Trotz aller Opfergaben an die Götter (mehr Bier!) - es wollte und wollte nicht aufhören zu regnen. Nach fast 20 Stunden(!) war nicht nur der Zeltplatz komplett verschlammt, auch vor den Bühnen herrschte Land unter. Besonders perfide der „unsichtbare See“ (eine ca. 20cm tiefe Lacke, allerdings mit einer dünnen Schicht Hackschnitzel bedeckt) vor den Bars, welcher mehr als einen Schuh durchnässt haben dürfte. Danke an dieser Stelle für diese Glanzleistung. Verständlicherweise waren auch schon viele Besucher wegen des Regens abgereist.
Hier zeigte die bis jetzt gut durch organisierte Veranstaltung ihren ersten Schwachpunkt: Obgleich seit fast zwei Wochen(!) Regen angekündigt gewesen war, wurde erst nach vielen, vielen nassen Stunden eine Wagenladung Schilf Hackschnitzel nach der anderen daher gekarrt. Besonders idiotisch dabei war, dass man einfach an zufälligen Plätzen große Haufen dieser Schnitzel hinter- und diese sich selbst überließ. Einige der Anwesenden versuchten zwar, die Haufen mit mehr oder wenig intelligenten Aktionen zu verteilen allerdings nur mit zweifelhafter Effizienz. Vor den Bühnen glaubte man inzwischen, bei richtigem Licht gesehen, direkt am Meer zu stehen.
Nun Regen gehört zu Festivals wie das warme Bier am Zeltplatz (Warmes Bier? Bei 7 Grad Außentemperatur? Anm. d. Red.), deshalb ließ man sich nicht weiter die Stimmung verderben und schaute sich in Ruhe die Show der SUICIDAL ANGELS an. Thrash Metal auf höchstem Niveau, noch dazu aus Griechenland sieht man nicht alle Tage. Schnell, direkt und ohne Kompromisse, so holzten sich die Griechen durch ihr Set an diesem Freitag Vormittag. Nach leider nur 30 Minuten war allerdings schon wieder Schluss und die erste Thrash Attacke des Tages überlebt.
(c) Max Dengler 4 stormbringer.at
PARKWAY DRIVE aus dem schönen Australien war die nächste Band am zweiten Tag des Metalfest 2010. Erstaunlicherweise war der Platz vor der Bühne komplett voll als die ersten Klänge des Intros erklangen und die, sagen wir mal „sehr sommerlich“ bekleideten Musiker die Bühne betraten. Entweder sind die extrem kurzen Shorts der Australische Sommertrend 2010 oder den Jungs sind die letzten Sicherungen auch noch durchgebrannt, was auf Tour leicht möglich ist. Bei der Musik die die Australier fabrizierten war das allerdings herzlich egal! Der Sound stimmte und so standen den nächsten 50 Minuten Overdrive nichts mehr im Wege. Songs wie das göttliche „Idols and Anchors“ oder „Sleepwalker“ sorgten für die ersten fetten Circle- und Moshpits des Tages, während antreibende Ansagen gepaart mit einer guten Setlist das Stimmungsbarometer weiter in die Höhe jagten und die „relativ“ kühlen Temperaturen für eine gewisse Zeit verschwinden ließen. Fast schien es als hätten die Jungs die Sonne und Wärme aus Ihrer Heimat mitgebracht. Wem nun auch zu kalt geworden ist, der kann die Jungs im Herbst als Headliner der NEVER SAY DIE! Tour erleben! Christoph (Sethrion)
ARKONA sind in unseren Breitengraden bis jetzt eher durch das, ähm, leicht peinliche Video zu „Goi, Rode, Goi!“ (Rod übrigens ein slawischer Gott) als durch große Präsenz aufgefallen. Musikalisch im üblichen Mann/Frau Pagan Metal verwurzelt stellen hier wohl die sprachliche Hürde und der etwas herbe Charme (mag an ihrer Vorliebe für Wolfs(?) Felle liegen Anm. d. Redaktion) von Sängerin „Masha Scream“ das größte Problem dar, denn von den Songstrukturen hat sich, dank auch der Mitarbeit von so illustren Gästen wie Månegarm sehr wohl die eine oder andere Perle im sonst durchschnittlich aufregenden Songmaterial versteckt. Ob das aber reicht um, wie von Napalm Records angekündigt, den Pagan Thron zu besteigen müssen erst zukünftige Veröffentlichungen und Liveauftritte zeigen, am Metalfest war es solide durchschnittlich, nicht mehr.
