27.03.2016, Backstage (All Area), München

Dark Easter Metal Meeting 2016

Veröffentlicht am 02.04.2016

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Gott ist tot und sein Sohn ans Kreuz geschlagen! Aber der kleine Bastard zeigte sich recht widerspenstig und so entstieg er seinem Grab wieder – The Walking Dead Christian Edition – und was macht man mit Zombies üblicherweise? Genau, man ballert ihnen eine Ladung Schrott, direkt in den nach Gehirnmasse und Fleisch lechzenden, madenbevölkerten Kauapparat! Blei tut es manchmal nicht mehr, dann greift man eben zum präventiven Nuklearschlag – glückliche Kinder strahlen bekanntlich! Sollte das auch noch nichts nützen, dann sollte man sich doch die letzte Kugel selbst verpassen, um nicht zum hirnlosen Zombie zu werden und mit der Schafherde gemeinsam zu alljährlichen Jahreshighlight der Bauernschaft zu pilgern – nein, nicht die Grauviehmesse mit anschließender Rindviech-Prämierung, sondern der Osterball der Landjugend. Rindviecher und Ziegen gibt es dort auch an Masse zu begutachten, die sich nach alkohlischem Overkill dem Liebesspiel an den Tränken oder den örtlichen Fäkalleitungen hingeben – mehr Grind geht zu Ostern nicht! Oder um es in GRUNT-Liturgie auszudrücken: „Not Eastern, Just Grind!“

Als Alternative, könnte man sich auch mit den Angehörigen der geschützten und betreuten Schreibwerkstatt (Hier könnte Ihr bezahlter Werbelink stehen!) zum Osterfestival der Tanzgruppe „Tänzelnde Spastiker mit Ausdruckstouret“ bei der Urauführung des Stücks „Ich kann bis Kartoffel zählen!“ oder sonstigen „kulturell wertvollen“ Veranstaltungen der Schikimiki-Gesellschaft begeben, seinen Sekt schlürfen und sich Passionsspiele reinziehen, deren historischen und philosophischen Hintergrund man eigentlich nicht so genau kennt, aber der liebe Gott war halt schon immer wichtig im Heiligen Land und weil es schon immer so war und auch verdammt noch mal bis in alle Ewigkeit so bleiben soll (Danke Herr Bürgermeister für die Feststellung im letzten Wahlwerbespot!). Alles keine sonderlich rosigen Aussichten und ehrlich gesagt, rosa war noch nie meine Farbe, sie betont einfach meine Teint falsch. Pechschwarz stand mir schon immer am besten und so trifft es sich gut, dass das Backstage München wieder zum „Dark Easter Metal Meeting“ ruft, wo dem Freund des tiefmorbiden, des Abgründigen, ja des Nihilismus, ein Osterlamm geopfert wird, dass da nicht aus Mehl und Eiern zusammengepanscht wurde, sondern aus Fleisch und Blut zum Altar geführt wird, um unter den Klängen eines hochkarätigen Line-Ups geschlachtet zu werden... Και οι επτα αγγελοι εσαλπισαν!


ROOT - Die Lämmer zur Schlachtbank

Durch die Messe geführt wird von Hassbolzen wie den in einer eigenen Liga agierenden ROTTING CHRIST, Doom-Legende MY DYING BRIDE, dem Krawallgeschoss BÖLZER und auch den kleineren Combos wird eine Bühne geboten. So darf man sich auf COMMANDER, THE VISION BLEAK oder ROOT freuen, welche dunkle Wolken über der Weißwurstmetropole aufziehen lassen sollen und dies nicht nur metaphorisch gesprochen. Zeigt sich Minga (klingt im süß-grenzdebilen Dialekt meiner bayrischen Freunde so schön nach Schwarzwurzelfresser- und Pandasprache) doch am frühen Nachmittag noch von seiner besten Seite, wird es gegen Abend doch eher ruppig – Stormblast and rain, you fuckin bitch! Wie gut, dass wir uns Indoor befinden und im Backstage wie immer, alles top organisiert vorfinden und uns so nicht zur Versorgung durch die Pampa kämpfen müssen – geöffnet haben heute übrigens, wie auch schon in den letzten Jahren (Für Zeitmaschine ins Jahr 2015 bitte Hier klicken! Where the fuck is my Hooverboard?) alle Hallen des Backstage: Club – lauschig und kuschelig; Halle – bisserl größer, mit ganz viel Geschick schaffst du da eine Wall of Death; und Werk – groß, fett, mit Treppe und Moshpitgrube, besser geht’s eigentlich nicht!

