20.01.2013, PMK

KARMA TO BURN

Veröffentlicht am 22.01.2013

Heute war der Tag gekommen, endlich die Bemühungen der Südtiroler von POISON FOR SOULS für die Nachwelt festzuhalten. Diese Agentur hatte ja schon in der Vergangenheit das eine oder andere konzerttechnische Schmankerl dies- (u.a. VALIENT THORR oder CASPIAN) und jenseits (z.B. HATEBREED) der Landesgrenze aufzubieten. Zur großen Freude der sich in Innsbruck formierten kleinen, aber wohl feinen Stonergemeinde verpflichteten POISON FOR SOULS die sich gerade auf Europatournee befindliche Stoner Rock-Größe KARMA TO BURN. Als weiterer Anreiz wurden die Südtiroler SLOWTORCH verpflichtet, zusätzlich galt es, das umgebaute pmk (die Heimat von verschiedenen Kulturinitiativen in Innsbruck – Plattform Mobiler Kulturinitiativen) in Augenschein zu nehmen.

SLOWTORCH

Den Südtirolern wurde die Ehre zuteil, den heutigen Stoner-Reigen zu eröffnen. SLOWTORCH punkteten abseits ihres gefälligen und artig auf den Punkt gespielten Szenestoffs mit dem in sympathisch-gebrochenem Deutsch zum Publikum parlierenden Sänger, der sich gleich oben rum freimachte und rhythmisch herumtänzelte, während der Gitarrist fleißig sein Haupthaar schüttelte. Somit gehen klare Sympathie- und Qualitätspunkte gehen nach Südtirol.

ROZBUB

Die Schweizer begleiten den Headliner auf der laufenden Tournee. Mit ihrer eigenwilligen Mischung aus Blues/Alternative/Stoner/Schrammelsound samt den noch schräger anmutenden Dialekt-Vocals konnte das Trio nicht alle Besucher gleichermaßen für sich erwärmen. Wenngleich einige gebannt den Klängen der Band mit dem komischen Bandnamen lauschten, erfreute sich die Bar im Foyer gleichfalls großer Beliebtheit.



KARMA TO BURN

Bekannt für ihre mit tollen Kritiken bedachten Alben war ich sehr auf den heutigen Gig von K2B gespannt. Nach dem MIDRIFF-Konzert zwei Tage zuvor geigte schon wieder eine Band ohne klassischen Frontmann auf. KARMA TO BURN sollten sich auch prompt als das verdammt arschtretende Trio entpuppen, das um 23.15 Uhr einfach die Bühne enterte und völlig easy und locker ihren puren und staubtrockenen HeavyRock rausröhrte. Ein Trio, das seit geraumer Zeit schlichtweg auf einen Sänger verzichtet und ihren furztrockenen Stonersound einfach instrumental darbringt.

Vor Drummer Rob Oswald nahmen Gitarrist William Mecum und Basser Bassist Rich Mullins (beide mit Käppis bewaffnet) Aufstellung, die das 90minütge Set - vom rhythmischen Getrommel nach vorne getrieben - fast ausschließlich breitbeinig schrammelnd absolvierten. Keine großartigen Ansagen verbanden Band mit Publikum, das Trio verließ sich fast ausschließlich auf die magische, fesselnde Wirkung ihrer tonnenschweren Grooves, ihres wummernden Basses und des scheppernden Schlagzeugs, das Auditorium zu fesseln. Wie schon bei CROWBAR vor einigen Jahren dröhnten die Intensivbrocken durch die Luft, scheinbar immer Gefahr laufend sich in endlosen, dopegeschwängerten Jam-Sessions unter der nicht vorhandenen sengenden Wüstensonne zu verlieren. Fast meditativ floß die Psychedelic-Smoke-Melange wirkungsvoll und durchdringend aus den schwarzen Verstärkern und erfreute die für einen Sonntagabend sehr zahlreich erschienenen Dröhnungsfans, deren Soundwahrnehmung wohl des Öfteren in dope-ähnlichen Nebelwänden verschwommen war. Die Anlage wurde zum Glühen gebracht, aus den Boxen drohte förmlich purer Wüstenstaub zu pulvern. Zudem schienen sich die Protagonisten auf Bühne bester Laune zu erfreuen. Böse dreinschauen wird anderen überlassen, hier wird wirklich schwer und sympathisch verzerrt geholzt – das allerdings mit mächtig Spaß in den Backen.

Die 1993 gegründeten K2B verzichten jedoch nicht nur auf einen Sänger (nur sporadisch kommt Gesang vor wie etwa auf dem letzten, „V“ betitelten Album, sondern verzichten unkonventionell fast gänzlich auf reguläre Songtitel und versehen ihre Songs ganz einfach mit Zahlen. Demnach ist es wohl nur für Bandkenner möglich, die Songs richtig zu benamsen. Grundsätzlich darf man hier wohl mit Fug und Recht behaupten, dass Namen also eh nur Schall – und wie im Falle von KARMA TO BURN – vor allem Rauch (sic!) sind. Auf die gewohnte Setlist muß diesfalls somit leider verzichtet werden. Die Akustik im pmk war wie immer infernalisch, heute jedoch weniger grenzwertig als sonst, wo selbst erfahrenste Mischer immer wieder ihre Nöte hatten, aus dem dröhnenden Soundoverkill ein einigermaßen transparentes Soundkleid herauszuarbeiten. Was bei GRAVEWORM und Konsorten noch leichter verschmerzbar war, mutete in der Vergangenheit z.B. bei SERENITY auch schon mal eher grenzwertig an. Der Sound der drei Amerikaner, die ihre aktuelle musikalische Heimat beim österreichischen Napalm Rec. Label gefunden hatten, drückte – wenn auch höllisch laut – ansprechend dreckig und wuchtig wummernd daher. Der Soundorkan der Wüstensöhne, der einem sanft die Innereien massierte, entführte den im Takt mitwippenden Fan hin und wieder auch in die tiefsten Südstaatensümpfe, als immer wieder DOWN bzw. C.O.C.-ähnliche Riffmonster mit dreckig-verschwitztem Louisiana-Flair eingestreut wurden und man förmlich auf einen aus dem Hintergrund auf die Bühne hüpfenden und ins Mikro nölenden OZZY OSBOURNE (Servus Hias!) wartete.

KARMA TO BURN unterstrichen heute Abend wieder einmal warum sie – auch begünstigt durch das Ableben von KYUSS und das Dahindümpeln der KYUSS-Nachfolgebands und abseits der Kommerz-Stonerrocker (MONSTER MAGNET oder QOTSA) mit FU MANCHU an der Spitze des StonerRock-Genres rangieren und zeigten auch den wenigen am heutigen Abend im pmk anwesenden Metallern (ein Mutiger im ENFORCER-Shirt wagte doch glatt einen Crowdsurf), wer hier die vielzitierten dicken Eier hat. Einmal mehr muß jedem Veranstalter gedankt werden, der das Wagnis übernimmt auch an einem Sonntag bzw. unter der Woche Konzerte zu veranstalten, wo klar ist, dass die üblichen Couch-Potatoes eher schwer zu motivieren und zu bewegen sind. Umso mehr sei es dem Veranstalter gegönnt, dass das pmk am heutigen Abend knackig voll war und somit wohl von einem vollen Erfolg ausgegangen werden darf, bei dem alle Beteiligten Gewinner waren! Ein irgendwie speziell kultiger und geiler Gig einer der wahrlich heißesten Burner der Stunde ging nach rund einer Stunde Spielzeit leider viel zu früh zu Ende. © Pics x3: Marc Hofer (Thx!) & x1: Thomas Patsch


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