In Flames - Anders Fridén und Björn Gelotte

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Natürlich war die Songauswahl für das Live-Set total einfach bei "Lunar Strain". Welchen Song sollten wir da wohl wählen?

IN FLAMES wappnen sich wieder für den nächsten Album-Schlag. Anlässlich des neuen Albums "Battles" haben sich Anders Fridén und Björn Gelotte einigen Fragen über den Entstehungsprozess und die Live-Pläne gestellt. Und plauderten nebenbei noch das ein oder andere interessante Detail aus.

Veröffentlicht am 09.11.2016

Gewappnet mit einigen Fragen und den Kopf voll mit dem neuen Album von IN FLAMES (hier das Review dazu) fand ich mich anlässlich des Promo-Tages in Düsseldorf zwei entspannten Schweden gegenüber, die sich – wie sich herausstellen sollte – in angenehmer Plauderlaune befanden. Beste Voraussetzungen also für ein neugieriges Interview-Menschlein wie mich. So ging es nach der ersten Begrüßung und etwas Smalltalk direkt in die Vollen...

Erste Frage: „Battles“. Welche Bedeutung steckt hinter dem Albumtitel? 

Anders: Es geht um die inneren Schlachten und Kriege, die alle Leute haben. Aufwachen, der Versuch, einen schönen Tag zu haben. Wir haben immer Schlachten zu schlagen, vom Tag, an dem wir beginnen zu denken und zu fühlen bis zu dem Tag, an dem wir sterben. Wir kennen alle die Notwendigkeit, mit Dingen um uns herum klarzukommen und für neue Ideen und neue Dinge in der Zukunft offen zu sein. Weil wenn du in der Vergangenheit stecken bleibst, kommst du nirgendwo hin.

Ist es eine konzeptionelle Sache, dass ihr euch entschieden habt, rund um diesen Titel zu schreiben? 

Anders: Nein, der Titel kommt zum Schluss. Wenn ich beginne zu schreiben, habe ich keine Titel für die Lyrics. Und auch keinen Titel für das Album. Das kommt normalerweise nachher. Ich lege dann einfach alles auf den Tisch und schaue, welche Gemeinsamkeiten die Lyrics haben. 

Björn: Wir starten nicht damit, zu sagen: wir nennen das Album jetzt „In Flames“ oder „The Orange Album“. Wenn das Schreiben fertig ist, kommt dann die Frage: „Ich fühle Schlachten. Fühlst du auch Schlachten?“

Anders: Es ist am Ende wie eine Zusammenfassung. Wir haben noch nie ein Konzeptalbum geschrieben. 

Björn: Naja, haben wir schon gemacht, mit „Jester Race“ und „Whoracle“, wo alles textlich zusammenpasst.

Anders: Okay, ich nehme das zurück. Schlussendlich war es keine Absicht, Konzeptalben zu schreiben. Der Titel ist das, was die Themen der Lyrics am besten berührt. Kurz, zusammenfassend, klingt gut.

Sind die Lyrics denn sehr persönlich im Sinne, dass du die alle schon mal durchlebt hast, oder sind es mehr Gedanken, die kommen, nachdem man … zum Beispiel die Nachrichten angesehen hat? 

Anders: Ich glaube nicht, dass man diese Themen in den Nachrichten findet. Aber ich verstehe was du meinst. Natürlich sind die Lyrics persönlich, sonst könnte ich die nicht schreiben. Aber um sie interessant zu machen, braucht es kein aktuelles Ereignis. Da können auch Jahre dazwischen liegen. Aber ich sehe auch, wie Leute um mich herum fühlen, was sie durchmachen. Sie sind persönlich, aber mit Eindrücken aus meinem Umfeld. 

Deswegen können sich auch viele Leute mit euren Lyrics identifizieren? 

