11.07.2014 - 13.07.2014, Neugarten Almseehütte

Eine in Teich Festival 2014

Text: Evi
Veröffentlicht am 17.07.2014

Das EINE IN TEICH, wohl eines der kontrastreichsten einheimischen Festivals, hat es auch dieses Jahr wieder geschafft zu beweisen, dass die Kärntner Berge nicht nur für begeisterte Skifahrer und Wanderer von Interesse sind, sondern auch für naturbegeisterte Fans extremer Musik die Möglichkeit bieten, auf der Alm für ein Wochenende in angenehmer Atmosphäre zu entspannen und zwischen Kühen und Alm-Idyll den Klängen schwermetallischer Musik zu lauschen. Nach der, dank der sehr klugen Beschilderung des Weges durch das Festival-Team, recht unkomplizierten Anfahrt (Tipp: Wenn ihr „Berg-fahren“ nicht gewohnt seid, sucht euch jemanden, der es kann und fahrt mit diesem Jemand mit.) kommt man auf 1600 Höhenmetern an und erst einmal wegen der wunderschönen Umgebung ins Staunen. Hat man sich wieder gefangen, geht’s natürlich ans Festival genießen, mit allem was dazugehört. Hier ein Überblick über Line-Up und Eindruck der Performances:



Tag 1:

Am ersten Tag eröffneten die Salzburger Cowboys von OUTLAWED und mussten, wie für den Opener trauriger Weise oft üblich, mit einer kleinen Schaar eingeschworener Fans Vorlieb nehmen. Den Slowenen SOULCHARGER erging es ähnlich, denn am Nachmittag waren noch nicht allzu viele Metalheads vorhanden, beziehungsweise wohl mit dem Zeltaufbau beschäftigt, was der Spielfreude der Jungs jedoch keinen Abbruch tat. Danach gaben sich COUNTERWEIGHT die Ehre und erfreuten das bereits etwas zahlreichere Publikum mit professionell dargebotenem Kärntner Metalcore, der Fans dieses Genres auch tatsächlich ein wenig zum moshen veranlasst hat. Die Black/Thrasher IRDORATH hingegen konnten sich schon über etwas größeren Andrang freuen und boten eine gewohnt stringente Live-Performance sowie als erste Band des Tages, ein düsteres Bühnenoutfit, bei dem der traditionelle Corpsepaint nicht fehlen durfte. Zwischen den Gigs erfrischten sich einige Hartgesottene Metalfans im für das Festival namesgebenden Teich neben der Almhütte, was, ob der vielzitierten Höhenmeter und der dementsprechenden Temperatur, einer Mutprobe gleichkam. Publikumstechnisch schieden sich bei der fünften Truppe, der „Female fronted“-Metal Band THYTOPIA offensichtlich die Geister. Man kann dieses Genre mögen oder nicht, jedoch muss man ehrlicherweise darauf hinweisen, dass Sängerin Cynthia auch schon einmal besser die Töne getroffen hat als am Eine in Teich 2014. Ihre Mischung aus cleanem Gesang und Death-Metal orientierten Vocals hat live leider nicht die Druckkraft, die sie auf CD aufweist, instrumental war die Performance jedoch top! Weiter ging‘s nach viertelstündiger Pause mit den gutgelaunten Paganisten von BIFRÖST. Sänger Ragnar ist ein Frontmann erster Güte und versteht es, seine Fans zu motivieren. Besonders hervorzuheben ist die Performance von IRDORATH Bassist Mario, der den Heiden am Viersaiter aushalf und sich perfekt in deren Line-Up einfügte. Den Leuten hat’s gefallen, der Band Spaß gemacht, zumindest war das mein Eindruck. Die Grinder von GUTALAX sind ob meiner unglaublich großen Abneigung gegenüber dem Genre leider an mir vorbeigegangen, ich ließ mir jedoch sagen, dass sie ihre Sache gut gemacht haben und der Auftritt, für Menschen die so etwas lustig finden, ziemlich spaßig war. Bemerkt habe ich auch, dass ich mit meiner Abneigung solcher Musik gegenüber relativ alleine dastehe, denn das Publikum fand sehr wohl gefallen am schrägen Auftritt und ließ sich nicht zweimal bitten.

Der Headliner des ersten Abends, die Griechen von ROTTING CHRIST haben einen epischen Auftritt hingelegt, der besser in dieses Location nicht hätte passen können. Unter einem fast vollen Mond und inmitten von nebelverhangenen Bergen gaben sie, mit sichtlichem Spaß am Drumherum, eine Setlist zum Besten, welche eine perfekte Balance aus altem und neuem Material beinhaltete und die Fan-Herzen höher schlagen ließ. Der Sound war schlichtweg grandios und Publikum wie Band sichtlich begeistert. Abgeschlossen wurde Tag eins von DARKFALL aus der Steiermark, welche musikalisch im Death/Thrash Lager zu verorten sind. Leider muss ich zugeben, dass ich beim Auftritt der Jungs schon in meinem Zelt lag, da auch ich einmal am Ende meiner Kräfte angekommen bin, ich habe mir aber sagen lassen, dass die Late Night Show nicht schlecht besucht war.

