DARKHAUS - Rupert Keplinger

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Deutschland ist zum Touren deutlich besser geeignet, wahrscheinlich ist das hier im Moment der beste Musikmarkt weltweit.

Als DARKHAUS in Freising gastierten, bekamen wir die Gelegenheit für ein spontanes Pläuschchen mit Gitarrist Rupert, der mit uns über Touren, die Musikszene, Zukunftspläne sowie die neue EISBRECHER-DVD sinnierte.

Veröffentlicht am 12.10.2015

Hallo Rupert! Als erstes muss ich dich natürlich gleich einmal fragen, deine wievielte Tour ist das jetzt schon mit DARKHAUS?

(überlegt kurz) Wir waren mit UNZUCHT unterwegs, mit SUBWAY TO SALLY und mit LETZTE INSTANZ - dann ist es jetzt mit LORD OF THE LOST schon die vierte Tour.

Und, macht´s Spaß mit den Jungs?

Ja, sehr großen Spaß! Mit LORD OF THE LOST sind wir ja sowieso schon befreundet und haben früher schon versucht gemeinsam auf Tour zu gehen, aber da ist immer irgendwas dazwischengekommen. Aber jetzt klappt es endlich! Das ist großartig, weil die Band einfach super und total nett ist - es sind halt gute Freunde. Und die Jungs haben außerdem noch eine wirklich hilfsbereite Crew, die uns sehr viel hilft, obwohl sie das eigentlich gar nicht müssten. Es macht wirklich großen Spaß mit ihnen zu touren.

Und wie sieht es mit den Bandkollegen aus? Ihr kommt ja doch aus recht verschiedenen Ecken – gibts da manchmal auch so ein paar Reibepunkte?

Gibt es natürlich, klar! Wir sind ja auch nur Menschen. Aber das gehört ja auch dazu, sonst wär’s ja langweilig. Es hat ja doch jeder seinen eigenen Kopf und wir haben auch oft komplett unterschiedliche Auffassungen von den Dingen. Es gibt schon Reibungspunkte, ja.

Aber nichts das man nicht umschiffen könnte, nicht wahr?

Genau, uns vereint das gemeinsame Ziel gute Musik zu machen.

Was sind die Unterschiede für dich zwischen einer Tour mit DARKHAUS und einer mit EISBRECHER? Die Größe der Produktionen ist ja ziemlich unterschiedlich.

Da gibt es verschiedene Sachen, aber ich kann da jetzt natürlich nur aus meiner Perspektive sprechen. Der größte Unterschied ist, dass bei EISBRECHER praktisch alles für die Musiker gemacht und organisiert wird. Da brauche ich nur irgendwann aufstehen, dann hängt mir der Backliner den Bass um, ich mach Soundcheck, er nimmt ihn mir wieder ab, und abends hängt er ihn mir wieder um, ich spiele das Konzert, er nimmt ihn wieder ab, und fertig. Mehr brauche ich da im Prinzip nicht zu machen, dann und wann ein Interview und der Kontakt mit den Fans natürlich.


Bei DARKHAUS ist das eine ganz andere Geschichte, gerade wenn wir selber unterwegs sind und nicht als Supportband. Wir haben keinen Tourmanager, das mache im Prinzip ich. Das heißt, ich muss mich im Vorfeld schon um die ganze Reiseplanung kümmern, raussuchen welche Hotels wir nehmen und den Sprinter rechtzeitig mieten, mit dem man fährt. Das Merchandise muss kalkuliert werden, wie viel brauchen wir, wie viel können wir ungefähr verkaufen. Und dann noch: Was nehmen wir mit an Equipment, und wie kommt das ganze Zeug zu Start- und Endpunkt... und so weiter. Und wenn man unterwegs ist, ist es genauso. Man kommt am Club an, dann muss man erst einmal einen Ansprechpartner suchen, wie ist die Lage, wo ist der Backstagebereich, was ist mit dem Catering, können wir noch Handtücher für die Bühne haben, wo ist das Wasser für die Bühne, gibt’s noch Cola Light, wann können wir ausladen oder sonst was... Das heißt man ist den ganzen Tag beschäftigt mit so Sachen wie: Wo baue ich das Merchandise hin, oh da brauchen wir noch Strom, ... und so geht das eben den ganzen Tag. Da ist natürlich eine EISBRECHER-Tour im Vergleich dazu ziemlich erholsam.

