HEAVEN SHALL BURN - Maik Weichert

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Da hat sich unser Sänger ganz schön gefreut, dass er mit dem Corpsegrinder ein Duett schreien und grunzen darf.

HEAVEN SHALL BURN veröffentlichen ihr neues Album und gehen direkt damit auf Tour. Maik hat uns im Interview verraten, welche Botschaft die Platte hat und wer da außer seiner Band und dem Corpsegrinder noch am Werk war.

Text: Lora
Veröffentlicht am 16.09.2016

Das Album [--> Review] ist endlich raus, am Tag davor habt ihr schon die erste Show dazu gespielt – ich glaube die Stimmung bei euch könnte schlechter sein. Seid ihr aufgeregt gewesen?

Das ist so als ob du eine siebenfache Mutter fragst, ob sie vor der achten Geburt auch noch aufgeregt ist. Natürlich sind wir schon ein bisschen aufgeregt, neue Dinge versetzen einen immer in Aufregung. Dennoch ist ein Plattenrelease schon ein bisschen Routine geworden. Ich würde jetzt nicht sagen, dass wir richtig aufgeregt sind weil die Platte raus kommt, wir freuen uns eher darauf. Ich würd es als freudige Spannung beschreiben, richtige Aufregung ist es nicht. Wir sind uns sicher, dass die Platte cool geworden ist und den meisten Leuten gefallen wird, bis jetzt war ja das Feedback auch ganz gut.

Ihr habt ja jetzt wieder drei Jahre Abstand zwischen dem letzten Album und dem aktuellen. Wie geht ihr denn ein Projekt wie ein neues Album an, habt ihr da irgendwelche Gewohnheiten?

Eigentlich nicht. Wenn der Produktionsprozess beginnt, gibt es schon Gewohnheiten, die ich aber nicht als Rituale bezeichnen würde. Es ist halt wichtig, dass ich mit unserem anderen Gitarristen Alex zusammensitze, der auch immer, wenn wir meine Riffs aufnehmen und produzieren, noch gute Ideen hat – das ist in der Hinsicht das Wichtigste. Wo das stattfindet und in welchem Rahmen ist da nicht ganz so wichtig. Wir haben‘s gerne, wenn wir nach einem Studiotag abschalten und nach Hause gehen können. Wir sind definitiv keine Band die sich da zwei Monate ritualisiert in einer schwedischen Blockhütte verschanzt und erst wieder rauskommt, wenn die neue Platte aufgenommen ist. Wir müssen da immer zwischendurch abschalten, mal nach Hause fahren – das ist für uns cooler und funktioniert besser. Man kann es nicht als Ritual bezeichnen, das ist eher ein kreativer Trott.

Ihr habt im Sommer ein paar Festivals gespielt, unter anderem das Vainstream, Rock Im Park und Nova Rock – geht das, wenn man eigentlich nebenbei im Studio ist?

Nein, das würde für uns nicht funktionieren. Zu dem Zeitpunkt war das Album schon aufgenommen. Ich könnte mir das schwer vorstellen, beides zu verbinden. Wir haben das zwar schon mal so gemacht: bei unserer vorletzten oder der vorvorletzten Platte hatten wir schon Konzerte bestätigt und haben aber im Studio länger gebraucht. Das funkt halt kopfmäßig schon ziemlich rein. Wir spielen mittlerweile doch schon bedeutende Positionen auf diesen Festivals und Bühnen, das ist also immer eine richtige Produktion für die man einiges an Vorbereitung braucht. Da kann man nicht schnell mal die Gitarre einpacken, hinfahren und spielen. Wenn man dann eben eine Woche Vorbereitung für eine Festival-Show hat, lässt sich nebenbei nur schwer eine Platte aufnehmen.

Direkt mit der Veröffentlichung des Albums geht ihr ja auch auf Tour, die mittlerweile komplett ausverkauft ist. Woher kam die Idee, das direkt hintereinander zu machen.

Wir wollten damit die Leute noch ein bisschen aufmerksamer auf die Platte machen, eigentlich eine ganz schöne Sache. Wir spielen jetzt auch endlich wieder kleine Clubshows auf der Tour, die innerhalb von 24 Stunden ausverkauft war. Wir wollen damit die Leute aufmerksam machen und in der Release-Woche präsent sein. Wir werden das auch medial mit einem Fotografen begleiten, werden immer wieder kleine Wasserstandsmeldungen, also Zwischenberichte, von der Tour rausgeben und so weiter. Da haben wir uns schon auch sehr drauf gefreut. Das ist auf jeden Fall besser als zu Hause rumzusitzen und ständig die Verkaufszahlen abzufragen. Wir sind da wirklich lieber draußen bei den Leuten und bringen denen sozusagen unsere Platte persönlich in ihren Lieblingsclub.

