THE NEAL MORSE BAND - Neal Morse

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Jede Musik, jede Melodie, die direkt ins Herz geht, hat ein Stück Magie in sich.

Neal Morse ist in seinen Ideen einfach unerschöpflich. Das neue Album "Silimitude of a dream" hat alles zu bieten, was das Prog-Herz begehrt. Natürlich konnte ich mir ein Telefonat mit diesem Ausnahme-Künstler nicht entgehen lassen. Über fliegende Ideen, verschluckte Beatles und große Wunder...

Veröffentlicht am 14.11.2016

THE NEAL MORSE BAND hat ein neues Album. "The Similitude Of A Dream" (hier das Review) kommt als Doppel-Konzeptalbum und erzählt eine große Geschichte, die nicht nur textlich, sondern auch musikalisch umgesetzt wurde. Bester Grund Neal Morse, den Kopf der Bande, zum Gespräch zu bitten und ihn über den Weg von der ersten Idee bis zum fertigen Album zu befragen. Dabei hat er auch verraten, warum er einen besonderen Bezug zu Österreich hat. Aber lest selbst...
 

Erst einmal Gratulation zum erschienenen Album. Ich finde es großartig gelungen. „Similitude of a dream“ ist ja ein Konzeptalbum und basiert auf dem Inhalt eines Buches. Kannst du mehr darüber erzählen? 

Ja, es ist ein sehr altes Buch. „A Pilgrim´s Process“, das ist ein spirituelle Reise, ein christliches Buch. Ich habe das Buch nie gelesen und auch nicht zuhause stehen. Jemand hat im Internet empfohlen, dass ich ein Konzeptalbum über das Buch schreiben sollte. Aber ich habe es einfach vergessen. Dann habe ich letzten Dezember an einigen Ideen gearbeitet und mich wieder daran erinnert. Ich dachte, dass ich eine bestimmte Richtung brauche, in die ich weiterarbeiten kann. Also habe ich mich in die Geschichte hineingelesen und mir ein paar Gedanken gemacht, wie es klingen könnte, wenn er diese „Stadt der Zerstörung“ verlässt, oder wie es klingt, wenn er vom Weg abkommt und nicht weiß, ob er ihn wieder findet oder diesem Monster begegnet. Da gibt es eine Menge Drama in dem Buch und eine ganze Menge Stoff, um Musik und Text daraus zu machen. So ging es also los und dann habe ich´s der Band vorgestellt. Die nahmen das an und haben daraus etwas gemacht, woran ich im Traum nicht gedacht hätte. 

Ist der Bezug zu diesem Buch reine Fiktion oder gibt es da reale Bezüge, die es für dich so interessant machen?

Es ist fiktional. Die ganze Geschichte passiert eigentlich in einem Traum. Der Original-Titel ist „The Pilgrim´s Progress from this world to that which is to come; delivered under the smilitude of a dream“. Deswegen haben wir das Album auch so benannt. Die ganze Geschichte ist eine einzige Allegorie, Gleichung, spricht mit Bildern und solchen Sachen. 

Wie baut ihr eigentlich die ganzen Melodien auf? Kommt ihr zusammen und beginnt einfach mit dem Jammen und jeder wirft seine Ideen in den Raum oder hast du schon mal Ideen, die du mitbringst? 

Das sind viele verschiedene Sachen. Manche Sachen schreiben wir im Proberaum, manche habe ich auf den Voice Memos auf meinem Handy, manche Sachen brachte Bill mit, wie einige Riffs zum Beispiel, Eric, Randy und Mike bringen ebenfalls Ideen mit. Wir sind alle beteiligt. Das ist also niemals eine Einbahnstraße. Ich habe auch ein paar Themen mitgebracht, die ich mal für Demos für KANSAS geschrieben habe. Vor einigen Jahren hat mich Thomas kontaktiert und gemeint, KANSAS arbeitet an einem neuen Album, ob ich denn mitarbeiten und schauen möchte, was passiert. Daraus entstanden Demos, die nicht benutzt wurden. Also haben wir davon ein paar Themen genommen. Die ganze „Long Day“ Section war von den KANSAS-Demos. Also kommt alles aus verschiedenen Richtungen, manches aus der Vergangenheit, den Rest machen wir in der Gegenwart und dann fügt sich das wie durch ein Wunder alles super zusammen. 

Der Aufbau des Albums funktioniert ja fast schon kreisförmig. Textlich will der Protagonist ja erst raus aus dieser „City of Destruction“ und irgendwann wieder zurück. Auch musikalisch klingt es fast schon wie eine Art Rondo-Form, wo ihr Melodien und Themen wiederverwendet, zurück zum Anfang geht – mit Variationen. Ist ein solcher Aufbau des Albums schon vorher von euch geplant oder kommt auch das einfach spontan?

