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:: INSANITY ALERT, MANIC DISEASE

Veranstaltungsinfos...
Datum: 10. Mai 2012
Ort: Wörgl, Komma
Support: BURNING THE OCEAN
Verfasser: Thomas Patsch
Zitate...
"Ich kann mich noch erinnern, wie ich als Kind immer Alkohol für meine Mutter gestohlen habe."
Scott Vogel (Terror)
Live Report

Wieder einmal rief das KOMMA Wörgl an diesem Donnerstag zum kollektiven Abschädeln. Dieses Mal sollte das Thrashmassaker in der kleineren Blackbox im Keller, in der u.a. schon DISMEMBER gastierten, stattfinden. Eine Südtiroler Band war eingeladen, den Nordtiroler Szene-Heroes die musikalische Stirn zu bieten. Grenzüberschreitende Konzertorganisationskooperation unter dem Banner „Upload“: eine lobenswerte Idee, die leider erst aus Südtirol (wo das Ganze wahrscheinlich entsprechend subventioniert wird) importiert werden musste. Kein Anhänger der Bands sollte aufgrund des freien Eintritts eine Ausrede haben, diesem „Call For Thrash“ nicht ins Tiroler Unterland zu folgen!

BURNING THE OCEAN
Das blutjunge Südtiroler Quintett wurde als erstes ins Feuer geschickt. Motiviert und modern stellten sich die Fünf aus Eppan der Herausforderung, gegen die beiden mächtigen Lokalmatadore anzuspielen. Diese Challenge wurde jedoch nur zu gern angenommen, der Truppe um den energiegeladenen Jungspund am Mikro merkte man zwar die Bühnenunerfahrenheit an, dennoch wuchteten die in genreübliche Klamotten und Frisuren steckenden Jungs ihren brachialen Metalcore amtlich ins Publikum, von dem sich nicht wenige sehr angetan ob des stimmigen Gesamtbilds zeigten und der Band ihren verdienten Applaus für die dargebotene musikalische und bühnentechnische Performance (wenngleich sich die Saitenfraktion eher auf die Bedienung ihrer Instrumente konzentrierte) zollte. Der Großteil des Mobs war jedoch weniger auf moderne Härtnerklänge eingestellt, sondern wollte eine gepflegte Thrash-Ohrenspülung verabreicht bekommen.

MANIC DISEASE
Nach längerer Zeit erfolgte der nächste Angriff des (noch?) in kultiger Dreierformation á la VENOM oder MOTÖRHEAD agierenden Black Thrash-Kommandos. Über die Qualitäten der wild entschlossenen Jungspunde wurde ja anlässlich des letzten Konzerts in Innsbruck und des „Live Necromancy“-Demos einiges berichtet.

Wie immer in 80s Style-Armatur gewandet (Stachelarmband, Stretch, Turnschuhe) und mit Augenschminke ver-evilt, preschte der angeblackte Thrash Metal aus der Soundanlage. Ganz ohne Bühnendeko (Flaggen) donnerte das Powertrio „mit Attitüde“ - ganz der alten Schule verschrieben - mit dem bereits live gespielten Opener „The Occult Reich“ brachial durch ihr Liveset. Zu den neuen Stücken vom aktuellen „Beyond Cosmic Boundaries“-Demo, die vom Auditorium interessiert aufgesogen wurden, gesellte sich stilsicher das „Under A Funeral Moon“-Cover der mächtigen DARKTHRONE.

Hinter dem Mischpult stand dieses Mal nicht ihr Stammmischer Patrick Engel, der der Band ja sonst einen oldschooligen, aber fein ausbalancierten Sound beschert hatte. Ebenso musste heute leider auf ein Special á la „Night Of Evil Sorcery“ mit der alten Sirene Bekim am Mikro verzichtet werden, dafür erfolgte allerdings die liebgewonnene Soundorkan-Vollbedienung, bei der die Ansagen und Keifereien von Frontmann Dave einem gespenstischen Ruf aus dem Purgatorium gleichkommen. Auch beim dritten Konzert, das ich von den Jungs erleben durfte, wurde ich in keinster Weise enttäuscht.

