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:: KEEP IT TRUE FESTIVAL XV ( Tag 2)

Veranstaltungsinfos...
Datum: 28. April 2012
Ort: Lauda-Königshofen, Tauberfrankenhalle
Bands: ARCH/MATHEOS, NWOBHM SPECIAL/ROXXCALIBUR, ANVIL, TYTAN, TENSION, WHIPLASH, OSTROGOTH, SENTINEL BEAST, FUELED BY FIRE, VOLTURE
Verfasser: Thomas Patsch
Zitate...
""Für den Rauswurf bei Hawkwind habe ich mich dann auf meine Art bedankt und ihre Frauen zu Hause in England gevögelt"."
Lemmy Kilmister (MOTÖRHEAD)
Live Report

Der Opening Slot des zweiten Festivaltages fiel den Amis VOLTURE (einigen von der Split mit ENFORCER bekannt) zu, die sich im Vergleich zum Opener des Vortages als würdig erwiesen, den zweiten Festivaltag gebührend zu eröffnen. So gehört sich das, so macht man die Meute glücklich. Nach dieser Auflage im Sinne des wahren Metals feuerten FUELED BY FIRE aus allen Rohren. Frisch und unverbraucht und im Geiste seliger Bay Area-Tage thrashte sich das kalifornische Quartett durch ihr 45minütiges Set. Dass sich diese Art des Metals erhöhter Beliebtheit am KIT erfreut bewiesen nicht zuletzt die letztjährig hier gastierenden SACRIFICE. In genau dieser Tonart vermochten die Latino-Thrasher einen willkommenen Kontrapunkt zum sonst eher traditionell angehauchten Programm zu setzen, zudem kreiste der erste Moshpit des Festivals. Sänger Rick Rangel erntete Sympathiepunkte, indem er ein Exemplar der beim österreichischen NoiseArt-Label erschienenen Schallplatte „Plunging Into Darkness“ ins Publikum warf. Fazit: Amtliche Thrash-Show, welche die KIT-Organisatoren weiter von der Notwendigkeit von Bands der härteren Gangart überzeugen soll. PS: Ich warte sehnsüchtig auf die erste Kult-Death Metal Band, die am KIT gastiert.

Die Wettervorhersage sagte an allen Festivaltagen fast sommerliche Temperaturen voraus, die Temperaturen schossen in die Höhe, übertrafen jene vom gestrigen Tag und luden die KIT-Besucher, die in ihren Lederhosen und Kutten zum Schwitzen kamen immer wieder ins Freie. Das Deo gehörte somit zur Standardausrüstung, um Camper ohne Dusche musste der eine oder andere Bogen gemacht werden. Nach den von Insidern geliebten Power-Thrashern SENTINEL BEAST, die es wie WITCH CROSS gerade mal auf eine Albumveröffentlichung in den 80ern des vorigen Jahrhunderts bringen und sich mit der keifenden Frontfrau Debbie exklusiv für diese Show wiedervereinigten darbte das KIT-Publikum nach den kultigen Belgiern OSTROGOTH. Der Band um die drei Originalmitglieder tat die Frischzellenkur am Mikro und an der Gitarre merklich gut, entsprechend tight und spritzig wurden „Paris By Night“ „Full Moon's Eyes“ und „Scream Out“ gezockt. Auf „Samurai“ wurde leider verzichtet, trotzdem darf der Gig als Erfolg verbucht werden, wenngleich die Band auf ihrem exklusiven Deutschlandkonzert ruhig noch länger als (die üblichen) 45 Minuten hätte spielen dürfen!


FUELED BY FIRE © www.metal-rock-impressions.com

Anschließend war Thrash-Special-Lovers-Time angesagt, WHIPLASH sollten das KIT thrashen. Dementsprechend wurde das Publikum mit ihrem irgendwie eigenwilligen Sound nach allen Regeln der Kunst verdroschen, die zahlreichen Bandliebhaber kamen auf ihre Kosten, das mit Songs von Klassikeralben wie „Power & Pain“ und „Ticket To Mayhem“ gespickte Set ließ keinen Teil des Pflichtprogramm vermissen. Gut bei Laune und in Armyhose sowie Cowboyhut gekleidet machte das US-Trio die im Pit kreisenden KIT-Jünger mit Brechern wie „The Burning Of Atlanta“ und „Spit On Your Grave“ glücklich. Mir war irgendwie nicht bewußt, auf welches Following die Band tatsächlich zählen darf und wurde vom tighten Gig des Trios animiert, mir die ollen Kamellen wieder mal zu Gemüte zu führen. Well Done, Boys!

