MASTODON - Brann Dailor

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The record company does never interfere with us. I think they are scared we would beat them up. We basically never hear from them, except: "cool, sounds awesome".

Wir treffen einen gutgelaunten und sehr gesprächsfreudigen Brann Dailor - Schlagzeuger der Band MASTODON - auf der Terrasse des Backstage-Bereiches der „Arena Wien“ zum Interview.

Text: Martin Sachsenhofer, Bella Markos
Veröffentlicht am 09.09.2016

Hi Brann, wie war die Tour bis jetzt für euch?

Es war sehr gut bis jetzt, die europäischen Festival-Touren sind zwar immer etwas stressig und anstrengend, aber es ist auch sehr nett ein paar Headliner-Konzerte zu spielen bei denen es etwas entspannter abläuft. Aber es läuft richtig gut, wir fühlen uns gut. Wir spüren auch, dass wir gut auf der Bühne performen und das Publikum ist toll. Wir sind ja gerade nicht mit einem neuen Album auf Tour und haben bereits viele Konzerte gespielt. Da ist es immer fraglich, ob die Leute kommen, um uns zu sehen. Aber sie kommen und das ist großartig.

Außerdem fühlen wir, dass es wichtig war wieder gemeinsam auf Tour zu gehen, es bringt uns näher zusammen. Wenn wir länger zu Hause sind, macht jeder seine Sachen und man driftet ein bisschen voneinander weg. Die Tour bringt uns zusammen und das ist ein guter Platz, um über die anstehenden Dinge zu reden.

Wie sieht der typische MASTODON-Tag aus, wenn ihr zurück in den USA seid?

Einige von uns sehen sich natürlich öfter als andere. Bill wohnt gleich um die Ecke von mir, also sehen wir uns sehr oft. (grinst)

Wir hatten ja von Dezember bis Mai sozusagen frei, also war Brent viel unterwegs. Er macht ja auch einige Sachen mit anderen Bands, aber genauso gern macht er Urlaub und relaxt und genießt das Leben. Er nimmt eine Auszeit von MASTODON. Das ist auch wichtig, denn MASTODON mit seiner ganzen Bandbreite, wie sie als Band seit 17 Jahren besteht, konsumiert deine Zeit, deinen Kopf, dein Herz, deine Seele. Es ist gut da mal eine Pause zu nehmen.

Manchmal kann ich es gar nicht glauben, dass es schon 17 Jahre sind. Es fühlt sich an als wären wir gerade gestern noch im Van getourt und hätten Baloney-Sandwiches gegessen. Das hätte vor zwei Wochen sein können und ich glaube wir sind noch nicht zu weit weg von dem. Ich tue etwas, dass ich liebe. Schon seit ich drei, vier Jahre alt bin spiele ich Schlagzeug und ich musste niemals erwachsen werden, bis jetzt nicht (lacht). Und das ist auch ein großes Privileg und sollte man nicht als selbstverständlich ansehen. Ich danke dem Universum jeden Tag dafür.

Brann schreit: Danke Universum!!!

Aber ich werde schnell gelangweilt, ich denke ständig an MASTODON-Zeug. Ich habe eine monogam-musikalische-Beziehung mit MASTODON. Ich habe zwar eine andere Band mit einem Freund gemeinsam – sie heißt ARCADEA. Wir proben nicht, aber wir haben jetzt eine Platte aufgenommen. Das war sehr lustig, etwas anderes und sie sollte hoffentlich bald erscheinen.

