Interview...
Hails! Würdest zu Anfang dich und deine Band bitte kurz vorstellen!
Sicher! IRONWOOD wurden um 2006 herum gegründet, obwohl die Wurzeln der Band sowie einige Songs weiter zurückliegen. Wir stammen aus Australien und mit der Zeit hat sich unser eigener Sound aus einer Mischung von Folk, Progressive Rock und Black Metal entwickelt.
Unsere Hauptziele waren immer eine besondere Atmosphäre zu erschaffen, unsere Hörer an ferne Orte zu geleiten und unserer Liebe zur Natur und dem tiefen Respekt vor ihr Ausdruck zu verleihen. Für uns ist IRONWOOD genauso ein ökologisches, spirituelles und psychologisches Projekt wie es ein Musikalisches ist.
Nachdem wir für ein paar Jahre ein recht stabiles Line-Up hatten, gab es in letzter Zeit einige personelle Wechsel im Hause IRONWOOD. Momentan besteht die Band aus Henry Lauer an Bass, Gesang und Gitarre sowie Matthew Raymond als Vokalist, Gitarrist und Fieldrecorder. Wir finden, dass diese Zweimannbesetzung ziemlich vielversprechend für die zukünftige Arbeit wirkt, aber natürlich sind wir einem ewigen Wechsel unterworfen und momentan ist die Zusammensetzung der nächsten Ära von IRONWOOD ein ganz heißes Gesprächsthema. Währenddessen arbeiten wir schon an unserem dritten Album.
Euer neues Album 'Storm Over Sea' klingt großartig. Seid ihr mit den Pressereaktionen soweit zufrieden?
Zuerst einmal möchte ich dir für die netten Worte danken! Die Presse war bisher zumeist unterstützend, um ehrlich zu sein. Die Rezensenten scheinen den Spirit verstanden zu haben, die Idee, dass der Ozean mehr ist als ein großer Wasserkörper. Nicht nur auf positive Weise ist er ein Symbol für die unglaublich mächtigen Kräfte in der Welt und in uns selbst und er ermöglicht eine Verbindung zwischen der Menschenwelt und der Natur, welche es Wert ist, in all ihrer Schönheit erforscht zu werden.
Unsere Musik kreuzt viele verschiedene Genres und passt nicht so leicht in die üblichen Schubladen, wie zum Beispiel Extreme Metal. In anderen Worten erwarten wir von unseren Hörern einfach etwas mehr, als unsere Musik einfach im Hintergrund laufen zu lassen, während sie etwas anderes tun. Die Tatsache, dass sich so viele Rezensenten wirklich Zeit genommen haben, um die Musik von IRONWOOD gebürend zu würdigen, ist daher großartig.
Warum habt ihr euch entschieden euer neues Album als kostenlosen Download anzubieten?
Als wir 2009 unser erstes Album ':Fire:Water:Ash:' veröffentlichten, war es schon einen Tag nachdem die Leute ihre CDs bekommen hatten auf illegalen Downloadseiten erhältlich. Der Uploader war sogar jemand, den wir persönlich kennen. Manche dieser Seiten boten aber nicht nur den kostenlosen Download an, sondern verlangten auch noch eine Gebühr. Darüber waren wir natürlich äußerst verärgert, vor allem, da wir persönlich eine sehr starke Abneigung gegen Onlinepiraterie hegen, weil wir die Werke anderer Künstler respektieren.
Wie auch immer! Da das digitale Zeitalter sowieso nicht aufzuhalten ist, haben wir uns entschieden dem Ganzen vorzugreifen und unsere Musik frei zugänglich zu machen. Dadurch fühlen wir uns wenigstens nicht mehr so, als wären wir bestohlen worden. Das Album möglichst leicht erhältlich zu machen, ist außerdem auch im Interesse einer eher unbekannten Band wie IRONWOOD.
Wenn nun jemand ein positives Review liest, kann er sich selbst eine Meinung bilden, ohne das Risiko eines Fehlkaufs einzugehen.
