05-03-2016, Livestage, Innsbruck

Alpine Steel Festial Vol. II - Day 2

Veröffentlicht am 11.03.2016

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Regnerisch grüßt uns heute die Innsbrucker Berglandschaft – die Nordkette unter einer grim and frostbittenen weißen Schicht verdeckt und der Bergisel zeigt sich so gar nicht in bestem Schlachtwetter, doch trotzdem verlauten wir auf gut Tirolerisch: „Mander es isch Zeit!“ Der zweite Tag des „Alpine Steel Festivals“ steht vor der Tür und wartet mit einer geballten Ladung heimischen Stahls auf, der noch flüssig glüht und brodelt wie die Brammen in den Linzer Stahlwerkerken der Voest! So geht es weiter im Reigen, die Heerschau nimmt ihren zweiten Tag in Anspruch und gar Großes sollte uns erwarten. Okay, nicht immer die größten Acts stehen heute auf der Bühne, doch solche, die sich aus dem Underground nach oben kämpfen und dem Heavy Metal nicht aus Profit fröhnen, sondern aus reiner Überzeugung und genau deswegen stehen wir auch heute an vorderster Front – nicht um uns selbst im Glanz großer Namen unser übersteigertes Ego aufzupolieren, sondern das zu supporten, was Heavy Metal an sich ausmacht: der kreative Underground, die Szeneszusammengehörigkeit und die Liebe zu dieser Musik, ohne die wir alle keinen einzigen Tag leben könnten! Genau deswegen konnte und musste der zweite Tag des „Alpine Steel Festivals“ ein voller Erfolg werden, hier geht es nicht primär um die musikalische Qualität oder die Ausgereiftheit, die Komplexität oder die Innovation des Sounds, sondern um die Zusammengehörigkeit und die Möglichkeit, Connections innerhalb der Rot-Weiß-Roten-Szene zu knüpfen, die viel zu selten gegeben ist und mit welcher „Alpine Steel“ sich mehr als nur verdient um den österreichischen Heavy Metal macht und wofür an dieser Stelle noch ein großer Dank ausgesprochen sei. So stehen wir also pünktlich um 14:30 Uhr vor der Bühne der Innsbrucker Livestage, wenn INFECTED CHAOS zum ersten amtlichen Abriss des Tages rufen, von welchem euch unser Kuschelkrawallexperte Patschausen aka Mr. H.E.A.T. berichten wird… Bloody war between the Alpine Mountains Of Madness! Fhtagn! [- Laichster -]

INFECTED CHAOS:
Noch recht früh (14.30 Uhr) war eine der besten Bands des gesamten Festivals zu bestaunen. Wie schon letztes Jahr MACHINE GUN HORROR, hatten sich aufgrund des vorangegangenen, feuchtfröhlichen Festivaltags, erst eine recht überschaubare Menge eingefunden, dem aufstrebenden Death Metal-Kommando INFECTED CHAOS einen würdigen Rahmen für ihren Festivalauftritt zu bieten. Ein Hoch auf alle Metal-Fans, die ihren Arsch nicht erst zu großen Nummern wie INSANITY ALERT & Co. in die Nähe der Bühne bewegten! Die bayrisch-österreichische Freundschaft sorgte von Beginn an für eine fette Soundwall aus geilem Death-Geballer im Schwedenstyle. Grundsätzlich ein Leichtes, den Rezensenten angesichts der Soundmischung zu überzeugen, muss aber trotzdem festgehalten werden, dass auch in diesem Genre eine Menge Langeweile regiert. Ganz anders aber der Fünfer, der mit "Devours The Light" einen tollen Einstieg schaffte und ordentlich einschenkte. Die Titel vom letztjährigen "The Wake Of Ares"-Album fetzten auch in der Livesituation, vor allem "Arson Anthem" und "Wolves In Thy Pantheon" zerstörten big time, aber auch "Ia, Lord Of War" fraß sich fest.