Und welche macht dir mehr Spaß? Oder ist es ungefähr gleich?

Schwer zu sagen. Das kann man so nicht vergleichen, das sind zwei verschiedene Weilten. Ich finde beides toll, sonst würde ich es nicht machen.

Darüber hinaus bist du ja nicht nur im Metal-Bereich aktiv, sondern auch in anderen Gefilden - Stichwort Pop, PETER MAFFAY zB.... was steht bei dir derzeit noch so an Projekten an?

In der letzten Zeit habe ich weniger Songwriting für andere Künstler gemacht als früher, weil ich die meiste Zeit eben für DARKHAUS und EISBRECHER verwendet habe. Da musste ich das ein wenig zurückschrauben und konzentriere mich deshalb nur noch auf ein paar Sachen, die am meisten bringen - wenn man das jetzt einfach mal so betriebswirtschaftlich sagen darf. Geplant ist da im Moment eigentlich nichts konkretes, es kommen einfach ab und an Anfragen und wenn ich Zeit und Interesse habe, dann nehme ich welche an, und wenn nicht, dann lehne ich sie ab. Aber so etwas plane ich eigentlich nie, das kommt schon von selbst.

 

Mit EISBRECHER habt ihr ja erst kürzlich eure Konzert-DVD vorgestellt..

Ja, heute ist Release!

 ... die heute erscheint, genau! Und zwar habt ihr die in einem Kino in München vorgestellt. Das ist ja doch recht ungewöhnlich, aber hat richtig Stil finde ich. Wie seid ihr auf die Idee gekommen, eure DVD dort zu präsentieren?

Also die Idee kam nicht von mir, ich glaube, die kam von Alex oder vom Label, ich weiß es aber nicht genau. Das war super, hat richtig Spaß gemacht! Es war natürlich zwischendrin ein bißchen komisch, ich kenne das Set ja in- und auswendig, und dann schaut man sich auf einmal selbst zwei Stunden beim Spielen zu, naja... (lacht) Aber es ist ja nicht für uns gemacht, sondern für die Fans und die fanden es wohl sehr gut! Es war ein gelungener Abend.

Und ihr hattet auch Spaß im Kino.

Ja! Ich habe zwei Tüten Popcorn gegessen, einmal salzig, dann süß, dann war mir schlecht (lacht).

Aber gehen wir von EISBRECHER wieder zurück zu der Band wegen der wir gerade hier sind - gibt es da auch manchmal Terminkollisionen zwischen den beiden Bands, oder konntet ihr das bisher vermeiden?

Das haben wir bis jetzt immer gut organisiert bekommen. Wir arbeiten da sehr eng mit der Planung von EISBRECHER und PRO-PAIN zusammen. Zum Beispiel hatten wir letztens einen Gig beim NCN Festival in Deutzen bei Leipzig - am 6.9. war das - und das wurde dann so organisiert, dass PRO-PAIN am 5.9. in Tschechien spielten, gleich über der Grenze, also recht nahe. Gary und Marshall kamen also am 6.9. vormittags in Leipzig an, ich habe am Vortag mit EISBRECHER auf der Loreley gespielt und bin mit unserem Techniker, der auch dabei war, morgens nach Leipzig geflogen. Paul kam aus Hamburg, und hat Kenny, der direkt aus Florida kam, am Flughafen in Berlin abgeholt - und getroffen haben wir uns dann alle in Leipzig beim Konzert - und es hat sogar geklappt!

Das ist ja eine richtige logistische Meisterleistung!

