Interview...
CHRIS ADLER Photo Credit by: Ash Newell photography
Hi Chris, ich muss sagen ich bin ein bisschen überrascht. Ich hätte so ein brutalo Statement nicht erwartet, vor allem nicht nach „Sacrament“!
HaHa! Well ich glaube, dass war irgendwie Absicht von uns! Wir haben irgendwie realisiert, sowohl innerhalb der Band, als auch unser Produzent, dass wir mehr als nur eine Metal Band sein wollen. Besonders „Sacrament“ war ja zugänglicher, der damalige Produzent meinte wohl es sei sein Job viele Platten zu verkaufen. Diesmal wollten wir einfach beweisen, dass wir nicht softer werden, sondern eher das Gegenteil. Viele Bands, die wir so privat gehört haben oder immer noch hören wurden mit der Zeit immer softer und softer, genau das Gegenteil wollten wir jetzt umsetzen!
„Sacrament“ war ja einigermaßen erfolgreich. Platz Acht in den US Billboard Charts. Ist das jetzt so was wie eine Vorgabe für „Wrath“ oder interessiert LAMB OF GOD eine Chartplatzierung genau überhaupt nicht?
Also eine mögliche Chartplatzierung hatte für uns noch nie eine Priorität. Wir schreiben unsere Musik um glücklich zu sein. Da spielen weder Chartnotierungen, Verkaufszahlen, Radio Airplay oder ein mögliches Video eine Rolle – wir arbeiten einfach an Songs die wir mögen! Dieses Mal haben wir schon in einem sehr frühen Stadium beschlossen ein immens aggressives, rohes, powerfules Metal Album zu schreiben.
Und nichts anderes ist es geworden!
Oh good! Thank you!
Für mich klingt „Wrath“ sehr organisch. Irgendwie hat man den Eindruck ihr wäret Back to Basics gegangen. War das eine der Vorgaben für „Wrath“?
Ja! Sehr sogar! Gerade als junge Band hat man immer so die Vorstellung ein perfekt klingendes Album zu machen – ging uns genauso. Ich glaube auch, dass uns dies mit „Sacrament“ gelungen ist – die Produktion ist der helle Wahnsinn, aber als wir dies erreicht hatten, kamen wir drauf, dass diese Perfektion auch so seine Makel hat. Du verlierst einfach das Leben Deiner Musik dadurch, die Seele, auch die Energie bleibt weitgehend auf der Strecke. Dieses Mal war eher das Ziel, die Seele unserer Musik in den Vordergrund zu stellen, ihr Platz zum Atmen zulassen, ohne all diesen Studio Bullshit, der ja heutzutage von jedem verwendet wird. Wir haben all diesen Schnickschnack einfach aus dem Fenster geworfen und wirklich richtig old-school aufgenommen.
Wir darf man sich die Entstehung eines Songs bei LAMB OF GOD jetzt vorstellen. Arbeitet ihr im Team Eure Ideen aus, oder habt ihr so was wie einen Main Composer?
Also einen main Songwriter hatten wir noch nie. Fallweise kommt unser Gitarrist Will mit einer schon relativ gut entwickelten Idee daher und fragt so in die Runde „Hey Guys what do you think“? Aber sonst beginnt das immer relativ unspektakulär: ein Raum, zwei Gitarren, Bass und Drums. Einer von uns bringt was ein, ein anderer hat eine Idee dazu, oder greift das einfach auf und entwickelt es weiter, bei mir – für die Drums – ich spendiere dem Gehörten dann verschiedene Rhythmus Schemata. Ich bin auch gut im arrangieren, manchmal grabe ich Ideen aus, die wir schon vor einem Monat wieder fallengelassen haben, weil wir sie damals nicht weiter spinnen konnten… Alles Teamwork bei uns!
Ihr habt ja mit Josh Wilbur zusammengearbeitet. Der hat in der Vergangenheit Acts wie AVENGED SEVENFOLD, HATEBREED oder IT DIES TODAY schon betreut. So warum Josh und wie war’s?
Eigentlich ist das ja Josh erste Produktion an einem richtigen Metal Album gewesen. Bei den von Dir genannten Bands war er lediglich als Engineer tätig. Wir haben ihn hauptsächlich deshalb ausgewählt, weil er jung ist, er ist noch hungrig und er verstand es auch uns an die Grenzen zu treiben. Er hat ja auch schon für das „Sacrament“ Album die Drum Aufnahmen als Engineer begleitet. Da haben wir ihn kennen gelernt. Er hatte auch die gleichen Vorstellungen wie wir. Auch er war der Meinung, dass wir bei „Sacrament“ ein wenig die Ecken und Kanten verloren hätten, er wollte diese energische, „powerfulle“ Metalband zurück, die wir vor „Sacrament“ waren.
Josh meinte zu Anfang der Produktion zu uns „Ich möchte jetzt nicht als LAMB OF GOD Produzent bekannt werden, ich will euch einfach einen verdammt guten, rohen Sound verpassen“
Wir haben auch eine wirklich umfangreiche Vorproduktion mit ihm gemacht, verschiedene Ideen ausgearbeitet, schlussendlich hat er uns dahin gebracht wo wir hin wollten. Er holte die Aggressionen zurück, wir sind aus dem sterilen Käfig ausgebrochen und ich glaube das hört man auf „Wrath“ auch!
