17.10.2013, Aera

MASTERPLAN & MYSTIC PROPHECY @ Aera/Wien

Veröffentlicht am 21.10.2013

Ein Melodic-Power-Metal Billing der Extraklasse wurde am Abend des 17.10. von „Sigmasquare Promotion“ in das „Aera Wien“ gebucht. Ein sehr mutiges Unterfangen, ist doch die österreichische Hauptstadt ein sehr hartes Pflaster für dieses Metal-Genre. Aber für Melodic Power-Metal-Fans wurde dieser Abend sicher zu einem Highlight in der bisherigen Konzertgeschichte Wiens. Niemand Geringeres als die frisch zurückgekehrten MASTERPLAN headlinete die „Novum Initium“-Tour und mit MYSTIC PROPHECY teilte mit ihnen ein weiterer Garant für erstklassigen deutschen Metal die Bühne. Geheimer Headliner war an diesem Abend aber die Wiener Progressive-Melodic-Metal-Band SIREN‘S CRY, die sicher einen Großteil der Zuseher zogen und somit das Fundament für einen gelungenen Abend bildeten – sowohl für die Zuseher als auch für den Veranstalter. Und dem nicht genug: Obwohl am frühen Abend noch mit weniger Publikum gesegnet, waren die Tschechen von SEBASTIEN, die ihren eigentlichen Slot kurzerhand mit SIREN‘S CRY tauschten, ein weiteres Highlight. Um die lokalen Opener GRIM JUSTICE noch zu sehen, musste ich mich echt sputen, denn die Beginnzeit war mit 18:30 Uhr sehr früh. Ich sollte aber mit einem engagierten und musikalisch einwandfreien Gig belohnt werden. Schon die Ankunft beim „Aera“ hinterließ ein recht ungewohntes Bild: Zwei fette Tour-Busse standen gemütlich geparkt im 1. Bezirk hintereinander, was organisatorisch sicher kein leichtes Unterfangen gewesen sein dürfte. Und der Organisation muss als Ganzes Tribut gezollt werden, dass dieser Konzertabend in Wien überhaupt möglich wurde. Fünf Bands innerhalb von fünf Stunden unterzubringen ist sicher eine organisatorische Glanzleistung, und der Ablauf funktionierte hervorragend. Die Spielzeit-Kürzung erwischt dann immer die Supportbands und GRIM JUSTICE mussten die eh schon knapp bemessene Zeit von insgesamt 25 Minuten um einen Song kürzen, was echt schade war, da ihnen die Spielfreude durchgehend anzumerken war. Für eine junge Band zauberte Lead-Gitarrist Thomas Strohmayer beeindruckende Melodien hervor und die kraftvolle Stimme von Front-Lady Michela Vignoli beeindruckte mit klarem Gesang samt Thrash-Metal-Attitüde. Ich war zwar zu Beginn ein wenig skeptisch, ob bei vier geplanten Bands ein lokaler Support überhaupt Sinn machen würde, aber GRIM JUSTICE nutzten die ihnen eingeräumte Chance vollends. Ich kann diese Truppe jedenfalls wärmstens für einen Supportslot bei genreaffinen Bands empfehlen.

Die tschechischen SEBASTIEN waren dann die perfekte Weiterführung der gelungenen Eröffnung, und hier merkte man die Professionalität von Beginn an, hatte diese Band ja schon unter anderem auf dem MASTERS OF ROCK eine beeindruckende Fanbase vorzuweisen. Obwohl sie ihren Wien-Einstand schon letztes Jahr als Support bei der SAVATAGE-„Wake of Magellan“-Tour hatten, war das Publikum an diesem Abend noch schwer zu motivieren. Ohne sich davon beirren zu lassen, zogen die sympathischen Musiker, allen voran Frontmann George Rain, ihr Programm durch und beeindruckten mich mit grandiosen Melodien auf KAMELOT-Niveau. Die Präsenz der Band war jedenfalls einzigartig, nur die schwarz lackierten Fingernägel waren nicht ganz nach meinem Geschmack, bitte dringend um Entfernung! Setlist SEBASTIEN: Musée Du Satan Rouge Remiel in Flames Tears of White Roses Man in a Maze Phoenix Rising Dorian

