VADER um 12:15 auf der Hauptbühne, was sich wie ein schlechter Scherz anhört war am Metalfest 2010 leider Tatsache. Warum eine Band wie VADER eine so frühe Spielzeit vorgeschrieben bekommt wunderte so manchen, glücklicherweise war der Platz vor der Bühne trotzdem prall gefüllt.
VADER machten das Beste aus der Sache und taten das, was sie am besten können: Gas geben! Neben den altbewährten Klassikern werden auch neue Songs der aktuellen Platte „Necropolis“ gespielt und es zeigt sich, dass diese Scheibe unglaubliches Live-Potential besitzt. Leider ist schon nach 30 Minuten Schluss, wieder auf Grund der frühen Spielzeit. Christoph (Sethrion)
EPICA ist eine jener Bands, die (musikalisch) eher schwach begonnen hatten, sich aber, über die Jahre, zu einer Fixgröße im female fronted Gothic/Symphonic Metal emporgearbeitet haben. Leider tourte man dieses mal ohne Streicherorchester und Chor, daher musste man sich „nur“ mit der Augenweide namens Simone Simons begnügen, die im ständigen Zwiegespräch mit Obergrunzer Mark Jansen eindeutig bewieß, dass weibliche Gothic Sängerinnen weder puppenhaft aussehen noch peinlich mit den Armen rudern müssen. Immer schön in der Balance zwischen Gothic und Progressiv Tönen wusste man die zahlreich erschienenen Zuhörer umfassend zu begeistern was nicht zuletzt an einer äußerst geschickten Songabfolge lag, die nur kurze Verschnaufpausen zuließ, ein rundum gelungener Auftritt.
(c) Max Dengler 4 stormbringer.at
DEICIDE in Österreich, eine Seltenheit. Besonders wenn Mr. Glen Benton dabei ist. Der leibhaftige „Anti-Christ“ ist ja bekannt dafür, nicht gerade der größte Freund von Touren zu sein. Aber immerhin, er war am Metalfest 2010 mit seiner Band DEICIDE zu Gast und ist ein weiterer Beweis dafür, dass die ältere Fraktion im Death Metal Bereich noch lange nicht zum alten Eisen gehört.
„When Satan Rules his World“, „Dead By Dreaming“, „Serpents of the Light“diese Songs sind alle All-Time Klassiker die in keiner Death Metal Sammlung fehlen dürfen. Der Sound stimmte und das Zusammenspiel der Band funktionierte wunderbar. Hervorstechend ist wie immer Drummer Mr. Steve Asheim, solch Routine und Freude beim Spielen sieht man selten. Technik und vor allem Geschwindigkeit kamen auch nicht zu kurz und so begleitete er die Saiteninstrumente souverän durch das Set. Mr. Benton, sichtlich gut gelaunt, schlug den Zuhörern einen Hit nach dem anderen um die Ohren und zeigt damit: DEICIDE ist live eine Macht.
Nach über 40 Minuten Spielzeit wurde mit dem Song „Homage for Satan“ ein geiles Konzert beendet und eine sichtlich zufriedene Band verließ die Bühne unter den Zugaberufen der begeisterten Menge. Da bleibt nur zu hoffen, dass mit der neuen Platte auch wieder eine größere Tour durch unsere Lande folgen wird. Christoph (Sethrion)
Viel wurde über VARG in den letzten Monaten geschrieben und diskutiert. Festivals zogen ihre Unterstützung zurück, das alte Label ließ sie fallen und Indymedia wetterte in wortreichen, mehr oder weniger gekonnt geschriebenen Artikeln über die angebliche Naziband.
Jetzt, ein gutes Jahr später haben sich die Wogen geglättet und VARG können wieder ihre Musik sprechen lassen. Zugegeben, dass der Soundtechniker gleich das Intro vermasselte war wohl nicht geplant, dafür gaben die Fackeln auf der Bühne ein nettes Bild ab, auch wenn die erwünschte düstere Stimmung auf Grund der frühen Uhrzeit nicht wirklich aufkommen wollte. Das Programm bestand aus den bekannten Liedern von „Wolfszeit“ und „Blutaar“ wobei man leider festhalten muss, dass sich die neuen Stücke nicht wirklich im Gehörgang festsetzen wollen, ob es an den doch eher platten Texten oder der uninspiriert wirkenden Musik liegt wage ich angesichts der gedämpften Grundstimmung und technischen Probleme nicht zu beurteilen. Es bleibt abzuwarten, wie sich diese Band, musikalisch als auch persönlich in den kommenden Monaten und Jahren entwickeln wird.