Ja. Wir planen immer schon recht weit voraus, damit das funktioniert. Man kann bei uns nicht einfach so sagen, komm, am Wochenende haben wir Zeit, lass uns da ein Konzert spielen. Da muss ich erst einmal Flüge für unsere Amerikaner besorgen und alles Mögliche organisieren. Wir mussten leider schon die eine oder andere spontane Anfrage deshalb absagen.

Stichwort Planung - nach eurer letzten EP "Providence", die bei mir ja auf recht fruchtbaren Boden gefallen ist, wie sieht es da mit dem nächsten Album aus? Arbeitet ihr schon fleißig daran, oder seid ihr noch in der Startphase?

Ja, vor allem jetzt nach der Tour wird es richtig losgehen. Songwriting, die ganzen Ideen sammeln und auswerten, und dann wird aufgenommen und auf Hochglanz gebracht, so wie man es von uns gewöhnt ist. Wir hoffen, dass wir es in ungefähr einem Jahr, das heißt circa Herbst 2016, herausbringen können. Es muss ja ohnehin im Sommer schon fertig sein, wegen der früheren Abgabetermine für das Label, das heißt, wir müssen im Frühsommer fertig sein zum Mischen und Mastern - soviel Zeit ist da also gar nicht mehr!

Na da habt ihr ja schon einen vollen Terminplan. Habt ihr jetzt schon ein Ziel vom Sound her, eher härter wie auf "Providence" oder mehr in die radiotauglichere Ecke wie auf "My Only Shelter"?

Da haben wir uns keine einschränkenden Vorgaben gesetzt. Da wir wieder ein komplettes Album machen, wird es auf jeden Fall sehr vielfältig sein. Es werden bestimmt wieder ein paar harte Riffs drauf sein, aber da wird genauso auch wieder was Gefühlvolleres, Melodiöseres drauf sein. Das gehört einfach zu DARKHAUS dazu.

Aber jetzt muss ich doch noch kurz fragen... wer hat eigentlich zuerst vorgeschlagen, eine Band zu gründen... du oder Gary?

Das war Gary. Er ist an mich herangetreten, und hat gefragt, ob wir nicht mal gemeinsam etwas probieren wollen.

Dezidiert als Band, oder einfach als Projekt?

Ob so richtig als Band, das war zuerst noch nicht klar. Wir wussten ja gar nicht, ob das überhaupt funktioniert, ob wir gemeinsam Songs schreiben können, die wir beide gut finden. Das haben wir dann einfach ausprobiert, und es hat überraschend gut geklappt. Da waren wir selbst total erstaunt, weil wir beide nicht wussten, dass es zwischen der PRO-PAIN-Welt und der Welt, in der ich mich musikalisch bewege, überhaupt eine Schnittmenge oder einen Mittelweg gibt, den wir beide gut finden. Das war uns vorher so nicht bewusst. Aber als wir gesehen haben, oh, das funktioniert ja und es macht Spaß, war es relativ schnell klar, daß man das auch live spielen muss - also brauchten wir eine komplette Band dazu.

Machen wir zur Auflockerung jetzt einmal einen kleinen Wordrap... ich werfe ein paar Begriffe in den Raum, und du sagst mir, was dir spontan dazu einfällt.

Schwarze Szene: Schlange am Einlass
Apfelstrudel: Zimt
Fans: loyal
Konzertkritiken: sehr subjektiv gefärbt
Bier: immer gut!
Alex Wesselsky: (lacht) guter Freund!
Dixi-Klo: Festival! (verdreht die Augen und lacht)

Womit wir wieder den Bogen zurück schlagen zu Liveaktivitäten - habt ihr eigentlich mit DARKHAUS auch einmal vor in den Staaten zu touren?