Tag 2:

Der zweite Tag wurde von KILL ROBOT KILL eröffnet, die genretechnisch dem Deathcore zuzuordnen sind. Leider habe ich so mein Problem mit Sachen, die auf „-core“ enden und kann deswegen nicht viel über die musikalische Leistung der Jungs sagen, gewiss ist jedoch, dass sie zwischen den Liedern ruhig ein bisschen weniger davon hätten quatschen können, nur einen Sänger dabei zu haben. Das Publikum hat dies nämlich nicht gestört und es war, trotz des allseits bekannten und bereits erwähnten „Opener-Fluches“, ein relativ gut besuchter Gig. Danach wurde es mit SEII TAISHOGUN und SPASM wieder relativ grindig. Erstere hatten als einzige Band des Festivals mit länger andauernden technischen Problemen zu kämpfen, ließen sich davon aber nicht beirren und brachten das Publikum mit ihrem Hardstyle-Cybergrind richtig gut in Partystimmung, sodass sogar getanzt wurde, und das will, bei all den obertruen Gestalten mit denen die österreichische Metalszene durchwachsen ist, durchaus etwas heißen. Die Stimmung hielt auch bei den drei Tschechen von SPASM noch an, zumindest solange, bis es wie aus Eimern zu schütten, nach einer Weile sogar zu hageln begann. Auf 1600 Höhenmetern muss man mit sowas rechnen, das ist klar, trotzdem suchte man erst einmal in der nahegelegenen Almhütte oder unter den Zelten am Festivalgelände Zuflucht, einige brachen sogar ihre Lager ab und fuhren, wohl entmutigt von der Nässe und der stark abgefallener Temperatur wieder nach Hause.

Mit wetterbedingter einstündiger Verzögerung enterten dann HARAKIRI FOR THE SKY aus Wien die Bühne. Bemerkenswert ist an dieser Stelle, dass, obwohl es immer noch wie verrückt regnete, gar nicht wenige Leute vorne an der Bühne standen und das, in gewohnter Manier, professionelle Konzert - im leichten Nieselregen und vor dem gräulich bewölkten Himmel - in vollen Zügen genossen. Die tristen Wiener habe anscheinend eine wetterfeste und treue Fanbase, die sich nicht einmal von alpinen Schauern am Abgehen hindern lässt. Die murauer Deathmetaller von EREBOS hingegen mussten trotz angenehmen Slot wieder mit dem harten Kern der entweder zu true oder zu betrunken war, um sich vom Wetter die Festivalstimmung vermiesen zu lassen. Jener harte Kern ließ es sich übrigens nicht nehmen, zu den gnadenlosen und schneidenden Riffs und aggressiven Vocals der zwei Sänger heftig abzugehen. SELBSTENTLEIBUNG, die Wiener Black Metaller mit hörbarem „depressive“ Einfluss, waren danach an der Reihe und man konnte beobachten, wie der harte Kern, trotz gleichbleibendem Schlechtwetter wieder zu wachsen begann. Die Band rund um Sänger Tötung hat ja schon seit geraumer Zeit einen Line-up Wechsel hinter sich, welcher der Bühnenpräsenz und Wirkung der Band aber keinen Abbruch getan hat, wie ich selbst feststellen durfte. Im Gegenteil. Besonders der neue Schlagzeuger Serverni Veter (Bifröst/Nebelfront) überzeugt mit seinem Drumming, der neue Bassist Plague (Whiskey Ritual) fügt sich abgehtechnisch sowie instrumental perfekt in die Band ein, welche live besser zusammenzupassen scheint denn je. Besonderes Highlight der Show waren die Gastauftritte von HFTS Sänger Jimbo bei SELBSTENLEIBUNGS „Namenlos“ und Festivalveranstalter Feanor Omega höchstpersönlich, der seine Vocals zu „Desomorphin“ beisteuerte. Rituell und mystisch wurde es mit OUR SURVIVAL DEPENDS ON US. Während der nun zur Gänze volle Mond sich gemächlich über die umwölkten Gipfel zu erheben begann, gaben die vier bühnenerfahrenen Bergfexe ihre „Intensive Spiritual Musick” zum Besten und machten dieser selbstgewählten Beschreibung ihres Schaffens wirklich alle Ehre. Fans langsamer, schwerer Riffs und tiefgründiger Melodien waren an dieser Stelle sehr gut bedient. Langsam begannen sich die Leute wieder aus Zelten und Hütte vor die Bühne zu trauen und so war der Gig von OSDOU auch publikumsmäßig durchaus annehmbar.

