28.12.2011, Feierwerk

SANTA PSYCHEDELIA feat. HYPNOS 69

Veröffentlicht am 02.01.2012

Ein willkommenes, nachweihnachtliches Geschenk hielt das Münchner Feierwerk für alle Freunde psychedelischer Musik bereit. Die lediglich vier Konzerte in Deutschland umfassende Santa Psychedelica-Tour machte in der ausladenden Kranhalle Station und sorgte dafür, dass das Konzertareal komplett gefüllt war. Kein Wunder, wenn man bedenkt, welch tolles Line-Up die kurze Tournee zu bieten hatte. Versammelt hatte sich sozusagen ein Teil der Elite des modernen, europäischen Psychedelic/Stoner Rocks. Darüberhinaus konnte man sich auch noch über eine Aftershow der Berliner Stoner Punks DRIVE BY SHOOTING freuen. Besser geht es doch nicht, oder?

Doch beginnen wir von vorne. Den Anfang machten die Franzosen von GLOWSUN. Die harte, doch durchaus spacige Musik der drei Recken aus Lille begeisterte das Publikum und auch mich. Die Jungs legten derartige Kreativität und Spielfreude an den Tag, dass die Tatsache, dass man trotz Gründung im Jahr 1997 (!) erst über ein Album, nämlich das 2008 erschienene ''The Sundering'', verfügt, direkt grotesk anmutet. Doch sei's drum. An der durch psychedelische Leinwandprojektionen untermalten Show gab's wahrhaft nichts zu meckern und GLOWSUN ist die Einleitung eines tollen Konzertabends mehr als gut gelungen. Bestimmt konnten einige neue Anhänger gewonnen werden, die man hoffentlich bald mit neuem Material zu verwöhnen gedenkt.

GLOWSUN Setlist (ohne Gewähr auf Richtigkeit und Vollständigkeit):

Death Face Virus The End No Way Green Sun, Sick World Lost Soul Dragon Witch Monkey Song

Kurz darauf enterten auch schon die bei Elektrohasch unter Vertrag stehenden Niederländer SUNGRAZER die Bühne. Die Labelzugehörigkeit ist bei dieser Tour relativ eindeutig. Einzig GLOWSUN stehen nicht im Stall der Münchner um COLOUR HAZE Fronter Stefan Koglek. Wie das unbewusst entstandene, aber meiner Meinung nach durchaus ansprechende Foto implizieren soll, war die Show des Trios aus Maastricht ziemlich berauschend. Der monotone, teils psychedelische, teils staubtrockene Stoner Rock der Jungs, die als perfekte Pothead-Stereotypen dienen könnten, erinnert zwar manchmal etwas zu stark an COLOUR HAZE, weist aber derart eingängige Strukturen auf, dass man der Truppe diese offensichtliche Ähnlichkeit schnell verzeiht. Gespielt wurden sowohl Songs vom selbstbetitelten Debut, als auch vom diesjährig erschienenen, zweiten Album ''Mirador''. Mit ''Dopo'' wurde sogar ein neues, bisher unveröffentlichtes Stück präsentiert. Zwei Dinge fallen mir bei Shows von SUNGRAZER immer besonders auf: Erstens die unendliche Spielfreude der Musiker und zweitens die Tatsache, dass ihre Shows, vor allem der Stoner-Hit ''Common Believer'', jedes mal enorm abgefeiert werden. Kein Wunder, dass sich die Band mittlerweile zu den Größen der europäischen Szene zählen kann.

SUNGRAZER Setlist (ohne Gewähr auf Richtigkeit und Vollständigkeit):

If Octo Sea Dopo Zero Zero Common Believer Behind

Nach einer etwas längeren Umbaupause betraten die als Headliner geltenden HYPNOS 69 die Bühne. Die auch außerhalb der Szene für ihre hohe Musikalität geschätzte Band um Ausnahmegitarrist/Sänger Steve Houtmeyers und Saxofonist/Querflötist Steve Marx existiert nun schon seit 1995 und kann schon auf ganze sechs Alben zurückblicken. Natürlich dürfte den vier Belgiern die Auswahl einer geeigneten Setlist immer recht schwer fallen, im Hinblick auf ihre Show in München ist ihnen die Gestaltung derselben jedoch sehr gut gelungen. Es wurden hauptsächlich Songs der aktuelleren, reichlich progressiven Alben ''Legacy'' und ''The Eclectic Measure'' gespielt, was jedoch ein guter Ausgleich zur brachialen ''Stoner-Madness'' war. Ausgedehnte Gitarrensoli, jazzige Saxofon-Intermezzi und spacige Basseffekte, das gab's von HYPNOS 69 hauptsächlich, ein musikalisches Gebräu, das so manchen Anwesenden, mich eingeschlossen, in Extase versetzte. Leider machten sich aufgrund des doch etwas gewöhnungsbedürftigen Materials der Truppe ein paar Besucher auf den frühzeitigen Heimweg, der Rest hingegen genoss klangliche Meisterwerke wie ''The Great Work''. Jeder, der geblieben war, konnte sich zudem freuen die Band überhaupt einmal live gesehen zu haben, da sie sich in den letzten Jahren eher rar gemacht hatte.

Abschließend gab's noch derben Punk Rock mit leichten Stoner-Einflüssen, ''Wüstenpunk'', von den Ur-Berlinern DRIVE BY SHOOTING, kurz DxBxSx, auf die Ohren. Aufgrund der schon nachmitternächtlichen Stunde war die Halle nur noch spärlich gefüllt, schade eigentlich, wenn man bedenkt, welch eine grandiose, arschtretende Show das anfangs als Trio, später als Quartett agierende Gespann auf die Bretter gelegt hat. Als Quartett deshalb, weil zur Verstärkung von Fronter Tom "Angel" Haarbrücker Live-Gitarrist Timo Schändler hinzukam. Dies machte den ohnehin unglaublich voluminösen Sound der Berliner, welcher wie eine Mischung aus FU MANCHU, MC5 und ranzigem Deutschpunk klingt, noch fetter. Die abwechselnd auf Deutsch und Englisch vorgetragenen, ausgekotzten Vocals tönten gleichzeitig von Protest und saftiger Feierei. So muss eine Aftershow sein und nicht anders. DxBxSx sind wohl die perfekte Band für solche Anlässe und für mich eine der besten Punk-Bands unserer Zeit, denn keine Truppe aus diesem Genre verfügt über derartiges Können an den Instrumenten, man nehme als Beispiel nur die göttlichen Soli des Frontmanns. Das nachweihnachtliche Geschenk ist also hervorragend angekommen. Ich bin der festen Überzeugung, dass es diese Tour ab sofort jedes Jahr geben wird und das ist auch gut. So hat der geneigte Stoner in der sogenannten ''stillen Zeit'' wenigstens einen festen Zeitpunkt, um gepflegt die Sau raus zu lassen und grandiose Bands zu genießen.


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