:: WOLVES IN THE THRONE ROOM |
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"Heute hänge ich mir nicht mehr wie früher fünf Patronengurte um, wenn ich zum Einkaufen gehe."
Heiländer (Fatal Embrace) |
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Live Report
„Heart of Noise“, das „Festival für allerneueste Musik“ ging heuer zum zweiten Mal in der beschaulichen Landeshauptstadt über die Bühne. An unterschiedlichen Veranstaltungsorten präsentierten verschiedene Künstler ihr Verständnis von neuen Klängen und Tönen. Auch die Freunde der härteren Gangart, die dem Geheul der Wölfe folgend zuhauf aus ihren Höhlen gekrochen kamen, sollten von diesem ambitionierten Kulturunterfangen profitieren, schließlich gastierten am heutigen Samstag die legendären WOLVES IN THE THRONE ROOM im Congreß Innsbruck. Doch traten sie nicht wie kurz zuvor die TOTEN HOSEN in der riesigen Dogana, sondern in der beschaulichen Orangerie auf, welche simpel gesagt ein mit Glaswänden und Parkettboden ausgestatteter Kubus ist. Die Frage des Abends war also, ob das amerikanische Post-Black Metal-Kollektiv seine magisch-intensive Aura auf diesem ansonsten für gediegene Kongresse vorgesehenen Parkett versprühen kann. STORMBRINGER war wieder einmal exklusiv für euch dabei, um von diesem Konzert der besonderen Art zu berichten. Das Vorspiel mit modernen musikalischen Kompositionen wurde von einigen anwesenden Wolves-Fans teils interessiert beäugt und begutachtet, das seltsame, intellektuell anmutende Sit-In-Feeling zu den experimentellen Klängen wollten sich jedoch nicht alle Schwarzgewandeten gönnen. Mit großer Verspätung starteten die WOLVES IN THE THRONE ROOM dann um 23 Uhr mit „Thuja Magus Imperium“ vom geilen letzten „Celestial Lineage“-Album die Zelebration ihrer Version des avantgardistisch ausgerichteten Post-Black Metal. Die Wolves sind ja neben WATAIN der letzte Chic in der Schwarzszene. Wo erstgenannte allerdings im Regulär-Black Metal Bereich richtiggehend gehypt werden, sind die Wolves auch und vor allem in der Ambient/Drone/Sludge/Noise/Shoegaze-Black Metal-Ecke in aller Munde. Doch wie im Falle der Schweden wird auch die Washingtoner Ökobande ihrem exzellenten Ruf gerecht. Wie WATAIN setzen auch die sagenumwobenen WOLVES IN THE THRONE ROOM auf das ansprechende sphärische Element, das neben der über alle Zweifel erhabenen musikalischen Qualitäten maßgeblich zur Mythenbildung und zur Tradition ihres kultigen Rufs beiträgt. Ein Wolves-Konzert ist kein reguläres Konzert, sondern ein wahres Fest für die Sinne. Die Bauernhof-Kommunarden umgaben sich bei der heutigen Konzerterfahrung mit Tiefgang mit ihrer magischen Aura und schufen mit den blau angeleuchteten Wolfs-Bannern und den spärlich am Bühnenboden platzierten Petroleumlampen die von ihren Anhängern geliebte mystisch-intensive Atmosphäre, die wohl auch erfahrene Konzertfotografen an den Rande der Verzweiflung zu bringen vermag. Ausgefeilte Lightshow war gestern, heute regierte der diffus-puristische Minimalismus. Der selektiv und wirkungsvoll eingesetzte Bühnennebel verlieh der ohnehin schon geheimnisvollen Atmosphäre noch eine zusätzliche apokalyptisch-schaurige Aura. Doch auch die Ohren wurden sattsam verpflegt. Für einen Glaskasten mit einem erstaunlich guten Sound ausgestattet (nur der heisere Gesang von Nathan Weaver war streckenweise zu sehr