AND THEN SHE CAME - Band

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Es ist selten, dass du die Freiheit hast, etwas anders zu machen. Die hast du nur, wenn du ein Debüt-Album machst. (S.C.Kuschnerus)

Wenn man alle vier Mitglieder von AND THEN SHE CAME vor sich hat, diese vier noch dazu eine Vorgeschichte als KRYPTERIA haben, und man sich gut versteht und viel Zeit hat, dann kann ein Interview ganz schön lange und vielschichtig werden.

Text: Lady Cat
Veröffentlicht am 25.09.2016

Eine bekannte Band (KRYPTERIA) bringt unter dem neuen Namen AND THEN SHE CAME ihr erstes Album auf den Markt. Und dann geht’s gleich auf Tour als Support von ARCH ENEMY und im Winter weiter mit einer eigenen Headliner-Tour in Südamerika.

Uff. Das schaffen nur ganz wenige Bands, dass sie gleich von Null auf Hundert springen. Was mag wohl das Geheimnis dahinter sein? Ich hatte die Gelegenheit alle Mitglieder von AND THEN SHE CAME nach ihrem Auftritt beim Grazer „Metal On The Hill“-Festival zu interviewen und erfuhr neben den mir brennend auf der Zunge liegenden Fragen auch noch ein paar weitere Details und Interessantes aus dem Leben des Quartetts aus Deutschland.

Es herrschte eine legere, lockere Stimmung, als ich mich mit der Band im Backstage-Bereich der Kassematten-Bühne traf. Da Sängerin Ji-In noch nicht anwesend war, startete ich damit, die drei Herren der ATSC-Schöpfung kennenzulernen. Rasch diskutierten wir über Musikgeschmack, die Vorlieben der Jugendzeit und dies und das. And then she came...

Hi, es freut mich, dass ihr euch alle Zeit für das Interview genommen habt. Da ich das Review für euer neues Album geschrieben habe, war ich natürlich gespannt darauf, die Band live zu erleben bzw. euch für das Interview zu treffen.
Ihr wart schon sehr bald heute Nachmittag auf der Bühne. Wie war die Stimmung? Wie hat es euch gefallen? Und natürlich, wie gefällt euch Graz?

Ji-In: Die Location ist ganz was Tolles, sehr speziell, etwas Besonderes. Ich glaube, das sehen die Leute genau so. Wann hat man schon so eine Kulisse zur Verfügung? – Insofern wurde es uns leicht gemacht, die Bühne zu genießen, bei diesem Ausblick auf die Kulisse.

Das hat man schon während eures Auftrittes gemerkt. Ich stand ganz vorne und man spürte die Power und Freude, die von euch rüber kam.

Frank: Und das um die Uhrzeit. Ich fand toll, dass man es aufmachen kann. Ist es heiß, ist es offen, und man hat eine gute Luft. Und bei Regen kann man es zumachen.

S.C.Kuschnerus: Das Line-Up ist auch stark für das erste Mal eines Festivals. Da kann man sich von vielen was abschauen.

Genau. Das liegt vor allem daran, dass es das Festival eines Labels ist, das viele Bands und auch große Bands unter Vertrag hat. Ich habe schon die Vorschau für 2017 gesehen. Headliner werden Blind Guardian sein.

Ji-In: (freudigen Tones) Fortsetzung folgt für das Festival.

Frank: Am Bauzaun hingen auch Infos über weitere Konzerte.

Hier in Graz ist viel los, mehr als in anderen Städten. Da es viele Firmen gibt und eine Uni und viele Studenten, gibt es viele Kulturineressierte. In meiner Heimatstadt ist leider nicht so viel los.

Ji-In: Eine Studentenstadt hat da was Gutes. Da kommt frischer Wind rein. Ich wünsche mir, dass wir noch Zeit haben werden, uns die Stadt anzusehen. Alleine beim Vorbeifahren war es sehr beeindruckend, was geboten wird. Aber leider ist es oft so, dass man nicht dazu kommt.

Macht ihr nur einen Tag Österreich?

Frank: Nein, zwei Tage. Wir waren gestern schon unten im Dom im Berg beim Festival, eine abgefahrene Location, noch abgefahrener als hier. Da unten kann man sich richtig verlaufen.

