Interview...
Hey Juho. "Ukon Wacka" ist das erste Album nach eineinhalbjähriger Release-Pause. Kaum zu fassen, aber für KORPIKLAANI ist das der längste Intervall seit dem Beginn der Bandkarriere. Wie ist denn der Aufnahmeprozess für das Album verlaufen?
Wir haben dieses Mal die tolle Kollaboration mit Aksu Hanttu, der auch "Karkelo" produziert hat, fortgesetzt. Zusätzlich haben wir noch Tero Hyväluoma engagiert, der sich um die traditionellen Instrumente auf dem Album gekümmert hat. Wir haben im Sommer 2009 in Deutschland einen Akustik-Auftritt gehabt und dort war Tero an der zweiten Geige. Nachdem wir uns von seinem Talent überzeugt hatten, wollten wir ihn unbedingt in den Produktionsablauf integrieren. Es war einfach Zeit für uns einen weiteren Produzenten zu integrieren und wir haben es nie bereut - ganz im Gegenteil! Tero wusste wirklich was er tut und hat völlig neue künstlerische Aspekte in unseren Sound integriert.
Der Aufnahmeprozess für "Ukon Wacka" indes war nicht wirklich härter als die Arbeit an den Alben davor. Die etwas längere Zeitspanne zwischen "Karkelo" und "Ukon Wacka" kann man wohl am ehesten damit erklären, dass wir 2010 fast permanent auf Tour waren. Aber wir müssen dafür keine Rechenschaft ablegen. Wir haben das Album schließlich kurz vor unserer letzten Europatour mit ELUVEITIE fertiggestellt. Wir sind eben sehr oft auf Achse, aber es bleibt auch genug Zeit zuhause, die wir für das Songwriting und die Aufnahmen verwenden. Es gibt also keinen eindeutigen Grund für das "Aufschieben" von "Ukon Wacka". Ich würde nicht behaupten, dass unser "optimaler Album-Release Zeitplan" unterbrochen ist, wir spielen die Alben dann ein, wenn es sich richtig anfühlt. Wir wollen die Alben nicht so schnell wie möglich auf den Markt pfeffern. Wie die Zeit gekommen ist, dann gibt es halt wieder was Neues.
Euren Albumtitel erklärt der Promosheet als "a pagan sacrificial feast from ancient times, on which a special made beer richly flowed". Woher habt ihr die Idee für diese Story? Erzähl doch mal darüber.
Das Fest in deiner Frage beruft sich auf ein zeitgenössisches Festival namens Sonnwendfeier. In Finnland hieß es einst "Ukon Wacka". Ich denke, in Finnland bedeutet die Sonnwendfeier nichts anderes, als sich ordentlich betrinken zu können. An diesem Tag gibt es in Finnland wohl die größte Anzahl an Besoffenen, was die Sonnwendfeier eben nicht gerade zum Lieblingstag für die Rettungskräfte macht.
Doch in den alten Tage hatte das Fest eine tiefgründigere Bedeutung. Die Leute folgten gewissen Ritualen und opferten eine bestimmte Menge ihrer Feldfrüchte. Daraus erhofften sich die Leute einen positiven Effekt und Ukko, der Donnergott würde ihnen dadurch eine große Ernte bescheren.
Lest doch einfach den Auszug aus unserem Album-Booklet:
"The Bushel of Ukko" deals with "vakkajuhlat", a religious party held by one
or more village communities among the Baltic-Finnic society. This pagan feast
was called vakkove, vakkova and vakkue among the Izhorians. The celebration was
also occasionally held in holy groves. Only a bushelful of commodities, at least possibly
food, was sacrificed to begin with. Sacred beers brewed for the party
were also drunk. There were supposedly other sacraments to have been carried out at
the feast, e.g. kneeling in a circle or ritualistic dancing. There was a specific toast
of beer to be drunk at the party. This could be called a drinking bushel or the toast
of Ukko. The toast may have also been drunk in midsummer.
KORPIKLAANI taken from their MySpace Page
"Ukon Wacka" ist daneben auch euer bislang kürzestes Album, seid ihr bei Nuclear Blast unter Vertrag steht. War das denn beabsichtigt? Wolltet ihr bewusst die Quantität zurückfahren?
Wir denken nicht sonderlich viel über solche Sachen nach. Ist das Album im Endeffekt lang genug geraten und das Label akzeptiert es, ist die Sache erledigt. Es gibt also keine speziellen Gründe, warum das Album diesmal kürzer als die letzten Blast-Releases ausgefallen ist.
Ich finde ja auch, dass die Songs auf "Ukon Wacka" wesentlich kräfiger und lustiger ausgefallen sind, als auf euren letzten Alben. Würdest du mir da zustimmen? Und warum ist es das erste Album, das vollkommen auf Finnisch eingesungen wurde?
Ich kann dir da nicht wirklich zustimmen, denn für mich ist der Song "Ukon Wacka" der wohl melancholischste bislang. Dass wir diesmal alles auf Finnisch vortragen war keine bewusste Entscheidung, aber die Rolle der Sprache ist schon zuletzt von Album zu Album gewachsen. Es kann auch damit erklärt wären, dass Sänger Jonne in letzter Zeit vermehrt finnische Texte geschrieben hat. Ich kann dir nicht garantieren, dass wir diese Richtung beibehalten werden, aber Finnisch wird auf jeden Fall auch weiterhin einen großen Stellenwert für uns haben.