(c) Max Dengler 4 stormbringer.at
Trotz relativ früher Stunde und einigen Anlaufschwierigkeiten gelang es dann NEVERMORE, das noch immer etwas verschlafene, und dezent unterkühlte Publikum zu motivieren. Neben altbekannten Klassikern wie „Enemies of Reality“ oder den Hits „Born“ und „This Godless Endeavour“ vom gleichnamigen letzten Album gab es auch einiges von „The Obsidian Conspiracy“ zu hören, das sich aber nahtlos in das tighte Set der Amerikaner einfügte – so wie übrigens auch Gitarrist Attila, der Steve Smyths Platz an der zweiten Gitarre übernommen hat. Besonders beeindruckend war neben Jeff Loomis‘ unnachahmlichem Gitarrenspiel wieder einmal Warrel Danes Gesang, und das, obwohl der Mann mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hatte. Zwar hat man die Amerikaner auch schon motivierter agieren sehen, angesichts der Umstände gelang NEVERMORE aber in jedem Fall eine überzeugende und einwandfreie Show. (Bernhard Schubert)
ROTTING CHRIST war die zweite griechische Band des Tages, mit dem Unterschied das es diese Herrschaften erstens schon ein paar Jahre länger gibt und dass sie zweitens soliden Black Metal spielen. Mit der neuen CD „AEALO“ und einem großen Backkatalog im Gepäck waren die Griechen nach Mining gekommen um 40 Minuten ordentlich Gas zu geben. An einer Band wie ROTTING CHRIST scheiden sich immer wieder die Geister, entweder man mag sie oder man mag sie nicht. Trotzdem: Live sind sie nicht zu überbieten. Nach alle den Jahren des gemeinsamen Auftretens sind die Griechen gut aufeinander eingespielt und hatten kein Problem damit trotz der frühen Uhrzeit das Publikum auf ihre Seite zu ziehen. Das Set wurde mit dem Allzeit Klassiker „Sanctus Diavolos“ geschlossen und es galt: Zufriedene Band, zuf riedene Fans - besser kann es nicht sein. Christoph (Sethrion
Als um 18:00 KORPIKLAANI ran durften, befand sich der Alkoholspiegel im Publikum bereits wieder merklich im gehobenen Bereich. Der Humppa-Metal der Finnen wurde begeistert aufgenommen, was bei einem Opener wie „Vodka“ wohl auch kaum anders möglich gewesen wäre. Crowd und Band hatten sichtlich Spaß an der Bewegung, geboten wurde der übliche „bunter Strauß“ an Sauf- und Partysongs, bei denen sich Sänger Jonne als exzellenter Zeremonienmeister entpuppte. Nach und nach zeigten sich allerdings Abnutzungserscheinungen, da das Songmaterial über weite Strecken doch relativ ähnlich ausfällt und damit keine großen Abwechslungen bot. Dadurch war gegen Ende des Sets die Stimmung bereits merklich abgeflaut. Trotzdem hatten sich die Finnen einen Schluck Vodka (oder Bier) redlich verdient. (Bernhard Schubert)
(c) Max Dengler 4 stormbringer.at
DECAPITATED kehren zurück, DESPISED ICON lösen sich nach dieser Sommertour auf. Das Jahr 2010 hat bis jetzt einige Überraschungen mit sich gebracht. Nach kurzem Intro gingen die Jungs mit „All For Nothing“ ins Rennen und zeigten in den nächsten 30 Minuten, dass man es noch einmal wissen will bevor es endgültig vorbei ist nach diesem Sommer.
