:: DIE TOTEN HOSEN |
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"Mit Lord Belial möchten wir einen Gegenpol zum ganzen Schnelligkeitswahn darstellen."
Thomas Backelin (Lord Belial) |
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Live Report
Im Laufe der Rockjahre durften bereits Größen wie MOTÖRHEAD oder BEATSTEAKS die ansonsten Ball- und Messeerprobte Dogana im Innsbrucker Congreß erzittern lassen. Was sich jedoch am heutigen Abend hier abspielte, stellte die vergangenen Performances in den Schatten und gereichte diesen ehrwürdigen Gemäuern zur Ehre. Das Konzert war ja (wie schon der erste der beiden Warm Up–Gigs in Frankfurt/Oder) innerhalb kürzester Zeit restlos ausverkauft, sodaß getrost auf großartige Werbemaßnahmen verzichtet werden konnte. Die rund 3.000 anwesenden Fans, die das Glück hatten, eines der begehrten Tickets zu ergattern, atmeten in dem Wissen, die Band nur sehr selten (so wie auf der kürzlich absolvierten „Wohnzimmertour“, bei der Fans 16 mal die Möglichkeit hatten, sich für Hosen-Konzerte im intimen Kreise zu bewerben) in einem vergleichsweise kleinen Rahmen wie heute und so hautnah erleben zu dürfen, den exklusiven Charme der heutigen Konzertnacht. Um 21 Uhr war es soweit, die beidseits der Bühne in luftige Höhen erhobenen Banner mit dem Knochenadler kündeten unter tosendem Applaus und in die Höhe gereckten Armen von der Ankunft der besten Band aus Düsseldorf. Quasi von Null auf Hundert ließen DIE TOTEN HOSEN von Anfang nichts anbrennen. Seien es die gummiballartigen Hüpfeinlagen von Kuddel und Basser Andi, die Twists um die eigene Achse und Campinos eingegrätschtes Mikroständerniederringen – jede Bewegung auf der Bühne ließ auf ein feines Aufwärmprogramm und eine erstaunliche körperliche Fitness der Bandmitglieder schließen. Punkrock scheint fit zu halten, zumindest die Art von Deutschpunkrock, wie ihn die Hosen seit nunmehr 30 Jahren zelebrieren. Doch nicht nur die physische Konstitution schien zu stimmen, auch das Motivationsbarometer zeigte am heutigen Konzertabend steil nach oben. Bestens gelaunt nützten die Hosen die heutige Gelegenheit noch ein wenig an der Setlist für die anstehenden Mega-Open Airs zu feilen. Doch eigentlich gab es wenig zu experimentieren, denn egal welcher Song angestimmt wurde, jeder Ton und jedes Lied wurden vom ersten Pieps, der von der Bühne schallte, gnadenlos abgefeiert. Auf eines verstehen sich die Düsseldorfer ja blind: Die Verschmelzung von großen Sehnsüchten und Emotionen mit fußballstadionartigen Chören und Refrains, die keinen kaltlassen („Altes Fieber“, „Steh auf, wenn du am Boden bist“, „Alles was war“) und zudem zielsicher das Partygen in jedem Zuschauer anvisieren. Nummern wie „Schade, wie kann das passieren?“ oder „All die ganzen Jahre“ packen wohl jeden und müssen in ihrer genialen Geradlinigkeit einfach mitgebrüllt und abgefeiert werden. Zusätzlich im Angebot hat die Band Ernsthaftigkeit, Tiefsinnigkeit, aber auch Ironie und Witz, sodass wohl für jeden etwas dabei sein dürfte. In genau dieser Tonart ging es weiter Schlag auf Schlag weiter ... „Liebeslied“, „Hier kommt Alex“, „Wünsch dir was“ … ein Hosen-Konzert destilliert die Essenz des PoPunkRocks, das dankbar-willige Publikumsgemisch war dafür ja sowieso leicht zu entflammen. DIE TOTEN HOSEN sind keine detailverliebten Großmeister ihrer Instrumente, Campino nicht der Lieblingsschüler der Gesangslehrer, aber diese Band lebt und atmet Authentiziät und den Spirit des Deutsch/Punkrock und beherrscht den Spagat zwischen Kapitalismus und Underground-Attitüde wie kaum eine andere Band dieser Größenordnung. Trotz all dem blieb in dieser schweißtreibenden Rocknacht inmitten der dargebotenen Profi-Show auch Spielraum für Spontaneität und Fannähe, als bei „Paradies“ das Mikro an Lukas aus dem Publikum übergeben wurde, der den Song dann im Duett mit Meister Campino zu Ende bringen durfte. „Halbstark“ nützte der für das Erklimmen von Bühnenaufbauten berüchtigte Frontmann für einen kleinen Ausflug auf dieselben, jedoch waren die Klettermöglichkeiten im Congreß sehr eingeschränkt, sodaß die Aktion nur ein kurzes Intermezzo darstellte. Diese wohldosierten wilde Elemente in Tateinheit mit dem packenden Songmaterial, einer amtlichen Licht- und Videoshow und der jugendlich-frischen Party & F*ck off-Attitüde sicherte der Band auch am heutigen Abend den frenetischen Jubel der tausenden Anwesenden, Flaggen wurden geschwungen und unter dem Banner des Knochenadlers vereinten die Hosen ganze Generationen von Fans. © alle Livepix: THOMAS PATSCH für STORMBRINGER Nach einer weiteren Kurzpause endete „Bommerlunder“ im üblichen Soundcrescendo, bei „Alles aus Liebe“ überkam einen der eiskalte Wonneschauer, es gab kein Halten mehr, aus hunderten Kehlen wurde der Song Wort für Wort zitiert. Dem schnell heruntergeholzten „Opel-Gang“ folgte der unvermeidliche, vergnügliche „Jägermeister“-Hit bevor man sich mit „Schönen Gruß, auf Wiedersehn“ stilecht zum vorletzten Mal verabschiedete. Den endgültigen Garaus machte nach 2 Stunden Hosen-Wahnsinn, dem Brüller „Strom“ und dem gemeinsam mit Alt-Drummer Wölli intonierten „Wort zum Sonntag“ schließlich die Liverpool FC – Hymne „You'll Never Walk Alone“ , die auch noch Minuten nachdem die Band bereits die Bühne verlassen hatte, von den Fans noch weiter intoniert wurde. Gänsehaut Galore!!
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