Das ist eine der lustigen und spannenden und auch herausfordernden Sachen, wenn man ein Konzeptalbum schreibt. Es ist die Idee, solche Melodien und Chorusse in verschiedenen Songs öfters wiederzuverwenden. Das ist etwas, das ich wirklich sehr, sehr genieße. Wenn ich sagen müsste, was der spaßigste Faktor an einem Konzeptalbum ist, dann wäre es genau das. Als ich angefangen habe, ein paar Sachen für das zweite Album herauszupicken, habe ich nach Ideen im Buch gesucht. Das Monster, dem er begegnet, sagt ja sowas wie „Du gehst besser wieder zurück zur Stadt der Zerstörung, dahin zurück, wo du herkommst. Das ist toll, weil es erst einmal heißt „You´ve got to get out of the city of destruction“ und dann heißt es „You´ve got to go back to the city of destruction“. Das ist perfekt. Nach so etwas sucht man immer, wenn man so ein Album schreibt. Das ist vielleicht auch mehr der klassische Weg, Songs zu schreiben. Mit all den Themen und Variationen.
 
Ja, den Gedanken hatte ich auch, auch durch die Bezeichnungen „Overture“ und „Reprise“. Aber es funktioniert großartig, das ganze Album klingt wirklich toll.
 
Danke! Ja, wenn alles perfekt zusammenpasst, das ist wirklich großartig! 

Ich habe da noch einen Song gefunden: „The Way of the fool“. Das klingt ein wenig, als hättet ihr die BEATLES verschluckt. 

(Lacht). Nun, ich habe gar nicht mal so viel zu tun mit diesem Song. Ich habe zwar die Lyrics geschrieben, aber musikalisch ist das Billy Hubauers Baby. Den Song hat er schon vor einigen Jahren geschrieben. Wir haben ihn nur noch nie irgendwo auf eine Platte gebracht. Wir hatten uns den eigentlich für „Great Experiment“ vorgenommen. Auf der Liste war er schon… Also, wir haben so eine Art Tafel, wo wir die Ideen drauf schreiben, die wir gern auf dem Album haben wollen. Also hatten wir da den „Ballon Song“. Wir nannten ihn so, weil es eigentlich darum ging, dass ein Typ Luftballons an einem Stuhl angebracht hat. Nur zum Spaß, glaube ich. Und damit wollte er bis zum LAX-Luftraum (Luftraum von Los Angeles, Anm. d. Lektorats) fliegen, von dort wurde er mit Hubschraubern wieder zurückgebracht. Wir haben den Song dann einfach adaptiert, um aus der Perspektive dieses weisen Mannes zu schreiben, sodass er ins Album passt. 

Ich habe auch gelesen, dass Mike Portnoy eigentlich gegen ein Doppel-Album war. Stimmt das? Und wenn ja, wie habt ihr ihn vom Gegenteil überzeugt? 

Ja, das ging nicht ganz so reibungslos. Mike hat immer schon Vorstellungen, wie etwas sein muss, wenn es fertig ist. Er hat schon immer eine fixe Idee im Kopf und dieses Mal wollte er definitiv kein Doppel-Album machen. Alles, was er gesagt hat, war auch richtig. Zum Beispiel, dass Doppelalben oft zu ausgeweitet sind und oft auch einfach auf ein Single-Album zusammengestaucht werden können. Während ich ihm aber zugestimmt habe, fühlte ich, dass es da viel mehr Material und mehr Raum gab, auf dem wir uns mit dem Album bewegen konnten. Ich hatte natürlich schon einige Sachen skizziert, aber Mike weigerte sich einfach, sich mit den ganzen Ideen für die zweite Scheibe auseinanderzusetzen. Deswegen hatten wir darüber sogar einen Konflikt. Aber es ist besser, wenn Mike das selbst erklären würde. Das tut er nebenbei auch sehr offen auf der „Making of“ DVD, die mit der Special Edition kommt. Wir hatten damals an diesem Montag wirklich einen schlechten Tag. Am Dienstag waren wir dann aber besser gelaunt und bereit, uns damit auseinander zu setzen. Ich habe gemerkt, dass er absolut Recht hatte, dass die zweite Scheibe nicht gut genug wäre. Ich meine, ich war nicht der Meinung, dass das Material schlecht wäre, ich dachte nur, dass man daran noch arbeiten müsste und hab noch ein paar Songs dazu geschrieben. Mike kam gut gelaunt herein und war auch bereit, sich die Sachen für die zweite Scheibe abzuhören. Er hat sich also nicht mehr ganz gegen die zweite Scheibe gesträubt und ich habe dann vorgeschlagen, dass wir es einfach mal versuchen und wenn es nicht klappt, verwerfen wir den Doppel-Album-Plan und stauchen alles auf eine Single-CD zusammen. Also haben wir angefangen. Das war Dienstag und Donnerstagnacht hat er uns alle zusammengerufen und gemeint: "Leute, wir haben gerade das Album unserer Karriere gemacht."