Olli: Ja, es war sehr spannend. Nur leider haben wir nicht viel von Graz gesehen, weil wir gestern die ganze Zeit auf der Autobahn waren. Es war viel Stau vor den Tunneln.

Mir ging es gestern ähnlich. Es findet hier in der Nähe gleichzeitig der Moto-GP mit über 100.000 Besuchern statt.  Da ist Stau vorprogrammiert. Viele haben deswegen ihre Termine versäumt.

Frank: Uns ging es nicht viel besser. Wir sind grade rechtzeitig gekommen, um DEVIL DRIVER zu sehen. Dann ging es spät ins Hotel zurück. Die Nächte sind kurz.

Fahrt ihr wieder retour nach Deutschland oder hab ihr weitere Gigs in Österreich?

Frank: Morgen fahren wir wieder retour.

Habt ihr schon mehrere Gigs gehabt, seit das neue Album am Markt ist? Oder seid ihr jetzt erst am Starten?

S.C.Kuschnerus: Ne, wir haben schon ein paar Gigs gehabt. Wir waren bei Festivals. Wir haben schon ein paar Shows mit ARCH ENEMY gespielt und es werden noch ein paar mit ihnen folgen in diesem Sommer. Das war nicht so einfach. Die Welt hat erst Ende April erfahren, dass es uns gibt. Wir haben relativ lange ein Geheimnis daraus gemacht. Das macht es natürlich für einen Konzertagenten nicht leicht, die Band entsprechend zu platzieren. Deswegen sind wir glücklich, dass wir nun schon so oft ran durften. Aber es wird dann intensiver und gegen Ende des Jahres kommt noch eine eigene Tour dran. Dann steht Südamerika auf dem Plan. Da freuen wir uns schon sehr drauf. Die stehen offensichtlich auf so eine Art von Musik wie wir sie machen.

Steht dann Napalm Records dahinter? Das Label ist groß und kann einiges bewegen.

S.C.Kuschnerus: Napalm Records macht viel. Jetzt haben sie schon wieder eine Nummer Eins mit Blues Pills (Irrtum, die stehen bei Nuclear Blast unter Vertrag, Anm. d. Red.). Das ist sehr bemerkenswert. Die Nummer Drei haben sie auch. Das läuft bei Napalm ganz ausgezeichnet.
Die Verbindung zu uns ist so, dass wir das eigene Label haben, weil wir die Unabhängigkeit wollen und auch die Möglichkeit, schnell mal wo zuschlagen zu können. Allerdings macht uns Napalm den Vertrieb und das hilft uns enorm. Ansonsten machen wir alles selbst, aber sie sind uns eine große Hilfe.

Frank: Auch über den Vertrieb hinaus bekommen wir Unterstützung, d.h. sie helfen uns, wo es geht. Bereiche, die sie gut abdecken können, da packen sie mit an und machen den Weltvertrieb für die Band und das Label. Wir haben Asien rausgenommen, das machen wir selber direkt mit Universal, und wir haben unseren eigenen Shop rausgenommen.

Derzeit ist es sehr schwierig voranzukommen – ich kenne einige Bands. Wenn man nicht die Unterstützung eines großen Labels dahinter hat, ist es sehr schwierig.

Frank: Richtig. Es ist auch mit Label schwierig genug, weil die Vielfalt extrem groß ist. Wir sind alle mit 150% Zeiteinsatz drinnen und den Rest haben wir outgesourced.

Das nächste ist, dass man von dem was man umsetzt, fast nicht leben kann.

Frank: (grinst) Wir leben nur von Luft und Liebe.

Ji-In: Ich nicht. Ich brauch mal ein Snickers zwischendurch. (alle lachen)

Frank: Dann schreibst du: Luft, Liebe und Süßigkeiten.

Das ist typisch Frau. Ich kenne das: Schokolade, Schokolade.

Frank: Ihr lebt nur von Süßigkeiten. (erneut lachen alle)

Da sind wir alle gleich. Wo die Männer das Bier zücken, haben wir die Schokolade.

Frank: Genau.

Olli: Das mach ich aber auch die ganze Zeit. Ich bin fünf-, sechs Mal zum Bus runter und immer wenn ich zurück kam, hatte ich so einen Snickers mitgenommen.