Anders: Ich bin absolut überzeugt, dass sich die Leute damit identifizieren können, weil jeder diese Schlachten zu schlagen hat. In der Vergangenheit haben wir Leute getroffen, denen es genauso ging und bei den Treffen entstand dann eine ganz besondere, persönliche Verbindung zwischen Band und den Leuten. 

Habt ihr denn den Eindruck, dass ihr auch sehr viele junge Fans ansprecht? 

Björn: Naja, je länger du dabei bist, desto mehr bringt es das wohl mit sich. Ich denke, das ist vielleicht, weil wir keine gefährliche Band in dem Sinn sind. Wir haben diese sehr direkten Melodien dabei, die sehr einfach im Zugang sind. Und vielleicht sind wir dadurch sowas wie die Tür zu anderen Metal-Bands. 

Anders: Wir sind recht zugänglich. Da sind die Melodien und eine bestimmte Aggressivität, aus deren Richtung wir auch kommen. 

Ihr sagtet gerade, ihr schreibt die Musik und die Lyrics mehr für euch selbst und weniger für die Fans…

Anders: Naja, das zu sagen, würde ziemlich schlecht klingen, wäre es aus dem Kontext gerissen. Wir schreiben Musik, die hundert Prozent nach uns klingt: „Das fühlt sich gut an, lass uns das zum Album machen. Hier, hört es euch an.“ Erst dann ist es aus unseren Händen. Dann können Fans und Journalisten darüber entscheiden. Wenn wir schreiben, haben wir nicht die Leute da draußen im Kopf. „Oh, hoffentlich mögen sie das. Oh, wenn wir das so machen, könnten sie es hassen.“

Björn: Naja, nicht ganz. Ich sehe das ein wenig anders. Da ist natürlich keine Interaktion von außerhalb. Aber wir haben natürlich das ganze Live-Setting im Kopf, ob es klingt und wie es ankommt, wenn wir es live spielen. 

Anders: Aber das ist mehr das klangliche, mehr die Arrangements. Es ist eher wie es aus dem Lautsprecher klingt, nicht für die, die zuhören. 

Björn: Da stimme ich zu, am Ende stimmen wir uns beide zu (lacht).

Gibt es eigentlich einen Plan, wie das Album musikalisch aufgebaut ist? Das letzte Album hatte einen eher progressiven Einschlag, davor gab es diese synth-keyboard-lastigen Einwürfe. 

Björn: Das ist interessant. Das ist dein Zugang als Zuhörer. Für mich ist der Zugang da ein ganz anderer. Am Ende kommt alles von derselben Idee. Wir starten mit den Melodien und den Riffs. Wir schaffen etwas gemeinsam, schieben die Ideen hin und her, um IN FLAMES-Songs zu machen. Dann kommen Leute wie Roberto Loghi. Er hat ein gewisses Gespür dafür, seine Vision, wie die Band klingen sollte. Wir versuchen nicht absichtlich, ein keyboardlstiges oder ein progressive Album zu machen. Das passiert einfach, da kommen Ideen, die wir interessant finden. Da gibt es keinen Plan davor, außer, dass wir unsere Musik schreiben wollen. Da passieren eine Menge Dinge, die unbewusst hineinspielen. Es passiert einfach. 

Anders: Ja, es passiert einfach. Das ist verdammt cool. Das eine Album klingt so, das andere Album anders, aber heruntergekocht sind sie alle IN FLAMES. Egal, ob "Lunar Strain" oder "Battles". Die Melodie, die Gitarre, es klingt nach IN FLAMES.

Björn: Der Kern von dem was wir machen ist absolut da. Manche Bands machen zwanzig Jahre dasselbe, aber wir waren niemals daran interessiert, die selbe Idee immer wieder zu verwenden. Wir sind da eher: Lass uns weiter gehen, lass uns etwas machen, was uns ein wenig herausfordert. Etwas, wo wir neugierig sind, das wir aber noch nie ausprobiert haben. Wie ich schon sagte, wir haben da wirklich keinen Plan. Jede Band ist da verschieden. Das ist unser Weg, wie wir das machen möchten. Und es war jetzt spaßig für zwanzig Jahre, was schon verdammt cool ist. Du kannst etwas für zwanzig Jahre machen und hast immer noch Spaß daran. 