Wie schon vorab angesprochen war der Auftritt von SIREN‘S CRY ein besonderes Highlight und der Slot-Tausch mit SEBASTIEN ein kluger Schachzug, war das „Aera“ doch zu diesem Zeitpunkt bereits ansehnlich gefüllt. Die Professionalität, mit der Front-Lady Katie Joanne und Flitzefinger-Gitarrist Phil Porter agieren braucht kaum eine Erklärung, wenn man diese Wiener Ausnahmekomponisten schon mal in Aktion gesehen hat. Wer nicht, der sollte sich zuerst mal das Debüt-Meisterwerk „Scattered Horizons“ besorgen und sich dann eventuelle restliche Zweifel in der Live-Situation beseitigen lassen. Größte Überraschung war für mich der neue Schlagzeuger Benny Figl, der original Drummer Frederic Brünner kurzfristig ersetzte. Was dieser junge Musiker innerhalb von zwei Monaten an komplexen Drum-Parts einstudiert hat, gleicht einer Herakles-Aufgabe, die er bei diesem Gig allerdings mit Bravour absolvierte. Auch der Bassist Wolfgang Schöbitz war ein neues Gesicht für mich, und die nicht minder schwierigen Bassparts meisterte er gekonnt und teilweise mit von Ekstase verzerrtem Gesichtsausdruck. Lediglich Keyborder Michael fehlte an diesem Abend, wurde aber professionell mit Backingtracks „ersetzt“, was den Ablauf des Konzerts nicht sonderlich störte. Hauptdarsteller bei SIREN‘S CRY ist aber die Musik selbst, die Kompositionsleistung sucht seinesgleichen, die ausdruckstarke Stimme berührt in ruhigen Momenten und gibt Vollgas, wenn es notwendig ist. Die Publikumsmotivation durch Fronterin Katie ist sowieso nie ein Problem gewesen, und die Gitarrenarbeit, die Phil wieder einmal live ablieferte, sorgte für offene Münder. Hinter Vorbildern wie John Petrucci und Michael Romeo braucht er sich also keinesfalls verstecken! Setlist SIREN’S CRY: Introitus S3V3N Oratory & Sins Sahara Sagas Pt I Draconian Spectrum Serpents of War

Nach der großartigen Performance von SIREN‘S CRY wurde es für die deutsche Metal-Fraktion MYSTIC PROHECY ernst, sich in Wien zu beweisen. Mit einem beachtlich starken Backkatalog gesegnet, war es nicht schwierig, mit einem „Best of“-Set über die gesamte Bandgeschichte hinweg zu überzeugen. Vordergründig war sicher die Promotion des aktuellen Albums „Killhammer“, das in der Setlist mit dem Opener „Kill the Beast“ und dem Titeltrack Berücksichtigung fand. Sänger R. D. Liapakis gab während allen Tracks ordentlich Stoff und versprühte seinen Charme bei den Ansagen. Mit „Savage Souls“ vom gleichnamigen Album und „Evil Empires“ kamen weitere Highlights zum Zug. „Sacrifice Me“ vom „Satanic Curses“-Album blieb besonders in den Gehörgängen haften. Lediglich „We Kill You Die“ vom „Fireangel“-Album war mir mit dem Mitsingspielchen doch ein wenig zu abgedroschen – gerade so, als wäre es mit dem MANOWAR-Song-Generator erstellt worden. Mit „Ravenlord“ wurde wieder ein Titelsong eines weiteren Albums geboten, was mich sehr zu der Annahme verleitete, dass mit diesem Konzert eine Lehrstunde in der MYSTIC PROPHECY-Diskografie abgeliefert werden sollte. Wieso man bei reichlich starken Songs dann am Schluss eine Coverversion von "Paranoid" von Black Sabbath bieten musste, entzieht sich meines Verständnisses. Ich muss zugeben, dass ich grundsätzlich schon kein Fan von Cover-Versionen bin – wenn, dann aber lieber ein verborgenes Juwel wie z.B. „Parasol Caravan“ darbieten! Setlist MYSTIC PROPHECY: Kill the Beast Savage Souls Sacrifice Me Killhammer We Kill You Die Ravenlord Evil Empires Paranoid