INFECTED CHAOS - fetter Krawall zum Auftakt

Zwar schien Fronter Christian Fischer bei den Zwischenansagen ein Sauerstoffzelt zu brauchen, so schien er außer Puste zu sein, wenn jedoch die Songs starteten, röhrte er allerdings wieder amtlich und ließ nichts anbrennen. Es regierte der Beton, technisch versiert dargeboten, mit einem Drumming, das dem Herrn hinter den Kesseln einiges abverlangte und einer Saitenfraktion, die auch vor Tapping-Einlagen nicht zurückschreckte, vom fünfsaitigen Bass nicht zu reden. Als echter Brüller stellte sich dann der neue Song "Rise Battle Destroy" (kein MANOWAR-Cover wie Fischi betonte!) heraus, aber auch das ebenfalls neue "Hatecreed" machte kräftig Appetit auf das hoffentlich im Herbst erscheinende neue Album unserer Helden aus dem Außerfern. Auch wenn es abgedroschen klingt...wer INFECTED CHAOS verpaßt hatte, ist selber schuld. Behaltet die Jungs auf dem Radar, sie fetzen auch live und gerade auch die beiden neuen Songs versprechen viel! Für mich die erwartete Überraschung, deren Performance auch mit anständig Applaus bedacht wurde. Ein sehr gelungener Einstieg in "Tag Zwei", der mit mächtig Krawall punkten sollte, ließen in der Folge DEATHSTORM, EWIG FROST und INSANITY ALERT nichts anbrennen! [- Thomas Patsch -]

Setlist:
- Intro
- Devours The Light
- Wolves In Thy Pantheon
- Blooddawn
- Arson Anthem
- Ia, God Of War
- Rise, Battle, Destroy
- The Silent Monolith
- Hatecreed
- The Sea Of Grief


PREDICTION:
„Es war einmal ein Blechtrommler, der hieß Oskar. Als man ihm den Spielzeughändler nahm und des Spielzeughändlers Laden verwüstete, ahnte er, dass sich gnomhaften Blechtrommlern, wie er einer war, Notzeiten ankündigten. So klaubte er sich beim Verlassen des Ladens eine heile und zwei weniger beschädigte Trommeln aus den Trümmern, verließ so behängt die Zeughauspassage, um auf dem Kohlenmarkt seinen Vater zu suchen, der womöglich ihn suchte“. Was nun Günter Grass und PREDICTION gemeinsam haben, wird man sich zurecht fragen. Die Antwort liegt nicht in intellektueller Tiefsinnigkeit oder literarischer Meisterleistung, sie liegt im Klang der Trommel – der Blechtrommel. Black-Thrash scheppert ja bekanntlich immens, ziemlich düster und aggressiv, ja nahezu satanisch – burn those fuckin´ churches to the ground! Das Krawallkomando PREDICTION klingt aber ungefähr so, wie wenn du mit einem Vorschlaghammer auf eine leere (oder optional auch brennende – wegen dem abgefuckten Style warats!) Blechmülltonne einhämmerst und nebenbei noch dem Gehörnten zu Ehren satanische Formeln vor dich hinmurmelst.


PREDICTION - Gerumpel mit satanischem Anstrich

Ohne Bass, nur mit Gitarre und Geschütz bewaffnet, scheppert der Huldigungsstahl – wir denken an VENOM, HELLHAMMER und sonstiges Kultgerumpel - durch die Location. Die große Schwäche liegt auf der Hand, wenn du nur im Zweigespann anrückst, musst du Atmosphäre bringen - die großen URFAUST sind hier wohl momentan unerreicht – doch das schafft man leider nicht, zu sehr verliert man sich in gespielter Aggressivität ohne nötige Substanz und fehlendem Druck (wir brauchen Bass Baby, Bass! Hyper! Hyper! Maria I Like it loud!). Trotzdem zeigt man sich ambitioniert und mit genügend Selbstvertrauen bei der Darbietung, nutzt das vorhandene Potential jedoch nicht aus – man wünscht sich mehr Innovation und Experimente im Sound und weniger zu offensichtliche Huldigung der Vorbilder. Schlechtreden will man PREDICTION deswegen jedoch nicht, den großen Durchbruch wird man so jedoch nicht erreichen, weder musikalisch noch kommerziell – obwohl, ich habe doch brav ein paar Euronen in die Spendenbox geworfen und wenn es um prähistorisches Soundgerumpel geht, sind PREDICTION doch die Sieger des Tages, weil trve, Old School und scheiß auf Kommerz… Return Of The Evil Metal oder so! [- Laichster -]

