08.08.2015, Nepomukteich

LAKE ON FIRE 2015 - Tag 2

Veröffentlicht am 17.08.2015

Die Sonne war unerbitterlich und jagte jeden Camper zu früher Stunde aus dem Zelt oder VW-Bus. Da der Supermarkt in der Nähe aber auch schon um 8 Uhr geöffnet hatte, wurde der Gusto nach Essiggurkerl gestillt und auch sonst unnötiges Zeug eingekauft, wie es sich für einen unvernünftigen „restfetten“ Festivalbesucher gehört. Am Parkplatz lauschte man dann Gesprächen von Einheimischen, die zwar alle äußerst freundlich, ob der ungewöhnlichen Musik aber doch auch ein wenig verstört wirkten. Zitat: „Da is so a Festival mit gestörter Musik“. Sei's drum, das Festival-Publikum wirkte durchgehend friedlich und bemühte sich, nicht irgendwelchen Blödsinn anzustellen und den Müll nach bestem Gewissen zu trennen, schließlich war man ja auf einem „Green Event“. Nach dem Besuch im Ort ging es dann vom Campinggelände zum ca. 15 Minuten entfernten Badesee, der auch als Hauptwaschmöglichkeit diente. Durch die wochenlange Hitze erschien der See zwar nicht viel sauberer als der Nepomukteich, auf dem die Bühne stand. (Ich verlange deswegen auch öffentliche Toiletten für Enten, da die sonst den See unaufhörlich zuscheißen.) Aber was soll's, eine Abkühlung war bei diesen Temperaturen dringend notwendig. Die zweistündige Jamsession, die um 12 Uhr Mittag startete, ersparte ich mir dieses Jahr aber lieber, da der Tag eh noch lange genug werden würde. Um noch genug Energie für die bevorstehenden Konzerte zu haben, wurde im See-Gasthaus ein ordentliches Schnitzel mit Pommes Frites eingeschnitten, sodass mir bei der Hitze gleich ganz schlecht wurde. Aber ich hatte mit den Kapriolen meines Körpers kein Erbarmen und schleppte mich um 14.30 Uhr bei glühender Hitze vor die Seebühne, wo alsdann die Italiener BLACK RAINBOWS aufgeigten. Und da hätte ich bei den BLACK SABBATH-Verehrern ordentlich was verpasst. Als eine der überraschendsten Bands des Festivals hatten sie die undankbare Aufgabe, den zweiten Tag vor noch wenig Publikum zu eröffnen.

Und das war besonders schade, ist doch das aktuelle Album „Hawkdope“ eine Hammerscheibe vor dem Herrn, von der dann auch die meisten Songs wie „No Fuel No Fun“ oder „The Prophet“ gespielt wurden. Strategisch wurde in der Badehose im Teich vor der Bühne Platz genommen und im Wasser sitzend (zum Stehen ist der Teich vor der Bühne nicht tief genug) abgerockt bis der Arzt kommt. Der ist aber, Gott sei Dank, nicht gekommen (generell fiel mir keine großartige Sanitäter-Aktion auf). Der Meeresgott Poseidon wurde dann aber doch in Form des Stormbringer-Kollegen Stefan Baumgartner gesichtet. Wenn man ihm statt dem Dosenbier einen Dreizack in die Hand gegeben hätte, würde der wilde tätowierte Bartträger als Herrscher der Meere eine gute Figur abgeben. Der letzte Song, das MC5-Cover „Black To Comm”, wurde von den BLACK RAINBOWS aufs Äußerste ausgereizt und war damit der Partysong, der das noch rar erschienene Publikum für die nächste Band anheizte. Am Konkurrenzfestival SAUZIPF sind die Leute am Vortag bei einer späteren Spielzeit dieser Band sicher steil gegangen. Den heurigen Timetable zu planen, fiel dem LOF-Team bei all den hochkarätigen Bands aber sicher schwer und es ist auch verständlich die nächste österreichische Band CHANGÓ einmal nicht als Opener spielen gelassen zu haben. Aufgrund der erwarteten Mundart-Mucke von CHANGÓ aus Ebensee war ich zwar vorab ein wenig skeptisch, dachte ich dabei doch automatisch an das populäre österreichische Mundartrock-Aushängeschild KRAUTSCHÄDL. Als das Trio jedoch auf der Bühne stand und kaum Gesang im eigentlichen Sinn benutzt wurde, sondern eher als zusätzliches Element wie beim Song „Der Florist“, mit den sich immer variiert wiederholenden Textzeilen „Tuat glei niama weh“, waren meine Zweifel wie weggeblasen. CHANGÓ zeichnen vielmehr die fetten Bassgrooves, die geilen Gitarrensounds und die coolen Drumrhythmen aus und die wurden bei Songs wie „Neo“ oder „Wiesel“ zuhauf ausgepackt. Auch diese Band darf sich gerne in der Arena bei einem nächsten ROADTRIP TO OUTTA SPACE sehen lassen! Sonst bleibt mir nichts anderes übrig, als wieder mal dem Kino Ebensee, (siehe ORANGE GOBLIN Konzertbericht @ Kino Ebensee), welches schon des Öfteren die Bühne für die Lokalmatadoren CHANGÓ zur Verfügung stellte, einen Besuch abzustatten. Eine LP mit ausgestanzten alten Platten-Covern wurde dann später im alkoholisierten Zustand auch gekauft.

