03.02.2013, Viper Room

KARMA TO BURN

Veröffentlicht am 06.02.2013

Ein trüber Sonntag, irgendwo zwischen Winter und Klimaerwärmung, neigt sich dem Abend zu. Während die einen das wohlverdiente Wochenende gemütlich auf der Fernsehcouch ausklingen lassen und sich bereits auf Montag besinnen, beschließen die anderen dem Alltagstrott noch ein bisschen zu entfliehen. Und weil sich Realitätsflucht als Symptom gesellschaftlicher Verweigerung immer noch am besten im Rahmen Gleichgesinnter zelebrieren lässt, führt kein Weg daran vorbei die warme Sitzkoje des Heimsofas zu verlassen um der Teilöffentlichkeit des Viper-Rooms beizuwohnen. Neben den US-Wüstlingen von KARMA TO BURN laden heute nämlich auch die Schweizer ROZBUB sowie lokale Stoner-Bands zu Eskapismus pur.

Den Anfang machen STONE CIRCUS aus Korneuburg. Das Trio spielt einen lockern Mix aus spacigem Rock und trockenem Metal, mit einem gewissen Hang zur, wie könnte es anders sein, Drogenthematik. Die geradlinigen Songs bieten zwar wenig Überraschungen und Schnörkel, dafür lassen sich Songs wie „Monster Motel“ bereits nach dem ersten Refrain mitsingen und sorgen so für Publikumsaktivität. Auch wenn das Quartett stimmlich nicht immer ganz auf der Höhe ist, kommen die Songs gut an und sorgen für eine kurzweilige Einstimmung auf ganze drei weitere Bands.

PROTOTYPER, eine Band auf die man schon im Vorfeld gespannt war, melden sich nach einer ruhigen Pause lautstark zu Wort. Die junge Combo aus Wien gibt sich sympathisch und füllt den handyempfangsfreien Keller des Viper-Room. Gespielt wird sludgiger, tiefdröhnender Rock, der sich lautstärken- und rhythmusmäßig sehr dynamisch gestaltet. Gemächliche Songs überraschen mit harten Bässen und abwechslungsreichem Riffing, während die schnelleren Nummern nur so über das Publikum hinwegfegen. Wirklich schade, dass eben diese ruhigeren Passagen wie in „Mary Full Of Grace“ keine große Aufmerksamkeit finden, denn dank an den Konzertbereich anschließender Bar steht das Murmelbarometer ständig auf Anschlag. Egal, denn Songs wie „The Talking Crows“ oder „Don't Believe In It“ setzten sich auch bei den größten Plapperhansen durch und beim Sprung von der Bühne schließen PROTOTYPER ihr Set auf Augenhöhe mit dem Publikum ab.

Vergleichsweise ruhig wird es hingegen in der Umbaupause und auch der Folgeact aus der Schweiz schafft es nicht, die vorhergegangene Besucherzahl zu halten. ROZBUB, die sich mit sympathischem Akzent dem Publikum präsentieren, spielen frechen Rock mit HENDRIX-haften Soloeinlagen. Der Begeisterung für den legendären Linkshänder hat Sänger Manuel Bissig übrigens auch durch ein prägnantes Tattoo am rechten Unterarm Ausdruck verliehen. ROZBUB legen sich ins Zeug und die handvoll Besucher die das Finale, bei dem auf der weißen Fender klassisch mit den Zähnen soliert wird, miterleben, sind beeindruckt von der Hingabe.

Mit KARMA TO BURN steht dann auch schon der Mainact des Abends auf der Bühne. Breitbeinig und in stabiler Position geben die beiden Saitenhexer ihr wüstes Repertoire an Desert-Riffs zum Besten und wirken dabei höchst sympathisch. Am verschmitzten Schmunzeln von Basser Rich Mullins erkennt man, dass nicht nur das Publikum die Darstellung genießt und dank Selbstironie amüsieren sich Musiker samt Fans über die rudimentären Songtitel. Ohne Rücksicht auf Vocals ziehen die US-Amerikaner ihr Ding einfach durch und genau das überzeugt beim Hinhören. Ob „Two Times“ nun mit oder ohne KYUSS-Stimme Garcia gepielt wird, ist bei diesem Riffing völlig unerheblich. Die Menge gibt sich den repetitiven Bass-Parts hin und lässt sich von den fließenden Melodielinien einfach mitreißen. Auf seinem Zahnstocher kauend badet Gitarrist William Mecum in der wohlwollenden Publikumsreaktion und nach dem Albenmix aus „Appalachian Incantations“ und „V“ verabschieden sich die Instrumentalisten auch schon wieder von der Bühne. Es ist bereits nach Mitternacht und viele treten den Heimweg an. Schade, denn für die Verbliebenen gibt es noch einen Encore, der durch herumwitzeln an AC/DCs „TNT“ eingeleitet wird. Die Zugabe haut zwar nochmal richtig rein, um halb eins erwischt man sich selbst jedoch bereits am Weg Richtung Realität. Sonntags endet ein abwechslungsreicher Konzertabend eben doch wieder am heimeligen Sofa.


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