Wie sieht es mit der ganzen Arbeit für das Album aus? Für frühere Alben habt ihr ja ein Haus gemietet…

Anders: Ja, aber das ist viele Jahre her. Ich glaube „Soundtrack to your Escape“ war das letzte, wo das passiert ist. 

Björn: Also erst einmal mache ich die ersten Demos zu Hause. Erste Riffs und Melodien am Computer, mit einfachem Programming, damit wir mit etwas anfangen können. Manche Sachen werden dann auch so verändert, dass man sie gar nicht mehr wiedererkennt, wenn man später noch einmal reinhört. Das ist eben das Ergebnis, wie wir funktionieren, wir haben alle verschiedene Ideen. Aber das ist in etwa das, womit wir immer anfangen. Bei diesem Album waren wir in LA, wo wir das Album aufgenommen haben. Wir waren schon ein paar Wochen vor Studiozeit da und haben diese Ideen schon mal mitgebracht. Damit haben wir dann angefangen. Wir haben überlegt, was näher an dem dran war, was wir eigentlich haben wollten. Das ist wie ein Teig, den du knetest, bis er richtig ist. Das ist nicht anders als das, was wir machen. 

Anders: Nach „Soundtrack to your escape“ war es eher wie in zwei „Camps“. Musik, Gitarren und so waren auf einer Seite des Hauses, ich mit den Vocals auf der anderen. Wir haben gleichzeitig aufgenommen, die haben den Sound im ersten Stock aufgenommen und ich die Vocals woanders und wenn jemand fertig war, haben wir das einfach zusammengeklatscht. Ich habe die instrumentalen Demos genommen und drüber gesungen, ohne dass die anderen wussten, wie es klingt. Und ich habe einfach gehofft, dass sie es gut finden. Ich glaube natürlich daran, dass ich das Richtige getan habe, aber es war trotzdem: „Bitte sag, dass du es magst.“ Dieses Mal waren wir in LA – (fängt an zu lachen) und wir haben ein Haus gemietet. Klar, wir mussten ja irgendwo leben – und dann haben wir gearbeitet. Irgendwie war es wie in einer Luftblase, als wir an den Vocals gearbeitet haben. Jetzt musste ich Björn in meine kleine Welt lassen und umgekehrt war es auch so. Und es hat wirklich alles überraschend einfach geklappt. Ich meine, ich kenne Björn mittlerweile in- und auswendig. Dieses Mal ist es das für mich am meisten „belohnendste“ Album bis jetzt. Da gibt es nichts mehr, woran Björn sich gewöhnen muss. Er hat eine Idee im Kopf, wie die Vocals klingen könnten, obwohl er nicht im Entstehungsprozess inkludiert ist. Und er muss sich eben auch nicht mehr an den Mix gewöhnen. Wenn wir die Demos dann abgeben und mit Howard über sie sprechen, sind wir uns einig. Dann ist es spaßig die Gitarren aufzunehmen, weil ich am Ende weiß, was am Schluss passiert. 

Also könnte man sagen, die Energie fließt. 

Björn: Ja, und zwar in beide Richtungen. 

Anders: Wir waren immer noch in zwei verschiedenen Studios. Ich war in Howards Haus, um an den Vocals zu arbeiten und die instrumentalen Teile wurden in Howards großem Studio mit Mike Lotnicov aufgenommen. Aber wir wussten genau, was bei den anderen passiert. 