Ji-In: Wir wollen hier keine Werbung machen.

Frank: Hat wer was gesagt?

Ich hab nichts gehört.
Wieder retour zu eurem Album. Ihr habt vorher etwas anderes gemacht. Also nicht ganz was anderes, sondern KRYPTERIA. Das war Rock-Symphonic-Gothic. Mit ATSC geht es in eine andere Richtung. Ich habe nachgelesen: Aufgrund eines Soundtracks habt ihr diese Neuerung gemachht. Was ist euch jetzt lieber?

Frank: Das ist unterschiedlich. Aktuell war es so: wir arbeiteten an diesem Soundtrack. Und da gab es diese Entwicklung und wir waren mit Spaß an der Sache. Und sind dann dort hin gekommen, wo das Album jetzt steht. Der Sound wäre aber unter KRYPTERIA schlecht zu veröffentlichen gewesen.

S.C.Kuschnerus: Es ist selten, dass du die Freiheit hast, etwas anders zu machen. Die hast du nur, wenn du ein Debüt-Album machst. Da hast du eine richtige weiße Wand. Aber wenn du schon mit einem gewissen Nummernschild um die Ecke kommst, dann wäre das nicht so ganz passend. Insofern war es eine prima Spielwiese für uns, wieder bei Null anzufangen…

Frank: …und uns auszutoben und zu gucken, wo wir stehen.

Wo tendiert ihr für die Zukunft hin? Können wir irgendwann wieder was Neues von KRYPTERIA erwarten oder geht es mit ATSC weiter?

S.C.Kuschnerus: Wir sind eine vollwertige Band. Wir machen das nicht als Nebenprojekt. Es war ursprünglich als Soundtrack geplant, aber dann haben wir festgestellt, es passt so gut und wir müssen wieder raus. Wir waren mit Herz und Hirn bei der neuen Sache. Das musst du auch so machen, sonst verzettelst du dich.

Ji-In: Genau. Das mit dem Multi-Tasking ist bei mir nicht mehr.

Frank: Jetzt hast du den nächsten Aufleger: Herz, Hirn und Leber, nach Luft, Liebe und Süßigkeiten. (alle grinsen) Wir kommen dann noch auf den Schlachthof. (allgemeines Gelächter)

Ich muss mal meine Fragen checken.

Ji-In: Wir beantworten sicher eine Menge Fragen, die gar nicht gestellt werden.

Kein Problem. Für mich passt alles. Wenn man mehr Freiraum hat, erfährt man mehr.
Ich habe noch immer Fragen zum Album. Habt ihr Lieblingsstücke darauf? Wie arbeitet ihr? Macht jeder etwas oder hat einer die Hauptidee und die anderen liefern dazu? Wie geht ihr vor?

Ji-In: Unterschiedlich.
S.C.Kuschnerus: Da gibt es keine klare Regel. Es ist so, dass alle vier sehr kreativ sind und sehr viele Ideen haben. Du kannst davon ausgehen, dass jeder Song ein Gemeinschaftsprojekt ist. Natürlich kommt die erste Grundidee aus einer Ecke. Das heißt, da kommt der Olli mit 'ner Songidee an und dann gibt jeder seinen Teil dazu und zum Schluss klingt es nach diesen vier Leuten. Wenn jeder einzeln einen Song fertig machen würde, würde es nicht so klingen wie ATSC.

Olli: Weil es auch sehr spannend ist. Man wirft sozusagen eine Idee in den Raum. Und es kommt dabei nie das raus, was man sich bei dieser Idee eigentlich gedacht hat, aber das macht es so besonders, dass wir alle in unterschiedliche Richtungen arbeiten können oder auch arbeiten. Das heißt man wirft eine Idee rein, die nach Sound A klingt und raus kommt Sound X.

S.C.Kuschnerus: Das liegt sicher auch darin begründet, dass wir vier recht unterschiedliche Musikrichtungen und Einflüsse haben. Allein dadurch wird ein gewisses Spannungsfeld geschaffen. Das hatten wir früher schon so. Diese Kombination, die passt für uns. Deswegen haben wir das nicht geändert. Jeder soll sich da wiederfinden.

