Nach dem letztjährigen KEEP IT TRUE-Highlight mit den außergewöhnlichen Konzertmomenten mit CRIMSON GLORY, SARACEN, VICIOUS RUMORS, SACRIFICE, ENFORCER sowie mit Abstrichen MASTERS OF METAL/AGENT STEEL etc. stand das Festival, das ja neben dem Swordbrothers Festival und dem Headbanger´s Open Air eines der Spezial-Metalfestivals überhaupt ist, wiederum auf dem heurigen Konzertfahrplan. Für nicht wenige ist das KIT das Highlight des Konzertjahres, das familiär-lockere Metal-Mekka, zu dem jedes Jahr gepilgert wird und bei dem selbst altgediente Haudegen immer noch (oder wieder) Highlights entdecken dürfen, welche zu ihrer Zeit in der Masse untergegangen sind oder erst retrospektiv zum Kult erhoben wurden.
2 Tage Festival mit gezählten 19 Bands…das ist eindeutig zuviel für nur einen STORMBRINGER – Berichterstatter. Nicht davon zu berichten erscheint ob der Hochklassigkeit, Exklusivität und Emotionalität der Veranstaltung mehr als falsch. Das einzig richtige: sich für einen Stimmungsbericht mit partieller Liveberichterstattung entscheiden, der allerdings keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt und das geile Festival aus subjektiver Sicht und mit persönlichem Enthusiasmus beschreibt.
Nach der entspannten Anreise am Donnerstag, dem Check In in unserer Pension und der großen Begrüßungszeremonie mit dem Großteil der insgesamt knapp 20köpfigen Tiroler Reisedelegation ging es auf die abendliche Warm-Up-Party in die Halle in Dittigheim, bei der man sich dem restlichen bekannten und teils aus ganz Europa angereisten Bangervolk freudig in die Arme fallen konnte. Die Abgesandtschaften aus Wien und der Steiermark waren heuer zahlenmäßig dezimiert, was die österreichischen Metalheads jedoch nicht hinderte, große Metalparty zum aufgrund der krachenden Anlage immer noch scheppernden Sound von MEDIEVAL STEEL bis SLAYER zu machen.
Gestärkt durch ein zünftiges Frühstück stand der 2tägigen Metal-Mania am Freitagvormittag nichts mehr im Wege. Frisch und munter, frisch frisiert und hochmotiviert betrat man nach dem Überwinden der bereits wartenden Publikumschlange ehrfurchtsvoll die Turnhalle, in der immerhin schon eine stattliche Anzahl an kultigen Konzerten stattfanden. Die Veranstalter, allen voran Oliver Weinsheimer setzten wieder auf die bewährte Mischung aus US/True/Prog/Power/NWoBH & Thrash Metal. Stilsicher wurden wieder Bands ausgewählt, die teils exklusiv hier auftraten.
Als erste Band des Festivals durften die Kanadier CAUCHEMAR die Bühnenbretter erklimmen. Die Band um die Kochbücher schreibende Sängerin konnte allerdings den hohen Erwartungen und dem Ruf, dass Keep It True – Opener traditionell toll sind, kaum gerecht werden, zu unsicher war Frontfrau Annick Giroux, zu eindimensional das Songmaterial, zu statisch die Performance, zu inhomogen das Erscheinungsbild der Band.
Da waren die professionell agierenden und bühnenerprobten PORTRAIT schon ganz andere Kaliber. Mit dem überragenden „Beast Of Fire“ krachten die Schweden mit einer entfesselten Urgewalt ins gierige Auditorium dass die glorreichen Metaltage im MERCYFUL FATE – Style wach wurden. Danach lüftete der Sänger sein zusammengebundenes Haupthaar, war sensationell bei Stimme und sorgte für die nötigen Akzente auf der Bühne, wenngleich der etwas matschige Sound (der die meisten Bands des Festivals begleiten sollte) den Hörgenuß doch ein wenig einschränkte. Das Erfolgsalbum „Crimen Laesae Majestatis Divinae“ war sowieso den meisten in der Halle wohlbekannt, sodass der Auftritt der Nordmänner als voller Erfolg verbucht werden darf.
PORTRAIT © Edgar Rauch (Thx!)
Während ein Großteil der Anwesenden die über 25 Grad – Temperaturen im Freien genossen, schwörten eingefleischte Fans auf die Dänen WITCH CROSS (die es in den Achtzigern auf gerade mal eine Full-Length-Veröffentlichung brachten). Der Gitarrist der Altherrentruppe schmückte sich mit einer komisch anzusehenden Mütze, ansonsten war mit einem soliden Auftritt alles im Lot bei den Metalveteranen. Weiter im Programm ging´s mit den von Insidern heiß geliebten und kultisch verehrten ADRAMELCH. Die italienischen ProgRocker vermochten aber – in dezentes Schwarz gewandet - im Vergleich zu anderen augenkrebsverursachenden Altherren-Metalmonstern auch optisch zu punkten.
