1989 war es, des genauen Datums bin ich mir nicht mehr gewahr. Es muss wohl an einem Schultag gewesen sein, bin ich doch damals noch eifriger Lernwilliger an der BHAK Deutschlandsberg gewesen.
SODOM gastierten damals im Rahmen ihrer „Agent Orange"-Tour in der Bundeshauptstadt, genauer gesagt im in der Brigittenau gelegenen "Fritz", danach "Rockhaus" und irgendwann "Planet - was weiß ich".
Die Hütte war voll und der alleinige Grund waren nicht nur SODOM, damals am Höhepunkt ihrer Popularität, auch des Supports wegen sind damals nicht wenige Fans gen Wien gezogen.
SEPULTURA waren es, auf ihrem allerersten Konzert außerhalb von Brasilien (!), eine Bande noch recht schüchterner Jugendlicher, die ihr geniales Album „Beneath The Remains“ beworben und ein sehr lässiges Konzert ablieferten.
Sprung ins Jahr 2012 – und wie schon im Vorjahr durften die einheimischen Musikfreunde auch heuer wieder im ppc in Graz/Lend die Brasilianer (inkl. amerikanischem Fronter Derrick Green) begrüßen.
Nach dem vorjährigen, extrem intensiven Auftritt, war man auch an diesem Donnerstagabend gespannt, ob es erneut so tscheppern würde wie im Jahre 2011.
Die Zeichen waren gut – und das Treffen mit Bekannten im, dem ppc gegenüberliegenden, „Immervoll“ zog sich ein wenig hin, was zur Folge hatte, dass wir erst bei den ersten Klängen der Gleisdorfer SOLE METHOD im jetzt schon gut gefüllten Club einliefen.
Die Jungs groovten wie gehabt und haben mit ihrem Sänger Peter einen äußerst souveränen, mit Coolness gesegneten Frontmann, der schon so früh am Abend die Menge zu dirigieren weiß.
Der Sound ist gut, die Songs auch und das Publikum ist schon bei der Vorband, SOLE METHOD eben, sehr angetan vom Vortrag der Musizierenden.
Pic: Schimmelkammer Picture Industries
Aufgewärmt waren alle, erst hieß es aber durchschnaufen und damit ging es in die Umbaupause…
„Sers, olls grod?“
„Sia, und sölwa?“
"Eh“
„Bier?“
„Sia“
Und wir sind zurück:
Intro1: "Arise" – die Menge tobt. Doch halt, was ist jetzt?
Intro 2: "Beneath The Remains" - es wird gemeuchelt im Publikum!
Mit dem gleichnamigen Opener von "Beneath The Remains" wird eröffnet und ich hab selten, oder so gut wie nie, ein dermaßen auszuckendes Publikum in Graz erlebt.
Auf „Beneath The Remains“ folgt „Refuse/Resist“ und dann der Titeltrack des aktuellen Albums „Kairos“.
Und hier fällt auf, dass eine völlig neue Generation zu SEPULTURA aufgeschlossen hat, dass vor allem die jungen Konzertbesucher heftigst mitgehen und absolut textsicher sind, auch und vor allem bei den neueren Songs aus der mittlerweile doch schon einige Jahre andauernden Derrick Green-Phase.
Scheinbar hat das ewige Genörgle seitens des deutschsprachigen Metalfeuilleton es dann doch nicht geschafft, in seiner unsäglichen Art die Band tot zu schreiben. Die „früher war alles besser“-Fraktion aus Dortmund tat ihr Möglichstes, aber seit der Veröffentlichung von "Kairos" funktioniert es bei den Brasilianern scheinbar besser denn je.
Pic: Schimmelkammer Picture Industries
Gut so.
Derrick Green!!!
Derrick „Massafaggin“ Green!!!!
Cool.
Extrem cool sogar.
Jede Band wäre mit so einem Sänger gesegnet. SEPULTURA haben das Glück, dass dieser Entertainer eben in ihren Reihen seinem Broterwerb nachgeht.
Souverän, sympathisch und einfach mächtig agiert der Hüne aus Cleveland. Immer ein Lächeln auf den Lippen und mit einem sympathischen, radebrechenden Deutsch, das er immer wieder einfließen lässt, hat er den tobenden Mob sofort auf seiner Seite und geleitet ihn durch eine Werkschau, die sich auf beinahe 100 Minuten verteilt. 100 äußerst intensive Minuten, erfrischend und einfach lässig in Zeiten, in denen 70 Minuten-Headlingergigs beinahe schon die Regel sind.
Pic: Schimmelkammer Picture Industries
SEPULTURA spielen Altes, nicht ganz Altes, denn das obligatorische „Troops Of Doom“ bleibt diesmal außen vor, einiges aus der Trommelphase und eben Neues, eine Coverversion („Just One Fix“ von MINISTRY) und jedes Lied wird lauthals mitgesungen. Der Pit beginnt beim ersten Song und endet mit der letzten Zugabe „Roots“. Durchgehend Stimmung und eine überaus motivierte Band. Paolo Jr. grinst in seinen Bass, das einzig verbliebene Originalmitglied agiert souverän wie eh und je und macht das Fehlen einer zweiten Gitarre vergessen. Andreas Kisser haut Riffs für die Ewigkeit heraus und interagiert permanent mit den Fans.
Und da gibt es auch noch Eloy Casagrande, den nicht mehr ganz so neuen, jungen Schlagzeuger der Band, der mit seinem Auftritt diesen Abend einige anwesende Trommler an den Rand der Verzweiflung gebracht hat. Ein unglaublicher Punch, exakt wie ein Uhrwerk und motiviert wie nur was, ist er ein Jungbrunnen für die ohnehin schon starke Band. Hier kann ich nur von einer Topverstärkung im Kader sprechen.
100 Minuten lang, wie schon gesagt, gab es einen bunten Strauß an großen Melodien. Und jeder, absolut jeder freute sich schon aufs nächste Jahr, in dem hoffentlich SEPULTURA wieder ins Grazer ppc kommen.
Ein mächtiger Abend!
Pic: Schimmelkammer Picture Industries
Setlist SEPULTURA
1. Intro Arise / Beneath The Remains
2. Beneath The Remains
3. Refuse/Resist
4. Kairos
5. Relentless
6. D.E.C.
7. Convicted
8. Dialog
9. Attitude
10. What I Do
11. Choke
12. Mask
13. Septic Schizo / Escape To The Void
14. Sepulnation
15. Substraction
16. Just One Fix (MINISTRY-Cover)
17. Territory
18. Inner Self
19. Arise
20. Ratamahatta
21. Roots