Björn: Es ist interessant. Die Demos arbeiteten wirklich zusammen, wirklich jedes Level der Songs. Dieses Demo-machen begann zweieinhalb Wochen vor der Studiozeit. Also hatten wir Zeit, die ersten paar Songs schon zum Aufnehmen fertig zu machen. Aber das ging auch während der Aufnahmen so weiter. Am Tag waren wir im Studio und hatten abends noch Zeit um ein Bier aufzumachen und an den nächsten Songs zu arbeiten. Und das ging die ganze Zeit so weiter. Wir haben uns auf elf Songs fürs Album konzentriert. Wir hatten die Ideen schon zusammen und mussten alles nur noch zusammenfügen, aber es waren elf Songs, die wir machen wollten. Jetzt haben wir zwölf auf dem Album und es sind fünfzehn geschrieben und aufgenommen. Das sagt einiges über die ganze Kreativität und Produktivität in der Zeit aus. Das Team war fantastisch, alles ging total schnell, sogar die Studio-Tage waren viel kürzer als wir es gewohnt waren. Normalerweise waren wir dort immer an die 14 Stunden, bis wir umgefallen sind, mehr oder weniger. Jetzt haben wir nur die halbe Zeit gebraucht und haben mehr geschafft. Es waren sieben, acht Stunden anstatt 14 und wir hatten immer noch die Energie, um mit den Demos und dem Schreibprozess weiterzumachen. 

Ist es auch wegen diesem Kern, wie du sagtest, diesem Grundgedanken, wie IN FLAMES klingen sollte und der immer da ist, oder läuft einfach die Interaktion zwischen euch nach so vielen Jahren einfacher?

Björn: Ich denke, dass ich einfach einen bestimmten Sound habe, wenn ich Gitarre spiele und ein bestimmter Sound, wenn Anders singt, es ist echt schwer, das zu ändern. So wird es immer wie IN FLAMES klingen, ganz egal, wer produziert oder mixt. Das ist eine Tatsache, ob es gut ist oder schlecht. 

Anders: Ja richtig, es ist aber auch nicht gut oder schlecht, worüber wir sprechen. Es liegt am Publikum zu entscheiden: „Das ist IN FLAMES, wie ich sie mag“ oder „das ist IN FLAMES, wie ich sie nicht mag“, aber wir werden trotzdem immer IN FLAMES sein. 

Björn: Richtig, verstecken können wir das nicht. Für uns ist das toll, denn so wissen wir genau, wie wir auf das Songwriting und auf das Recording zugehen müssen, oder eben auf die Live-Auftritte. Das macht es einfach, nicht gezwungen zu werden, irgendwie schizophren sein zu müssen oder jemand, der man gar nicht ist. 

Anders: Es ist total offensichtlich, wenn wir etwas covern wollen. Die Leute denken trotzdem, dass es IN FLAMES ist. Nein, nein, es ist nicht unser Song, er gehört eigentlich DEPECHE MODE. Aber die Leute erkennen das nicht. Auch wenn wir versuchen, DEPECHE MODE zu sein, sind wir IN FLAMES. Das Album, das wir gestern rausgebracht haben „Sounds of the heart of Gothenburg“ ist da wie ein Vermächtnis von dem, was wir haben. Die Verbindung der Songs im ganzen Katalog wird da deutlich, weil wir sie alle gleichzeitig aufgenommen haben, zur selben Zeit. Also nichts mit Scharade. 

Habt ihr denn schon so etwas wie einen ganz besonderen, persönlich sehr wichtigen Song auf dem Album? Oder ist das alles noch zu frisch? 

Björn: Wir haben noch nicht angefangen, die Songs live zu spielen. Ich freue mich schon drauf, die alle zu spielen. Am Anfang wird das wahrscheinlich noch nicht möglich sein. Das müssen wir entscheiden, wenn wir dann soweit sind. Aber sie sind alle geschrieben, um live gespielt zu werden. So haben wir die letzten acht Alben geschrieben. Um sie live zu spielen. Das haben wir immer im Kopf, wenn wir die Songs schreiben. Und das wird richtig spaßig werden, wenn es soweit ist. 