Stichwort ausverkauft: für eure Tour gibt’s keine Karten mehr - einen besseren Start kann man sich gar nicht wünschen, oder?

Ne, natürlich nicht. Wir haben aber gar nicht mit so einem massiven Feedback gerechnet! Natürlich sollte die Tour schnell ausverkauft sein, aber das da so ein Run entsteht und wir noch zwei Zusatzshows machen müssen um das halbwegs abzudecken weil die Leute so heiß drauf sind – das hat uns schon ganz schön stolz gemacht.

Wieso habt ihr euch eigentlich dazu entschieden, Clubshows zu spielen? Wenn man bedenkt, wie schnell die Karten weg waren, hättet ihr auch größere Hallen füllen können...

Wir haben das von vielen empfohlen bekommen, also unser ganz harter Kern der Fans - die uns Jahre, beziehungsweise jetzt schon fast Jahrzehnte, begleiten - wollte mal wieder eine Show wie in unseren Anfangstagen spüren, in einem kleinen Club. Da war das die ideale Gelegenheit dafür. Das ist jetzt noch nicht die große Hallentour zur Platte mit megacoolen Support-Bands und riesigen Bühnenshows. So ist das jetzt in kleinen Clubs, ganz ehrlich, ungeschminkt die Band und die Fans. Da freuen wir uns ganz besonders drauf, auch deshalb, weil man sich im Vorfeld mal nicht ganz so viele Gedanken machen muss, wir wollten da mal wieder die Zeit zurückdrehen: einfach losfahren, losspielen – so wie früher. 2017 wird es dann eine größere Tour geben, daran arbeiten wir momentan. Da spielen wir dann in ganz Europa, man kann es aber eigentlich auch als Welttournee bezeichnen weil wir auch zum Beispiel in Asien und Südamerika unterwegs sein werden.  

Diesmal gibt’s ja nicht nur was für die Ohren, sondern auch für die Augen. Mit zum Album gibt’s Fotos von Christian Thiele. Woher kam die Idee, für die Fotos und was hat‘s damit auf sich?

Wir wollten für den Albumtitel und das Konzept Naturästhetik haben. Eigentlich haben wir damit zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: mit Christian Thiele, der eben das Artwork erstellt hat, haben wir auch einem wahnsinnig talentierten, eigentlich einem der besten Nachwuchs-Landschaftsfotografen im deutschsprachigen Raum, eine Bildungs- und Arbeitsreise ermöglicht. Man kann sagen, wir haben damit ein kleines bisschen Künstlerförderung betrieben, für einen talentierten guten Freund von uns. Wir finden, er hat das Artwork und Booklet wirklich wunderschön gemacht, während er die Gelegenheit hatte, an Orte zu reisen, an die er jetzt vielleicht noch nicht gekommen wäre.

Abgesehen vom Fotografen gibt’s auf dem Album noch mehr Kooperationen. Wer ist denn da alles dabei?

Also wir haben an, in Anführungszeichen, prominenten Gästen jemand dabei, den ich mir wirklich sehr gewünscht habe: Frank Blackfire, der ehemalige Gitarrist von SODOM und KREATOR, der frühe einige meiner Lieblingsplatten eingespielt hat, mit denen ich aufgewachsen bin. Ein Wunschkandidat von unserem Sänger war George „Corpsegrinder“ Fisher von CANNIBAL CORPSE. Das ist sein absoluter Lieblings-Death-Metal-Sänger. Da hat sich Marcus ganz schön gefreut, dass er mit dem Corpsegrinder ein Duett schreien und grunzen darf. Unser alter Freund Adalbjörn Tryggvason von SÒLSTAFIR ist auch mit auf der Platte vertreten. Und noch ein guter Kumpel, Nick Hipa von WOVENWAR, hat ein Gitarrensolo beigesteuert. Das sollte eigentlich schon so schnell wie bei SLAYER werden, aber doch irgendwie melodischer sein, was wir in der Band nicht so gut hinbekommen haben. Da haben wir dann mal bei Nick angerufen der einfach zehnmal besser Gitarre spielt als ich, der hat das dann für uns eingespielt, was uns wirklich total gefreut hat.