Ich bezweifle zwar, dass dies unseren Tonträgerabsatz drastisch in die Höhe treiben wird, aber es wird uns sicher etwas bekannter machen.
Ich denke, wenn eine Strömung unabwindbar ist, dann bringt es auch nichts dagegen anzuschwimmen. Dadurch erntet man nur Frustration. Besser man antwortet entgegengesetzt. Das ist eines der Dinge, die uns der Ozean lehren kann.
Meiner Meinung nach könntet ihr bei jedem Label unterschreiben. Warum begebt ihr euch nicht auf die Suche nach einer Plattenfirma?
IRONWOOD waren nie dazu in der Lage auch nur das leiseste Interesse irgendeines Labels auf sich zu ziehen. Es gab zwar ein oder zwei Typen, die große Versprechen machten, aber sie nie einlösten. Das war natürlich reine Zeitverschwendung! Ich habe einige Reviews gelesen, in denen bemängelt wird, dass so viele mittelmäßige Kapellen einen Labelvertrag haben, während wir immer unabhängig bleiben. Sicherlich ist dieser Umstand nicht mit zu wenig Engagement unsererseits verbunden. Möglicherweise wirkt unsere Musik nicht so leicht verkaufbar, wie die anderer Bands, da man sie, wie gesagt, nicht einem besonderen Genre zuordnen kann. Natürlich bedeutet die zuvor angesprochene digitale Revolution, dass die Labels heutzutage sehr genau abwägen müssen, wen sie nun unter Vertrag nehmen und das verstehen wir auch. Würde jemand somit eher ein Risiko eingehen, oder lieber die sichere Option wählen? Auch die Tatsache, dass wir aus Australien stammen, hat vielleicht gegen uns gearbeitet, da wir uns sehr auf Übersee fokussiert haben.
Zumindest gibt es einige wenige Labels, die uns in Sachen Vertrieb unterstützt haben und dafür sind wir sehr dankbar.
Momentan sind wir zufrieden mit der Unabhängigkeit, obwohl wir natürlich ein ehrliches und engagiertes Label jederzeit willkommen heißen würden. Vergiss nicht, in dieser Angelegenheit waren wir immer offen für Kommunikation, auch wenn wir gelernt haben nicht die Luft anzuhalten!
Wie können wir uns den Songwritingprozess bei IRONWOOD vorstellen?
Er lässt sich in drei Abläufe einteilen: Zuerst kommt das Produzieren einer grundlegenden Komposition durch eines der Bandmitglieder, welche dann von allen arrangiert wird. Oder aber wir sitzen alle gemeinsam an einer Komposition.
Für uns bedeutet der Begriff Progressivität, 'irgendwo hingehen'. Wohin führt uns ein Song? An welche Orte geleitet er meine Vorstellungskraft? Auf welche Weise kann er das Drama, die Mystik und die Kraft der Natur reflektieren? Auf welche Weise kann er Parallelen zwischen diesen Kräften und der Reflektion derselben im Inneren eines jeden Menschen aufzeigen?
Daher kann dieser Prozess im Wald, an Stränden oder auch mitten in den Bergen einsetzen. Er setzt beim Gehen, Träumen und selbst beim Kochen ein. Melodien können dich echt in seltsamen Situationen im ganz normalen Leben treffen. Dahinter verbergen sich oft Vorschläge furiosen Riffings oder träumerischer Atmosphäre. Die Texte jedoch platzen zuletzt als vollwertige Poesie aus mir heraus. Ich weiß immer, wenn Lyrics in meinem Inneren sind und warten freigelassen zu werden, manchmal auch schon Monate im Vorraus.
Manchmal geht der Songwritingprozess auch erschreckend schnell vonstatten, er fließt praktisch in einem Strom von Inspiration dahin. Manchmal muss ein Song - vor allem die sehr Komplexen - auch erst zur Existenz überredet werden.
Ich denke unser kreatives Motto ist 'by any means necessary'!