Setlist:
- The Rites Of The Immortal
- Hell Strikes Back
- Demonical Possession
- Return Of The Evil Metal
- The Executioner
- The Devil´s Prediction
- Hellish Blasphemy
- Whiskey In My Veins
- Burning Churches

ROADWOLF:
Nach dem Gerumpel gab es dann wieder Musik zu hören, bei der mit etwas feinerer Klinge zu Werke gegangen wurde. Angemessen druckvoll kam der Sound bei ROADWOLF aus den Boxen - donnernder Schwermetall der alten Schule sorgte für so einige verzückte Gesichter im Publikum. Ja, auch das Stormbringer-Kleeblatt hatte ihren Spaß bei dem Four-Piece aus Wien und reckte die Fäuste zu den schmissigen Songs gen Hallendecke. Nicht nur aus den Boden drückte es ganz amtlich, auch aus den auf der Bühne aufgebauten Nebelwerfern wurde ordentlicher Druckausgleich betrieben - zeitweise sah man kaum noch die Hand vor den Augen. Respekt an Sänger und Bassisten Aigy, bei diesem kratzigen Nebel noch so gut bei Stimme zu bleiben, das hat schon was!


ROADWOLF - Classic-Heavy-Brett

Musikalisch regierte, wie bereits erwähnt, klassischer Rock und Heavy Metal, ein wenig an JUDAS PRIEST gemahnend und einer kleinen THIN LIZZY-Schlagseite in den Harmonien. Die Truppe arbeitet überdies gerade an ihrem ersten Album und konnte mit ihrem fetzigen, richtig mitreißenden Auftritt im Tiroler Land, gleich einmal eine nachhaltige Duftmarke setzen und großen Appetit auf das Debütalbum wecken. Obwohl noch relativ jung, passte bei ROADWOLF wirklich alles zusammen - der stimmige Auftritt konnte als voller Erfolg verbucht werden und auch die Tiroler Kollegen von LIQUID STEEL feierten den Gig der Wiener an vorderster Front mit fliegenden Haaren ordentlich ab. Die Sympathie des Publikums war ROADWOLF sicher - und jetzt warten wir alle sehnlich auf das Album!
[- Anthalerero -]


DEATHSTORM - Thrash till death! 

DEATHSTORM:
Die als Quartett angetretenen Steirer, lieferten eine der meistbejubelten Performances des ganzen Festivals ab. Nach dem Intro brach ein amtliches Thrash-Inferno los, welches vom Publikum dankbar aufgenommen und goutiert wurde. Auf der Bühne wurde gepost und gewütet, dass man das Gefühl hatte, die schwarze Hölle würde sich auftun und auch im Publikum flogen die Matten. Die Saitenfraktion (und hier vor allem der völlige Retro-Thrasher Steindl mit Wuschelmatte, Rotzbremse & Co.) hing sich auch mächtig ins Zeug und überzeugte mit einem stürmischen Riff-Orkan, der das Auditorium mit dunkler Magie und authentischem Achtziger-Spirit überströmte. Lediglich das hysterisch-eintönige Geschrei vom bassenden Fronter Marco ist allerdings - zumindest für mich - nicht das wesentliche Asset des Vierers, wohl Geschmacksache, die wir hier ausklammern, da sich das gerade heraus und schnörkellos zelebrierte und das Erbe von Genre-Originatoren (wie etwa alte KREATOR) hochhaltende Old-School-Thrash-Fest gewaschen hatte, was am großen Jubel der vor der Bühne Versammelten ablesbar war. Neben den Songs der bisherigen Veröffentlichungen (u.a. von "The Gallows"), wie etwa dem fetzgeilen "Burial Ritual" feierten im Rahmen dieses Special Sets auch gleich fünf Songs vom in Bälde erscheinenden "Blood Beneath The Crypts" ihre Feuertaufe, wobei sich vor allem "Verdunkeln" im Hirn festfraß. Die Menge war mächtig angeheizt für die nun folgenden DRAGONY, von deren Auftritt euch nun Anthalerero berichten wird. [- Thomas Patsch -]

