11.02.2015, Backstage (Werk)

LORDI + PALACE + SINHERESY @ Backstage

Veröffentlicht am 27.02.2015

Wieder einmal trieb es die Abgesandten von Stormbringer ins Backstage München, wo dieses Mal die finnischen Monsterrocker LORDI im großen Werk aufspielten. Der Monsterzirkus war bereits vor etwas mehr als einem Jahr (genauer gesagt, Dezember 2013) in München zu Gast, und konnte dort auf ein fast volles Haus und tolle Stimmung bauen. Dieses Mal sah es besuchermäßig nicht mehr so gut aus, war doch die Tour sehr spät angekündigt und demzufolge kaum beworben worden, und so verirrten sich nur etwas mehr als 300 Besucher an diesem Wochentag ins Backstage. Zu allem Überfluss auch noch kurz vorm Faschings/Karnevals/Fastnachts/wasauchimmer-Höhepunkt - und das obwohl die finnischen Kostümrocker perfekt zur "fünften Jahreszeit" gepasst hätten. Doch weil Meckern die Situation nicht besser machte, gaben LORDI dafür umso mehr Gas und boten dem Publikum eine abwechslungsreiche Show die man so schnell nicht vergaß - zumindest die Kunstblutflecken so mancher Showeinlagen gingen nicht so schnell wieder ab. Den Mut die schaurigen Finnen auf ihrer Tour zu supporten bewiesen die pfälzischen Oldschool-Metaller PALACE, sowie die italienischen Symphonic-Metaller SINHERESY.

Letztere wagten sich dann auch als erste auf die Bühne, doch waren zu diesem Zeitpunkt noch sehr wenige Besucher anwesend. Gerade einmal die ersten drei Reihen waren besetzt, als

SINHERESY

anfingen das Backstage mit ihrem stark an LEAVES' EYES erinnernden Symphonic Metal zu beschallen. Trotzdem man den Italienern die fehlende Erfahrung in der Live-Situation deutlich anmerkte, machten sie ihre Sache recht gut. Das Publikum wollte aber nicht so recht in Schwung kommen, da man deutlich merkte dass die meisten Leute für prägnante Metalkost angereist waren, und mit dem höhepunktsarmen, fallweise etwas generisch klingenden Sound der Italiener einfach nichts anfangen konnten. Einziger etwas herausstechender Song der Performance blieb der Titeltrack des aktuellen Albums "Paint The World", dessen in der Tat schön arrangiertes Duett im Refrain zum Mitwippen animierte. Nebst etwas lautem Bass und stellenweise übersteuerndem Drumsound, lief bei SINHERESY leider kaum etwas rund. Sowohl Sänger als auch Sängerin lieferten einige Fehlnoten, und Keyboard sowie Lead-Gitarre kamen augenscheinlich vom Band - genau wie ein Teil der Gesangsspuren ebenfalls eingespielt zu sein schien. Doch die Italiener bemühten sich redlich das Publikum mitzureißen, und auch die Ansagen von Sängerin Cecilia Petrini (in schlechtem Englisch mit herzigem italienischen Akzent - 'It's a griiiit pläääsah...') sorgten für Sympathiebonus, konnten aber nicht über die Defizite hinwegtäuschen. So mussten sich SINHERESY trotz vollem Einsatz mit nur zögerlichem Applaus des sich in der Zwischenzeit mehrenden Publikums abfinden.