War Josh jetzt auch in die Arrangements der Songs involviert, oder war sein Job lediglich Euch einen Killersound zu verpassen?
Eigentlich beides! Natürlich haben wir die Songs allesamt selber geschrieben. Im Zuge der schon angesprochenen Vorproduktion haben wir alle Songs so aufgenommen wie wir sie geschrieben haben. Dann haben wir uns das Material mit Josh einige Male angehört, es wirken lassen, darüber nachgedacht, weißt Du es ist verdammt hart mitten im Songwriting objektiv zu bleiben. Diese Vorproduktion war wirklich sehr low-fi, ziemlich Basic, die haben wir uns dann alle mitgenommen, sie zu Hause mit ein paar Freunden (und einigen Bieren) angehört, im Auto uns berieseln lassen und auch darüber nachgedacht: was könnten wir unter Umständen noch wo ändern! Als die eigentlichen Aufnahmen dann anstanden hatten wir als Band diverse Ideen, Josh hatte auch so einiges an Ideen und die haben wir dann einfach alle mal ausprobiert. Im Grunde war das Gerüst schon fertig bevor Josh involviert wurde, aber er hat dann doch auch diverse Ideen zu den Arrangements beigesteuert.
Diese Digital Only Single zum Track „Set To Fail“ (VÖ-Datum 02.02.2009) – also so richtig der Airplay Song ist das ja jetzt nicht!
HaHa! Nein nicht wirklich.
Wie viel Sinn macht denn so eine Veröffentlichung jetzt. Oder kommt das nur, um für das Album noch mehr die Werbetrommel zu rühren?
Also meiner Meinung nach werden wir durch diese Single nicht wirklich neue Fans dazu gewinnen. Aber da wir ja hier in Europa eine neue Plattenfirma haben (Roadrunner Records) ist es für uns eine gute Gelegenheit die Band quasi noch einmal vorzustellen und das auf einem viel besseren Label als in der Vergangenheit. Für mich ist das auch insofern wichtig, weil wir den Leuten zeigen können was sie auf „Wrath“ erwarten wird. Viele werden sich wahrscheinlich nach „Sacrament“ gedacht haben, wir könnten noch softer werden, vielleicht sogar auf einen Radiohit schielen oder ein „Sell-Out“ Album produzieren, und „Set To Fail“, aber auch der auf MySpace geparkte Song „Contractor“ beweisen schon, dass wir genau das Gegenteil von alldem getan haben!
Wenn ich mich so zurück erinnere, als ich angefangen habe Metal zu hören.. Wir haben über Alben in Magazinen gelesen, sind am Release Tag in die Plattenläden gepilgert, haben uns die Musik dort angehört… Heute bekommen wir im Vorfeld Tonnen an Studio Videos, neue Songs schon Monate vor Release im Internet, oft findet man das Ganze Album schon Wochen vor der Veröffentlichung im Netz… sehnst Du nicht auch manchmal diese guten alten Tage herbei, oder sind all diese neuen Medien auch eine Herausforderung an eine Band?
Ich bin ja auch mit diesen Zeiten aufgewachsen. Ich hab diese freudige Erwartung auch immer gespürt, es war aufregend auf Veröffentlichungen zu warten. Ich kann mich noch erinnern, wie ich um Mitternacht in Plattenläden gegangen bin um Tapes oder Vinyl am Release Tag zu kaufen. Aber die Zeiten ändern sich nun mal. Wir können versuchen weiterhin die Vergangenheit herauf zu beschwören, oder mit der Technologisierung umzugehen. Sicher sind es gerade die Plattenfirma die mit dieser Situation am meisten zu kämpfen haben, aber für mich persönlich war es schon immer wichtig die Musik, die wir kreieren mit jedem zu teilen der sie hören mag. Es ist jetzt nicht Zwingenderweise mein Business Platten zu verkaufen, ich will auf der Bühne stehen und die Zeit genießen. Um das Business sollen sich die Plattenfirmen kümmern, ich kümmere mich darum ein Musiker zu sein!
Vor kurzem habt ihr ja diese gigantische US Tour zusammen mit AS I LAY DYING und CHILDREN OF BODOM bekannt gegeben. Wann zum Henker dürfen wir Euch in Europa wieder begrüßen?
Well nach der US Tour kommen wir ja nach Europa um METALLICA zu supporten. An den Day Offs werden wir diverse Co-Headlining Shows zusammen mit MASTODON absolvieren. Wir hoffen auch noch, dass wir diverse Festivals im Sommer spielen können.
Ja die METALLICA Shows. Die spielt ihr ja nicht in Österreich, da sind MACHINE HEAD ja mit dabei.
Ich weiß, aber freut Euch auf die Headlining Show, die wird uns wahrscheinlich auch nach Österreich bringen!
Überblick...