Das KIT hat trotz Hallenshows Open Air – Feeling, schließlich darf man ungehindert seinen Weg ins Freie antreten und die Halle anschließend wieder betreten. Heutzutage kein Ding der Selbstverständlichkeit mehr. Dies hat nicht zuletzt den tollen Nebeneffekt, dass man seine auf den exquisit bestückten Ständen am Metalmarkt erstandenen seltenen Vinyl-Editions etc. sicher im Auto parken kann und damit nicht im Moshpit baden geht. Für viele ist das Stöbern in den Rartiätenkisten eine willkommene Abwechslung, der man bei den Auftritten der nicht so geliebten Bands nachkommen kann, die szenebekannten Händler freuen sich im Gegenzug über gutes Geschäft. Lobend seien weiters die perfekt organisierten Signing-Sessions mit allen auftretenden Bands erwähnt, bei denen man sich vielleicht eben erstandenen Schmankerl gleich von den Bands signieren lassen kann, negativ der Exklusivvertrag mit der örtlichen Distelhäuser-Brauerei, deren Gebräu wie eine Radlermischung schmeckt und den Geschmacksknospen der Tiroler Delegation so gar nicht gerecht werden will.
SWORD © www.metal-rock-impressions.com
Anschließend trat eine der Gewinnerbands des Festivals an, das KIT zu rocken, was die Finnen OZ auch taten, indem sie mit „Searchlight“ gleich zünftig in ihr Set starteten. Mit Hits wie „Fire In The Brain“ oder „Turn The Cross Upside Down“ konnte die Band sowieso nichts falsch machen. Der kahlköpfige Sänger im kreuzbewehrten Kilt animierte das Publikum entsprechend, die Band machte einen entsprechend spritzigen Eindruck. Ein agiler Sänger, eine motivierte Band und lässiges Songmaterial kreiert bei ansprechendem Sound ein tolles Konzerterlebnis. Daumen hoch für die kultigen Nordlichter!
Eine ebenso äußerst ansprechende Figur machte im Anschluß der amerikanische PowerProg-Fünfer MYSTIC FORCE, der auf seiner ersten Europa-Show nicht zuletzt dank dem neuen, jungen Sänger, druck- und geradezu schwungvoll über das angefixte Publikum hinwegfegte. Der Gig der kauzigen SLOUGH FEG fiel im Anschluß den Grundbedürfnissen (frische Luft schnappen, Nahrungsaufnahme etc.) zum Opfer, schließlich war die Stunde schon einigermaßen fortgeschritten und die bereits vernommenen traditionellen und proggigen Klänge forderten ihren Tribut.
PSYCHOTIC WALTZ © www.metal-rock-impressions.com
Anschließend konnten die von vielen heiß erwarteten und mächtigen Kanadier SWORD – ausgestattet mit einem überraschend transparenten Sound - kräftig punkten. Vor allem die Songs vom legendären „Metalized“-Album von 1986 („Stoned Again“, „Runaway“ „Where To Hide“…) brachten Schwung in die Menge. Der jung und fit wirkende Sänger Rick Hughes trug nicht unwesentlich zu diesem Topkonzert (dem ersten in Deutschland überhaupt!) der legendären Band bei, die eine tolle Bereicherung für das diesjährige Festival war. Am Beispiel der Kanadier sieht man leider eindringlich, dass der Musikwelt aufgrund des frühzeitigen Endes der Band sicher noch einiges an tollem Songmaterial verwehrt geblieben ist.
Mit einiger Verspätung und einem ausgiebigen Soundcheck starteten die Prog-Götter PSYCHOTIC WALTZ in ihr ausgiebiges Set, das den zahlreichen Progfans den Rest besorgen sollte. Die amerikanische Kultcombo um den in Österreich lebenden Sänger Devon Graves aka Buddy Lackey zockte ein stolzes 2,5 Stunden Set, das die gesamte Bandbreite des Schaffens der Ausnahmekönner abdeckte. Dank fein abgestimmter, sphärischer Lightshow und ansprechendem Livesound entfalteten sowohl langsamere Stücke wie „Halo Of Thorns“ ihre Wirkung ebenso wie kernige Songs wie „Morbid“ oder „Mosquito“. Den Bandmitgliedern schien der extensive Auftritt ebenso Spaß zu machen wie dem Publikum und ich kam im Glanze des Backdrops des Klassikers „A Social Grace“ in den Genuß der 3. PSYCHOTIC WALTZ -Show in nur einem Jahr. Mit “Spiral Tower” nahm der Prog-Ausnahmezustand für heute sein Ende. Dieser Auftritt sollte der sachte Vorgeschmack und Aufwärmer für das morgige überirdische Ereignis in Form von ARCH/MATHEOS sein.