Das nächste Highlight stand dann mit der Instrumental-Rock-Band TUBER aus Griechenland auf der Bühne. Hatte bereits vor zwei Jahren schon 1000 MODS am LOF bewiesen, welch geile Musik entstehen kann, wenn eine Krise das Land erschüttert, so exerzierten die vier Griechen nun ein Konzert der Extraklasse. Man muss natürlich schon drauf stehen, dass es keine Vocals gibt. Aber was instrumentale Bands mit Sounds und Melodien anstellen und bei Songs an der Zehn-Minuten Grenze an Stimmung aufbauen können, hat mich schon immer fasziniert. Einfach großartig, was TUBER am späten Nachmittag ablieferten – kaum in Worte zu fassen! Der Kauf der Platte „Desert Overcrowed“ war somit Pflicht. Als letzte österreichische Band des Festivals hatte PARASOL CARAVAN die Ehre, um kurz nach 18 Uhr die Bühne für die nächsten 40 Minuten zu bearbeiten und regelrecht in Schutt und Asche zu legen. Wer bei der Supportshow von MOTHER'S CAKE bei der NIGHT OF FUZZ im Linzer Posthof oder in der ((szene)) Wien schon regelrecht für Furore gesorgt hatte und kommenden September mit den SAHARA SURFERS auf Deutschlandtournee gehen wird, der hat definitiv was richtig gemacht. Allerfettester Stoner Rock mit Fuzz-Schlagseite und coolen Vocals wurde da bei vielen neuen Tracks wie „Take Off“ sowie auch bei altbekannten Tracks wie „Chinese Eyes“ oder dem finalen Gnadenstoß „New Stone“ geboten. Ich hoffe auf das nächste Album, das Ende Oktober 2015 veröffentlicht werden soll, dann steht der Besteigung des österreichischen Stoner-Rock-Throns nichts mehr im Wege! BABY WOODROSE war dann wieder mal eine Band, bei der ich mir vorab gedacht hatte, dass ich mir mal eine Pause gönnen könnte, da mir einige bereits gehörte Tracks zu sehr in eine psychedelische Surf-Rock-Richtung abdrifteten und ich gerade kein Marihuana bei der Hand hatte. Aber keine Chance, als dann das Set mit dem fetzigen „Disconnected“ eröffnet wurde, dachte ich vor allem wegen der Stimme sofort an Dave Wyndorf. Und dass dieser psychedelische Space Rock im MONSTER MAGNET-Stil das Publikum begeisterte, war nicht zu übersehen. Jeder Besucher hatte sicher seine ganz persönlichen Favoriten am Festival, bei BABY WOODROSE waren die Fans allerdings besonders deutlich zu erkennen. Einerseits durch lautstarke Beifallsbekundungen à la: „Die beste Band des Festivals“, andererseits aufgrund optischer Merkmale: Ein weißhaariger Opa mit schon abfaulender AC/DC-Kutte, die ihm wahrscheinlich selbst schon vererbt wurde.