TENSION fielen im Anschluß wieder einer Regenerationspause (Augustinerbier mit den vier angereisten Vorarlberger Metalheads) zum Opfer, wurden bei ihrer Europapremiere allerdings ebenso wie die auf der Bühne mit gezählten 4 Saiteninstrumenten, 3 Mikros und einem Keyboarder aufgeigenden TYTAN, die ein musikalisch einwandfreies, aber hüftlahmes, statisches Stelldichein gaben, ansprechend abgefeiert. Generell war zu beobachten, dass im Publikum tendenziell reifere Semester am Start sind, die ihre Lieblinge (vornehmlich) aus den Achtzigern des letzten Jahrtausends hier zum Teil exklusiv und teils erstmalig live sehen konnten und mit Alkohol und sonstigem Ungemach besser umgehen konnten als die sogenannte „Wackinger“-Generation und der Exzeß somit nur im überschaubaren Rahmen stattfand. Die Zahl der Camper war ebenfalls überschaubar, auf das von einigen geliebte Zelterlebnis wollten trotz besten Wetters viele gern verzichten. Im gediegenen Alter kann man sich eine Pension oder Hotelzimmer leisten, macht dies auch und steht auch dazu. Zelten war für viele von gestern und gegen ein gepflegtes Frühstück, ein kuscheliges Bett und eine heiße Dusche hat schließlich kein vernünftiger Mensch was einzuwenden.


WHIPLASH © www.metal-rock-impressions.com

Nach der Tour im Vorprogramm von SAXON kam ich in der Folge in den Genuß eines weiteren ANVIL-Gigs meiner Konzertlaufbahn. Trotz eines musikalisch und showtechnisch absolut in Ordnung gehenden Sets, das olle Kamellen wie „Mothra“ oder „666“ und neueres Material wie „Juggernaut Of Justice“ beinhaltete (und ja, auch der Dildo kam wieder zum Einsatz), konnte die Ambivalenz zwischen Heroen- und Initiatorenkult und Mitleidsfaktor jedoch nicht größer sein. Einige Die Hard – Fans im ANVIL-Shirt freakten aus, viele zogen sich das Ganze eher aus distanzierter Neugierde rein. Die Band (die mit neuem Basser antrat) um Fronter Lips ist Kult, klar, aber Konzerte wie das heutige vor über 2.000 Die Hard – Metalfans aus ganz Europa tragen nicht zuletzt dazu bei, den wahren Stellenwert der Kanadier zu verwässern und der Band fälschlicherweise ein weiteres Mal Hoffnung auf „mehr“ zu machen.

Anschließend wurden die Bedürfnisse der wahren Metal-Hearts bedient, als mit der ROXXCALIBUR-Backingband NWOBHM-Größen (wie der ehemalige IRON MAIDEN – Gitarrist Dennis Stratton oder Paul GASKIN) der glorreichen Metal-Frühphase in Lauda-Königshofen gastierten. Für nicht wenige war dieser Showcase einer der Höhepunkte des Festivals, für einige andere stellte diese Old School-Partie eine willkommene Erholungspause vor dem speziellen Großereignis dar, das im Anschluß folgen sollte. Gezockt wurden Songs von u.a. SAVAGE („Let It Loose“), HOLOCAUST („Heavy Metal Mania“) oder GASKIN („I'm No Fool“), welche die volle Halle in Erinnerungen an vergangene, glorreiche Tage schwelgen ließ. Die Höhepunkte waren die Performances von verinnerlichten Metal-Hits wie „Princess Of The Night“ oder „Iron Maiden“.


ANVIL © www.metal-rock-impressions.com

Allergrößte Spannung lag vor dem Auftritt von ARCH/MATHEOS in der Luft, die zusätzlich durch das Verhüllen der Bühne mit schwarzen Paravents angestachelt wurde. Die meisten der Anwesenden waren auf den Auftritt des genialen FATES WARNING-Tandems Gitarrist Jim Matheos und Gesangswunder John Arch gespannt. Schon beim Opener „Neurotically Wired“ fielen ganze Berge von den Herzen der über alle Maßen angespannten Fanherzen. John Arch war gut bei Stimme und konnte die immens hohe Erwartungshaltung der Fans (zum Glück) erfüllen. Die Stückes des „Sympathetic Resonance“ – Albums bildeten den Kern des Sets, der mit dem heiß erwarteten „Guardian“ vom „Awaken The Guardian“-Album und anderen Classics ergänzt wurde. Mich persönlich überkam ein Wonneschauer bei „Midnight Serenade“ und vor allem „The Apparition“, welches aufgrund der Publikumsbeteiligung und der Interaktion Bühnenpersonal/Auditorium ein ähnlich denkwürdiger und für immer gespeicherter Konzertmoment wie das CRIMSON GLORY – Konzert („Dragon Lady“) vom letztjährigen KIT sein wird (Gänsehaut!).

