11.02.2011, ((szene)) Wien

SODOM

Text: Reini
Veröffentlicht am 13.02.2011

SODOM hatten mal wieder richtig Bock auf eine Clubtournee, kleinere, intimere Hallen sollten es sein, so war es dann auch kaum verwunderlich, dass in der ((szene)) Wien schon bald nach Abendkassaöffnung die „Sold Out“ Fahne gehisst werden musste. Dass SODOM auch im 30. Jahr ihrer Gründung noch immer immense Sympathieträger sind, bewies auch die Tatsache, dass für alle der insgesamt 15. Auftritte während der Sodomize Europe Tour 2011 lokale Supports gesucht wurden. Dies lief nicht auf die üblich und eher hinterfragungswürdige Voting Geschichte hinaus, sondern SODOM schmissen je Location alle Combos, die halbwegs stilistisch zu den Ruhrpottlern passen würden, in einen Topf und ließen das Los entscheiden. Faire Geschichte, die aber auch eine immense Gefahr in sich barg. So kam Wien in den dann doch eher zweifelhaften Genuss die jungen Power Thrasher von SCUMSHOT über sich ergehen zu lassen. Sicher, die drei Herren und die Dame am Bass waren motiviert und engagiert, aber dennoch war dieser Supportslot um mehr als eine Nummer zu groß für die WienerInnen. Stageacting? So gut wie nicht vorhanden. Flüssige Songstrukturen? Wenig bis gar nicht zu erkennen. Da half dann auch der „Empty Tankard“ Jam zum Schluss nicht mehr um den festgefahrenen Karren noch zu retten. Da kann man schlussendlich dann sogar vom Glück für die Vier reden, befanden sich doch höchstens ein Zehntel der Ticketbesitzer zum Zeitpunkt des SCUMSHOT’s in der Halle. Besser, weil um Hausecken professioneller und gereifter dann der zweite Lokale Support; die fünf Wahnsinnigen von TULSADOOM! Optisch eher an ein paar verlaufene PAGAN Waldschrate erinnernd (hauptsächlich ob der schwarzen bzw. weißen (!!!) Kunstfellumhänge), musikalisch irgendwo zwischen thrashigem Black’n’Roll ruhend, überstrahlte die zur Schau gestellte Poser Attitüde der Mannen nahezu alles! Das war natürlich zu jeder Sekunde gewollt stumpf und gewollt einfach gestrickt, entfachte aber über 30 Minuten lang ein doch unterhaltsames Etwas, welches mit einem Bier in der Hand und der nötigen Portion Sarkasmus versehen zwar kurzweilig war, aber dennoch Spaß machte.

Den eigentlichen Support Slot für die komplette Sodomize Europe Tour 2011 schnappten sich die schwedischen Old-Schoolisten von DIE HARD. Jene mit schwarz geschminkten Augenrändern versehene Bande, die VENOM, alte SODOM und auch ein wenig CELTIC FROST schon mit der Muttermilch aufgesogen haben dürften und die zwar ein wenig spät, aber doch ihr Debütalbum „Nihilistic Vision“ (Review findet ihr hier…), welches im November 2009 via Agonia Records veröffentlicht wurde, promoten durften. Das klang dann in etwa so kultig wie das angesprochene Debütwerk, donnerte sogar mit einer nicht für möglich gehaltenen 80er inspirierten Soundkulisse durch die ((szene)) Wien, rieb sich aber im Endeffekt nach spätestens 30 Minuten ob der Gleichförmigkeit dieses Old-School Thrash Metal Gebräus selber auf. Zu gleichtönig quollen Songs wie der Titeltrack „Nihilistic Vision“, „Death Chasing the Flock of Mortals“, oder das abschließende „Fed to the Lions“ gen Publikum. Wäre da nicht die VENOM Verbeugung in Form von „Countess Bathory“ in die Setlist gehuscht, die Chose wäre noch um einiges zäher geworden. DIE HARD sind zwar charmant, schauen auch über Komplettdistanz ihres Auftrittes ungemein grimmig ins Auditorium, aber viel mehr auch schon nicht. Und obendrein fielen die dargebotenen 50 Minuten definitiv um einiges zu lange aus.