Mittlerweile ward es wieder dunkel geworden und die Nacht bot dem nun kommenden Spektakel von MONKEY3 inklusive cooler Lichtshow eine Bühne, die nirgendwo sonst zu finden ist. Diesmal hatten die Schweizer Psychedelic-Space Rock-Ausnahmemusiker einen dankbareren Slot, war ich doch im Jahr 2013 nach Mitternacht am zweiten Tag schon ziemlich erledigt gewesen. Von dem, was die Jungs draufhaben, hatte ich mich in besagtem Jahr noch in fitterem Zustand bei ihrer Show mit SAMSARA BLUES EXPERIMENT in der Arena Wien überzeugen können (MONKEY3 @ Arena Wien 2013). Aber auch im Röda Steyr hatten MONKEY3 letztes Jahr magische Momente noch und nöcher aus ihrem Köcher gezaubert. Longtracks wie „Icarus“ sprühen nur so vor genialen Melodien, überhaupt ist der Songaufbau wie auch bei „Motorcycle Broer“ grenzgenial und birgt immer wieder mal Grooves, dass es einem die Birne wegschleudert. Was soll ich noch zu solchen Epen wie „Birth Of Venus“ oder „Through The Desert“ sagen? Mir fehlen die Worte. Was in dieser Nacht von MONKEY3 vollbracht wurde, kam einer Götterdämmerung gleich. Bei den zumindest aus kommerzieller Sicht eigentlichen Headlinern KADAVAR tat ich mir aber nach etlichen Bieren wieder äußerst schwer, mich aufs Wesentliche zu konzentrieren. Wann hat man denn auch schon die Möglichkeit, mit so vielen gleichgesinnten Musikliebhabern und in vielen Fällen eben auch Musikern von den heimischen Bands wie LES LEKIN und CHANGÓ oder die ebenfalls anwesenden CEVEO bei bester Hintergrundbeschallung zu plaudern? Eben! Und da ich KADAVAR schon im Chelsea Wien (KADAVAR @ Chelsea 2013) und auch erst vor Kurzem als Support für DREAM THEATER gesehen habe und sie außerdem im Dezember dieses Jahres mit den grenzgenialen HORISONT ohnehin wieder in der Arena aufschlagen werden, war meine Aufmerksamkeit anderen Dingen gewidmet.

Dem Publikum gefiel die agile Performance der Retro-Rocker anscheinend sehr gut. Wer bei Songs wie dem neuen „Lord Of The Sky“ oder „Doomsday Machine“ noch ruhig stehen oder sitzen kann, dem ist sowieso nicht mehr zu helfen. KADAVAR machen einfach Spaß und alles spricht dafür, dass sie diesen auch wirklich selbst auf der Bühne haben. Der Sound der 70er mit genialen Gitarrenmelodien, pumpenden Basslinien und dem lässigsten Schlagzeugspiel aller Zeiten zeichnet KADAVAR aus, wofür der geniale Song „Come Back Life“ als Paradebeispiel herangezogen werden kann. Für den „Stoned Doom“ von BELZEBONG war ich dann kaum mehr aufnahmefähig, auch der weitere Konsum von Bier stieß nach Mitternacht an seine Grenzen. Die langsam daherwabernden Doom-Riffs wie in den Songs „Bong Thrower“ oder „Acid Funeral“ waren aber das perfekte Abschlussgeschenk der LOF-Veranstalter an die nicht mehr so zahlreich anwesenden Doom-Liebhaber. Der Tag war lang gewesen und die Kraftreserven allesamt erschöpft und so zog ich mich wie viele andere auch schon vorzeitig zum Campingplatz zurück. Dass das Festival ein paar Stunden später schon vorüber sein sollte, war leider unabwendbar. Gerne wäre ich noch länger am besten Festival aller Zeiten verweilt. Ich kann nur allen Beteiligten, die mitgeholfen haben, dass dieses Festival überhaupt möglich war und hoffentlich auch weiterhin sein wird, größten Dank aussprechen und den Hut vor ihnen ziehen. Bitte macht weiter so und bleibt der österreichischen Festivallandschaft noch lange erhalten! Und auch das Chili vom Chefkoch bedarf keinerlei Rezeptänderung!


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