Slartibartfass - Philipp

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Haha, ich würde ihn gar nicht überreden, ich würde mit ihm zum Finntroll-Konzert fahren.

Mit "Schwarz Verhüllt" legen die deutschen Pagan-Metaler SLARTIBARTFASS ihr bislang stärkstes Album vor. Wir nutzten die Gelegenheit und quetschten Sänger und Gitarrist Philipp über die Hintergedanken und die Entwicklung des neuen Werkes aus.

Text: Django
Veröffentlicht am 15.12.2011

Hallo Philipp, danke, dass Du Dir die Zeit für dieses Interview nimmst.

Philipp: Hallo! Ich danke Dir für Dein Interesse an unserer Band.

Ihr habt ja aktuell euer inzwischen viertes Studioalbum "Schwarz verhüllt" herausgebracht. Wie sind denn die Reaktionen darauf bislang ausgefallen?

Philipp: Die Reaktionen waren durchweg positiv. Von vielen Fans haben wir begeisterte Rückmeldungen erhalten und das bestätigt uns natürlich. Viele loben den Reifeprozess, der auf "Schwarz verhüllt" deutlich wahrnehmbar ist.
Auch die Rezensionen sprechen dafür, dass das Album gut ankommt: Zum ersten Mal hat eines unserer Alben gleich mehrmals volle Punktzahl bekommen.

Wie sehr nehmt ihr euch überhaupt Pressestimmen zu Herzen? Seid ihr frustriert, wenn mal eine negative Kritik kommt, oder denkt ihr dann eher "Geschmäcker und Meinungen sind einfach verschieden"?

Philipp: Das kommt darauf an, wie die Rezension verfasst ist. Leider sitzen bei vielen Webzines oftmals irgendwelche selbsternannten Metal-Gurus, die die Weisheit mit Löffeln gefressen haben und nicht in der Lage sind, objektive Rezensionen zu verfassen. Die können vielleicht mit Pagan Metal allgemein überhaupt nichts anfangen, weil sie selber nur Thrash Metal hören und dementsprechend hat eine Pagan-Metal-CD, sei sie auch noch so gut, bei diesen Typen von vorne herein keine Chance. Auf solche Reviews pfeifen wir natürlich.
Was wir uns aber zu Herzen nehmen ist konstruktive Kritik, sofern sie uns nicht in unserer künstlerischen Freiheit einschränkt. Ein gut geschriebenes 7/10 Review ist meist mehr Wert, als ein vor Schleim triefendes 10/10 Review.

Wenn man so ein bisschen schaut, haben sich die Wertungen bei den Rezensionen mit jeden Album mehr in positive Richtungen verschoben. Offensichtlich ein Zeichen, dass ihr euch mit der Zeit auch weiterentwickelt habt. Seht ihr in dem Sinne "Schwarz verhüllt" als den Höhepunkt eures bisherigen Schaffens an?

Philipp: Ja, "Schwarz verhüllt" stellt auf jeden Fall den Höhepunkt unseres bisherigen Schaffens dar. Nachdem wir 2009 "Funkenfeuer“ veröffentlicht haben, erschien es mir unglaublich schwer, das Album zu toppen. Aber mit der Zeit wurde uns klar, dass wir mit "Schwarz verhüllt“ erneut einen riesigen Schritt machen würden.“Schwarz verhüllt“ ist in sich so stimmig, wie kein anderes unserer Alben. Das liegt zum Teil daran, dass es ein Konzeptalbum ist, aber es ist auch jeder Song für sich gesehen sehr ausgereift. Zudem ist es mit Abstand unser härtestes und düsterstes Album.

Ihr wart meines Erachtens bei den früheren Alben verstärkter im Viking- und Folk-Metal-Bereich zu Gange. "Schwarz verhüllt" hebt sich davon ein bisschen ab, wie ich finde und nähert sich teilweise dem Melodic Black Metal an. Ist das möglicherweise eure Marschrichtung für die Zukunft?

Philipp: Melodic Black Metal würde ich das nicht nennen, wir selber nennen es Avantgarde Pagan Metal. Wir haben uns weit vom „klassischen“ Viking Metal entfernt, indem wir sehr viel mit für diese Richtung untypischen Elementen, wie z.B. Synthesizern und elektronischen Klängen, experimentiert haben. Trotzdem sind auch nach wie vor folkige Elemente in unserer Musik vertreten, allen voran natürlich Jessicas Dudelsack. Auch inhaltlich hat unsere Musik gar nichts mit Viking Metal zu tun, den Texten liegt vielmehr eine Art Naturmystizismus zugrunde.
Diesen Weg, den wir ja ansatzweise schon auf der „Funkenfeuer“ eingeschlagen haben, werden wir auch in Zukunft verstärkt verfolgen.

Wie steht ihr überhaupt zu der Meinung, die vielerorts zu hören ist, dass die Pagan- und Viking-Szene durch viele schwache Releases so ein wenig dem Untergang geweiht ist?

Philipp: Ich glaube nicht, dass der alleinige Grund für den Rücklauf von Pagan Metal die unzähligen schlechten Bands und deren Musik sind. Es stimmt schon, der Markt ist überschwemmt von Newcomer Bands, die meinen, noch auf den Zug aufspringen zu können. Für den Hörer ist es dementsprechend schwer, aus dieser Masse die Perlen herauszupicken.
Zudem aber glaube ich, dass die Szene ein Stück weit erwachsen geworden ist und viele einfach keinen Bock mehr auf Trinkhorn-schwingende Totsaufwikinger haben. Der Trend geht eher wieder hin zu ernster Musik.