Ihr habt diesmal auch zahlreiche rockige Songs auf dem Album. „Päät Pois Tai Hirteen“ oder „Korvesta Liha“ sind ja weit stärker im 80er Jahre Rock als im Heavy Metal verankert. Bewusste Entscheidung?
Den 80s Rock kannst du nicht nur auf diesem Album hören, sondern auch auf all unseren anderen. Ich habe mehrmals darauf hingewiesen, dass man KORPIKLAANI als Mischung aus traditioneller finnischer Musik und 80er Jahre Rock/Metal ansehen kann. Von daher kann ich nicht sagen, dass sich diese Anteile sonderlich vermehrt oder vermindert hätten. Sie waren schon immer da und konnte immer schon gefühlt oder gehört werden.
KORPIKLAANI sind ja vorwiegend für lustige Sauflieder und "Gute-Laune-Musik" bekannt. Habt ihr mal daran gedacht, den Stil zu ändern und auf mehr Seriosität und Atmosphäre umzustellen?
Wir haben doch auch ernsthafte Lyrics! Die Leute vergessen das nur immer wieder. Wir sind keinesfalls eine pure Party Metal Band. Nur ein kleiner Teil unserer Songs handeln vom Saufen. An eine Stiländerung haben wir noch nie gedacht, da wir auch keine Gründe für einen solchen Schritt sehen. Wir haben unsere eigene, gut funktionierende Methode gefunden und legen den Fokus darauf, diese Methode stetig zu verbessern.
New Album
Der große Hype der Folk/Humppa Szene ist eigentlich vorbei. Aber KORPIKLAANI (und natürlich auch ELUVEITIE) verkaufen nach wie vor eine Menge Alben. Was denkst du über diese Szene? Siehst du da noch Möglichkeiten für die Zukunft, oder ist die große Zeit endgültig vorbei?
Um ehrlich zu sein, habe ich diesen Markt eigentlich nie so richtig verfolgt. Noch bin ich mir sicher, ob wir nach über zehn Jahren noch aufblühen und gedeihen werden. Time will tell. Es gibt keine Erfolgsgarantie und keinen Weg, den Erfolg erzwingen zu können.
Ich weiß, dass die Folk Metal Szene wahnsinnig groß und weit verstreut ist. Wir sind auch in der Lage, diese Größe nachvollziehen zu können. Europa ist der Kontinent, von wo der Großteil dieser Bands stammt. Dabei darf aber nicht vergessen werden, dass es verdammt viele Folk-Bands aus anderen Kontinenten gibt - beispielsweise Südamerika. Die südamerikanischen Fans sind sich der europäischen Folk-Bands bewusst, umgekehrt ist das aber überhaupt nicht der Fall. Die südamerikanischen Bands sind bei uns ja völlig unbekannt.
Unlängst ward ihr erst am 70,000 Tons Of Metal Cruise dabei - einem Schifft, das mit zahlreichen anderen Metalbands durch die karibischen Meere kreuzt. Wie ist denn das Ganze verlaufen und wie seid ihr da auf das Billing gekommen?
Diese ganze Idee von einem schwimmenden Metalfest ist einfach umwerfend. Und nachdem es das weltgrößte Metalfest auf einem Schiff ist, lässt es auch keinen Metalhead kalt. Was könnte eine bessere Location als ein Schiff sein? Niemand wird sich über die Lautstärke beschweren. Es gibt absolut keine Einschränkungen. Außerdem haben die Leute keine Sorgen, ihren Zug zum Zeltplatz zu erwischen - das einzige was sie tun müssen, ist nach einer Nacht voller Party in ihre Kabine zu fallen.
Wir haben zwei exklusive Shows gespielt. Im Laufe der letzten Monate haben wir einen Haufen neuer Songs geprobt, um sie live spielen zu können. Wir haben zumindest fünf dieser Songs dort gespielt. Die meisten von uns waren verdammt nervöst vor dieser "Premiere", mich lässt sowas aber kalt. Ich weiß nicht, ob wir die Songs wirklich gut genug gespielt haben, aber ich hoffe doch mal dass das Publikum nicht abgeschreckt davon war. Ich habe zumindest nichts Gegenteiliges bemerkt. Die Songs wurden ziemlich gut aufgenommen.
KORPIKLAANI taken from their MySpace Page
Anfang März startet ja die nächste Auflage des PAGANFEST, das von euch geheadlined wird. Bist du der Meinung, dass die Fans wirklich noch an diesem Paket interessiert sind? Jedes Jahr hört man vermehrt Kritik, dass immer wieder dieselben Combos in denselben Hallen zu sehen sind.
Ich hoffe doch inständig, dass die Tour eine große Menge an Leute anlocken wird. Wir müssen auf jeden Fall darauf vorbereitet sein, auch vor eher mäßigem Publikum zu spielen. Man weiß vorher halt nie Bescheid. Ich könnte aber verstehen, wenn gewisse Folk-Metal Fans vom ganzen PAGANFEST-Konzept gelangweilt sein könnten. Andererseits gibt es aber verdammt viele Lunatics da draußen, die sich immer wieder darauf freuen, ihre fast schon familiären Bands wieder begrüßen zu dürfen. Die meisten finden das Line-Up immer ok.
Das PAGANFEST war immer verdammt gut organisiert. Für uns ergaben sich da immer große Impressionen, viele positive Erfahrungen und es war stets eine große Herausforderung.
Hast du noch ein paar letzte Worte für eure österreichischen Fans übrig?
Stay alive! - Danke auch für deine Zeit Robert!
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