Wie waren die Recordingsessions - eher relaxt oder stressig?
Wir mussten ein paar äußerst harte Deadlines einhalten, während wir auch noch mit Problemen in der Band und den komplexen Arrangements zu kämpfen hatten. Jedes mal, wenn wir in die Aufnahmephase übergehen, scheinen wir uns alle auf einer chaotischen Achterbahnfahrt zu befinden und 'Storm Over Sea' hat das IRONWOODsche Recordingtrauma wieder vollkommen bestätigt.
Auch in der Postproduction hatten wir einige Probleme mit einem Toningenieur, der nicht wirklich professionell arbeitete und uns einiges an Zeit und Geld gekostet hat. Glücklicherweise haben wir uns dann an Dan Swanö gewendet, der sowohl unseren geistigen Zustand als auch das Album rettete. Er erfüllte all unsere Vorstellungen und war dabei so gelassen und zugleich kompetent. Daher kann man sagen, dass wir den Aufnahmeprozess wenigstens anständig beendet haben.
Und wie immer gibt es auch erfreuliche Momente, wenn du zum Beispiel ein richtig gutes Solo gespielt hast, oder wenn du als Sänger die Blockade durchbrichst und harmonischer singst, als du es dir jemals zugetraut hättest, und so weiter.
Aufnehmen scheint wie eine Gleichung zu 'Schmerz ein -> Musik aus' zu stehen und wir schalten auf jeden Fall den Schmerz ein!
Könntest du bitte ein paar eurer Haupteinflüsse nennen?
Es gibt aber so viele! Momentan beschäftige ich mich aber ziemlich viel mit TOOL. Ihre Musik, besonders die auf 'Lateralus', dreht sich darum, dass man in der Dunkelheit gefangen ist, sich aber dann trotzdem für das Leben und das Licht entscheidet.
Das Resultat einer solchen Reise ist ein Geist, der zwar von Schmerz und Verlust gezeichnet ist, aber nichtsdestotrotz die Courage besitzt kreativ und optimistisch zu bleiben.
Diese Prämisse hat mir durch einige schwere Zeiten in meinem Leben geholfen und IRONWOOD würde es schlichtweg nicht geben, wenn mir TOOL über all die Jahre hinweg nicht Trost und Schutz gespendet hätten.
Ich finde die Idee, dass Musik eine solch große Wirkung auf das Leben von jemandem haben kann, sehr inspirierend. Ich stelle mir gern vor, dass die Musik von IRONWOOD irgendwann eine solche Wirkung auf unsere Hörer hat.
Zumindest vertreten wir den gleichen Ethos wie TOOL, nämlich die Suche nach einem Equilibrium zwischen Dunkelheit und Licht.
Natürlich können wir persönlich nicht immer unseren Idealen getreu leben, aber durch den kreativen Ausdruck können wir wenigstens mögliche Erinnerung daran schaffen, was wichtig im Leben ist.
Aus dieser Sichtweise betrachtet, fühle ich mich selbst etwas zu meiner eigenen Version von 'Life Metal' hingezogen. Musik, die dich mit Mut, Leidenschaft, Hoffnung und dem Entschluss, alle Hindernisse zu überwinden, erfüllt.
Was würdest du zu deinen musikalischen Favoriten zählen?
Diese Frage zu beantworten ist nahezu unmöglich, da sich mein Musikgeschmack von Miles Davis über NEUROSIS, von STEELEYE SPAN bishin zu PAVOR erstreckt. Es gibt aber einige Platten, die Wendepunkte in meiner musikalischen Entwicklung darstellen. Dazu gehören 'Animals' (PINK FLOYD), 'Anthems to the Welkin at Dusk' (EMPEROR), 'Colours' (BETWEEN THE BURIED AN ME), 'Woodface' (CROWDED HOUSE), 'Individual Thought Patterns' (DEATH), 'Nordavind' (STORM), 'Painting on Glass' (THE THIRD AND THE MORTAL) und 'Channelling the Quintessence of Satan' von ABIGOR.