Setlist:

(ohne Gewähr) - The Gambler - Made for Sin - Paint the World - Break Point - Temptation Flame

Als Nächste auf die Bühne trauten sich

PALACE

aus der Pfalz, die dem Publikum teutonischen Metal mitgebracht hatten (O-Ton Fronter "HP" Piller). Und dieser oldschoolige, hauptsächlich an ACCEPT angelehnte Sound mit einem Schuss RUNNING WILD konnte beim Publikum dann auch weitaus besser punkten als die generische Kost des italienischen Openers. Innovation und wirkliche Eigenständigkeit suchte man zwar vergebens (Fronter HP könnte optisch gut und gerne als Rock'n'Rolf durchgehen, und Gitarrist Jason liefert mit seinem großartigen Posing einen perfekten Wolf Hoffmann ab) aber dafür konnten die Rheinländer eine ganz besondere Qualität vorweisen: die Gabe das Publikum mitzureißen. Und das lag nicht nur an straighten Nummern wie "Rot In Hell" oder "The Healer", sondern vor allem an der grundsympathischen Art mit der die vier Musiker auf das Publikum zu- und eingingen. So konnte man schon alsbald eine Menge Fäuste und Pommesgabeln gen Hallendecke gereckt sehen, und der laute Jubel der Anwesenden machte fast vergessen dass sich nur so wenige Zuschauer ins Backstage verirrt hatten. Der lässige Stampfer "Dark Prophecies" sorgte für artiges Kopfnicken samt wirbelnden Haaren im Publikum, und mit dem coolen "Machine Evolution" machten PALACE den Sack schlussendlich zu. Den lauten Applaus des Publikums fuhren die vier nicht mehr ganz taufrischen Musiker (PALACE ziehen seit 1990 ihre Kreise im metallischen Universum) somit mehr als zurecht ein. Überdies präsentierten sich die Rheinländer durch ihr simples aber effektives Material das überdies noch in guter Soundqualität dargereicht wurde als perfekte Einstimmung auf die folgende Monstershow. Da können sich SINHERESY noch einiges abschauen, wie man ohne Neues zu bieten mitreißt.

Setlist:

(ohne Gewähr) - Rot In Hell - Bloodshed Of Gods - Between Heaven And Hell - Dark Prophecies - Women In Leather - The Healer - Machine Evolution

Und dann war es soweit - das Licht ging aus und der KISS-Klassiker "God Of Thunder", der traditionelle Beginn einer jeden