Anders: Ich habe dieses Album schon so oft gehört, das ist verrückt. Wir haben irgendwann zu entscheiden, was wir ins Live-Set bringen und was nicht. Aber es ist richtig schwer für mich, nur einen auszusuchen, weil sie alle für mich eine große Gesamtheit darstellen. Es ist wie ein großer Overload von Sounds und Songs. Aber wenn wir die Songs live spielen, kann es sein, dass wir unseren Favoriten finden. Das wechselt aber auch immer wieder, von Woche zu Woche. 

Björn: Heute ist es dieser Song. Frag mich morgen, dann wird es vielleicht ein anderer Song sein. Das kommt immer drauf an, wie er sich angefühlt hat, als man ihn das letzte Mal gespielt hat, ob der Song mit guten oder schlechten Erinnerungen behaftet ist, oder wenn ich mal das Solo total abgefuckt habe. Es gibt keinen IN FLAMES Song, den ich nicht mag. So einfach ist das eigentlich. 
Ihr habt gerade gesagt, dass es dieses Mal richtig schwer ist, auszusuchen, welche Songs ihr live spielen wollt. War das bei den früheren Alben auch so schwer? 

Anders: (lacht) Natürlich war es total einfach bei "Lunar Strain". Welchen Song sollten wir da wohl wählen? 

Bjorn: Ja, jetzt sind wir ja auf der anderen Seite dieser Skala. Wir haben zwölf Alben und sollen da 150 Songs auf eineinhalb Stunden herunterkochen. Das wird nicht einfacher. 

Anders: Und wenn man dann tausend Leute im Venue hat, hat jeder seine eigenen Lieblingssongs. Wir versuchen natürlich, welche aus der „Battles“ rauszunehmen, dann Songs, die zu spielen einfach Spaß machen, welche, die wir schon im Schlaf spielen können und natürlich Live-Favoriten, die einfach immer gut rüberkommen. Es ist zum Beispiel total schwer von „Only for the Weak“ wegzukommen. Wir haben es versucht, von wegen: Ihr habt den Song jetzt schon so oft gehört, ich glaube, ihr habt langsam genug davon. Aber die Leute wollen es immer wieder hören. 

Es gibt eben einfach Hymnen, die man als Fan immer hören will. 

Anders: Ja richtig, und das ist großartig. Und es kann auch sein, dass diese Hymnen die großartigsten des ganzen Abends sind. Es müssen gar nicht immer die neuesten Songs sein. Du kannst einen Song im Schlaf können und eine Million mal gespielt haben und trotzdem funktioniert der Song perfekt. 

Björn: Andererseits genießen wir es – es ist irgendwie ein Luxus-Problem. So viele Songs, die man spielen will und die die Leute hören wollen. 

Dann zu den Live-Plänen – könnt ihr da schon mehr verraten? 

Björn: Die erste Show wird in Japan im November sein. Dann gehen wir in die USA und erst dann gibt es den UK-Run mit AVENGED SEVENFOLD und DISTURBED. Wir lieben es zu Touren und werden das wahrscheinlich ein paar Jahre lang machen. Nur, nach der UK-Tour ist noch nichts gesetzt.

Anders: Es ist einfach noch nicht angekündigt. Ich zweifle aber schwerstens daran, dass es keine Deutschland-Daten geben wird.
 
Björn: Wir werden in ganz Europa touren und mit Sicherheit an die zwei Jahre. Wir werden auch ein paar Mal hierher kommen, also wirst du „Only for the weak“ erneut hören. 

Plant oder verfolgt ihr denn konkrete Ziele, wo die Band hinkommen soll? Wenn ihr zum Beispiel zurückdenkt, hättet ihr euch gedacht – oder sogar irgendwie gehofft oder geplant – dass ihr heute hier stehen würdet? 

Björn: Wie weit zurück müssen wir denn denken? 

Gute Frage, was wäre mit der „Quiet Place“-Zeit? 