Zurück zu meinem normalen Tagesablauf: Ich stehe um 9 Uhr auf, trinke zwei Tassen Kaffee, auf Tour drei Tassen, denn da ist es schwieriger aufzustehen (grinst). Ich füttere meinen Dalmatiner, dann bringe ich meine Frau in die Arbeit, komme zurück nach Hause und wenn wir an diesem Tag nichts bandmäßiges tun, spiele ich Schlagzeug mit meinen Kopfhörern auf (Ein Set, 25 Songs, alles schnelle Sachen, damit man nicht einrostet). Da die Songs sehr fordernd sind, ist es wichtig immer in Form zu bleiben, deshalb versuche ich jeden Tag ein paar Stunden zu spielen, außer an den Wochenenden. Ich versuche mir vorzumachen, dass ich einem normalen Job nachgehe und am Wochenende verbringe ich gerne Zeit mit Freunden, die während der Woche arbeiten gehen. Ich habe keine Kinder, also koste ich die Zeit mit meiner Frau, meinem Hund und meiner Katze aus, für die Tage auf denen wir dann weg auf Tour sind.

(Brent klopft an das Fenster, grinst und winkt zu uns herüber.)

Und ich bin auch mit diesen Jungs verheiratet, mit drei Männern und einer Lady.

Gibt es etwas, auf das ihr euch besonders freut, wenn ihr nach Europa kommt?

Bier!! (Brann lacht)

Ich komme gerne hierher. Ich wünschte, wir würden in Salzburg spielen. Ich war dort leider erst zwei Mal und ich finde es ist eine magische kleine Stadt mit einem schönen grünen Fluß. Auch würde ich gerne zum Mozart-Festival gehen. Einmal das "Requiem" live erleben wäre schon großartig und steht definitiv auf meiner To-Do-Liste. Immer wenn ich die ersten Töne dieses tollen Stückes höre, fängt in mir etwas zu brodeln an und ich glaube es war auch eines der ersten Stücke, das mir die Augen für klassische Musik geöffnet hat. Und auch für die Möglichkeit, dass ich vielleicht mit Musik mein Leben bestreiten kann. Das alles Dank dem Film "Amadeus", den ich mit neun Jahren gesehen habe. Obwohl mir mein Vater immer Beethoven vorgespielt hat, als ich noch klein war. Immer wenn ich etwas verstimmt war und weinte hat er "Die 9. Sinfonie" eingelegt und sie hat mich beruhigt. Es wurde eine richtige Obsession, in jedem Restaurant fragte ich nach Beethoven-Burger, Beethoven-Milkshake, alles mußte Beethoven sein.

Natürlich freue ich mich auch auf die Museen. Wenn du in mein oder Brent’s Haus kommst ist alles von oben bis unten mit Kunst zugepflastert. Das ist etwas, von dem ich immer umgeben sein möchte. Ich wache in der Früh auf und bin umgeben von schräger Kunst. Das hilft mir wenn ich Lyrics oder Riffs schreiben möchte.

Was ist dran an den Gerüchten, dass ihr an einem neuen Doppel-Album arbeitet?

Ja, eigentlich schon, aber so wie ich uns kenne wird es dann auf eines reduziert. Alle Stücke auf einer Platte müssen Killer sein, es sollte da keine Lückenfüller geben. Wir werden sehen, im Oktober fangen wir mit den Aufnahmen dazu an.

Was ist dein Lieblings-Part, wenn ihr an einem neuen Album arbeitet?

Ich schätze, wenn wir zum ersten Mal gemeinsam einen Song spielen. Meistens ist die beste Version eines unserer Songs die, in der er gerade fertig gestellt wurde. Es ist ein magischer Moment, wenn wir vier da alleine im Raum stehen und spielen und uns allen die Haare im Nacken zu Berge stehen. Man erschafft etwas, niemand anderer sieht es und diesem Gefühl jagt man dann immer wieder nach.

Wurde es durch euren Erfolg einfacher künstlerische Freiheit zu erhalten?

Ja, die Plattenfirma lässt uns jeglichen Freiraum. Ich schätze die haben Angst vor uns. (Brann lacht laut) Nein, ernsthaft, sie greifen nie in einen unserer Prozesse ein. Wir hören eigentlich nie von Ihnen, außer: "klingt awesome, weiter so“! Bis jetzt war es großartig und auch die Plattenfirma hat einen tollen Job gemacht.