Setlist:
- Deathblow
- Visions Of Death
- Burial Ritual
- Splendid Mutilation
- I Conquer
- Tales Of The Undead
- Massgrave
- Murder Of A Faceless Victim
- Verdunkeln
- Prepare For The Slaughter

DRAGONY:
Wenn sich die vier Mann starke Stormbringer-Abordnung geschlossen in der vordersten Reihe einfindet, dann kann das nur eines heißen: der hauseigene Drachentöter schickt sich an, die Bühne zu entern! Es war an der Zeit für DRAGONY, der Livestage eine Vollbedienung an epischem Symphonic Metal zu geben. Dachte man am Vortag bei SERGEANT STEEL schon, es mit großen Gesten zu tun zu haben, so wurde man bei DRAGONY eines Besseren belehrt. Fronter Siegfried übte sich auf der Bühne mit wehendem Haupthaar in den heroischsten Posen, die man sich nur vorstellen konnte und sang wie ein junger Gott... nun, zumindest fast.


DRAGONY - Join the "Unicorn Union"!

Die Tatsache, dass DRAGONY leider mit argen Soundproblemen zu kämpfen hatten und sich auf der Bühne kaum hören konnten, zog die gesangliche Leistung leider in Mitleidenschaft - und auch die Tatsache, dass die Samples immer wieder aussetzten und die mit brandneuen Saiten ausgestatteten Gitarren im Verlaufe der längeren Titel dazu neigten, ihre Stimmung schleichend zu verlieren, machte es nicht besser. Doch DRAGONY blieben trotz der Technikkatastrophen professionell und zogen ihre einnehmende Show mit sichtlicher Spielfreude durch. Sigis sympathische Ansagen und schmissige Titel wie "Babylon" oder "Wolves Of The North" konnten die leider nicht übermäßig zahlreichen Zuschauer überzeugen und auch witzige Titel wie "Dr. Agony" fielen nicht nur bei der Stormbringer-Abordnung auf fruchtbaren Boden. Partystimmung pur herrschte beim von den Redaktionskollegen sehnlich erwarteten DAVID HASSELHOFF-Cover "True Survivor", zu dem sich spontan dann doch eine ganze Menge Besucher vor die Bühne ziehen ließen. Der Scheiß ist heiß und geht live ab wie ein Zäpfchen! "Do we need some Action? Unbedingt!" Zu dem als Zugabe eigentlich auf dem Plan stehenden JUDAS PRIEST-Cover "Living After Midnight" kamen DRAGONY dann mangels Spielzeit doch nicht mehr, dafür gab es aber lauten Applaus vom kleinen Zuschauerhäufchen und den Stormbringer-Kollegen - und unser Terrier wollte dann noch ein Kind von Sigi. Darüber müssen wir uns aber noch einmal unterhalten... [- Anthalerero -]

Setlist:
- Burning Skies
- Shadowrunners
- Babylon
- Kiln Of The First Flame
- Dr. Agony
- The Longest Night
- Wolves Of The North
- True Survivor
- Alcador

