31.07.2011, Stadthalle Graz

QUID PRO QUO Tour feat. STATUS QUO

Veröffentlicht am 02.08.2011

Was treibt eine Schar grau melierter, teilweise mit Vokuhilas und Sicherheitsnadeln-bestückten Jacken ausgestatteter Altrocker dazu, sich an einem wolkenbehangenen und durchwegs frühherbstlichen Julisonntag in völlige Ekstase zu begeben? Die Könige des Boogie-Rock sind unterwegs. STATUS QUO, diese britische Feel-Good-Institution, die bereits seit 1965 ihr Unwesen treibt und mehr Rock’n’Roll in ihrem Stromgitarrenblut haben, als Oberstein Keith Richards Alkohol, kreuzen auf ihrer „Quid Pro Quo“-Tour nach etlichen Jahren wieder die grüne Mark und servieren einen dicken Rucksack voller massentauglicher Riffmonster.

Dass der Rezensent die steirische Opener-Partyband VOLLGAS nur außerhalb des Holzverschlages der Grazer Stadthalle gehört hat, verdankt er einer 127km² großen Baustelle namens Graz, die weder Autofahrern, noch Benutzern öffentlicher Verkehrsmittel besonders milde gestimmt ist. Macht auch nix, denn die lokale Bierschunkeltruppe liegt ohnehin nicht im „must see“-Bereich, obwohl sie recht gut angekommen zu sein scheint. Ein ziemlich großer Andrang war dann bereits beim richtigen Support der Briten zu verzeichnen, der SPIDER MURPHY GANG. Man mag sie ja gerne belächeln und wenig ernst nehmen, aber was Frontmann Günther Sigl, sein heute als „Red Devil“ gekleideter Gründungspartner Barny Murphy an der Gitarre und Konsorten aufs Parkett legen, ist weit mehr als fetzige Hofbräuhausbeschallung. Die bayrischen Urviecher machen sich mit gesundem Schmäh und großer Spielfreude sofort beliebt und knallen dem Publikum mit „Mir san a bayrische Band“, „Rock’n’Roll Schuah“ oder „Schickeria“ sämtliche Großtaten ihrer Topzeit zwischen 1981 und 1985 vor den Latz. Beim Jahrhundertsong „Skandal im Sperrbezirk“ brechen dann alle Dämme und die Süddeutschen hinterlassen den Headlinern eine aufgewärmte und topmotivierte Crowd.

Der Freiluftbereich der Stadthalle (naja, überdacht ist es trotzdem) hat sich mittlerweile gut gefüllt, ein paar Tausend Anwesende dürften sich versammelt haben, als die Roadies kurz vor 21 Uhr die berühmten weißen Marshall-Verstärker, wohl eine Mischung aus Tradition und Markenzeichen, enthüllen. Nach der Reihe siedeln sich die fünf STATUS QUO-Mitglieder an, während im Hintergrund der Refrain ihres Ur-Hits „Pictures Of Matchstick Men“ läuft und zocken gleich darauf mit dem feurigen „Caroline“ den traditionellen Opener. Bei 29 Studioalben und knapp 100 Single-Auskoppelungen braucht den britischen Gentlemen niemand mehr etwas vormachen. Vorherrschender Bühnensaurier ist und bleibt natürlich der charismatische Francis Rossi, der 2009 zwar nach 35 langen Jahren seinen Zopf endgültig absäbeln musste, aber an Charme, Spielfreude und Stimmstärke nichts eingebüßt hat. Selbstverständlich sind Merchandise-Palette (vom konservativen T-Shirt über die monströse Gürtelschnalle bis hin zum Goldkettchen ist alles im höheren Preissegment angesiedelt) und Songauswahl stark an das taufrische „Quid Pro Quo“ angelehnt, mit „Two Way Traffic“, „Rock’n’Roll And You“ und „Let’s Rock“ begnügt man sich aber mit drei Songs.

Bei der Hitdichte auch wenig verwunderlich. STATUS QUO konzentrieren sich auf die stimmungsfördernden Medleys, typisch britische Ansagen („Bye bye photographers. I love photographers.“) und diesen unbeschreiblich tighten Rock’n’Roll Vibe, den keine andere Band derart schnörkellos und durchdringend aus den Gitarren quetschen kann. Nicht minder hervorragend als Rossi ist sein „Lebenspartner“ Rick Parfitt, der auch kaum zu altern scheint und lieber die Gitarre als sich selbst sprechen lässt. Rossi hat seine Fender Telecaster übrigens vor exakt 43 Jahren um 70 Pfund erstanden – er rockt heute noch immer damit. Mit den wirklichen Gassenhauern warten die Briten natürlich bis zum Schlussteil, dann geht’s aber Schlag auf Schlag. Dem kommerziellen Topseller „In The Army Now“ folgt ein passables Drumsolo des jüngsten Mitglieds Matt Letley (seit der Jahrtausendwende an Bord) und das bissige, durch seinen diabolisch klingenden Grundvibe fast schon frühmetallische Highlight „Roll Over Lay Down“. Biere fließen, Körper tanzen, Freudenschreie hallen durch den geöffneten Raum. Als Rossi DEN Bandhit „Down Down“ anrifft, weiß man nicht mehr genau, ob der Seitenwind oder die Bühnenperformance für die wohlige Gänsehaut sorgt. Nach gut 90 Minuten und einem weiteren (Cover)Medley als Zugabe, verabschiedet sich das bodenständige Quintett, das ein weiteres Mal für einen akustischen Flächenbrand gesorgt hat. Auch drei Akkorde können zur Glückseligkeit reichen…



Setlist STATUS QUO

(ohne Gewähr auf Richtigkeit und Vollständigkeit): Caroline Something 'Bout You Baby I Like Rain Rock'n'Roll And You Medley: Mean Girl / Softer Ride / Beginning Of The End Two Way Traffic Medley: What You're Proposin' / Down The Dustpipe / Little Lady / Red Skies / Dear John / Big Fat Mama The Oriental Let's Rock Living On An Island In The Army Now Drum Solo Roll Over Lay Down Down Down Whatever You Want Rockin' All Over The World Medley: Rock'n'Roll Music / Bye Bye Johnny


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