. Und so hat‘s auch nicht lange gedauert, bis ich anfangs 2004 die ersten Angebote für Live-Auftritte erhielt. Dann stand ich natürlich vor einem Problem, da es de facto gar keine Band gab. Ich hatte damals ja einfach mal für eine Studio-Session zehn Leute zusammengetrommelt, die sich nicht kannten. Wir hatten noch nie zusammengespielt und verfügten nicht einmal über einen Proberaum, haha. Und das war dann der eigentliche Wendepunkt für ELUVEITIE. Ich hab in der Folge alle Studio-Musiker noch einmal angefragt, ob sie auch bei einer Bandsache dabei wären. Einige haben zugesagt, so zum Beispiel unsere Geigerin Meri, die seit den Anfangstagen dabei ist. Anderen war der Aufwand aber zu groß oder sie hatten schlicht kein Interesse daran. Ich hatte dann kaum mehr zwei Monate Zeit um die restlichen Ersatzmusiker zu finden. Das erste Konzert war somit ein völlig zusammengeschustertes Line-Up. Wir haben vorher auch nicht mehr als zweimal geprobt. Dementsprechend hat das Ganze auch nicht ganz tight geklungen, haha.“


1. Gig 2004:wahrlich ein zusammengewürfeltes LineUp -man beachte den älteren Herrn im Hintergrund...

Kaum vorstellbar, dass sich ELUVEITIE nach diesen holprigen Anfängen innerhalb weniger Jahre zu einem der erfolgreichsten Genre-Vertretern gemausert hat. Mittlerweile ist dies sogar der schweizerischen Tagespresse aufgefallen, was teilweise gar sonderbare Blüten treibt. So wird sich der eine oder andere eidgenössische Metalhead beim Durchblättern des BLICK (Pendant zur deutschen BILD-Zeitung) verwundert die Augen gerieben haben – war darin doch gar ein Tourtagebuch von ELUVEITIE zu lesen. Chrigel sieht diese Popularitätsentwicklung in der Schweiz jedoch ganz nüchtern:

„Ich finde das Ganze eigentlich cool, zumal es mir ziemlich egal ist, wer etwas über uns schreibt, solange es positiv ist, haha. Das Einzige über was ich ein bisschen schmunzeln muss ist der Umstand, dass so etwas einer Schweizer Band erst passiert, wenn sie im Ausland Erfolg hat. Erst dann wird sie interessant.“

Dass die Folk-Metaller seit Jahren auf einer internationalen Erfolgswelle reiten, zeigt auch der Blick in die beeindruckende Tourliste der Eidgenossen:

„Ja, wir sind bereits wieder seit Mitte Januar 2012 praktisch ununterbrochen unterwegs“, bestätigt Chrigel. „Wir haben mit Südamerika begonnen und sind danach mit CHILDREN OF BODOM durch die USA getourt. Besonders geil war das „70‘000 of Metal“-Festival. Dieses fand vier Tage lang auf einem Kreuzfahrtschiff statt, welches auf einer Karibik-Route von Miami bis zu den Turk-Islands und wieder zurück fuhr. Darauf gibt es drei Bühnen, worauf tagein tagaus Metal-Gigs stattfinden. Es hat dort alles – von Pools bis Restaurants. Es ist sogar alles ziemlich edel dort, mit dem feinen Unterschied, dass sich darauf nur schwarzgekleidete Passagiere befinden, haha. Wir waren zuerst zwar alle etwas skeptisch, weil’s auf dem Schiff für die Musiker wirklich kaum Rückzugsmöglichkeiten und keinen Backstage-Bereich gibt. Das heißt also, die Musiker haben sich mit den Fans bunt durchmischt. Das war aber schlussendlich alles total angenehm, auch wenn man sich häufig hat fotografieren lassen und Interviews geben müssen. Aber schlussendlich war es für uns wie Ferien.“


70'000 Tons Of Metal!

Diese Ferien haben sich ELUVEITIE auch wahrlich verdient, dauert doch die Helvetios-Tour gemäss Chrigel voraussichtlich noch bis nächsten Sommer. Wo da die Zeit für ein neuen Albums bleibt, weiß Chrigel zwar auch noch nicht so genau. „Aber ich habe bereits an ersten neuen Songs zu arbeiten begonnen“, verrät er. Na das sind doch schon mal gute Aussichten! Und bis dahin kann man sich die Zeit noch trefflich mit dem einen oder anderen ELUVEITIE-Gig und der gelungenen „The Early Years“-Box versüßen.

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