06.12.2013, CONGRESS - Saal Dogana

SCHUBERT IN ROCK

Veröffentlicht am 19.12.2013



"Totgesagte leben länger" oder "Wie Innsbruck wieder lernte zu rocken"...

"Innsbruck du sollst rocken!" - so lautete der Slogan einer einzigartigen Marketingkampagne mit Großsponsoren, ein einmaliger PR-Kraftakt, der sicherstellte, dass alle relevanten Hotspots in der Landeshauptstadt mit Plakaten und Riesenbannern ausgestattet waren. Schon Monate zuvor waren Aufkleber mit der Handgranate aufgetaucht, wo niemand wahrscheinlich auch nur eine Ahnung hatte, was hier von statten gehen sollte. An Geldausgabeautomaten, in öffentlichen Verkehrsmitteln, von den Medien (Print, Online, Lokalradio) nicht zu sprechen, sogar in der ORF-Bundesländersendung "Tirol Heute" wurde die Flughafen-Ankunft der Vocal-Legenden präsentiert und auch "Lady Of The Tower" durfte im ORF Studio angerockt werden. Am Nikolaustag sollte es schließlich so weit sein, schon vor dem Einlaß verwunderte die Warteschlange vor dem Innsbrucker Congresshaus. Und tatsächlich, das im Vorfeld von Fachexperten vielfach geunkte Zuschauer-Fiasko trat nicht ein. Die Promotion hatte wohl jeden interessierten Rockfan erreicht und vermochte auch ein riesiges Aufgebot von nahezu 2.000 Alt-, aber auch zahlreichen Nachwuchsrockern und -rockerinnen in die doch recht große Dogana zu locken. Auch außerhalb der Tiroler Landesgrenzen hinaus sollte Klaus Schubert jedem österreichischen Musik-Fan zumindest ein Begriff sein. Mit NO BROS und SCHUBERT konnte der Gitarrist in seiner jahrzehntelangen Rockhistorie Musikgeschichte schreiben und landete u.a. mit "Heavy Metal Party", "Universe Of Fantasy" und vor allem der Ballade "Be My Friend" auch richtige kleine Hits. "Schubert in Rock" ist nun das aktuelle All-Star-Projekt, unter dessen Banner alte NO BROS-Gassenhauer mithilfe internationaler Topsänger neu aufgenommen wurden und mit fettem Sound zeitgemäß intoniert wurden. Die Live-Umsetzung dieses sehr ambitionierten und lässigen Projekts sollte am heutigen Tage erfolgen.

Den Abend eröffnete die österreichische Rock & Medienlegende Gotthard Rieger, der ja u.a. mit seiner G.R.´s Rockshow noch immer in den Köpfen der Rockveteranen präsent sein dürfte. Rieger plauderte aus dem Nähkästchen und über seine Erlebnisse mit Klaus Schubert, bevor in riesigen Digitallettern auf der Videoleinwand ein Countdown eingeläutet wurde, der in einer Explosion gipfelte, bevor kurz nach Beginn des TV-Hauptabendprogramms Drummer Bernie Welz die Beats für das folgende "Good Morning Sir" vorgab. Den Einstieg bei diesem neuen Song von der just erchienenen "Schubert In Rock"-CD am Mikrophon lieferte CD-gemäß gleich Doogie White (RAINBOW). Die "Rock-Party des Jahres" hatte ihren fulminanten Einstieg gefunden, von nun an ging es Schlag auf Schlag, die stimmlichen Größen der Rockgeschichte gaben sich die Klinke in die Hand. Die All-Star-Truppe rund um Mainman Klaus Schubert verzauberte das Publikum und schenkte ihm einen einmaligen Abend. Nach dem neu aufgenommenen "Davi" betrat erstmals Joe Lynn Turner (u.a. ex-DEEP PURPLE/MALMSTEEN/RAINBOW) die Dogana-Bühne und sorgte nicht zuletzt mit seiner Körpergrößte und vor allem der etwas eigenartigen Haarpracht für Verwunderung im Publikum. "Cavalry Of Evil" und der RAINBOW-Rocker "Fool For The Night" wurden von seiner unnachahmlichen Stimme veredelt (kleiner Mann ganz groß), bevor Reibeisen Marc Storace von KROKUS seine beiden Tracks von der neuen "Schubert In Rock"-CD darbieten durfte. Ein Höchstmaß an Würde kehrte sodann mit ex-BLACK SABBATH-Röhre Tony Martin auf der Bühne ein, als er nach dem SCHUBERT-Eröffnungsriff ein düsteres "Headless Cross" intonierte.