Ich finde, eure Alben kommen nicht nur immer in einer absoluten Perfektion an, sondern haben auch immer eine große Botschaft bzw. ein allgemeines Thema. Wie sieht‘s dann da diesmal aus?

Wir haben auch diesmal ein übergeordnetes Thema, aber diesmal ist es eher nicht die politische Aggression die einem sofort ins Gesicht springt, sondern man erkennt das erst auf den zweiten Blick. Das Thema ist diese Ruhe vor dem Sturm. So „Wanderer“-mäßig raus in die Natur und die Einsamkeit zu gehen, seine Gedanken zu ordnen, Kräfte zu sammeln, über bestimmte Sachen nachzudenken die natürlich auch politisch sind. Das Album ist deshalb nicht weniger politisch, es ist nur nicht so plakativ politisch. Das Übergeordnete ist das Kraft sammeln in Ruhe und dann mit richtigem Timing im richtigen Moment wieder loszuschlagen. Bei dem Chaos und dem Aufstand, der jetzt in der Welt herrscht, muss man sich nicht auch noch an Sachen verbrauchen, an denen man sowieso nichts ändern kann. Man muss erstmal den Rauch verziehen lassen und dann im richtigen Moment losschlagen, um wieder was verändern zu können.

Welcher Song ist für dich persönlich der wichtigste? Oder was war für dich das wichtigste Thema, das du ansprechen wolltest?

Eigentlich ist jeder Song wichtig. Aber ein Song, der wirklich ganz besonders ist, ist „The River Of Crimson“, weil wir mit HEAVEN SHALL BURN noch nie so einen Song hatten. Der Song ist nicht politisch, sondern wirklich persönlich und davon inspiriert, dass der kleine Sohn eines guten Freundes der Band zum zweiten Mal Leukämie hat, gegen die Krankheit kämpfen muss und es gerade, Gott sei Dank, ziemlich gut aussieht, dass er wieder gesund wird. Der Kleine kam halt zu uns und meinte, wir müssen mal einen Song über Blut schreiben. Denn im Metal gibt’s so viel mit Blut, aber eben immer nur böse. Und eigentlich ist ja Blut sowas wichtiges und es ist so schön, wenn das Blut gesund ist. Also haben wir einfach mal einen Song über diese rote Armee geschrieben, die in einem fließt, einen beschützt und am Leben hält. So ist der Song etwas ganz besonderes geworden.

Wie würdest du das Album in den Kontext der vorherigen Alben einordnen. Ist es eine Weiterentwicklung, ein Neuanfang…?

Wir sehen unsere Platten immer als Weiterentwicklung. Wir versuchen Fehler, die wir bei vorherigen Platten gemacht haben, auszumerzen oder Sachen, die wir gut gemacht haben, noch zu verbessern oder beizubehalten. Dass wir uns mal rückbesinnen und versuchen zu klingen wie kurz bevor unsere erste Platte rauskam oder wie Anfang der 2000er Jahre, als wir mit „Antigone“ unseren Durchbruch hatten – sowas haben wir noch nicht gemacht. Wir versuchen immer vom aktuellen Sound auszugehen und den als Trademark beizubehalten. Wir sehen das einfach als Errungenschaft, als Band unseren Sound gefunden zu haben – viele Bands schaffen das nicht und sind dann nach zehn Alben immer noch auf der Suche nach ihrem Sound. Die aktuelle Platte ist also eine Weiterentwicklung ausgehend von der vorherigen Platte.

Gibt’s einen Unterschied zwischen den Studio-Versionen auf dem Album und den Live-Versionen, die wir ab Freitag auf der Tour hören werden?

Das wissen wir noch nicht so genau, wir haben‘s ja noch nie live gespielt! Nach dem Proberaum können wir sagen, dass wir vielleicht manche Songs ohne Intro spielen, weil es bei zu vielen Live-Intros sonst langweilig wird. Aber in einer Live-Situation kann es dann durchaus passieren, dass manche Songs schneller oder grooviger als auf der Platte gespielt werden. Live ist das immer eine ganz andere Sportart als im Studio. Das müssen wir mal sehen, wie sich das herauskristallisiert.

Dann wären wir auch schon am Ende. Möchtest du unseren Lesern noch etwas sagen?

Ich hoffe ihr habt schon das Album angecheckt und es gut gefunden. Vielleicht ist der eine oder andere drauf und dran bei den Club-Shows mitzumoshen und ist schon heiß auf die Tour 2017. Wir würden uns sehr freuen, viele von euch zu sehen!


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