Stormbringer rückt heute mit einer ganzen Abteilung an Frontschweinen an um euch direkt aus der ersten Reihe zu berichten, wie die Opfertiere nun ihr blutiges Ende finden. Da Reihen sich ein: unsere gnadenlose Redaktionsdomina (Bei ihrem Anblick laufen sogar BELPHEGOR um ihr Leben – echt kein Witz!), unsere Sabine mit dem Kampfobjektiv, Captain Critical, dem die Temperaturen zu warm waren (die gespaltenen Persönlichkeit schlägt wieder zu, Abbath bricht wieder einmal durch) und dann noch meine Terrier-Wenigkeit, die mit eingezogenem Schwanz hoffte nicht selbst am Altar zu landen. Wie immer haben wir versucht möglichst alles mit unserer Berichterstattung abzudecken, dass dies jedoch leider nicht immer komplett möglich ist, mussten wir auch dieses Mal feststellen, so blieben leider EWIGEIS, EREB ALTOR und OPHIS auf der Strecke, auch wenn sich jede der Bands ein Review verdient hätte, sobald das Klonen erfunden wurde, wird es uns möglich sein von allen Fronten bei einem solch vollgepackten Tag wie heute zu berichten – ein Hoch auf die Stammzellenforschung, wir geben die Hoffnung nicht auf! So geht es also um 14:30 Uhr mit Krawall und Luzifer an unserer Seite los zur Osterhasenschlachtung… Welcome to hel, welcome to underworld! [- Laichster -]


SAILLE - Fhtagn!

SAILLE (Halle):
„That is not dead which can eternal lie, and with strange æons, even death may die!“, murmelt doch schon jeder Kultist im Kindesalter vor sich hin und hofft darauf, dass die Sterne bald die richtige Konstellation finden, auf dass dieses Leben, diese Existenz gefangen in einer fleischlichen Hülle doch endlich ihrer Bestimmung zugeführt werde – als Futter für den großen Cthulhu, Priester der Großen Alten, Zerstörer der Welt, feuchter Traum eines jeden Hentai-Fetischisten! Positive Zukunftsaussichten sehen wahrlich anders aus, dagegen hilft wohl nur mehr ein Glas besten belgischen Bieres und hier ergibt sich die Schnittmenge und sie nennt sich SAILLE – oder wie böse Zunge behaupen: „die belgischen DIMMU BORGIR“. Cthulhu und seine Anhänger haben es bekanntlich nicht so mit Keyboardgeduddel (eigentlich gleich unnötig wie Drum-Solos!), doch bei SAILLE macht der „Cult of Dagon“ eine Ausnahme und lauscht fasziniert dem Auftritt des Gespanns, dass heftig an der Trauerweide rüttelt und vermag, schon am frühen Nachmittag mit Atmosphäre und Erhabenheit zu punkten. „Fhtagn“ – ja, wahrscheinlich stehen die Sterne heute Nacht wirklich richtig, bis dahin rufen wir ein liturgisches Ph’nglui mglw’nafh Cthulhu R’lyeh wgah’nagl fhtagn!“ zwischen Bierstand und Hamburgerbude hindurch… "Eater Of Worlds" - Iä! Iä! [- Laichster -]

Setlist:
- Emerald
- Walpurgis
- Blood Libel
- Fhtagn
- Maere
- Haunter of the Dark
- Eater of Worlds


SEAR BLISS - Hörner und Fanfaren!