EWIG FROST:
„Ich bedauere nichts. Bedauern hat keinen Zweck. Es ist zu spät zum Bedauern. Man hat es ja schon gemacht, nicht wahr? Man hat sein Leben gelebt. Bringt also nichts, es ändern zu wollen!“ – dafür gehört LEMMY der posthume „Büchnerpreis“ verliehen – oder zumindest eine überlebensgroße Statue errichtet, gleich neben Lessing, Schiller und Goethe (LEMMY – egal wie dicht du warst, Goethe war dichter! Höhö – ja, der war ultraflach!). Wem EWIG FROST huldigen, dass erkennt man nicht nur am Logo, nein auch der Sound rotzt nach des Bombers Rock n´ Roll – straight aufs Maul, whiskeygeschwängert und sowieso born to loose, live to win! Nur eben nicht aus den Arbeitersiedlungen von Stoke-on-Trent, sondern direkt aus der Donaustadt – frei nach FALCO „Wiener Blut – aus diesem Saft besteht auch die Wiener Glut“ und von schmiedeheißer Glut zu sprechen, würdigt den heutigen Abriss von EWIG FROST wohl am besten – fuck haut das auf die Fresse, meine Beißerchen stehen alle schief… Yippie-Ya-Yeah Schweinebacke!


EWIG FROST - Rotz ´n´ Roll

Eine volle Portion Rotz und Dreck – ja so muss der Punk-Heavy-Rock-Black-Ich-Hau-Dir-Grundlos-Eine-Runter-Sound klingen! Unangepasst und mit voller Energie nach vorne tretend – mit den dreckigen Boots und in abgefuckter (peeeeeep censorship!) Lederjacke versteht sich, oder wie es EWIG FROST nennen, „High Octane Anarchy“. Da können sich sogar die „Sons Of Anarchy“ noch was abschauen - nur weil du einen Baseballschläger auf deiner Harley hängen hast, bist du noch lange kein krankes und hartes Schwein! Ob die Compadres wirklich so irre sind, wie sie sich geben, weiß man nicht so genau, Backstage steht zumindest alles noch und abgefackelt wurde auch nichts – „The Railroad To Hell“ hat man aber geradewegs eingeschlagen und zwar „Through Deserts And Dust“ – da denkt doch einer gleich an „From Dusk Till Dawn“… kleine Pussy, große Pussy! „Mit Sturm Und Drang“ -  um wieder in die Wanderjahre des jungen Wolfgang Goethe zurückzukehren, so ein musikalischer Auftritt, hätte wohl in Weimar seinerzeit einen größeren Aufstand ausgelöst als „Die Leiden des jungen Werther“. Chapeau meine Herren, so muss ein amtliches „Rotz ´n´ Roll Gemetzel“ aussehen, die Hütte brennt… when the boys are back, ready to attack!  [- Laichster -]

Setlist:
- High Octane Anarchy
- Smoke And Mirrors
- Atomic Release
- The Railroad To Hell
- So Many Miles
- Nothing But Silence
- Through Deserts And Dust
- Twister
- The Boys Are Back
- Underhand Game
- Numb And Deluded
- ´S Leben Frisst Di Auf
- Mit Sturm Und Drang
- Outro

INSANITY ALERT:
„Braindead“ – ja genau, die erste Regiearbeit von Peter Jackson, kennt ihr das noch? Dieses voll irre Zombiebaby, die legendäre „Ich gehe Zombies mit einem Rasenmäher umarmen Szene“ und dieser eine Moment, nach dem abspielen der Credits, wo du dich fragst: „Kann es noch geistesgestörter, noch wahnwitziger, noch durchgeknallter, noch mehr brainfucked werden?“. Ja, kann es, und den Beweis dazu treten in regelmäßigen Abständen unsere Tiroler Vorzeigewahnsinnigen (bin mir mittlerweilen echt nicht mehr sicher, ob die Jungs nicht wirklich aus der "Psychiatrischen Abteilung des Krankenhauses Hall" entlaufen sind…) an – mit einer vollen Ladung Crossover-Thrash und dem Fehlen sämtlicher Gehirnmasse, wer braucht das schon, wenn es dir das letzte bisschen elektrolytgeschwängerte Biomasse in deinem Cerebrum zu matschiger Masse stampft… sieht dann aus, wie wenn ihr euer Frühstücksmüesli zu lange in der Milch aufquellen lasst – da kann sogar Hannibal Lector noch was lernen! Agent Starling, glauben sie, ich stelle mir vor wie sie schmecken? Hmmm Leber mit Fava-Bohnen, frisch vom Postboten! 


