31.01.2012, Planet.tt, Bank Austria Halle, Gasometer

DROPKICK MURPHYS

Veröffentlicht am 09.02.2012



Die DROPKICK MURPHYS haben sich in den letzten zehn Jahren einen Status erarbeitet, der vor Genregrenzen nicht Halt macht. Das Publikum bei Konzerten der Bostoner ist eine bunte Mischung aus Punks, Skinheads, Hardcore-Fans und Metalheads, vereint in einer friedlichen Party. Da macht auch Wien keine Ausnahme.

Die Vorbands fallen Gesprächen in der Lobby zum Opfer, aber pünktlich zum Beginn der Hauptband schaffe auch ich es dann endlich mal in die Halle. Das Gasometer ist ausverkauft und das merkt man auch. Im Innenraum fühlt man sich wie eine Sardine in einer Dose, die in einer Sauna steht. Der Moshpit, der ab dem ersten Ton große Teile des Saals umfasst, verbessert das Raumklima nicht unbedingt, macht aber immerhin Spaß. Den hat auch das Publikum. Vom ersten bis zum letzten Song zeigen sich die Fans in Wien textsicher und feiern die Band aus Massachusetts mit ihrer Mischung aus Irish Folk Klassikern, oft nah an den Arrangements der legendären Dubliners, und ihrem eigenen in Hardcore und Punk verwurzelten Material. So weit, so objektiv. Mir aber fehlt an diesem Abend so Einiges. Ich habe die Band zuletzt 2005 live gesehen und bin überrascht, wie „rundgelutscht“ die DROPKICK MURPHYS heute daher kommen. Hatte man früher noch das Gefühl, die Jungs kämen direkt von der Straße auf die Bühne, wirken sie heute in einheitlicher schwarzer Bühnenkleidung eher wie die TEMPTATIONS des Punk.

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Auch beim Material und bei der Performance vermisse ich mittlerweile die Aggressivität früherer Tage. Diese Entwicklung war auch schon auf den letzten Alben zu beobachten. Bis zu „Blackout“ (2003) war eine stetige Weiterentwicklung zu beobachten. Vor allem an ihren Instrumenten wurden die Musiker hörbar besser. Spätestens nach „Warrior’s Code“ gelang es für meine Begriffe immer schlechter, die härteren Wurzeln in den Sound zu integrieren. Die eher auf die letzten Alben konzentrierte und mit 90 Minuten auch nicht gerade überlange Setlist trägt entsprechend wenig bei, mir Freude zu machen. Es fehlen zu viele Folk-Hits wie „The Rocky Road To Dublin“, „Black Velvet Band“, „The Old Triangle“ oder „The Wild Rover” und Eigenkreationen wie “The Gauntlet”, “Blackout”, „Walk Away“ oder „A Few Good Men“. Grundsätzlich eine schöne Idee ist das Akustik-Set in der Mitte des Auftritts. Allerdings hätte man dafür dann wieder passendere Nummern aussuchen können, vielleicht echte Balladen wie „The Dirty Glas“, „Wheel Of Missfortune“ oder „The Torch“, statt die Instrumentalfraktion genau so weiter schrammeln zu lassen, nur jetzt eben auf akustischen Gitarren. Abgesehen davon scheinen die Jungs auf Barhockern aber auch nicht so ganz zu wissen, wohin mit sich. Einige Traditionen bleiben dann aber doch erhalten, wie ein Song, bei denen die Mädels aus dem Publikum auf die Bühne geholt werden. Warum man dafür jetzt aber mit „Kiss Me, I’m Shitfaced“ den vielleicht untanzbarsten Song des Abends, statt des traditionell verwendeten „Spicy McHaggis Jig“ nutzt, werde ich wohl in diesem Leben nicht mehr verstehen. Zumindest die Skinhead dürfen mit „Skinhead On The MTA“ (Im Original „Charly On The MTA”) ihren Song, der in das AC/DC-Cover “TNT” übergeht. Das haben die Bostoner übrigens schon in den 90ern gerne so gespielt. Bleibt für mich die Erkenntnis, dass die DROPKICK MURPHYS deutlich weniger ungeschliffen sind, als ich sie in Erinnerung habe…irgendwie nur noch eine normale Rockband. Fairerweise muss ich dazu sagen, dass das in Wien wohl außer mir nicht all zu viele gestört zu haben scheint.

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Wer mit dem Namen nichts anfangen kann, sollte ihn nachschlagen. Die haben mal wirklich gute Musik gemacht und diejenigen, bei denen die Metalbands von heute abgeschrieben haben, haben noch früher bei Bands wie den TEMPTATIONS gespickt.

Setlist (ohne Gewähr):

Hang 'Em High Citizen C.I.A. The Gang's All Here Sunday Hardcore Matinee Johnny, I Hardly Knew Ya Cruel Never Alone Deeds Not Words Barroom Hero

Akustik Set:

The Warrior's Code Take 'Em Down Devil's Brigade Boys on the Docks The State of Massachusetts The Burden Broken Hymns Going Out In Style -Neuer Song- Climbing a Chair To Bed Peg O' My Heart I'm Shipping Up to Boston Kiss Me, I'm Shitfaced Skinhead on the MBTA T.N.T.


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