Alle heiligen Zeiten läßt sich der Prophet, der ja generell selten viel im eigenen Lande gilt, in selbigem blicken. Nach der Album-Release-Show im Südtiroler Bruneck 2011 war das heutige Konzert einer der doch recht raren Gigs der italienischen Metalinstitution in Innsbruck (der mutmaßlich vierte in 10 Jahren, neben den live miterlebten 2002, 2004 und 2008 dürften es kaum mehr sein). Höchste Eisenbahn also, dass die Südtiroler Finsterlegende wieder mal in hiesigen Gefilden aufschlägt um die Gehörgänge der Nordtiroler durchzupusten. Schauplatz des heutigen Geschehens war das pmk, ein Veranstaltungsort in der Innsbrucker Bogenmeile, in dem sich auch schon geile Acts wie CROWBAR, MASTER, SERENITY, ALCEST, THULCANDRA, VALIENT THORR, ABIGAIL WILLIAMS oder zuletzt THE NEW BLACK die Ehre gaben. STORMBRINGER war für euch exklusiv vor Ort!
TRUST NO.1
Als erste Band des Abends trat Roli Wurzer (einigen von euch vielleicht als Livebasser von IN SLUMBER oder von seiner Band DARKWELL her bekannt) mit seinen Mitstreitern an, das Publikum mit ihrem politisch angehauchten, sich gegen jedwede Form von unterdrückender Authorität gerichteten Oldschool Death Metal zu indoktrinieren, was anhand von Songtitel wie „Il Duce“ oder „There Is No God“ leicht ableitbar ist. Gut gelaunt und frei von der Leber weg klotzte das Quintett ihr gradliniges, aber sehr effektives Brachialgemisch, das aus den Songs vom "Death In The Vatican"-Debut bestand ins noch eher spärlich gefüllte pmk. Frontmann Raphael Lepuschitz verstand sich auf´s standesgemäße Ins-Mikro-growlen, kleinere Schwächen offenbarten sich bei den cleaneren Passagen. Nichtsdestotrotz fiel das Gesamtbild amtlich aus, von traditionellem Death Metal „with an attitude“ kann es schließlich nicht genug geben.
TRUST No.1
EMERGENCY GATE
Die Bayern hatten als Sextett von Anfang an einige Mühe sich auf der beengten Bühne nicht gegenseitig auf die Füße zu steigen und sich beim Stageacting, äh, nicht in die Haare zu kriegen. Der in kontrastbewußtes Weiß gekleidete Fronter Matthias Kupka ist nicht nur das Aushängeschild in Sachen Bühnenacting, auch seine freimütigen Ansagen und sein emotionaler Gesang sind ein großer Pluspunkt der sympathischen Deutschen. EMERGENCY GATE sind der lebende Beweis dafür, dass kraftvoller, tief berührender, melodischer Death Metal nicht zwingend nur aus Skandinavien kommen muß, sondern auch aus dem tiefsten Bayern ein Leuchten am Melo-Death-Firmament entstammen kann.
Ihr lässiger Auftritt ließ an die besten Momente von solchen genreverwandten Könnern wie MNEMIC, SOILWORK und SCAR SYMMETRY, aber auch SENTENCED denken. Im Hintergrund griff Keyboarder Daniel kräftig in die Tasten während vor allem auch Basser Mario von hinten heraus (im Gleichklang mit der 6-Saiterfraktion, die ihren Gitarren kernige Riffs entlockte) für ein Höchstmaß an Stageacting sorgte. Besonders ins Zeug legte sich Drummer Chris Widmann, der nach 3 Jahren Abstinenz wieder in den Schoß von EMERGENCY GATE zurückgekehrt ist und einen fulminanten (Wieder-)Einstand lieferte. Im Mittelpunkt stand naturgemäß das Songmaterial des geilen “The Nemesis Construct”-Albums, das durch lässige Nummern wie „Double Suicide“ oder „Slave“ ergänzt wurde. Die Bayern zeigten sich beim leider viel zu schnell endenden Gig in guter Form und fit für die anstehenden Aufgaben vor großem Publikum und präsentierten mit „Moshpit“ gleich noch einen Song vom neuen Album.
Setlist:
-Alternative Dead End
-Slave
-Story Of A Psychopath
-Point Zero
-Double Suicide
-Dark Side Of The Sun
-Gold n´Glass
-Nothing To Lose
-Moshpit
EMERGENCY GATE
GRAVEWORM
Die Dark Metal Legende aus den Dolomiten hatte ja den Abgang von Gitarrist Thomas Orgler und Stammkeyboarderin Sabine Mair zu beklagen. Die heutige Show diente wie für EMERGENCY GATE gleichsam als Warm Up für die anstehenden Festivalshows im Rahmen des Metalfests. Zudem feierte der verlorene Sohn, der neue/alte Gitarrist Steve Unterpertinger seine Bandrückkehr und sein erstes Livekonzert im Schoße von GRAVEWORM seit rund 10 Jahren.