Was ist der Grund für den Producer-Wechsel bei jedem neuen MASTODON Album?

(Brann lacht) Es kommt drauf an, wer uns am bestimmten Tag auf Tacos einlädt!

Oft rufen uns Leute an und sagen, dass sie unser nächstes Album produzieren möchten. Wir hängen dann ein bischen mit den Leuten ab, lernen sie kennen, hören uns an was sie dazu bewegt mit uns zusammenzuarbeiten. Wir wissen natürlich genau was wir wollen.

Es gibt außerdem eine große Anzahl von Leuten, die ein großartiges MASTODON-Album produzieren können, aber normalerweise kommt es auf Verfügbarkeit, Zeit und auf die Persönlichkeit an. Manchmal ist es aber auch so, dass wir auf jemanden zugehen mit dem wir arbeiten möchten. Nick Raskulinecz (Produzent von "Once More 'Round The Sun") hat für viele befreundete Musiker die Alben gemacht oder Mike Elizondo (Produzent von "The Hunter"), bei dem wir uns dachten, es wäre interessant mit ihm zu arbeiten, obwohl er ja eher nur Pop und Hip-Hop Acts produziert hat. Und die Leute wurden schon sehr nervös als wir mitteilten, dass wir uns für Ihn entschieden hatten. Sie dachten, wir würden ein Hip-Hop Album machen, etwas das nicht auf MASTODONs Agenda steht. Wir sind sehr schlecht in Hip-Hop. (lacht)

Gibt es irgendeine neue, aktuelle Band deren Musik ihr sehr schätzt?

Hmm, neben den offensichtlichen wie NEUROSIS, MELVINS, KING CRIMSON, GENESIS, THIN LIZZY etc. fand ich das letzte QUEENS OF THE STONE AGE-Album sehr gut. Aber das ist auch schon ein paar Jahre alt.

Ich glaube, ich werde einfach älter. Man wird älter, die Gehörwahrnehmung wird schlechter und die eingefahrene musikalische Schiene lässt sich nur mehr schwer erweitern. Aber ich glaube, das ist meine Schuld. Leider wurde ich schon lange nicht mehr musikalisch richtig weggeblasen, was sehr schade ist, denn genau dieses Gefühl möchte man beim Hören erleben.

Euer Artwork, eure Videos und euer Merchandise sind immer sehr speziell und außergewöhnlich. Wer ist bei euch dafür zuständig?

Wir sind große Fans visueller Kunst. Ich versuche immer so viele Künstler wie möglich, deren Stil ich schätze, dazu zu bringen, T-Shirts für uns zu entwerfen und da haben sie auch freie Hand. Bei einem Album, wenn es ein Konzept gibt, haben wir genaue Vorstellungen und teils Vorgaben, die wir gerne umgesetzt haben möchten.

Am Anfang hatten wir ein Unternehmen, das für uns das Merchandise machte und es war furchtbar. Überall Rosen und Totenköpfe und es entbehrte jeglicher Kreativität. Das entsprach überhaupt nicht unseren Vorstellungen. Da beschlossen wir dies nun selbst in die Hand zu nehmen. Wir möchten nicht mit etwas in Verbindung gebracht werden, das nicht unserem Sinn für Ästhetik entspricht. Es gibt so viele talentierte Menschen da draußen und sie lassen uns unser Logo über ihre tolle Kunst aufdrucken.

Ich mag besonders die Mischung aus Kunst und Musik. Wir alle in der Band sehen zu Musik und Riffs immer einen Film vor unserem geistigen Auge ablaufen. Ich bin als Kind praktisch im Kino aufgewachsen, teilweise sehr schräge Filme, nicht den heutigen Einheitsbrei.

Danke für das Interview Brann. Es ist schön dass ihr wieder in Österreich spielt.

P.S.: An dieser Stelle auch ein großes Danke an jeden, der dieses Interview ermöglicht hat, insbesondere Warner Bros. Records.


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