18.04.2011, Escape Metalcorner

NARGAROTH

Veröffentlicht am 20.04.2011

Ein Montagabend ist grundsätzlich nicht unbedingt die beste Voraussetzung, um ein erfolgreiches Konzert abhalten zu wollen, aber wenn die deutsche Schwarzmetall-Legende Rene Wagner aka Kanwulf aka NARGAROTH erstmals überhaupt in der österreichischen Bundeshauptstadt aufgeigt, dann lässt sich das Escape auch an diesem Tag ausverkaufen. Kuttenträger und Lederfetischisten wohin man blickt, die viel befürchteten NSBM- Outfits sind wohl aufgrund vorangegangener Warnungen kaum zu sichten. Sehr wohl zu sichten sind dafür die um Punkt 20 Uhr startenden Rheinländer CHAOS INVOCATION, die mit ihrem puristisch angehauchten Black Metal die ersten Schaulustigen in den Keller ziehen. Schlampig geschminkt und mit überbordender Trueness ausgestattet, braucht’s bei den Deutschen schon gut 20 Minuten Aufwärmzeit, um das Publikum zu den ersten Huldigungen zu bewegen. „In Bloodline With The Snake“ oder „To Harvest The Madness Of Satan“ sind aber trotzdem nicht mehr, als oberflächlicher Durchschnitt. Da hilft auch der brennende Kelch nichts. Schon wesentlich besser aufgenommen werden die norwegischen Underground-Helden POSTHUM, die sich nicht so gerne im klanglichen Dreck wälzen sondern lieber der gediegenen Atmosphäre Platz zur Entfaltung geben. Platz zur Entfaltung kriegt auch die stattliche Plautze von Sänger Jon, der sich an diesem Abend aber keine Blöße gibt und den unerwartet guten Sound im Escape voll auszunutzen weiß. Obschon das selbstbenannte Debütalbum auch bereits zwei Jahre am Buckel hat, wirken die Mid-Tempo Kaskaden „Wounds“ oder „Arise“ immer noch. Selbst wenn man einmal das Gaspedal bedient („Lair Torture“), klingt das alles gekonnt und durchdacht. Auch die Zuschauer wissen das zu würdigen. Für die Wiener Institution STORMNATT ist der Gig im Escape Metalcorner natürlich ein Heimspiel und so nebenbei auch die einzige Show des gesamten Jahres. Von daher merkt man recht schnell, wo der Wind weht. Die begeisterten Zuseher im vollgefüllten Keller kriegen sich vor allem in den ersten Reihen gar nicht mehr ein, als „Wounds Of Worship“ oder „The Crimson Sacrament“ durch die Menge donnern. Mit stilechtem Bloodpaint bepinselt und donnerndem Sound ausgestattet, gehören sie zweifellos zu den Gewinnern des Abends, auch wenn die Songs auf Dauer zu gleichförmig wirken und Langeweile aufkommen lassen.

Keine Tränengasschüsse ins Publikum, keine Abrechnung mit der Szene, kein rituelles Plattensammlungsverbrennen – Deutschlands kontroversester Undergroundmusiker Kanwulf gibt sich bei seinem ersten NARGAROTH Wien Konzert ganz handzahm und pflegeleicht. Wohl genährt und gut gelaunt präsentiert sich der Sachse, bei dem der Grat zwischen Kult und Kauzigkeit so schmal ist wie bei niemand anderem. Vor dem Gig schäkert er noch mit einzelnen Anwesenden, garantiert für den heutigen und den zwei Tage später folgenden zweiten Gig im Escape verschiedene Setlists und huscht unerwartete Weise mehrmals durch die Gänge der Location. Nach ausgiebigem Soundcheck betritt der Meister unfreiwilliger Komik mit 20 Minuten Verspätung die Bühne, nach dem „Herbstleyd“-Intro schmeißt er die Szenehymne „Black Metal ist Krieg“ ins Rondeau und gewinnt von der ersten Sekunde an auf allen Linien. Vorwerfen darf man dem guten Talkshow-Gast heute aber auch nichts. Dauerbangend und die zahlreichen Hits inbrünstig intonierend, knallt der umstrittene Provokateur eine glänzende Performance aufs Parkett. Musik machen kann er, der Kanwulf. „Karmageddon“, „Hunting Season“ oder das BURZUM-Cover „War“ – NARGAROTH beliefern die begeisterten Fans mit einem bunten Potpourri aus den Oden ihrer Vergangenheit. Zur atmosphärischen Unterstützung dienen die beiden umgedrehten Holzkreuze am Bühnenrand und Kanwulfs programmatische Messerfuchtelei. Provokationen bleiben großteils außen vor, Kanwulf mokiert sich über die Antifa, die den Linz-Gig verhindert hat und lässt sich gegen Mitte des Sets von einem übermütigen Zuseher nur einmal kurz aus der Fassung bringen. Ansonsten verläuft alles auf Schiene. NARGAROTH erhören auch Publikumswünsche, verweisen bei bestimmten Songs („Abschiedsbrief des Prometheus“, „Seven Tears Are Flowing To The River“) freundlich auf das zweite Konzert. „Possessed By Black Fucking Metal“ und „Vom Traum, die Menschheit zu töten“ beenden das misanthropische Stelldichein des Quartetts. Wer auf Flötenspiele oder Bierzeltgeschunkle („Frühling“) gewartet hat wird enttäuscht, aber NARGAROTH haben eine verdammt starke Stunde puristischen Black Metal hingelegt und dürfen sich auch beim Soundmann des Escape bedanken. So klar und druckvoll hat sich hier schon lange nichts mehr angehört.


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