INSANITY ALERT - Glorious Thrash!

Auch Dr. Lector landet in der „Ich hab mich lieb Jacke“ – warum eigentlich, ist doch ein umgänglicher Zeitgenosse und so eloquent – und unser Heavy-Kevy verpasst sie sich gleich selbst und im Gegensatz zu meinem Lieblingskannibalen wundert mich das in keinster Weise, sonst würde der durchgeknallte Holland-Export wohl die ganze Livestage mit seinen Bengalen abfackeln – das nennt man dann „Glorious Thrash“! Obwohl, dass man heute nicht ohne geistige Schäden davonkommt, sollte wohl jedem bewusst sein, zumindest „Shell Shocked“ wird man schon werden oder „Crucified By Zombies“ – da schlurfen sie die untoten Helden und bei dem Geballer von INSANITY ALERT werden sogar die Zeitlupen-Zombifizierten zum blitzschnellen Spielball des Moshpits. Das ist purer „F.U.N.“, nicht nur weil der Sound glasklar holzt und sonst auch alles heute, bei dem Tiroler Torpedogeschoss, perfekt abgestimmt ist – da fliegen die Zuschauer durch die Luft und der Schweiß tropft von der Decke, da braucht es einen „Desinfektor“. Zum Auffüllen der innerhalb kürzester Zeit verbrauchten Energie empfiehlt sich so ein Besuch in der "Krossen Krabbe" – „Confessions Of A Crabman“ – jetzt ganz ehrlich Jungs, was muss man sich reinballern um solche Songs zu „verbrechen“? Gebt mir auch was von dem Stoff, meine Reviews sind eindeutig noch nicht genug vom Wahnsinn gebissen… wahrscheinlich liegt es aber auch nur an den Macaroni mit Schwammerlzusatz!


INSANITY ALERT/S.O.D. - Scott Ian

Apropos totaler Wahnsinn, der kommt jetzt nämlich mit dem zweiten Teil des heutigen Sets angerifft und wird ein Leichenschmaus für alle Freunde der gepflogenen politischen Inkorrektheit und gelegentlicher Flächenbombardements mit anschließendem Nervengasangriff – hier kommt eine Special-Show unter dem Titel: „INSANITY ALERT huldigen den einzig wahren S.O.D.“. Ja und man bedient sich sogar authentischer Outfits – wo bekommt man eigentlich die „Scott Ian Faschingslatze mit Gedenkbart“ her? Im Übrigen, wünscht sich der gute Scott wahrscheinlich gerade, dass die letzte ANTHRAX-Langrille „For All Kings“ (zur Rekapitulation – Dr. Axel-Stoll-Deutsch at his best!) mit gleich viel Energie ballern würde wie INSANITY ALERTS selbstbetiteltes Debüt „Insanity Alert“ (Höhö welch innovativer Name – hier geht’s zur Rückschau unseres Mad Patschers), aber der Seitenhieb sei nur am Rande erwähnt, auch wenn er mich vor Verzückung Luftsprünge ausführen lässt. Sprünge führt das Publikum auch beim intonierten Abriss auf und der „Sergeant D.“ treibt sein Unwesen. Ja, das ist unsere Redaktionsdomina dort auf der Bühne und die prügelt mit einem Paddle rum – zum schämen diese Stormbringer-Redakteure, ich wechsel jetzt zur kulturellen Elite, dann ist Mama auch wieder happy! „Speak English Or Die“, oder noch besser „Kill Yourself“ you fucking son of a bitch! Ehrt JIMMY HENDRIX und LEMMY mit ihren Balladen, irgendwann verliert dann auch das Sumoringerkostürm unseres Oberwahnsinnigen die Luft und Moosi hängt sprichwörtlich an der Decke – „Run To The Pit“ – Ende Gelände, totaler Abriss! Das wars, hier stand gerade der echte Headliner auf der Bühne und man fragt sich: Warum hat dieses Power-Thrash-Killer-Irrsinnspaket noch keinen Plattenvertrag? Verdient hätten es sich INSANITY ALERT allemal! Run to the pit, mosh for your life! [- Laichster -]   