im Hintergrund) schrammten schroffe Riffs über die flirrenden Soundteppiche, die dem Zuhörer in flächiger, BURZUMesker Manier epische Hochgefühle und wahre Weiten der Verzweiflung eröffneten. Der fast meditativ-repetitive, wüste Soundorkan der Wolves vermag genau diese Emotionen der Einsamkeit und Kälte zu erzeugen, die fast in Momenten der inneren Ruhe und Katharsis zu gipfeln scheinen. Der Anfang des Konzerts fand seine zusätzliche Bereicherung in einem Rauchgenuß der anderen Art, der einem fein die Nasenhärchen kitzelte. Nicht so ein Genuß wie ihr jetzt vermutet, nein, welches Kraut hier von einem Anhänger der Band zum Glühen gebracht wurde, weiß ich nicht, allerdings fühlte ich mich umgehend an benebelte katholische Weihrauch-Messen erinnert. Genau das verlieh der dargebrachten Opulenz eine zusätzliche, nicht alltägliche Note, die allerdings in feinem Einklang mit der naturinspirierten Spiritualität und –verbundenheit des WITTR-Rudels stand. Dass plötzlich Feuerwehrleute in der Orangerie herumstapften, dürfte wohl in direktem Zusammenhang mit dieser esoterischen Aktion stehen. Auch der Habitus des Trios entsprach dem eskapistischen Element, das ebenfalls WOLVES IN THE THRONE ROOM-typisch ist. Im fahlen Schein der Petroleumfunzeln bangte die Saitenfraktion was das Genick aushielt, kein Lächeln huschte über ihre Lippen, keine Ansage band das Publikum an die Band. Lediglich das Handyfotografieren mit Blitz nervte Sänger Nathan Weaver, der das Ganze mit einem erhobenen Mittelfinger und einer kurzen sowie gleichsam schüchternen Ansage quittierte, schließlich hatte die Band um „No Flashs“ gebeten. Futuristisch dagegen das blaue Licht, das die Griffbretter der Gitarren erleuchtete. Die dichte, transzendente Atmosphäre auf der Bühne strotzte am heutigen Abend der Sonderklasse nur so vor sphärischer Intensität, die hypnotischen Klänge, das harsche Geknüppel und das heisere Gekreische ließen das Szenario zu einer wahren Post-Black Metal-Meditation werden. Höhepunkte im herkömmlichen Sinne waren keine zu verzeichnen, ein Wolves-Konzert ist aber per se schon ein einziger Hochgenuß. © alle Livepics: Thomas Patsch Die niedrige Bühnenkonstruktion schien nicht gerade ideal für die nicht allzu groß gewachsenen Wölfe (die keinen Basser im Rudel hatten) zu sein, denn weiter hinten konnte man auch aufgrund der mangelnden Bühnenabsperrung wenig vom Treiben auf der Bühne mitbekommen. Die über 250 Zuschauer ersparten sich weitgehend jegliche Regung, man beschränkte sich auf das gefällige Klatschen in den wenigen Songpausen und sog, quasi zu Salzsäulen erstarrt und die Blicke gen Bühne gebannt, dieses ekstastische Schauspiel auf. Die WOLVES IN THE THRONE ROOM hielten das hohe Energielevel über die gesamten 75 Minuten im Zeichen der Ästhetik des harschen Nihilismus und entließen das schwer beeindruckte Publikum, das sich ausnahmslos einig war, einem außergewöhnlichen Konzertereignis beigewohnt zu haben, mit „Prayer Of Transformation“ an den gut bestückten Merchandisestand, der wahrhaft gestürmt wurde. Ach ja, um die Ausgangsfrage zu beantworten: Ja, die Wolves funktionieren auch in intellektuell-kaltem Ambiente, diese Band wird ihrem Ruf mehr als gerecht, lasst euch diese Ausnahmerscheinung des zeitgemäßen Extrem-Metal das nächste Mal nicht entgehen!
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