Ji-In: Schließlich muss jeder von uns damit leben. Es hilft nichts, wenn drei von uns auf der Bühne voll abgehen und der vierte kotzt sich an, weil er es so scheiße findet.

Frank: Das ist auch extrem wichtig, dass du ein Album machst, wo alle vier dahinter stehen.

Ji-In: Das ist schwierig. Man kann ja schon glücklich sein, dass wir vier es geil finden. Man weiß ja nie, ob es irgendwo auf der Welt einen fünften gibt.

Frank: Vier gibt es auf jeden Fall. Was sagst du dazu?

Ich fand auf dem Album einige Songs, die cool sind. Insgesamt dachte ich mir bei dem Album: Das muss man mögen. Da sind so viele verschiedene Sachen und Stile und Richtungen drauf, da muss man ein vielfältiger Hörer sein. Jemand der nur Musik in einer Richtung hören will, der wird nicht fündig. Für Leute mit einem Schienendenken wird es bei eurem Album schwierig.

Olli: Aber ist das kreativ, wenn man ein Album macht und mit einer Schablone drüber fährt?

(Allgemeines Verneinen)

S.C.Kuschnerus: Das Album ist natürlich etwas unkonventionell. Aber da sind wir natürlich bei dem Punkt, dass wir diese Unabhängigkeit haben wollen. Ansonsten weißt du nämlich schon, dass die Produktmanager oder Spezialisten sagen: „Moment! Die Fahrspur ist zu breit, das muss man einengen. Und dann macht doch bitte noch eine Ballade und macht eine Cover-Version. Deswegen kann man sagen, das ist ein sehr bunter Blumenstrauß, den wir hier anbieten. Auf jeden Fall ist er sehr ehrlich. Auch auf die Gefahr hin, dass manche Leute sagen: „Das ist mir zu farbenfroh.“ Bei diesen Leuten hoffen wir, dass wir sie uns erspielen können, wenn sie das ganze dann live sehen.  

Weißt du, genau so ist es mir vorhin während eures Auftrittes vorgekommen. Ich glaube, dass sehr viele die hier waren, euch bzw. das Album nicht kannten. Trotzdem war die Rückmeldung aus dem Publikum sehr positiv, das hat man gespürt. Ich war vorne im Fotograben und hörte von hinten die Rufe und das Klatschen. Das hat man nicht immer. Manchmal kommt eine „es geht“-Stimmung vom Publikum. Und dann ist es wie heute, dass alle voll mitgehen.

Frank: Um 19.00 Uhr wäre wohl noch viel mehr Bewegung drinnen gewesen, weil zu der Uhrzeit, als wir spielten, noch nicht so viel los war. Aber man merkt selbst, wie es sich entwickelt. Man sieht die Gesichter, wie die sich von Song zu Song verändern.

S.C.Kuschnerus: Das unterstreicht wieder, dass richtig ist, was wir vorhaben. Natürlich hätten wir sagen können, wir machen mit dem alten Nummernschild weiter, und dann würden wir nicht so früh spielen. Aber wir wissen, dass wir als neue Band mit dem neuen Album früher spielen. Wir sind bewusst rein gegangen, und das ist für jeden so. Und es ist uns wichtig, dass wir das auch so machen.

Ji-In: Es ist so wie du sagst. Da gibt es Leute, die brauchen ihre Schiene, wir nicht, und ich finde das gut so. Weil diese Abwechslung, die brauche ich selbst.

Wahrscheinlich ist es so: man bietet das an, was man selbst gerne mag – und dann gibt es die Fans, die genau das wollen.

Ji-In: Man denkt gerne in Schubladen. Das ist ok und das hilft auch. Wir haben das jetzt mal nicht getan.

Olli: Das ist das typische Klischee. Wir brauchen keinen Whirlpool. Wir wollen unsere Musik machen. Wir hätten den Whirlpool gehabt, wenn wir mit KRYPTERIA weitergemacht hätten. Wir nehmen es aber sehenden Auges in Kauf, dass wir nun nur ein Waschbecken haben. Aber das ist uns egal.