Dieses Problem hat der Onkel Tom in seiner derzeitigen Verfassung nicht, dem sympathischen Ruhrpottler könnte man stundenlang lauschen, auch weil die Band mit Neuzugang Markus "Makka" Freiwald eine Präzisionsmaschine hinter den Drums spendiert bekommen hat, der in gerade mal sechs Wochen unglaubliche 25 Songs einstudiert hatte. Man merkte dem Trio on Stage auch an, dass die Chemie innerhalb der Band vollends stimmen dürfte, da wurde gescherzt, da wurde gelacht und der Onkel Tom hat nahezu jede Nummer in der Setlist angesagt, spitze und witzige Anekdoten erzählt und so nebst der musikalischen auch eine leicht komödiantische Note beigefügt.

Wer sonst als ein alter Hase wie der Angelripper könnte es sich erlauben hinzuweisen, dass er ein wenig heiser sei und man sich also nicht wundern solle, wenn seine Stimme in etwa so klingen würde wie das Gekeiffe von Mille. „Aber nicht bei der nächsten Nummer, die ist easy – The Saw is the…….“ und ein Mark erschütterndes „LAW“ drang aus dem Auditorium zurück. Auch wurde nach „Sodomy and Lust“ gleich improvisiert und die Band vorgestellt, bis die Techniker ein nicht funktionierendes Stage Mikro wieder gerade gebogen hatten. Die Setlist, ja die war kultig, wenig ganz Neues (nur zwei Titel vom aktuellen „In War And Pieces“ Album und gar nur einer vom 2006er self-titled), dafür doch die ein oder andere teils sogar obskure Überraschung. Wer hätte zum Beispiel ein „Proselytism Real“ von der „Obessed By Cruelty“ erwartet, oder das ziemlich prollige „Eat Me!“? Schön auch, dass der „Wachturm“ wieder dabei war, schon alleine ob der Introduction durch Mr. Angelripper: „Habt ihr auch Zeugen Jehovas da in Österreich? – die scheiß Brut gibt es glaub ich überall“ Der Rest war mehr oder weniger vorhersehbar, aber man kann es der Band nicht verübeln, auf Standards wie „Sodomy and Lust“, „Outbreak Of Evil“, „Nuclear Winter“, oder auch „M-16“ kann man schwer verzichten. Auf Songlegenden wie „Agent Orange“, „Ausgebombt“, sowie die zwei Zugaben „Remember the Fallen“ und „Bombenhagel“ schon gar nicht. Bei diesen Namen rinnt dem gemeinen Old-School Fanaten sowieso das Wasser im Mund zusammen, da war es dann auch irgendwie schön anzusehen, dass sich Neo-Schlagwerker Makka bei der ersten Zugabe „Remember The Fallen“ leicht verspielte und der Angelripper das Ganze mit einem süffisanten Lächeln wegwischte, als wäre gar nichts passiert.

SODOM waren in dieser Form ein wahrer Ohrenschmaus, im 30. Jahr hat diese Band noch immer eine schiere Aggilität und die Fan Nähe eines Angelripper ist sowieso kaum zu toppen. Irgendwie kann man die schrullige Szeneikone nur lieb haben… SODOM Setlist ((szene)) Wien, 11.02.2011 (ohne Gewähr auf Richtigkeit und Vollständigkeit): In War And Pieces Sodomy And Lust M-16 Outbreak Of Evil The Saw Is The Law Nuclear Winter Proselytism Real The Art Of Killing Poetry City Of God Wachturm The Vice Of Killing Eat Me Blasphemer Agent Orange Ausgebombt Napalm In The Morning Encore: Remember The Fallen Bombenhagel


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