(c) Max Dengler 4 stormbringer.at
Ein Debakel sondergleichen war dann der gemeinsame Auftritt von ELUVEITIE und FINNTROLL unter dem gemeinsamen Banner PAGAN ALLIANCE. Nachdem man die Fans mehr als eine halbe Stunde mit dem finalen Soundcheck hingehalten hatte betraten die beiden Bands gegen 18:40 die Bühne um sofort in einem Soundbrei aus Rauschen, Rückkoppelungen und undefinierbaren Tönen unterzugehen. Von beiden(!) Schlagzeug anfangs keine Spur (Das haben die MELVINS deutlich besser im Griff Anm. d. Red.), das Mikrofon des Sängers versagte den Dienst und die akustischen Instrumente waren überhaupt nicht zu vernehmen. Ungläubige Blicke im Publikum, erste Unmutsbezeugungen, als sich auch nach zwei Liedern noch kaum etwas gebessert hatte. Die Mitglieder der Bands wechselten sich ab, mischten kräftig durch, versuchten mit einer hölzernen und bemüht wirkenden Bühnenshow zu retten was zu retten war. Vergeblich, wie man an den abwandernden Massen erkennen konnte. Erst im allerletzten Drittel bekam man die Technik und somit das Geschehen in den Griff und konnte die verbliebenen Fans doch noch halbwegs zufrieden Stellen, man muss aber klar sagen, nach TWILIGHT OF THE GODS das zweite potentielle Highlight, das mit einer fetten Bombe ins Wasser gefallen ist.
(c) Max Dengler 4 stormbringer.at
MARDUK gibt’s es nun schon so lange und in so unterschiedlichen Besetzungen, dass man kaum noch weiß, was man schreiben soll. Ständig im Limbo zwischen „man mag sie oder man hasst sie“ gefangen hat die Band über all die Jahre ihr Ding durchgezogen um die „most blasphemous band in the world„ zu werden. Glücklicherweise hat bei diesem Auftritt niemand versucht Mortuus zu umarmen (http://www.youtube.com/watch?v=OuqboGYK9dA) und so konnte sich die Band ungestört durch den Abend bolzen. Nach dem Disaster namens PAGAN ALLIANCE wirkte der räudige Blackmetal von MARDUK wirklich erfrischend und Mortuus zeigte sich bei bester Stimme und Laune (soweit man das von einem Black Metal Sänger jemals behaupten kann). Warum man diese Band allerdings genau zwischen einer Humppa Megagruppierung und den Thrash Veteranen von TESTAMENT spielen ließ wird auf ewig ein Rätsel bleiben.
Bei TESTAMENT genügt ein Blick auf dieSetlist um zu erahnen, dass die Mannen um den erstaunlich schlank wirkenden Chuck Billy von einer Reihe ihrer Klassiker die Schnauze voll haben dürften – derzeit zumindest, da man ja bei der US Tour zusammen mit MEGADETH das komplette „The Legacy“ Album en bloc performt hat. Sicher auch einer der Gründe, warum Minning in den Genuss von gleich vier Stücken des aktuellen Werkes „The Formation Of Damnation“ gekommen ist und das ziemlich Deathlastige „The Gathering“ Werk von 1999 gleich mit sechs Beiträgen zu Buche schlagen durfte. Da blieb dann Klassikertechnisch natürlich nicht mehr viel übrig, „The New Order“, „Souls of Black“ und natürlich das den regulären Set beendende „Into the Pit“ machten zumindest ein wenig die Affektiertheit dieser Band wett. Über die Blödsinnigkeiten, dass es jetzt auch schon ein Chuck Billy nötig hat, Circle Pits und Walls of Death heraufzubeschwören möchte ich hier gar nicht näher eingehen!
TESTAMENT Setlist:
1. Intro: For The Glory Of...
2. More Than Meets The Eye
3. The New Order
4. Henchmen Ride
5. Riding The Snake
6. True Believer
7. Souls Of Black
8. Legions Of The Dead
9. Eyes Of Wrath
10. The Persecuted Won't Forget
11. Into The Pit
12. D.N.R.
13. 3 Days In Darkness
14. The Formation Of Damnation
(Reini)
Den Ausklang für das Metalfest 2010 erledigten HELLSAW aus Österreich. Während man die Bühne mit Grabkerzen und sogar einem kleinen Altar dekorierte konnte man im Hintergrund schon Sänger Aries mit einer Fackel sehen, welche auch sofort bei den ersten Takten in Form einer kleinen Feuerspuckeinlage zum Einsatz kam. Passend zu den kalten Außentemperaturen spielten HELLSAW ihre Lieder, irgendwo zwischen IMMORTAL und ENDSTILLE, konnten aber auch mit dem einen oder anderen ruhigen, akustischen Zwischenstück überraschen. Die kleine Einlage mit der Bischofsmütze bei „Psycho Pastor“ war dann ein nicht unpassender Kommentar zur aktuellen Lage der katholischen Kirche, Hut ab oder besser: Mütze auf!
(c) Max Dengler 4 stormbringer.at
Fazit Metalfest 2010: Kalt, nass und doch geil - SO kann man das Metalfest 2010 beschreiben. Ein großes Lob an die Organisation für den Ausgleich all der Fehler der letzten Jahre. Die Versorgung mit Essen und Getränken war bestens (nur die Preise für Minerwasser, die Pizza und der Döner höchst pervers) und auch die Merchandise Abteilung konnte sich sehen lassen.
Kritik am schlechten Regenmanagement wird man sich gefallen lassen müssen, hier wurde für 2011 schon Besserung gelobt, sonst könnte es durchaus passieren, dass so manch enttäuschter weil nasser Fan den Weg nach Mining nicht mehr antreten wird.
Über manch Idioten in der Fanschar soll hier besser kein Wort verloren werden, nur soviel: Auch heuer war wieder klar ersichtlich, das so manch einer seine Manieren zuhause gelassen hat von Niveau ganz zu schweigen. Möge euch Thor mit seinem Hammer erschlagen!