Matthew hat die 70er Prog-Ecke schon längere Zeit nicht mehr verlassen. 'Kobaia' (MAGMA), 'Profundo Rosso' (GOBLIN) und 'In the Court of the Crimson King' (KING CRIMSON) sind seine Meilensteine.
Die australische Metalszene scheint momentan richtig zu boomen, vor allem die Black Metal Szene. Gibt es irgendwelche Bands, die du gern weiterempfehlen würdest, und was denkst du über dieses Phänomen?
Es gibt vier Bands, in die sich wirklich jeder einmal reinhören sollte:
1. STARGAZER: Ihr zweites Album progressiven, jazzigen Death Metals ist endlich erhältlich und stellt meiner Meinung nach eine der höchsten Leistungen musikalischen Ausdrucks dar. Diese netten Herren setzen einen extrem hohen Standard für die australische Szene und ich hoffe, dass sich mehr und mehr lokale Bands von der tiefgreifenden kreativen Kraft STARGAZERs inspirieren lassen.
2. THE VEIL: Diese Jungs haben die Genres Black Metal, Doom, Shoegaze, Folk, New Wave und viele weitere auf eindrucksvolle Weise zu einem atmosphärischen Ganzen kombiniert. Alles, was sie machen ist so reichhaltig und kraftvoll. Ihre Musik bringt dein Blut einfach zum Kochen. Ich denke, dass wir ihr Debutalbum für 2011 erwarten können und ich bin äußerst gespannt.
3.FUTILITY: Diese Band ist Canberras stadteigene Funeral Doom Kapelle. Ihre Musik ist zwar nicht besonders zerstörerisch, besitzt aber eine seltene Tiefe und Komplexität. Man kann für Stunden und Tage darin eintauchen, nur um immer wieder neue Reflektionen eines mörderischen und gleichsam verzweifelten Genies zu erfassen. Es ist echt erstaunlich wie erhebend solch düstere und bedrückende Musik sein kann. Sie dürften nächstes Jahr ebenfalls ein neues Album veröffentlichen.
4.PORTAL: Eine überraschende und oftmals erschreckende Interpretation dessen, was Death Metal sein kann. Die Jungs haben die Kraft dich aus der Realität in eine Welt dämonischer Antike zu entführen. Der Bandname ist also wörtlich zu nehmen! Es ist jedem ein Rätsel wie sie eine solche Atmosphäre erschaffen können und trotzdem unglaublich technisch bleiben. Death Metal könnte ihnen manchmal gar nicht ferner sein und diese Jungs setzen sich einfach über alle Vorurteile hinweg.
Besteht die Chance, dass IRONWOOD irgendwann live in Europa auftreten werden?
Leider besteht die Chance, dass IRONWOOD in der nahen Zukunft irgendwelche Konzerte spielen, momentan gar nicht. Möglicherweise werden wir den Weg zurück auf die Bühne finden, aber wir sind im Moment mehr daran interessiert an unserem dritten Album zu arbeiten, welches langsam schon Form annimmt.
Aber wenn dieses ominöse Label irgendwann auftaucht, werden wir vielleicht die Kontakte haben, um nach Europa zu kommen. Das wäre auf jeden Fall etwas, das uns sehr viel Freude bereiten würde.
Leider sind wir auch schon am Ende unseres Gesprächs. Die letzten Worte gehören dir!
Danke für das Interview! Ich möchte jeden einladen 'Storm Over Sea' herunterzuladen und reinzuhören. Geht dazu einfach auf unsere Homepage www.ironwoodsound.com.au.. Und wenn es euch gefällt, dann kauft es doch bitte! Das Artwork, das Booklet und die Verpackung verleihen dem Ganzen einen besonderen Reiz. Das ist uns genauso wichtig wie die Musik an sich. Eure Unterstützung bedeutet uns sehr viel und hilft uns mit IRONWOOD weiterzumachen wie bisher!
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