Zwischen all den starken Nummern von der neuen All Star-CD sowie den Eigenkompositionen der (ehemaligen) Hauptbands der Gastsänger folgten fließende Wechsel in der Backingband. So durften etwa NO BROS-Basser Michael Außerhofer oder SCHUBERT-Bunny Irene Ranz (auch CHERRY BOMB), die den Bass an Viersaiter-Tausendsassa Neil Murray weiterreichen durfte, ebenso ihre Liveehren genießen wie Keyboarder Andi Brunner. Die Ösi-Rocklegende Klaus Schubert konzentrierte sich auf sein erdiges Gitarrespiel und hielt sich - bis auf eine wohlverdiente Soloansprache - angenehm und ohne jegliche Starallüren im Hintergrund und übte sich eher in Zurückhaltung und Demut denn in Rockstar-Träumen. Anfangs zeigte sich das Publikum ein wenig zurückhaltend, mochte vielleicht auch daran liegen, dass die CD erst eine Woche zuvor veröffentlicht wurde und wohl nicht alle Besucher (bis auf die Schubl-Fans) mit dem Songmaterial vertraut waren, naturgemäß war auch ein vermehrtes Auftauen bei den Songs der "großen" Bands zu bemerken. Dennoch vermochten das starke Songmaterial (das oftmals an die Rockgroßmeistern DEEP PURPLE & Konsorten erinnerte, aber dennoch als Quasi-"Best of" NO BROS überzeugte) sowie die tollen Gesangsleistungen das Publikum sukzessive zu erobern. Auch wenn keine über Jahre gewachsene Band auf der Bühne stand und nicht alles homogen und in blindem Verständnis erfolgend wirkte, so machte die Professionalität der gestandenen Rock-Recken dieses Manko mehr als wett. Ein toller Rockkracher folgte dem nächsten, jeder einzelne Track wurde vor allem von den Sängern veredelt, White und Martin intonierten gefühlvoll den DEEP PURPLE-Track " When A Blind Man Cries", groß waren auch "Hey You/Second King Of Darkness" mit Martin am Mikro, "Lady Of The Tower" und der KROKUS-Publikumsanimierer "Long Stick Goes Boom", bevor "Temple Of The King" Gesangsgott Ronnie James DIO gewidmet wurde.

Genau an diesem Punkt merkt man, wie lässig das Konzert wirklich war, wenn man die Songs vor dem geistigen Ohr noch einmal Revue passieren läßt. Es rockte und rollte an allen Ecken und Enden und der positive Geist des HARDROCK sprühte bei klarem Livesound aus dem Boxen. Für´s Auge gab es Videoleinwände, einen kleinen Laufsteg ins Publikum und sowohl eine amtliche Licht-, als auch eine für hiesige Verhältnisse eher ungewöhnliche Lasershow, sodass es auch auf visueller Ebene nichts zu mäkeln gab, lediglich auf die Teilnahme von SAXON-Grandseigneur Biff Byford bzw. Gitarrist Bernie Marsden, die auch auf der CD vertreten waren, mußte am heutigen Abend leider verzichtet werden. Über die geilste Rock-Röhre verfügte meiner Meinung nach Marc Storace, Joe Lynn Turner berührte mich stimmlich am meisten, kompakt und wandelbar agierte Doogie White, die entsprechende Ernsthaftigkeit und Würde zauberte Tony Martin in den heutigen Abend. Mit am Beeindruckendsten waren die Soloeinlagen von DEEP PURPLE-Keyboarder Don Airey, der im Stile seiner aktuellen Hauptband orgelte und tolle Space/Fusion-Hexereien vom Stapel ließ. Für Liebhaber der Orgel wie mich ein wahrer Ohrenschmaus, in dessen Genuß ich zuletzt mit DEEP PURPLE in 2.300m Seehöhe kam (zum Livereport aus Ischgl)

Beim Abschlußtriple "Long Live Rock n' Roll" von RAINBOW durften alle Gastsänger noch einmal ihre Gesangsmuskeln spielen lassen, der von Marc Storace intonierte Uralt-NO BROS-Track "Heavy Metal Party" weckte Erinnerungen und ließ die Anwesenden in Nostalgie schwelgen. Ob es als Grande Finale gegen 22.30 Uhr wirklich das mehr als abgedroschene "Smoke On The Water" sein mußte, sei dahingestellt, dennoch sei die Frage erlaubt, "wenn nicht hier und heute, wann dann" sollte man so einen Gassenhauer darbieten?! Man mag zu Klaus Schubert stehen wie man will, heute sprachen die Fakten und zu den zahlreichen Erfolgen gesellte sich das heutige Karrierehighlight. Mit Superlativen sollte man ja generell sorgsam umgehen, aber der heutige Konzertabend darf wohl ohne Übertreibung als ein denkwürdiger in die Tiroler Rock-Annalen eingehen, auf eine Wiederholung darf gehofft werden, wenngleich genau diese Exklusivität und Einmaligkeit den besonderen Reiz des heutigen Abends ausmachten. Fotos: Alex Schrattenthaler - mehr Pix seht ihr in unserer Gallerie


WERBUNG: Hard
ANZEIGE
WERBUNG: ROCK SHOCK THEATRE 2020
ANZEIGE