Aufgrund der wilden Action des trommelnden Headbang-Viehs Phil musste INSANITY ALERT-Drummer Klemi Erste Hilfe beim Wieder-Aufstellen der Hi-Hat leisten. Dies und der schlechte Monitorsound, der kleinere Timingprobleme verursachte, taten dem Enthusiasmus auf und vor der Bühne keinen Abbruch, die Band ließ wie gewohnt den Cronos-Gedächtnisoberarmmuskel spielen (Fronter Dave aka Evil Persekutor ist schließlich ein bekennender VENOManiac).



Doch genau diese Kleinigkeiten machen ein Konzert wie dieses abseits von Hochglanzproduktionen authentisch. Sympathisch sind die Jungs trotz aller Evilness sowieso. Auf das alles vernichtende „Total Desaster“ (DESTRUCTION) wurde dieses Mal verzichtet, so fand das Konzert mit einer infernalen Version von DEATHs „Beyond The Unholy Grave“ sein fulminantes Ende, bei dem auch Basser OmO vocaltechnisch unterstützend eingriff.

Setlist:
- The Occult Reich
- Beyond Cosmic Boundaries
- Under A Funeral Moon
- Morbid Isolation
- The Triangle Will Burn
- Misantrophic Rush
- Shapeless
- Beyond The Unholy Grave


INSANITY ALERT
Der heutige Auftritt des Innsbrucker Thrash/Crossover – Kleeblatts war der erste in der Heimat, sprich INSANITY ALERT absolvierten heute ihren überhaupt ersten Gig in Tirol. Konzerte in Holland, Belgien und Italien (als Vorband der SUICIDAL TENDENCIES) hatte man skurrilerweise ja schon absolviert. Sämtliche der noch Anwesenden hatten sich in der Blackbox zusammengerottet, der noch anstehenden Vollbedienung beizuwohnen. Folgerichtig lautete der Slogan in den nächsten knapp 60 Minuten „MOSH!!!!“. Dass nach dem mit tollen Resonanzen bedachten Demo „First Diagnosis“ eine ebenso hochklassige und brachiale Livedarbietung folgen sollte, war irgendwie erhoffbar, aber nicht selbstverständlich.


© alle Livepics: Peter Sandner/Mei-Infoeck (Thx!)

Größter Bonuspunkt bei INSANITY ALERT ist der band- und bühnenerprobte Oranje-Legionär Kevin Stout, der über die Bühne fegte wie ein Derwisch und dabei unentwegt seine Stakkato-Kommandos ins Mikrofon brüllte. Garniert von griffigen Ansagen und feinen Querverweisen von erbrochenen Schlutzkrapfen am Herren-WC über Dieter Thomas Kuhn bis zu Weed und Futurama suchte der lockere und sympathisch-überdrehte Fronter den Kontakt zum Publikum und gebärdete sich wie eine amtliche Rampensau. Die jahrelange Liveerfahrung in anderen Bands machte sich bezahlt und man merkte, wie wichtig ein frei aufgeigender Sänger ist. Diese Ausnahmeleistung des Frontmanns, welche die Spreu vom Weizen trennt, soll allerdings in keinster Weise seine Mitmusiker in den Schatten stellen. Getrieben vom präzisen und schnellen Getrommel von Drum-Machine Klemi, der richtiggehend hinter seinem Drumkit thronte wurde nach dem Opener „Glorious Thrash“ der „Melanzani Mosh“ (eine Hommage an den Schlagwerker) intoniert, der S.O.D.´s „Milano Mosh“ nachstellt.