War ich anfangs noch skeptisch, wie die Band in dieser Version im immerhin 15. Jahre ihres Bestehens ankommen und wirken würde, so wurde ich vom wuchtigen Sound und der homogenen Bühnenpräsenz des Quintetts förmlich weggeblasen. Wenngleich der heutige Abend aufgrund der eingeschränkten Bühnendimension, der simplifizierten Lichtshow und des fehlenden Heimbonus nicht an die zuletzt dargebrachte Machtdemonstration anlässlich der „Fragments of Death“-Albumpräsentation (mit dem man wieder in den Schoß von Nuclear Blast zurückgekehrt ist) im Südtiroler Bruneck herankommen konnte, so vermochte die Band diese Mankos mit druckvollem Livesound, spürbarer Spielfreude sowie der am heutigen Abend entfesselten, schier greifbaren Energie einfach wettzumachen.
Die Südtiroler Symphonic DeathBlack Metaller füllten die doch recht kleine pmk-Bühne völlig aus (für ein zusätzliches Keyboard auf der Bühne wäre ohnehin kaum Platz gewesen), den eingeschränkten Aktionsradius nutzte Growlmeister Stefano Fiori profilike für ein verstärktes Augenmerk auf sein Gegrunze und –kreische und regierte im Gleichklang mit der Band mit dem mächtig wirkenden, kollektiven Propellerbanging, das die Szenerie trotz der beschriebenen Einschränkungen zu einem geilen Clubgig mutieren ließ.
Stefano Fiori (GRAVEWORM)
Band”neuling” Florian Reiner am Bass ist mittlerweile eh schon fest mit der Band verwachsen, Stammdrummer Martin Innerbichler wuchtete von hinten heraus schwere Soundgewichte ins mit rund 130 Leuten recht gut gefüllte Auditorium, während Eric Righi an der Gitarre seine Riffsalven gewohnt druckvoll abfeuerte. Mächtig und voluminös sind sowieso Attribute, die bei den Südtirolern wie die Faust auf´s Auge passen. Songtechnisch präsentierte die Band einen perfekt ausbalancierten Blumenstrauß aus Gassenhauern älterer Machart und neueren Stahlgewächsen vom „Fragments Of Death“-Album, die dem Publikum in einer mundgerechten Mischung, bestehend aus fetten Death Growls und dem Anwerfen der fiesen Kreis(ch)säge, garniert mit wuchtigen Groove- und Hi-Speed-Blastparts sowie wahnsinnig geilen, kernigen Riffattacken gereicht wurde.
Das wuchtige Potpourri von Brutalo-Hits wie „Legions Unleashed“ oder „Hateful Design“ und Neo-Hits wie dem fetten Groover „See No Future“ mundete den anwesenden Fans ebenso wie Bandstandards wie “Dreaming Into Reality“. Sehr geil das uralte “Awaiting The Shining”, das die Klasse der Band schon in jenen jungen Tagen zeigte. Positiv fiel weiter der zwar laute, aber nicht (wie die ansonsten oft als knallig-übersteuert bekannte pmk-Akustik) überdrehte Sound aus.
Alle Livepics © Paul Santek
Auch wenn das pmk den Ansprüchen der Italiener (Bühnenmaße, Sound- und Lichtanlage) kaum gerecht werden konnte, agierte die zum Quintett geschrumpfte Band hochprofessionell und holte das Maximum aus den gegebenen Verhältnissen heraus. Entgegen der Meinung von wenigen, wenngleich beharrlichen Bandkritikern überzeugte mich der heutige Abend wiederum von der Klasse von GRAVEWORM, die auf großen Festivalbühnen ebenso funktionieren wie auf kleinen Clubbühnen. Mit dieser Livepower und dem tollen Backkatalog bleiben die Südtiroler ein Fixstern am Metalhimmel in Sachen episch-dunkler Brutaliät und brachialem Symphonic Death Metal. GRAVEWORM gaben sowohl livetechnisch und auch hinsichtlich des fanfreundlichen Eintrittpreises von nur 10 Euro ihre Visitenkarte in Innsbruck ab und schürten die Hoffnung, dass die Band wohl nicht wieder ewig lange auf sich warten lässt.
Nach dem ungeschriebenen Gesetz, dass kein GRAVEWORM-Konzert ohne MAIDEN`s „Fear of the Dark“ beschlossen werden darf, hätte ich meine Lauscher noch länger gern mit Krachern und Hits wie “Insomnia“ „Touch Of Hate“ „Bloodwork“ „Unhallowed By The Infernal One“, „Vengeance Is Sworn“, „Circus Of The Damned“ oder „Sucide Code“ durchgeblasen bekommen (ja, ihr seht, was für tolle Nummern die Band noch im Talon hätte!), vielleicht packt die Band auf der im Herbst folgenden "Fragments of Death Tour 2012" mit AGATHODAIMON und den einheimischen HELLSAW einige dieser Brecher ins Liveset ein.
Setlist:
- The World Will Die In Flames
- I-The Machine
- Legions Unleashed
- Hateful Design
- Awake
- Absensence Of Faith
- Dreaming Into Reality
- Awaiting The Shining
- See No Future
- Only Death In Your Wake
- Abhorrence
- Fear Of The Dark