Also hat er sich quasi selbst von der Doppel-CD überzeugt? 

Weißt du, ich denke, seine größte Besorgnis war, dass DREAM THEATER als letztes eine Doppelscheibe herausgebracht haben und er nicht wollte, dass es aussehe, als würde er in deren Fußstapfen treten wollen. Aber sobald Mike diese Gedanken aufgegeben hatte, lief alles wie von allein und die Scheibe hat sich fast schon von selbst geschrieben. Ich meine, wir haben am Dienstag mit dem Schreiben und Aufnehmen des zweiten Albums angefangen und waren Donnerstagnacht fertig. Das war richtig großartig.
 
Du hast ja schon mit sehr vielen Musikern zusammengearbeitet und in den verschiedenen Projekten ist ständig Bewegung. Ist es denn für dich eine gute … vielleicht entspannende Sache, dass du jetzt mit THE NEAL MORSE BAND immer mit den gleichen Leuten zusammenarbeitest und so eine Art von Basis hast, weil du weißt, wie die Leute in der Band arbeiten und funktionieren? 

Ich glaube, der Beweis dafür ist auf der CD. Wenn die Musik einfach fließt und alles vorwärts geht und du irgendwie nichts falsch machen kannst, das klappt einfach total gut mit der Band. Aber ich habe auch viele andere Sachen, immer noch. Die FLYING COLOURS zum Beispiel. Ich mache auch eine Menge Worship Music. Ich werde diese Woche nach Berlin fliegen, um da mit Freunden kirchliche Messen zu feiern und solche Sachen. Es stagniert also keineswegs bei mir. 

Woher kommen diese ganzen vielen Ideen für die verschiedenen Bands und Projekte? Fliegen dir die einfach zu? 

(Lacht) Ja, das tun sie tatsächlich. Manchmal höre ich einfach Melodien oder Songs in meinem Kopf, dann setze ich mich hin und spiele etwas und sie kommen einfach aus meinen Händen. Bob Dylan hat es mal so bezeichnet. Jemand hat ihn gefragt, wo „Hard rain´s gonna fall“ herkommt und er meinte: „Wer weiß schon, wo das ganze Zeug überhaupt herkommt.“ (lacht). Es ist definitiv irgendwie mysteriös. Da gibt es wirklich ein Geheimnis, aber ich denke, das alles fließt direkt aus der Hand Gottes. Und ich bin total dankbar, ein Teil davon zu sein. 

Ja richtig, wenn man bedenkt, dass das letzte NEAL MORSE-Album erst eineinhalb Jahre her ist und trotzdem läuft es, fließt richtiggehend. 

Ja, das ist faszinierend. Für mich ist jede Art von guter Musik ein Wunder. Jede Musik, jede Melodie, die direkt ins Herz geht, hat ein Stück Magie in sich. Das denke ich wirklich, über jede Art von guter Musik. Das ist genau, warum wir es so lieben. Warum du darüber schreibst und ich Musik mache. 

Was steht jetzt für THE NEAL MORSE BAND auf dem Plan? Erst einmal habt ihr die Tour, auch mit Gigs in Deutschland. 

Ja genau, wir spielen – ich glaube – vier Konzerte in Deutschland Ende März, Anfang April. Ich hoffe, dass wir auch ein paar coole Items rausbringen können, bevor wir auf Tour gehen. Zum Beispiel sollte bis dahin die Morse Fest 2015 – ein 6-Disc-Set – draußen sein und wir arbeiten auch daran, die „Testimony“ auf Vinyl rauszubringen. Darauf könnt ihr euch schon einmal freuen. 

Aber du wirst dich jetzt eher auf das neue Album konzentrieren und arbeitest nicht noch nebenbei an anderen Projekten? Außer es fliegt dir wieder etwas zu?
 
Wo wir gerade von fliegen sprechen. Im Dezember habe ich eine Woche Zeit, um an neuem FLYING COLOURS- Material zu arbeiten. Also wird es vielleicht nächstes Jahr ein neues Album geben, wenn alles gut läuft. Werden wir noch sehen!

Gibt es noch etwas, das du uns erzählen möchtest?
 
Ja, das kann ich euch sagen: Ich liebe Österreich. Ich liebe es wirklich, Österreich ist einer meiner liebsten Orte auf dem Planeten. Und ich denke sehr viel an Österreich, gerade heute Morgen habe ich Mozart gehört und wieder an Salzburg gedacht. Ich bin auch oft zum Schifahren dort mit meiner Familie. Wir alle lieben das Land. Und ich hoffe natürlich, dass euch das neue Album zusagt. 

Davon bin ich überzeugt! Kleine Frage noch: Schifahren in Salzburg? 

Nein, wir fahren immer nach Fieberbrunn.
 
Okay, dann vielen Dank für deine Zeit und für das tolle Album. Alles Gute weiterhin und viel Spaß auf der Tour.


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