Kommen wir nochmal zu "Schwarz verhüllt" zurück. Meiner Meinung nach habt ihr euch kompositorisch mit der etwas düstereren und vor allen Dingen atmosphärerischen Ausrichtung selbst übertroffen. Lag es daran, dass hier einfach noch viele neue Ideen verwirklicht werden konnten?

Philipp: Das hängt vielleicht am ehesten mit dem Konzept des Albums zusammen. Erst durch die düstere und mysteriöse Seite der Musik kommt das inhaltliche Konzept des Albums richtig zum tragen. Wir wollten eine dunkle Atmosphäre schaffen, die den Hörer in ihren Bann zieht, damit er selbst zum Mitwirkenden der Geschichte wird, bzw. er sich selbst in den agierenden Personen erkennt.

Wer ist bei euch überhaupt für das Songwriting zuständig?

Philipp: Bei "Schwarz verhüllt“ war es so, dass Thomas und ich die Grundgerüste einiger Songs geliefert haben, die Hauptarbeit aber Vlad gemacht hat, indem er die Songs komplett überarbeitet und verfeinert hat. Die Orchester- und die Synthesizerparts haben wir dann gemeinsam komponiert. Sowohl die Idee zum Konzept als auch die Texte stammen diesmal allesamt aus meiner Feder.

Der Dudelsack wird diesmal etwas seltener eingesetzt, hat aber wiederum auch sehr prägnante Momente. Ich hoffe doch, er bleibt als Instrument in eurem Sound erhalten?

Philipp: Davon gehe ich aus. Dass der Dudelsack diesmal weniger zum Zuge kommt, liegt einfach daran, dass wir nicht krampfhaft versucht haben, ihn in die Songs einzubauen, sondern ihn nur da verwenden, wo er wirklich passt. Dafür ist Jessica diesmal allerdings stimmlich stärker vertreten.

Wo liegen Eure Einflüsse? Von welchen Bands, Künstlern oder von welchem lyrischen Material fühlt ihr euch inspiriert?

Philipp: Ich persönlich höre ein recht breites Spektrum an Musik, von klassischer Gitarrenmusik über 60er und 70er Musik bis hin zu Black Metal. Bei dem Rest der Band verhält sich das ähnlich, was auch der Grund dafür ist, dass man in unserer Musik sehr viele verschiedene Einflüsse finden kann.

Wenn man die Songtitel von "Schwarz verhüllt" mit ihrer Kapiteldurchnummerierung betrachtet, kann man wohl davon ausgehen, dass das Album einem lyrischen Konzept folgt? Worum geht es denn genau in den Texten?

Philipp: In der Tat handelt es sich bei "Schwarz verhüllt“ um ein Konzeptalbum. Wie auch schon bei der "Mär von der schönen Lau“ vom "Funkenfeuer“-Album sind auf "Schwarz verhüllt“ alle Texte wie ein Theaterstück aufgebaut. Dabei gibt es verschiedene Charaktere, die immer wieder auftreten. Der Protagonist wird mit verschiedenen ur-menschlichen Gefühlen konfrontiert und dringt dabei im Laufe des Albums tief in die menschliche Psyche mit all ihren Ängsten und Emotionen ein.

Und warum habt ihr diesen Albumtitel gewählt?

Philipp: Obwohl es, wie gesagt einen Protagonisten gibt, ist die eigentliche Hauptperson des Albums "eine schwarz verhüllte Gestalt“. In Anlehnung daran trägt das Album den Titel "Schwarz verhüllt“.

Ich muss gestehen, dass ich bei dem Artwork nicht viel erkennen kann. Was soll es darstellen und warum habt ihr euch dafür entschieden?

Philipp: Wie bereits alle unseren vorangegangenen Alben hat auch diesmal wieder der Künstler Wolfgang Greiner das CD-Cover gemalt. Wir haben ihm die Idee des Konzepts erklärt und ihm die Texte und Demoaufnahmen der Songs gezeigt. Das jetzige Album-Cover war direkt der erste Entwurf, den er uns geschickt hat, und wir fanden es auf Anhieb perfekt passend. Dass man nicht viel darauf erkennt ist beabsichtigt, der geneigte Hörer soll sich mithilfe der Lyrics und den Songs selbst ein Bild des Gesamtwerks machen.

Mal angenommen, du triffst auf einem Bahnhof jemanden, der gerade überlegt ob er zu einem SLARTIBARTFASS-Konzert oder zu einem FINNTROLL-Konzert fährt. Wie würdest du versuchen, ihn für SLARTIBARTFASS zu begeistern oder zu überreden?

Philipp: Haha, ich würde ihn gar nicht überreden, ich würde mit ihm zum Finntroll-Konzert fahren.

Apropos Konzert: sagst du uns zuguterletzt noch, wann und wo man euch im deutschsprachigen Raum in nächster Zeit live sehen kann.

Philipp: Gerade eben kommen wir von dem Battle Fest in Bonn zurück, über den Jahreswechsel wird es dann wieder etwas ruhiger. Im kommenden Jahr werden wir auf einigen Sommer Openairs spielen, bestätigt ist bereits das Barther Metal Openair. Dort haben wir vor ein paar Jahren schon mal gespielt und wir freuen uns riesig wieder an die Ostsee zu kommen. Ansonsten: Schaut einfach regelmäßig in unseren Terminkalender.

Möchtest du unseren Lesern noch eine persönliche Botschaft mit auf den Weg geben?

Philipp: Hört in das neue Album rein und lasst euch überzeugen.

Nochmals besten Dank für das Interview!


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