Setlist:
INSANITY ALERT Set:
- Glorious Thrash
- Twist Off Betrayal
- Shell-Shocked
- Crucified By Zombies
- Zongo vs. Eyeball
- Flamethrower
- The Claw (Of All That Is Evil)
- F.U.N.
- Weedgrinder
- Blunt In, Blunt Out
- Arac Attack
- Desinfektor
- Confessions Of A Crabman
- Macaroni Maniac
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Special S.O.D. Set:
- March Of The S.O.D.
- Sergeant D
- Melanzani Mosh
- Pi Alpha Nu
- Kill Yourself
- Ballad Of Jimmy Hendrix
- Ballad Of Lemmy Kilmister
- United Forces
- Freddy Kruger
- Speak English Or Die
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- Run To The Pit 


Sergeant D. - You are on his list! 

BLIND PETITION:
Was könnte man nach so einem Abriss, wie ihn die Irren von vorhin abgeliefert haben (und an denen ein gewisser Schreiberling nicht so ganz unschuldig war - tuts noch weh, lieber Besucher, der du so aufreizend dein Hinterteil gen Bühne gereckt hast? Ich hab keine Gewissensbisse!), noch draufsetzen? Vielleicht eine Kultband wie BLIND PETITION? Das dachten sich wohl auch die Veranstalter und überließen der seit über 40 Jahren dienenden Formation, die Ehre den zweiten Festivaltag zu beschließen. Hatte man zunächst noch die Befürchtung, dass das Publikum, das sich und die Livestage zu INSANITY ALERT angemessen zerstört hatte, geschlossen an die Bar abwandern würde, konnte nach den ersten Songs Entwarnung gegeben werden - es fand sich doch noch ein erkleckliches Häufchen an Zuschauern vor der Bühne ein, um der Wiener Hardrock-Institution zu lauschen. Darunter befanden sich auch überraschend viele junge Leute, welche die (ähem) schon etwas älteren Herren auf der Bühne, ganz ordentlich anfeuerten. Vielleicht galten ihre Rufe aber auch dem blutjungen Drummer Harald, seines Zeichens Sprössling des unkaputtbaren Bandleaders Hannes "Fusel" Bartsch, der mit seinen zarten 17 Jahren der Altherrenpartie den Beat klopfte... man weiß es nicht.


BLIND PETITION - David Strohmeier

Eine energiegeladene Show wie tags zuvor bei SERGEANT STEEL, brauchte man bei BLIND PETITION natürlich nicht erwarten, dafür bestachen die auf der Bühne teils recht stoischen Musiker zumindest mit blendender Technik - auch wenn das Equipment an diesem Tage etwas beleidigt reagierte und im Verlaufe des Gigs gleich mehrere Saiten in die ewigen Jagdgründe eingingen. Getragen wurde die mit toller Soundqualität gesegnete Show zum größten Teil von Fronter David, dessen kräftige, prägnante Stimme und unaufgeregtes Stageacting zu bestechen wussten. Aber weder seine charismatische Bühnenpräsenz noch der volle Einsatz des unkaputtbaren Fusel, der sogar Rockstar-like auf Knien (zugegeben, ein wenig wacklig schon...) über die Bühne rutschte, konnten verhindern, dass es gegen Ende des Gigs dann doch ein wenig leer wurde vor der Bühne. Trotzdem hatten das verbliebene Publikum und vor allem auch die Band großen Spaß an der Sache! Somit klang der zweite Festivaltag zwar qualitativ hochwertig, aber am Ende doch sehr gemütlich aus - dass die Bühne noch vom Zerstörungswerk der Vorgänger in Mitleidenschaft gezogen war, störte dabei weder die Band noch die Besucher.