Frank: Wir wollten es offen angehen. Und das haben wir gemacht und das ist dabei rausgekommen. Es war nicht in unserem Sinn eine Schablone zu machen und da drauf zu pressen. Da haben wir darüber gesprochen. Das wollten wir nicht.

Ji-In trällert „Rii-siii-koooooo“

Frank: Also erst mal wieder in den Keller.

Ich denke mir, wichtig ist selbst dahinter zu stehen. Wenn man zufrieden ist mit dem Produkt, und dahinter steht, dann läuft es auch.
Andererseits – Wie ist es bei euch in Deutschland derzeit? Gehen auch immer weniger Leute auf Konzerte?

Frank: Die Vielfalt ist so groß. Es ist extrem, weil die Bands alle unterwegs sind, um Geld zu verdienen, und über andere Wege in der Musikindustrie aber schwer Geld zu verdienen ist. Und deswegen gibt es ein Mega-Angebot. Und die Leute, die zu Konzerten gehen, die auch nicht grad günstig sind, die teilen sich dann auf das große Angebot auf. Ich glaube schon, dass Live ein gutes Geschäft ist und dass viele Leute nach wie vor auf Konzerte gehen, weil es auch ein ganz anderer Eindruck ist, als eine CD zu hören. Du bist dabei, du atmest was da passiert. Man könnte sagen, dass das Publikum, das genau so groß ist, wie es vor 20 Jahren war, sich nun auf die vielen Bands aufteilt, die unterwegs sind.

S.C.Kuschnerus: Deswegen ist es jetzt für uns ein Privileg, dass wir so viele Shows mit ARCH ENEMY machen können, weil  wir da ein großes Publikum haben. Man mag sagen, es ist vielleicht nicht das naheliegende Publikum, du kannst dich da aber präsentieren und die Kollegen sind sehr kollegial. Ich glaube, das kann schon der Schlüssel sein, weil wie gesagt, die Anwesenden werden immer weniger, und in diesem Fall kann man das möglicherweise umgehen.

Frank: Wir wurden gefragt, ob wir in nächster Zeit nicht mal in Berlin spielen möchten. Das ist eine Stadt, wo du dir jeden Abend bis zu 10 Bands anschauen kannst. Dort spielt wirklich jeder. Da darf man sich dann nicht wundern, wenn man vor wenigen Leuten spielt.

Ein Problem, das letztes Jahr neu aufgetaucht ist nach dem Anschlag in Paris, ist, dass sich manche nicht mehr auf Konzerte wagen. Gleich nach dem Attentat war es sehr schlimm. Viele ließen die Karten verfallen. Heute werden natürlich viele Kontrollen gemacht, damit nichts passiert.

Frank: Und irgendwann darfst du nur mehr nackt auf Konzerte. (allgemeines Gelächter)

Das täte euch Jungs natürlich gefallen.

Frank: Wenn alle dann da stehen…

Ji-In: … na dann kommt wirklich keiner mehr auf ein Konzert, wenn du da nackt stehst… Wir wollten doch Publikum!

Na, das wär ein Gag.

Frank: So kommen sie sicher zu unserem Konzert. (allgemeines Lachen) Und wenn einer so dick ist (er zeigt Umfang an), der wird dann geröntgt.

Ji-In: Keine Bilder! Bitte! Keine Bilder!

(es dauert ein wenig, bis sich das Gelächter beruhigt – anscheinend hatte jeder Bilder im Kopf und wir brauchten eine Weile, um uns zu sammeln)

Was mich noch interessieren würde ist, welche Musikrichtungen euch beeinflusst haben. Welche Jugenderinnerungen gibt es? Welche Bands? Wer bestimmt euren Stil?

Olli: Jetzt wirst du wohl die bunteste Schnittmenge aller Zeiten genannt bekommen.

Frank: Also ne Band wie KISS war schon beeinflussend. AC/DC natürlich auch, oder IRON MAIDEN, das war halt die Zeit damals, wo keiner dran vorbei kam. Willst du jetzt von jedem von uns was hören?