Björn: Also zu der Zeit waren wir extrem viel auf Tour. Natürlich hat man da die Motivation, überall zu touren und größere Produktionen zu machen. Aber wenn man von da aus ein paar Jahre zurück geht, war das Ziel natürlich etwas anders. Ich bin eigentlich auch nicht der große Planer, das ist mehr Anders´ Gebiet.
 
Anders: Ja, Björn nimmt eher den Tag, wie er kommt. Was immer passiert, wird passieren. Aber er ist auch todsicher in seinen Wegen und das kannst du auch nicht ändern. Aber hey, ich hab schon Pläne. Ich verstehe schon, wenn ich das mache, wird das vielleicht dahin führen. Ich sehe die Sache schon in einem größeren Schema, aber du weißt ja auch nicht, ob das wirklich so hinkommt. Ich denke, für uns hat sich das alles gut entwickelt. Aber zu der Zeit haben wir wirklich viel live gespielt. Wenn wir zurückgehen zur „Chester Race“, als wir uns richtig zusammengefunden haben… Ich meine, wenn es damals geheißen hätte, 2016 wirst du mit diesen Leuten arbeiten, wirst zwei Kinder haben, und du wirst dieses Album aufnehmen und zu der Zeit wirst du zum hundersten Mal in Deutschland sein… Das ist schon schwer zu fassen. Und es ist immerhin 20 Jahre her, das ist schon eine ganz schön lange Zeit. 

Björn: Und wenn du 19, 20 bist, denkst du natürlich ganz anders. Wir waren fleißig dabei, unseren Sound zu finden und die ersten Schritte zu machen, eine Live-Band zu werden, weil wir das cool fanden. Aber wir verloren ein paar Leute auf dem Weg, weil die das eben nicht mochten. Es war also auch schwer abzusehen, wo uns das hinbringen würde. Zur Zeit von „Soundtrack to your escape“ waren wir fokussierter, wir haben mehr von den Möglichkeiten verstanden, die wir hatten und wollten natürlich immer weiter. Wir tourten auch mit einigen großartigen Bands, die uns viel beigebracht haben. 

Okay, letzte Frage: Wenn ihr jemanden aussuchen könntet, irgendeine Band oder einen Musiker, mit dem ihr auf der Bühne stehen könntet und noch nicht die Möglichkeit hattet, wen würdet ihr da nehmen? 

Anders: Da ich ja jetzt in Deutschland bin, würde ich gern mit den SCORPIONS auf Tour sein. Ich liebe die SCORPIONS. Aber ich würde auch gern viel Zeit im Studio mit Trent Raznor verbringen wollen. 

Björn: Ich würde gern ein Teil von der frühen Zeit von RAINBOW sein. 

Anders: Ach, wir dürfen in der Zeit auch zurückgehen? Dann wäre ich total gern im Studio mit LED ZEPPELIN. 

Björn: Aber stell dir vor: diese ganzen turbulenten Zeiten für die Bands. Als ELF zu RAINBOW wurde, das ganze Hin und Her zwischen DEEP PURPLE, die internen Streits und die ganze Kreativität, die dabei herauskam. Und klar, einem meiner absolut größten Helden nahe zu sein. 

Anders: Ich wäre auch gern im Studio gewesen, als George Martin mit den BEATLES zum Aufnehmen da war. Das wäre cool gewesen. 

Okay, noch etwas, das ihr noch anmerken wollt oder…

Björn: Die „Famous last words“ also...

Das wollte ich gerade nicht so ausdrücken. Im Jahr 2016 sollte man das besser nicht sagen. Also noch mal, etwas was ihr den Stormbringer-Lesern gern noch mitteilen möchtet? 

Anders und Björn praktisch in Personalunion: Hoffentlich genießt ihr „Battles“. Wir haben es, beim Aufnehmen auf alle Fälle. Und wir sehen uns hoffentlich auf Tour.

Vielen Dank für eure Zeit!


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