Hokum - Jonas Fischer

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... allen Leuten, die gerne einen Blick über den Tellerrand riskieren, wollen wir dafür einen unvergesslichen Trip bereiten, das ist klar!

HOKUM schneiten mit ihrem vor Progressivität nur so überschäumenden "PI" Album als eine der Überaschungen in unsere Redaktionshallen! Basser Jonas Fischer über das Wie und Was....

Text: Reini
Veröffentlicht am 23.11.2008

Hey Jonas – Also Euer neues Album „PI“, da hat ja die progressive Keule immens zugeschlagen, wenn wir jetzt einmal den direkten Vergleich mit „No Escape“ anstellen – wie kommt’s?.

Grüß dich Reini! Nunja, wir haben uns zum einen musikalisch wirklich weiterentwickelt, jeder von uns ist noch ein Stück lockerer mit seinem Instrument geworden. Zudem hat sich mit dem Einstieg von Nico, unserem aktuellen Schlagzeuger, der nebenbei bemerkt natürlich ein Riesen-Prog-Fan ist, der Songwritingprozess ziemlich verändert. Früher wurde der Großteil der Songs hauptsächlich von Voge, unserem Leadgitarristen geschrieben. Inzwischen sind alle miteinander daran beteiligt.

In wie weit siehst Du die Gefahr, den Hörer mit dieser wirklich technischen Erhabenheit eine Spur zu überfordern, ich mein: „PI“ so nur nebenbei zu hören ist nicht?

Mei, mit dem Kopf mitnicken sollte auch schon beim ersten Hören funktionieren. (lacht) Natürlich kann ich mir vorstellen, dass wir einen Teil der Musikhörer überfordern werden. Aber allen Leuten, die gerne einen Blick über den Tellerrand riskieren, wollen wir dafür einen unvergesslichen Trip bereiten, das ist klar!

Ich habe mir bewusst unglaublich viele Rundläufe von „PI“ einverleibt, einfach weil man dieses Album zu einem gewissen Grad erobern muss, ist das der Anspruch den ihr nicht nur an Euch, sondern auch an die Hörerschaft stellt?

Hey, erst mal noch mal Danke für die Geduld! Ansprüche an unsere Hörer stellen wir natürlich nicht, jedenfalls nicht bewusst. Für uns selber sieht das natürlich ein bisschen anders aus, schließlich wollen wir uns von Song zu Album und von Aufnahme zu Aufnahme verbessern. Und dafür muss viel getüftelt werden. Auf alle Fälle macht es Spaß, neue Wege abseits der ausgetrampelten Vierviertelpfade zu beschreiten.

Faszinierend für mich zum Beispiel der Opener „Collapsing Synapses“: Selten genug bekommt man ein derart technisches Schmankerl offeriert, welches zudem auch noch so was wie Eingängigkeit besitzt. War Euch das gerade beim Opener in so fern wichtig um vielleicht auch den Zugang zu erleichtern?

Es war uns natürlich wichtig, einen Song als Opener herzunehmen, der unserer Meinung nach den Hokum-Sound am besten umreißt. „Collapsing Synapses“ hat viele Elemente, die wir als typisch für unseren persönlichen Stil sehen: Eingängigkeit und Kompliziertheit in einem, ein melodisches Solo und viel Thrash Metal!

Bei meiner Entdeckungsreise hab ich ein paar interessante Details ausfindig gemacht – so habt ihr – wenn ich jetzt nicht komplett daneben liege – in „How Long“ eine Kurzreminiszenz an die Straßen von San Francisco eingebaut – so ab 1:45 das Erste Mal zu hören?

(lacht) Als ich dein Review das erste Mal lesen konnte, habe ich gleich mal auf YouTube nach dem Song gesucht, denn zu meinem Bedauern muss ich zugeben, dass ich die Serie nicht kenne. Aber du hast vollkommen Recht, es hört sich wirklich ähnlich an! Wunderschöner Zufall!