Die von vielen Fans sehnsüchtig erwartete Rückkehr von MASTERPLAN auf Tour-Pfaden fand dann doch regen Anklang in Wien. Die enttäuschenderweise abgesagte Tour zu „Time to be king“ mit Ausnahmesänger Jorn Lande fand somit erst 2013 mit dem neuen Album „Novum Initium“ statt. Und diese Tour war generell sicher kein leichtes Unterfangen. Es gab sicher schon viele erfolgreiche Konzertabende, der ausführliche Bericht von Kollege Christian Wilsberg über das Konzert im Kubana Live Club in Siegburg erzählt aber trotz guter Live-Performance der Bands leider eine wirtschaftlich desaströse Geschichte. In Wien war es trotz des gewissen Risikos (da eher Deutschland oder Tschechien als die Hochburgen melodischen Power-Metals bekannt sind) doch nicht so tragisch wie schlimmstenfalls zu befürchten stand. Das ist sicher auch dem Marketing und den guten Connections von DRAGONY Fronter und „Sigmasquare Promotion“-Chef Siegfried Samer zuzuschreiben. Diesem haben die österreichischen MASTERPLAN-Fans diesen Abend zu verdanken, und auch ohne die Fans der Wiener Band SIREN’S CRY wäre der Erfolg sicher bescheidener gewesen. Beim Headliner war dann das „Aera“ beachtlich gefüllt. Diese Location war sicher auch die beste Wahl für diesen Anlass, denn der Sound war eigentlich bei allen Bands bestens, und durch den kleineren Publikumsbereich kam auch besser Stimmung auf als es vielleicht im „Viper Room“ oder in der „Szene Wien“ möglich gewesen wäre. Die Bühne bot den Musikern auch den notwendigen Raum, um eine agile Bühnen-Performance hinzulegen. Die professionellen Musiker von MASTERPLAN brauche ich sowieso keinem Fan näher vorzustellen, lediglich Neo-Sänger Rick Altzi soll besonders Tribut gezollt werden, da seine Aufgabe, Jorn Lande nachzufolgen, sicher eine sehr schwierige war. Mit einer Setlist, die größtenteils aus Songs des umjubelten Debütwerks Bestand, konnte die Band gar nichts falsch machen. Mit der damaligen Single „Enlighten Me“ als Opener gab es bei den Fans kein Halten mehr und mit „Spirit Never Die“ gab es sogleich den Nachschlag. Mit „Lost and Gone“ folgte dann auch ein Betrag aus der umstrittenen MKII- Mike DiMeo-Ära. Danach ging‘s mal mit neuen „Novum Initium“- Songs weiter, bevor mit „Crimson Rider“ ein Song vom Bandklassiker „Aeronautics“ das Publikum begeisterte, von dem auch noch „Back for my Life“ geboten wurde. Dem Vorgängeralbum „Time to be King“ wurde mit dem Titelsong und der Single „Far from the End of the World“ Ehre zuteil, bevor sich wieder zum Debüt rückbesonnen wurde und Klassiker wie „Crystal Night“, „Soulburn“ und „Heroes“ abgefeiert wurden. Eine Zugabe nach dem vermeintlichen letzten Song „Kind Hearted Light“ ließ man sich trotz des engen Zeitplans nicht nehmen, und mit „Crawling from Hell“ wurde dann das begeisterte Publikum in die Nacht entlassen. Setlist MASTERPLAN: Enlighten Me Spirit Never Die Lost and Gone Betrayal Black Night of Magic Crimson Rider Far from the End of the World Back for My Life Time to Be King Keep Your Dream Alive Crystal Night Soulburn Heroes Kind Hearted Light Encore: Crawling From Hell


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