LORDI

-Show, hallte durch das Backstage Werk. Flugkapitän Ruiz höchstpersönlich machte anschließend- unterstützt von einer hübschen, aber wahrscheinlich genauso wie er untoten Stewardess - die Durchsage zur erwarteten Ankunft der "Scare Force One". Und dann grub sich auch schon der satte Bass in die Magengrube, als die Monstertruppe mit "Nailed By The Hammer Of Frankenstein" energisch loslegte. Bei ihrem flotten Party-Sauf-und-Ficksong (der Titel ist hierbei selbsterklärend und lässt keinen Fragen offen) waren Lordi aber nicht alleine auf der Bühne - genauso wie bei allen anderen Titeln des Abends. Zwei weitere hübsche (aber untote) Stewardessen unterstützten LORDI während des gesamten Konzertes über als Backgroundsängerinnen. Das ging speziell bei den neueren Songs wirklich glänzend auf, lediglich bei älteren Titeln wie dem Stampfer "Blood Red Sandman", dessen Bridge man doch noch immer mit der klaren, hellen Stimme des Ex-Schlagzeugers Kita in Verbindung bringt, trafen die beiden Damen nicht so ganz den richtigen Ton. Seis drum, das ist live - dafür konnte man sich über den richtig satten, kernigen Sound freuen. Und live können die kostümierten, oft als Klamauk verschrienen Finnen dann doch so einiges - nicht nur mit Kunstblut durch die Gegend spritzen, dass einige Besucher die das Pech hatten am falschen Fleck zu stehen aussahen wie nach einem Kettensägenmassaker. Als klares Statement dass der Song-Contest-Unfall ein für allemal der Vergangenheit angehört, rutschte der Siegersong "Hard Rock Hallelujah" an den Beginn des Live-Sets, und ältere Perlen wie "Not The Nicest Guy" oder das seit den Anfangstagen nicht mehr gespielte B-Side "Don't Let My Mother Know" fanden ebenfalls ihren Weg zurück in die Setlist. Und diese hatte es auch ziemlich in sich, boten LORDI doch mit ihrem 19 Titel starken Set einen guten Querschnitt durch 13 Jahre Monsterschaffen. Sowohl das griffige "Deadache", die Ballade "It Snows In Hell" (samt Kunstschnee der aufs Publikum regnete) als auch das industrial-lastige "The Riff" kamen beim Publikum gut an. Zwischen Fuck You!-Attitüde ("Sincerely With Love") und Horror-Kindergeburtstag tobten sich die Monster mit allerlei Einlagen gründlich aus, und bewiesen bei ihren Soloparts dass sie ihre Instrumente auch tatsächlich beherrschen - sogar unter den erschwerten Voraussetzungen dabei in einem brütend heißen, kiloschweren Ganzkörperkondom zu stecken. Neben den bereits bekannten Showeinlagen wie den Fledermausflügeln von Mr. Lordi bei "Devil Is A Loser" als auch der CO2-Kanone bei "Who's Your Daddy" gab es noch einiges an schrägen Einlagen zu bewundern. So entpuppte sich der Kinderwagen mit Hella's Baby als menschenfressendes Minimonster, auf das Publikum wurden wildgewordene Großmütter und mit Blut spritzende Clowns ("Hell Sent In The Clowns") losgelassen, und bei der abgedrehten live-Autopsie auf der Bühne während "How To Slice A Whore" spritzte gleich eine ganze Blutfontäne in den Zuschauerraum. Bassist Ox riss während seines Soloparts einem festgeschnallten Opfer die Eingeweide heraus, während sich Gitarrist Amen nach seinem Akustik-Solo ("Amen's Lament To Ra II") von Fake-Flammensäulen in Szene setzen ließ, und dabei locker-lässig ACCEPT's "Metal Heart" anriss, zu dem das Publikum auch sofort mitsang. Weiters involviert in die Show waren noch Kreissägen, Babypuppen und jede Menge abgetrennte Körperteile - muss man noch mehr sagen? Dem Publikum gefiel das Spektakel augenscheinlich, und nebst den Klassikern fanden auch neue Titel wie "Sir, Mr. Presideath, Sir!" oder der Titeltrack des aktuellen Albums "Scare Force One" regen Zuspruch unter den Zuschauern. So war es klar dass Mr. Lordi zum Schlusspunkt "Would You Love A Monsterman?" nicht lange fragen musste, denn die Antwort war klar: JA! Unzufrieden ging nach dieser Show niemand nach Hause, wie auch der anhaltende, und für das wenige anwesende Publikum richtig laute Schlussapplaus bewies.



Setlist:

(ohne Gewähr) - Nailed By The Hammer Of Frankenstein - This Is Heavy Metal - Hard Rock Hallelujah - Deadache Hella 's Kitchen (Solo) - Hell Sent In The Clowns - Blood Red Sandman Mana Solo - Give Your Life For Rock And Roll - Don't Let My Mother Know Ox Solo - How To Slice A Whore - It Snows In Hell - The Riff - Sincerely With Love - Man Skin Boots Amen's Lament To Ra II (Solo) - Not The Nicest Guy - Sir, Mr. Presideath, Sir! - Devil Is A Loser ------------------------------------------- - Scare Force One - Who's Your Daddy - Would You Love A Monsterman Ein feiner Abend war es, mit einem toll aufgelegen Haufen an Monstern der sich richtig ins Zeug legte, und damit die schwächelnde Zuschaueranzahl vergessen werden ließ. Besuchertechnisch somit leider ein Rückschritt im Vergleich zum fast vollen Werk etwas mehr als ein Jahr zuvor, doch aufgrund der Jahreszeit und der Umstände entsprechend nicht zu ändern. Die energiegeladene Show der Monster und ihrer Supportbands hätte aber mehr Besucher verdient gehabt. Schade, wer nicht dort war hat einiges verpasst... Weitere Bilder aus München, von Kollegin Tina Burgstaller findet ihr hier!


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