Und als hätte mein innerliches Bitten und Betteln tatsächlich geholfen, hörte es während des Umbaus für die exklusive Reunion-Show der österreichischen Black Metal-Institution HELLSAW auf zu regnen. Als es dann so weit war, konnte ich mich selbst davon überzeugen, dass, trotz einer Bühnen-Abstinenz von zwei Jahren, das Konzept HELLSAW immer noch funktioniert. Zwar wirkten die Jungs, bis auf die Gitarristen Malthus (GROTESKH/SCARGOD) und Isiul, die sichtlich Spaß an der Show hatten, ein wenig unsicher, jedoch schafften sie es trotzdem, das wieder zahlreicher gewordene Publikum mit einer durchdachten Setlist und einer Feuerspuck-Einlage von Sänger Aries mitzureißen. Wirklich schade war nur, dass Bassist Desderoth (VALFEANOR) fast die gesamte Show über kaum zu hören war. Auch diese Band hat einen Line-Up-Wechsel hinter sich und mit Drummer Tenebris (ex-UNHALLOWED) an diesem Abend erstmals den neuen Mann hinterm Schlagwerk. Trotz anfänglich zu hörender Nervösität prügelte dieser das Set straight herunter und passte sich insgesamt gut an die Band an. Headliner des Samstags waren HERETOIR, welche mit ihrem atmosphärischen Post-Metal und perfektem Sound eine fast trancheartige Stimmung erzeugten und ihren Auftritt, trotz zehnstündiger Anfahrt, sichtlich genossen. Als Outro gab das Quartett ein Cover von Austere, „Just a Moment zum Besten“ und ich kann mit Bestimmtheit sagen, dass dieser Song definitiv einer der Highlights des ganzen Festivals war. Das Publikum, teilweise völlig weggetreten, war definitiv derselben Meinung. Perfekt abgerundet haben das Eine in Teich 2014 die Belgier von HEMELBESTORMER. Mit ihrer individualistischen, rein instrumentalen Darbietung im Dunkeln, nur durch die Projektion eines Beamers erhellt, ihren langsam-doomigen Riffs, hypnotischen Melodien und -nennen wir das Kind beim Namen- einfach unglaublich mächtigem Sound boten sie eine musikalische Erfahrung der Sonderklasse. Untermalt wurde diese Latenight-Show der besonderen Art von einer, extra für den Auftritt des Quartetts konzipierten, Feuershow der Wiener Künstlerin MOONFYRE, welche durch ihre artistisch-heiße Darbietung das Publikum, insbesondere das männliche, noch einmal zum Schwitzen brachte. Um die leiblichen Bedürfnisse nicht hintan zu stellen, kurz auch noch ein paar Worte zur Verpflegung: Besser gegessen habe ich auf keinem Festival. Abgesehen von der Tatsache, dass direkt neben dem Festivalgelände eine Almhütte befindet, die von den Festivalgästen nicht nur wegen ihres Kachelofens sehr geschätzt und gut besucht wird, konnte man auch am Festivalgelände selbst zwischen Gegrilltem, den hauseigenen „Eine in Teich Nudeln“ (Eine Variation der legendären „Kärntner Kasnudl“) und Pasta mit vier (!) verschiedenen Pestos auswählen. Am Morgen gab es für das verkaterte Festivalvolk Kaffee und Reindling (Für alle die ihn nicht kennen: Eine traditionelle Kärntner Kuchenart) und das alles zu fairen Preisen. Drei der Pestos waren übrigens vegan, was auf Metal-Veranstaltungen ja leider immer noch eine Seltenheit ist und die „Eine in Teich Nudeln“ auch für die Laktose intoleranten unter uns genießbar. Das 5 Year Anniversary des EINE IN TEICH FESTIVAL hat sich, wie ich finde, als ein rundherum gelungenes Gesamtbild präsentiert, bei dem vom Ambiente bis zum Publikum -trotz Wettereinbruch- alles gestimmt hat und das zeigt, dass Kärnten, obwohl oft belächelt und tatsächlich in der österreichischen Metal-Szene etwas unterrepräsentiert, mit ausgefallenen Locations und besuchenswerten Events aufwarten kann, die das Metaller Herz definitiv höher schlagen lassen. Zum Schluss verabschiede ich mich mit einem, von SCHICKENHOF STUDIOS, extra für das Eine in Teich 2014 produzierten Aftermovietrailer, welcher mit Bildern ausdrückt, was mir nicht in Worte zu fassen gelungen ist! Enjoy!


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