Die Setlist war bunt gemischt und setzte sich aus Songs der aktuellen Platte „Day Of Morning“ und den Vorgänger Alben wie „The Ills of Modern Man“ zusammen. Von der Performance der Kanadier war ziemlich sicher der eine oder andere Schwermetaller irritiert, wen wundert das schon, bei HIP HOP Klamotten auf der Bühne?. Da jedoch Kleider bekanntlich keine Leute machen, war das sichtlich egal, Songs wie „Day Of Morning“ oder „Fashionable!“ sorgten für ordentlich Bewegung in den vordersten Reihen. Eigenartigerweise war nach 30 Minuten schon wieder Schluss, bei einer angekündigten Spielzeit von über 40 Minuten. Schade, da wäre sich noch der eine oder andere Klassiker ausgegangen. Christoph (Sethrion)
Nach der leider etwas zu leisen Show von DESPISED ICON ging es raschen Schrittes zur dritten Bühne - immerhin sollte hier als nächstes eines der heimlichen Highlights des Metalfests auf der Bühne stehen. MILKING THE GOATMASCHINE vom Planeten GoatEborg sind auf der Erde gelandet um uns ihre Version berühmter Songs von Bands a la NAILBOMB oder SACRED REICH näher zu bringen. Das Zelt war dicht gefüllt, nach einiger Drängerei standen die nächsten 30 Minuten aber dann ganz im Zeichen des Old School Death Metal und zwar vom Allerfeinsten. Der Schlagzeuger sorgte mit seiner agressiven Ziegenstimme für die nötige Untermalung des brachialen Old School Sounds und die schrägen Masken taten ihr übrigens. Sicher eine DER Bands des Metalfests 2010. Sound gut, Ziege gut alles gut! Christoph (Sethrion)
Vom ersten Ton an wurden LEGION OF THE DAMNED enthusiastisch aufgenommen. Man merkte der Combo die Sicherheit der vielen Konzerte der letzten Monate sichtlich an. Die Langhaardackel aus Holland kamen mit einer Headliner würdigen Show und waren die einzige Band des Abends, die Pyros und Flammenfontänen benutzen durfte. Knapp eine Stunde lang boten die Holländer hammermäßigen Death-Thrash Metal, zu dessen Power jeder Musiker sein individuelles Scherflein beitrug. Drummer Erik hämmerte gnadenlos alles in Grund und Boden während Kollege Richard seine Bandkollegen mit dezidierten Riffattacken versorgte. Basser Harold bildete das Rückgrat der Band und zupfte in solider Weise die vier Saiten. Sänger Maurice tigerte als stetiger Unruheherd über die Bühne und die Intensität mit der die Songs runter geprügelt wurden, jagte einen Schauer nach dem anderen über den Rücken. Ehrlich gesagt was soll auch bei solch Abrissbirnen wie „Pray and Suffer“, „Sons of the Jackal“ oder „Cult of the Dead“ schief laufen. Die Holländer sind nicht nur eine der sympathischsten sondern eine der besten Bands, welches das Genre derzeit zu bieten hat. Immer ein Garant für eine energiegeladene, erstklassige Show was an diesem Abend wieder eindrucksvoll unter Beweis gestellt wurde. Super. (Manfred Thanner)
(c) Max Dengler 4 stormbringer.at
Welche Band ist dafür bekannt Ihre T-Shirts selbst zu drucken, beziehungsweise für 10 Euro zu verkaufen? Welche Band geht im Schnitt nur alle vier Jahre auf Tour und sorgt für großteils ausverkaufte Hallen In Europa? Und welche Band bringt seit über 24 Jahren starke CDs heraus ohne dabei in eine Wiederholungsfalle zu tappen?
Mit BOLT THROWER haben sich die Veranstalter wirklich einen Hochkaräter in Sachen Death Metal aufs Metal Fest Austria geholt. Jeder der sich halbwegs in der Szene auskennt weiß, dass die Briten nicht gerade dafür bekannt sind übermäßig gut live zu spielen. Noch ein Grund mehr dieser Headliner Show am kalten Freitag Abend beizuwohnen und den Gegenbeweis anzutreten. Nach dem üblichen majestätischen Intro verwandelte sich die Hauptbühne für eine Stunde und 45 Minuten in ein Schlachtfeld. Treibende Doublebase, Midtempo Gitarrenriffs und tiefe Vocals das zeichnet eine richtige BOLT THROWER Show aus!
„Honour, Valure, Pride!“, „For Victory“, „No Guts, No Glory“ oder „Mercenary“, diese Songs zeigen über welch ausgezeichneten Backkatalog BOLT THROWER inzwischen verfügen.
Sound spitze, Band gut in Form und mächtig in Fahrt, dem Headliner Status wurden die Briten spielend gerecht und es wurde sogar ein neuer Song zum Besten gegeben.
Vielleicht ein Hinweis auf das Nachfolge Album zu CD „Those Who Was Once Loyal“?
Die Stimmung dieser Show kann man nicht einfangen, man muss sie gesehen haben, selbst dabei gewesen sein um die geballte Power spüren zu können.
BOLT THROWER haben eindrucksvoll bewiesen haben, dass sie eine der größten Death Metal Bands weltweit sind, egal ob auf CD oder live und genauso wie eine Woche zuvor die Kollegen von BENEDICTION auf den WALPURGIS METAL DAYS verzichteten auch BOLT THROWER auf unnötiges Beiwerk, hier zählt die Musik. Und die hat definitiv gepasst. Christoph (Sethrion)
Zum Abschluss des Abends gab es WINDS OF PLAGUE auf der dritte Bühne und hier gibt es nicht viel zu sagen außer einem Wort: Brutal. Für Fans gepflegten Death Metals ein heißer Anspieltipp!