Olli: Ich glaube, dass die Schnittmenge von QUEEN, einer der größten Bands aller Zeiten, bis zu später LINKIN PARK, EVERESCENCE, ALTER BRIDGE und nun bis hin zu ARCH ENEMY geht. Wobei ARCH ENEMY eher durch die freundschaftliche Verbindung in den letzten Jahren bei uns auf den Schirm gerückt sind, weil es vorher nicht so war. Aber wenn man sich dann doch mit Bands beschäftigt, wo man persönliche Kontakte hat, dann lernt man auch noch mal etwas dazu.

Das heißt, wenn man als Support spielt, erfährt man viel Neues?

Olli: Ja. Gut. Die Connection zwischen uns und ARCH ENEMY oder EVANESCENCE besteht ja schon lange. Man guckt da natürlich mal über die Schulter, was machen die. Man muss ja nicht immer nur Kaffee trinken.

Eine Band, die ich vorhin auch noch hörte, war WHITESNAKE.

S.C.Kuschnerus: Ja, das …

Olli: Da hat er das Monopol drauf…

S.C. Kuschnerus: Ja, das ist nun tatsächlich so in dieser Kapelle. Aber das rührt nun mal daher, dass ich eher auf die älteren Kollegen stehe. Das war für mich sehr prägend. QUEEN aber auch DEEP PURPLE. Und da kommst du dann automatisch zu WHITESNAKE und nicht drum rum. Weswegen ich die aktuelle Retro/Vintage-Welle recht gerne sehe. Das finde ich erfrischend, wenn Bands wie RIVAL SONS oder CLUTCH heute so was machen, dann gefällt mir sowas sehr gut. Das soll aber nicht heißen, dass ich mich nur aus der angestaubten Ecke bediene. A SYSTEM OF A DOWN ist sicherlich auch eine spannende Angelegenheit. Was haben wir denn noch...? Bei Ji-In war es eher NIRVANA glaube ich.

Ji-In: Bei mir ist es ganz merkwürdig, weil ich zwischen MARIA CALLAS (Anmerkung: eine Opernsängerin) und NIRVANA hin und her springe. Und zwischendurch auch mal GREEN DAY und… keine Ahnung… was gab es da noch? Die Klassik habe ich schon genannt. Ich glaube, ich habe immer das gemacht, was man gerade in diesem Moment nicht von mir hören wollte.

S.C.Kuschnerus: Das ist so, dass sie zumindest mal die weiteste Entwicklung durchschritten hat, weil sie ja eigentlich aus der klassischen Ecke kommt.

Genau, das habe ich gelesen. Ausbildung zur Pianistin und Sängerin.

S.C.Kuschnerus: Und da ist NIRVANA eher ungewöhnlich.

Ji-In: Man muss sich ja irgendwie abreagieren können.

S.C.Kuschnerus: Stimmt. Aber für jemanden, der aus der klassischen Ecke kommt, ist es schon bemerkenswert. Ich weiß auch nicht, ob das vom Umfeld dann immer so gutiert wurde.

Wie kommt man von der klassischen Ecke eigentlich zu einer Metal-Band?

Ji-In: Das ist eine gute Frage. Das frage ich mich auch manchmal. Ne. Ich hab schon immer das gemacht, was man eigentlich nicht von mir erwartet hat. Ja, ich war so ein bisschen ein kleines Sorgenkindchen, weil ich mit Klassik aufgewachsen bin und dann Klassik studiert habe und dann hat man erwartet, das Kind kommt auf die große Opernbühne. Auf jeden Fall Klassik. Und auf einmal bin ich in der U-Musik, weil es mir einfach mehr entsprach.

S.C.Kuschnerus: Das mit der E-Musik-Karriere hätte auch nicht für sie gepasst. Dafür ist sie zu energiegeladen. So lange sitzen… Da ist sie von ihrem Naturell her auf den Rockbühnen besser aufgehoben. Das kommt ihr näher. Auch wenn ich jetzt dafür Prügel kassiere…

(lachen)

Ji-In: Ne, ne, das ist schon in Ordnung so. Ich kann wirklich nicht lange ruhig sitzen. Wenn ich auf der Bühne bin, kann ich mich abreagieren. Das ist ja in der Klassik nicht so. Da kann man sich anders abreagieren, aber das reicht.

Mich fasziniert schon, dass du diesen Weg gemacht hast. Oft singt bei einer Band ja die Freundin von einem mit, oder ein Mädel, das gerne mal auf der Bühne stehen möchte, übernimmt das Mikro. Der Weg, von der Klassik auf die Rockbühne und ans Mikro zu wechseln, ist eher unüblich.