Das würden wir liebend gerne, aber im Moment haben wir keine machbaren Pläne dafür. Für Rockbands kleiner und mittlerer Größe ist es recht schwer in USA zu touren, ohne finanziellen Schiffbruch zu erleiden. Deutschland ist zum Touren deutlich besser geeignet, wahrscheinlich ist das hier im Moment der beste Musikmarkt weltweit. Hier gibt es viele Städte auf kleinem Raum, das heißt die Fahrerei ist leichter zu bewältigen, die ganze Infrastruktur zum Musikmachen ist vorhanden. Außerdem gibt es viele Clubs, eigentlich gibt es in jeder Stadt mehrere in verschiedenen Größen zur Auswahl. Die Leute gehen hier auch noch viel auf Konzerte, was dir in anderen Ländern nicht passiert - es ist ja auch in Österreich schon schwierig. Warum spielen wir jetzt nicht in Österreich auf der Tour? Weil es sich meistens einfach nicht lohnt. Schade eigentlich! Wir sind morgen in der Schweiz, da wird es auch schwierig, da ist es sehr ähnlich. Kleine Szene, wenig los... Aber die Szene in Deutschland ist für Bands wie uns der Hammer! Es gibt noch viele Musikinteressierte, die bereit sind, Konzerttickets, CDs und T-Shirts zu kaufen und viele nehmen dafür auch eine lange Anfahrt in Kauf.

Ja, die Leute finden sogar hierher, wie man sieht!

Genau, und diese Leute machen es uns möglich, als Band zu existieren und weiterzumachen.
 

Darkhaus (c) Franz Schepers

Mir fällt es gerade wieder auf - so wirklich nach Österreicher hörst du dich auch nicht mehr an.

Ja, dafür bin ich einfach schon zu lange weg.

Ich habe auch irgendwo schon gelesen dass du oft schon als Deutscher bezeichnet wirst. Ärgert dich das?

Nein, überhaupt nicht. Das ist mir Wurst! (spricht das Wort betont österreichisch aus) Ich wohne schon so lange in Deutschland, wenn ich ein neues Konto eröffne oder so was Ähnliches mache, die fragen schon gar nicht mehr, sondern schreiben einfach "deutsche Staatsbürgerschaft" rein. Egal. (grinst und lacht ein wenig) Aber natürlich bin ich im Herzen immer Österreicher!

Das freut mich zu hören!

Mir wurde auch schon die deutsche Staatsbürgerschaft angeboten. Die habe ich aber abgelehnt - bringt ja nichts. Ich bleibe Österreicher.


Normal schließe ich meine Interviews immer mit einer Spaßfrage ab, aber nachdem der Wordrap dieses Mal diese Funktion übernommen hat, heute mal etwas ganz anderes. Gibt es eine Frage, die du unbedingt mal beantworten wolltest, aber die dir noch nie jemand gestellt hat?

Puuuh... (überlegt) Da fällt mir jetzt echt nichts ein.

Oder gibt es eine Frage die du einem Interviewer, wenn er oder sie gerade eine ganz blöde Frage gestellt hat,  am liebsten selber einmal stellen würdest?

Also was ich unter "blöde Frage" verstehe, ist zum Beispiel, wenn es eine Band schon ein paar Jahre gibt und man dann noch immer gefragt wird: "wie seid ihr eigentlich auf euren Bandnamen gekommen" und "wie habt ihr denn zusammengefunden". Das sind so Fragen, die kann man gerne bei den ersten Interviews stellen, aber so nach drei Jahren damit anzukommen, ist eigentlich völliger Quatsch, das steht eh schon alles im Internet. Da würde ich dann vielleicht zurückfragen, "und, wie bist du zum Journalismus gekommen?". Aber das ist dann schon wieder interessant! Nein, da muss ich passen, da fällt mir einfach nichts Lustiges dazu ein. Aber ich könnte mir noch ein schönes Schlusswort ausdenken.

Ja, sehr gerne! Der Klassiker: Was würdest du an dieser Stelle noch gerne deinen/euren Fans sagen?

Vielen Dank an alle, die so weit gelesen haben, dass sie noch das Schlusswort lesen! (lacht) Ihr seid spitze, und wir brauchen mehr von euch, damit DARKHAUS endlich die Welt erobern kann!

Jawoll, Weltherrschaft! Dann sage ich vielen Dank für das Interview, und viel Erfolg bei der Show nachher!

Danke, viel Spaß!


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