BLIND PETITION - Keine Gnade!

War es das schon mit BLIND PETITION? Mit dem Festival? Nein! Tags darauf, zur unchristlichen Zeit von Elf Uhr Vormittags, gab es noch einen kleinen Nachbrenner - den die einen für ein aus gerösteten und gemahlenen Bohnen hergestelltes Wachmacher-Trünkchen und die anderen für ein Reparaturbier nutzten. Andi Appel, Autor der Biografie "Keine Gnade - die Blind Petition Story", lud zur Lesung aus dem Buch und wurde dabei von der Band selbst unterstützt, die einige Titel unplugged zum Besten gaben. In familiärer Atmosphäre im die Tage zuvor als Backstage genutzten Zelt auf der der Livestage gegenüberliegenden Straßenseite funktionierte das ziemlich gut und auch eine erkleckliche Menge an Zuhörern füllte die Biertische im Zelt ganz gut aus.

Die Lesung gestaltete sich als sehr kurzweilig, Andi erläuterte einige Details zu dem Buch und seiner Entstehung und gab auch einige mit Anekdoten gespickte Leseproben zum Besten, die beim Publikum für so manches Schmunzeln und spontanes Gelächter sorgten. Als kongenialer Lesepartner erwies sich Alpine-Steel-Veranstalter Bruder Cle, der den niedergeschrieben denkwürdigen Aussagen von Hannes "Fusel" Bartsch seine Stimme lieh und diese Parts zu Highlights der Lesung machte. Nach der Lesung ließen die Anwesenden den Vormittag mit gemütlichem Beisammensein und angeregten Diskussionen ausklingen - ein würdiger, familiärer Abschluss einer großartigen Veranstaltung! [- Anthalerero -]

 

Das war es also, das „Alpine Steel Festival Vol. II“ – zwei Tage geballte rot-weiß-rote-Heavy-Metal-Power! Eine Veranstaltung, auf deren dritte Auflage man sich dank „Alpine Steel“ schon mehr als freut – Kritikpunkte gibt es relativ wenige, vielleicht sollte man sich für nächstes Jahr auch die Möglichkeit von Tagestickets überlegen (so hörte man manchen Besucher sprechen, dass das wohl doch eine nette Sache wäre), aber ansonsten kann man hier wirklich von keine weitere negative Kritik anbringen. Wir freuen uns jedenfalls schon auf 2017 und mit TRANSILVANIA, DARKFALL, ECLIPTICA, MAYFAIR, MATHAN und DIAMOND FALCON gibt es auch schon die ersten Bandbestätigungen für die dritte Auflage der familiären Metalfete in der Tiroler Haupstadt. Stormbringer wird auf jeden Fall wieder an vorderster Front stehen, wenn es dank „Alpine Steel“ wieder für zwei Tage lang heißt: „Only Austrian Steel!“ Zum Abschluss grüßen wir noch mit einem markzerreißenden: Ph’nglui mglw’nafh Cthulhu R’lyeh wgah’nagl fhtagn!


Für euch am Start, die Kultistenabteilung von Stormbringer.at - Fhtagn!

Wer jetzt noch mehr Bock auch österreichischen Stahl hat, oder sich einfach die Zeit bis zum nächsten Jahr überbrücken möchte - unseren Festival-Bericht aus dem Jahre 2014 gibt es für alle Interssierten noch hier nachzulesen. Cheers und bis zum nächsten Mal! Eure Stormbringer-Crüe! [- Laichster -]

(Zum Bericht von Tag Eins geht es direkt hier!)


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