Flankiert von der ebenfalls gut motivierten Saitenfraktion Dave & dem Basecap-bewehrten Jak, die den ausnahmslos geilen Mosh-Granaten der Marke S.O.D., MUNICIPAL WASTE oder SUICIDAL TENDENCIES mit ihren Gangshouts und Refrains einen zusätzlichen gehörigen Kick verpassten, konnte die Band alle ihre Trümpfe ausspielen. Der Vierer ließ bei dem wie die Faust auf´s Auge passenden GANG GREEN–Cover „Alcohol“ den Spirit der Mid-80er aufleben und versprühte die dabei lieb gewonnene positive Energie und Spielfreude, die mit dem augenzwinkernden, spitzbübischen Charme und Humor jener Tage verbunden wurde.


(Die „Run To The Pit“-Performance auf der großen Bühne)

Neben weiteren Coverversionen von den genannten SUICIDAL TENDENCIES und MUNICIPAL WASTE feuerte das Quartett einen Thrash/Crossover-Flitzer Marke Eigenbau (“Blood Beach”, „Crucified By Zombies“) nach dem anderen ab, die von den anwesenden, mit dem Songmaterial vertrauten Fans aus vollen Kehlen mitgebrüllt wurden. Bei der finalen IRON MAIDEN-Adaption „Run To The Pit“ gab es schließlich kein Halten mehr. Für alle Begriffstützigen wendete der als Verstärkung auf die Bühne gebetene MANIC DISEASE-Basser Omo sein handgemalenes Schild zum Refrain-Slogan „Run To The Pit“/“Mosh For Your Life“, das die gesamte Abgesandtschaft (zum Großteil aus Innsbruck mitgereist, leider ließen sich Wenige aus dem Unterländer Umkreis blicken) im Kollektiv mitbrüllte.

Setlist:
- Intro/ Glorious Thrash
- Melanzani Mosh
- Thrashing IBK
- Braincell Massacre
- Straight Jacket Mosh
- Blood Beach
- Alcohol
- Blunt In Blunt Out
- Substitute Creature
- Slimer's Revenge
- The Infected Zone
- I Shot The Devil
- Crucified By Zombies
- Run To The Pit
---------
- March Of The Mentally Ill
- Born To Party

Lassen wir jegliches überambitionierte Lokalkolorit außer Acht: neben den jungen Südtirolern BURNING THE OCEAN lieferten beide Bands am heutigen Tage eine Demonstration des vitalen Tiroler Metals ab, dies sollte spätestens mit dem heutigen Tage jedermann klar sein, obgleich MANIC DISEASE nicht ganz ihren Glanztag erwischt hatten, man durfte die Band in der Vergangenheit schon tighter erleben. Beide Bands haben die Ambitions-Stufe schon längst überschritten und wären – jede aufgrund ihrer individuellen Vorzüge – zu höheren Weihen berufen.

Egal ob neuzeitlicher Sound (BURNING THE OCEAN), die neue Schule (INSANITY ALERT, die ihre EP gratis zum Download anbieten) oder die alte Schule (MANIC DISEASE, die ihr Demo nur als Tape veröffentlichen), alle Bands verbindet vor allem eins: Dass sie mit dem Herz bei der Sache sind und der Spirit im Zeichen des Metals abseits anachronistischer Begriffsdefinitionen (wie „echt“ oder „true“) weitergetragen wird. Die Bands untereinander verstehen sich prächtig, sind gegenseitig große Supporter und zollen sich wechselseitig Respekt, somit gingen alle Bands auf ihre Weise als Gewinner vom Platz.

Wohldosierte Auftritte der beiden Hoffnungsträgerbands aus dem Westen in der Heimat wie der heutige dürften gerne von überregionalen Gigs ergänzt werden. Alle jene, die heute nicht dabei waren, verpassten eine Lehrstunde in Sachen lebendiger Metal-Underground und einen (was die Zuschauerzahlen betrifft leider in relativ intimem Rahmen stattfindenden) tollen Abend im Zeichen junger Metalcore-Dynamik und zündenden Thrash/Black/Crossover-Metals.

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