Auch das jazzige Feeling in Teilen von „The Dawn of Change“ – eine Richtung die ihr vielleicht in Zukunft öfter einbauen wollt?

Auf alle Fälle, nichts macht Musik so langweilig wie mit Scheuklappen durch das breite Angebot der Musikgenres zu schreiten.

Ja und natürlich der Instrumentale Titeltrack – also wenn der Anfang nicht nach BLACK SABBATH klingt fresse ich einen Besen - versprochen?

(lacht) Ok, geht klar!

Ihr habt nach der CD Produktion von „PI“ einen neuen Sänger in die Band integriert - André Epperlein! Erzähl mal was über den Knaben und war dieser Schritt auch dadurch heraufbeschworen, weil so mancher die Sangesqualitäten vom Benjamin auf „PI“ kritisiert hat?

Wir hatten kurz nach dem Release von „PI“ einen Auftritt, bei dem André als Gastsänger mitwirkte. Dort hat er uns mit seiner Professionalität, seiner Bühnenpräsenz und natürlich seiner Stimme so was von dermaßen umgehauen, dass wir gar nicht umhin konnten, ihn in die Band aufzunehmen! Ich persönlich finde die Gesangsperformance von Benji, unserem Rhythmusgitarristen, auf „PI“ jedenfalls wirklich brillant, er hat einen Haufen aus sich herausgeholt und klingt durchgehend verdammt aggressiv. Für diese Scheibe würde ich mir gar keinen anderen Sänger wünschen. Auf alle Fälle stehen uns jetzt mit dem Beitritt von André alle Türen offen, uns noch variabler auszudrücken. Wir proben seit Kurzem mit vier Gesängen: André am Hauptgesang, Benji und ich als Backgroundbrüller und, was ich wirklich besonders finde, unserem Schlagzeuger Nico am zweiten Cleangesang. Nico hat auf „PI“ auch die cleane Stimme bei „Dawn of Change“ aufgenommen, er hat eine super Stimme, und ihr dürft wirklich alle gespannt sein, was da in Zukunft alles auf euch zukommt!

So richtig verwundern an Eurer Band tut mich eigentlich nur mehr die Tatsache, dass ihr zwar von der Presse ausnahmslos hochgelobt werdet, Plattenvertragstechnisch sich aber bis dato nichts getan hat. Gründe hierfür? Habt ihr in diese Richtung jetzt gar nicht wirklich was intensiv vorangetrieben, oder sind die ganzen selbsternannten Talentescouts bei den Labels wirklich taub?

Nun, Labels wollen Geld verdienen, und leider schaffen es wohl die wenigsten Bands, die komplizierte Musik spielen, eine große Menschenmasse anzusprechen. Der Großteil der Leute hört nun mal leider lieber Musik, die seicht aus dem Radio plätschern kann, ohne dass man auf sie aufpassen muss. Schade, dass es so ist, aber das wird sich nie ändern. Wir versuchen das Beste draus zu machen und so viel wie möglich live zu spielen, schließlich ist das immer noch die schönste Art, seine Musik an den Mann und die Frau zu bringen! Wenn dann mal ein Label aufmerksam werden und ehrliches und aufrichtiges Interesse zeigen sollte wären wir natürlich heilfroh über die Unterstützung. Aber bis dahin treiben wir in die Richtung lieber nichts aktiv voran, wir haben schon von genug Bands gehört, die von Pseudolabels ziemlich verarscht wurden. Also, Fazit: lieber spielen wir ohne Label 30 Gigs im Jahr als mit Label nur zwei.

Bitte hinterlasse doch noch ein paar abschließende Worte an unsere Leser…

Vielen Dank an alle Fans für eure Unterstützung, ohne euch wären wir gar nichts! Danke auch an dich, Reini, für die Gelegenheit für dieses Interview! Achja: Unsere CD kann man sich auch versandkostenfrei nach Österreich bestellen! Einfach auf hokum.de vorbeischauen, wir schicken es gerne ohne Portokosten vorbei!


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