Ji-In: Ja, klar. Meine Professoren, die wussten damals schon, dass ich Samstagabend in der Kneipe gesungen habe, und am nächsten Morgen dann in der Kirche eine Arie singen musste. Es war schon schwierig das zu vereinen, das muss ich zugeben. Da war ich immer in einer kleinen Identitätskrise, wo gehört man hin und so. Also richtig die innere Zerrissenheit. Aber jetzt bin ich da.

Olli: Jetzt bist du angekommen. Ist doch schön.

Zu einer meiner letzten Fragen gehören eure Zukunftspläne. Eine Tour in Südamerika wird kommen habe ich gehört. Was steht noch auf dem Programm?

Frank: Eines unserer großen Ziele ist der 30.9. Da drehen wir in Aachen unsere DVD. Es wird ein Rockabend mit mehreren Bands, wo wir den Abschluss machen. Es wird alles mitgedreht und wir bringen es raus bei unserer eigenen Tour im Dezember, die geht dann bis Ende Januar.

S.C.Kuschnerus: Da schließt sich dann eigentlich der Kreis. Da wir heuer so spät rauskamen, waren wir nur auf wenigen Festivals. Aber die machen wir dann nächstes Jahr. Von daher denke ich schon, dass es ein intensiver Albumzyklus wird.

Olli: Für uns ist es grad eine spannende Zeit. Wir sind in vielen Zeitschriften, und das überrascht mich. Wir haben gewechselt von diesem Inkognito-Ding – unsere Booking Agentur durfte ja niemandem sagen, wer wir sind und auch nichts vorstellen. Da ist es schwierig zu sagen: "Bucht mal, aber wir sagen euch nicht was und wer es ist." Und dann kamen wir raus mit unserem kleinen Geheimnis, das dann doch sehr spannend gewesen ist. Seitdem schlage ich jeden dritten Tag eine Zeitschrift auf und denke, die Menschen kenne ich. Da bin ich richtig überrascht.

Ji-In: Vor allem, du liest ja Dinge, von denen du gar nichts wusstest.

Frank: Das Arbeitspensum wird nicht weniger.

Olli: 2017 wird das AND THEN SHE CAME-Jahr. Wir werden es auf jeden Fall jedem vor die Schnauze hauen.

Frank: Mit eurem Support natürlich. Ihr werdet schuld sein.

Da habe ich nun viel von euch erfahren. Ich sage mal Danke für das Interview. Abschließend möchte ich euch um eine Massage an unsere Leser bitten. Was möchtet ihr gerne loswerden?

S.C.Kuschnerus: Was man schon sagen kann, und wir haben auch schon darauf hingewiesen, wir machen alles selber. Das heißt, dass jeder, der Kontakt zu uns aufnimmt, über Facebook oder die Website, auch direkt bei uns ankommt. Das ist keiner von einer Plattenfirma, sondern wir selbst. Jeder der uns schreiben möchte, bitte macht das! Positives nehmen wir gerne, Negatives auch – aber dann doch lieber lügen. (allgemeines Lachen)

S.C.Kuschnerus: Es trifft immer die Richtigen.

Frank: Bei den Negativen, da treffen wir dann schon mal die falsche Maus-Taste. Ich fahre dann durch Deutschland und kümmere mich darum.

S.C.Kuschnerus: Ich sag das deswegen, weil wir schon häufig die Erfahrung gemacht haben, dass das Internet sehr zwiespältig zu betrachten ist. Wir sehen das auch so, aber es hat auch positive Aspekte. Denn wenn du über die sozialen Medien Kontakt zu den Leuten aufnimmt, und dann trifft man die auf Konzerten, das ist ein Luxus, den gab es früher so nicht. Das hatten wir schon häufig. Da landest du in Vietnam und dann triffst du wen, den du schon online kennengelernt hast. Das ist natürlich eine Sensation. Da merkst du schon wie klein die Welt geworden ist. Deswegen: Kommt einfach auf unserer Seite vorbei.

Das werde ich weiter geben. Danke für eure Zeit.


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