Einige KIT – Regeln mussten gebrochen werden, um den Ansprüchen und Wünschen der Musiker gerecht zu werden, so fehlte die typische KIT-Kulisse mit den Torbögen sowie das sonst omnipräsente Kamerateam. Doch dieser Preis war zu bezahlen um endlich in den Genuß von All-Time-Classics wie „Epitaph“ oder der finalen Zugabe „Exodus“ zu kommen. Auch die Saitenfraktion ließ ihre große Klasse aufblitzen, Basser Joey Vera wagte sich sogar an den Bühnenrand um die in Extase schwelgende Meute abzuholen.


ARCH / MATHEOS © www.metal-rock-impressions.com

Die Menge war jedenfalls kaum zu halten als die Songs von den FATES WARNING-Alben der John Arch - Ära präsentiert wurden. Dem Ausnahmetalent Arch war allerdings die fehlende Bühnenpräsenz deutlich anzumerken. Nach 25 Jahren erstmals wieder auf der Bühne zu stehen heißt schließlich einiges und sorgt sicher für einen immens hohen Adrenalinspiegel. Die oftmals ungelenken Bewegungen, die der stimmlich auf Höhe tönende Sänger auf die Bretter legte, seien ihm dabei verziehen. Den Die Hard-FATES WARNING–Fans in der rappelvollen Halle war all dies sowieso egal, mit heißen Tränen in den Augen lag man sich in den Armen und war überzeugt, ein außergewöhnliches Konzertereignis, schier gottähnliche Erscheinungen und das emotionalste Keep It True-Festival ever erlebt zu haben, alle anderen durften einer grandios aufspielenden Band um die aktuelle FATES WARNING – Belegschaft und einen stimmlich über sich hinauswachsenden John Arch beiwohnen.

Mit dem einzigartigen ARCH/MATHEOS-Konzert machte KIT-Veranstalter Oli Weinsheimer sich selbst und vielen Fans ein Riesengeschenk, es war ein weiteres mit Highlights gespicktes Festival geschlagen, ein entspanntes, von Wetterglück gesegnetes und toll organisiertes (Programmablauf, Verpflegung, Ein-/Auslaß…) Keep It True war zu Ende, es gab fast ausschließlich nur Gewinner bei den Bands. Der Sound war über weite Strecken nicht gerade der beste bzw. undifferenziert, das (beauflagte) Verbot der Mitnahme von gefüllten Bechern in die Halle irgendwie verständlich. Der Preis für das Festival fiel mit 46 Euro jedenfalls sehr moderat aus, die Frauenquote liegt bei geschätzten 6%, die Parkplatzparties sind legendär und die entspannte, famiiliäre Stimmung ist sowieso nur emotional erfaßbar. Die Zahl der in die Höhe gereckten Handycams war erholsam gering, weniger Buntes und Spandex schonte die Augen der anderen Besucher, viele altgediente und angegraute Metalveteranen auf und vor der Bühne wurden unter der in der Halle gehissten Tiroler und Österreich-Flagge ins Metalvalhalla geschickt sowie einmalige Erinnerungen beschert, die ihnen in ihren oft kurzweiligen Karrieren verwehrt blieben. Das nächstjährigen KIT-Festival hält mit MORBID SAINT oder MEDIEVAL STEEL schon jetzt wieder einige Schmankerln in petto. Das Ticket für das KEEP IT TRUE 2013 ist jedenfalls schon käuflich erworben, das heurige KIT war schließlich „Sold Out“ und das KIT ist eines der wenigen Festivals, bei dem die anwesenden Fans ihr Ticket für das nächste Jahr quasi blind schon im Vorjahr kaufen!

Weitere tolle Livebilder von Michaela findet ihr auf auf ihrer Foto-Seite.

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hate tank
4 Beiträge
11.05.2012 (20:18 Uhr):

Ein Ereignis nur für ECHTE Metal-Fans...

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