10.02.2011, Backstage (All Area)

FLAMMENTRIEBE TOUR feat. DORNENREICH & AGRYPNIE - MÜNCHEN

Veröffentlicht am 15.02.2011

Als sozusagen letzten Bote des mittlerweile ausgeklungenen Winters kann man wohl die Tour zum neuen DORNENREICH Album 'Flammentriebe', bei der die Tiroler von der deutschen Progressive Black Metal Combo AGRYPNIE begleitet werden, bezeichnen. Auch eben genannter NOCTE ODBUCTA Nachfahr, um Mastermind Torsten Hirsch, der den Meisten womöglich als Frontkreischer der leider verschiedenen Avantgarde Metal Legende bekannt ist, hat mit dem im Januar letzten Jahres erschienenen '16[485]' einen noch recht aktuellen Tonträger im Gepäck. Ein weiterer Anreiz für einen Besuch dieses Konzertabends war natürlich die Tatsache, dass beide Bands nicht sehr häufig die Bühne betreten, obwohl DORNENREICH in letzter Zeit für ihre Verhältnisse sehr oft getourt sind. Trotzdem war die Backstage Halle mit ca. 300 Besuchern mehr als gut besucht, wobei sich die versammelten Black Metaller, Gothicfans und Mittelalterfreaks von dem über eine Stunde nach hinten verschobenen Beginn nicht stören ließen. Die meisten Anhänger waren sowieso noch damit beschäftigt, das aktuelle Werk der Österreicher zu erwerben, bevorzugt natürlich in Gestalt der auf 1000 Stück limitierten Box-Edition.

Als die Hessen von AGRYPNIE dann schließlich die Bühne betraten, wurde auch der Grund für die immense Verspätung offenbar. Frontmann Torsten gestand, dass der Tourbus schon am ersten Tag den Geist aufgegeben hatte und man schon befürchtet hatte überhaupt nicht mehr auftreten zu können. Nach dieser kurzen Ansprache ging es dann auch schon los und das Publikum war von Anfang an voll dabei. Wer vor der Show noch befürchtet hatte die äußerst komplexen Songkonstrukte könnten live nicht adäquat wiedergegeben werden, konnte erleichtert aufatmen. Der Band gelang es, unterstützt durch den glasklaren Sound, ihre Stücke wie zum Beispiel 'Zorn', 'Fenster zum Hof' oder das großartige 'Morgen' nahezu in Perfektion zu spielen. Bei einem der Songs griff sogar Torsten noch zur E-Gitarre, womit nun die beeindruckende Zahl von drei Gitarristen auf der Bühne stand. Die Jungs bewegten sich zwar nicht allzu viel und auch die Interaktion mit dem Publikum hätte etwas stärker sein können, aber insgesamt haben AGRYPNIE einen wahrhaft großartigen Auftritt abgeliefert, der mit der darauffolgenden Headlinershow von DORNENREICH qualitativ fast gleichziehen konnte. Gegen Ende des knapp einstündigen Gigs war auch der von oben bis unten tätowierte Torsten Hirsch mehr als begeistert von den überschwänglichen Reaktionen des Publikums, womit er wohl im Vorhinein nicht gerechnet hatte.

Nach einer vergleichsweise kurzen Umbaupause betrat Eviga mit Akustikgitarre und Geiger Inve im Schlepptau die Bühne, um den gut halbstündigen Akustikteil der DORNENREICH Show zu beginnen. Leider gab es kleine Probleme mit dem Gitarrensound, weshalb ab und an ein Tontechniker die Bühne betreten und tüfteln musste. Doch trotzdem konnten klasse Songs wie 'Meer', 'Drang' oder 'Dem Wind Geboren' vollends überzeugen, vor allem, da sich das Duo sehr spielfreudig und ausgeglichen präsentierte. Als Highlight dieses Showteils muss aber unbedingt das unbeschreibliche 'Der Hexe flammend Blick' genannt werden, welches in dieser rein akustischen Version zu Anfang noch etwas seltsam anmutete, sich dann aber unterstützt durch Evigas virtuoses Riffing und Inves entrücktes Geigenspiel zu einem wahren Ohrenschmaus entwickelte.

Nachdem das für einige grimmige Metaller wohl etwas zu lange Akustikset vorbei war, waren DORNENREICH nach einer wiederum sehr kurzen Pause um ein Mitglied reicher. Die Rede ist natürlich von Drummer Moritz Neuner alias Gilván, der sein mit den charakteristischen Dornenspitzen versehenes Schlagwerk wie immer exquisit und mit einer unbeschreiblichen Präzision bediente. Mastermind Eviga präsentierte sich diesmal besonders giftig und lieferte mit der E-Version von 'Jagd' wohl eine der besten Songinterpretationen aller Zeiten ab. Auch einige Songs vom aktuellen Album, wie das schon vorab vorgestellte 'Flammenmensch', wurden in die Setlist aufgenommen und fügten sich hervorragend ein. Doch gegen das grandiose Dreierpack, bestehend aus 'Der Hexe nächtlich Ritt', 'Lebend lechzend Herzgeflüster' und dem Überhit 'Trauerbrandung', kommt einfach nichts an, weshalb diese Songs auch die Highlights des Abends darstellten und DORNENREICH einmal mehr von ihrer besten Seite gezeigt haben. Besonders der zweitgenannte Song vom 1999er Meisterwerk 'Bitter ist's dem Tod zu dienen' offenbarte die erstaunliche Fähigkeit des Trios mit einer E-Gitarre, Drums, Gesang und Geige einen derart erhabenen Sound zu erschaffen, dass manche möchtegernbrutalen Deathcore Combos vor Neid erblassen würden.

Alles in Allem haben DORNENREICH einmal mehr bewiesen, dass sie für immer und ewig ein Garant für unvergessliche Liveshows bleiben werden. Obwohl ich die Truppe nun schon zum dritten Mal gesehen hatte, war ich auch diesmal wieder hin und weg von der ungekünstelten Emotion, mit der die Jungs ihre Songs vortragen. Wer DORNENREICH noch nie gesehen hat, dem sei es dringendst ans Herz gelegt einmal ein Konzert zu besuchen, denn mit derartiger Leidenschaft agierende Künstler gibt es nur noch äußerst selten. Doch auch die Vorband AGRYPNIE möchte ich an dieser Stelle noch einmal für ihren Auftritt loben. Nur ihr perfekter, knallharter und gleichsamer virtuoser Gig hat es ermöglicht, dass dieser Abend für immer in meinem Kopf eingebrannt bleiben wird.


WERBUNG: MORE // THAN // FEST