SEAR BLISS (Werk):
Diese Jahr jährt sich der Tod von Kaiser Franz Joseph zum 100. Mal – 1916, mitten in den Wirren des ersten Weltkrieges, läutete das Abtreten des längstgedienten Habsburgers den Untergang der k.u.k. Monarchie ein, deren langsamer Zerfall sich schon 1867 mit dem Ausgleich zwischen Österreich und Ungarn zu manifestieren begann. Ungarn und Österreicher hatten ein gar garstiges Verhältnis, dass nur durch die Vaterfigur Franz Joseph noch zusammengehalten wurde und so trifft man sich heute auf bayrischen Boden (auch wenn Tiroler und Bayern in der Vergangenheit ihre Differenzen hatten – heute trifft man sich an diesem Ort alljährlich um Menschen auf Skiern zu bejubeln die einen Hügel hinunterspringen… „Mander es isch Zeit!“), um sich versöhnlich ungarischer Kultur hinzugeben, den SEAR BLISS blasen die Hörner zu einem epischen Auftakt im Werk, der mit seinen Klangstrukturen gar mächtig zur Schlacht ruft. Stilistische Grenzen sind den Budapester-Musikanten, rund um das kompositorische Gehirn András Nagy, so fremd wie den Preußen ein gutes Gulasch. Aber nicht nur in Sachen Kulinarik treffen sich heute die Abgesandten der österreichischen Monarchie (Wir sind ja wieder Kaiser! Seyffenstein! Augenweide! Das Hofopernballet möge tanzen!) und die einstigen Abtrünnigen auf einem gemeinsamen grünen Zweig und Legen alte Streitigkeiten bei – SEAR BLISS wissen ein Glanzsstück auf die Bühne zu legen, dass an Theatralik und Tiefgang, zu solch früher Stunde, kaum zu überbieten sein könnte. Da tanzt der ganze Hofstaat die Quadrille und die Leibgarde marschiert zum Klang der Fanfaren… A blood Serenade! [- Laichster -]


AETHERNAEUM - Baumumarmer aufgepasst! 

AETHERNAEUM (Club):
Während also im Werk die Posaunen von Jericho wüteten, war es im Club nebenan Zeit für naturmystischen Black-Metal. Der gemeinhin angeblich gerne Bäume umarmende Schwarzwurzler dürfte bei AETHERNAEUM (was für ein Zungenbrecher!) seine helle, pardon, nachtschwarze Freude gehabt haben - sofern er denn auf die symphonischen Ausprägungen des Black-Metal abfährt. Fronter Alexander Paul Blake erinnerte, vor allem wenn er mit Hingabe ins Mikrofon keifte, ein wenig an Gollum-Darsteller Andy Serkis. Schade war lediglich dass die getragenen Kompositionen vom Album "Naturmystik" an diesem Abend nicht so wirklich gut zur Geltung kamen, waren doch Samples und Chello etwas zu leise eingestellt. Mangels Bäumen, umarmten sich im Club dann eben die anwesenden Pärchen. [- Anthalerero -]

Setlist:
- Stimmen der Wildnis
- Das Hügelvolk
- Die Waldschamanin
- Der Baumpercht
- Heimreise (Ein Requiem)
- Waldkathedrale


THE VISION BLEAK -  der Gothic-Osterhase

THE VISION BLEAK (Halle):
Auf einen kurzen Sprung ging es dann auch noch zu THE VISION BLEAK in die Halle, die überraschend früh im Billing platziert sind. Entsprechend bleibt auch nur Zeit für ein relativ kurzes, knackiges Set - trotzdem wird die Spielzeit ein wenig überzogen. Für die Fans gibt es gleich einige der Titel des voraussichtlich im Juni erscheinenden neuen Albums "The Unknown" - aber weder die neuen Songs noch die Klassiker wollen am späten Nachmittag so wirklich zünden. Ulf Theodor Schwadorf muss sogar einige Ansagen wiederholen, beziehungsweise noch einmal beim Publikum nachhaken, so wenig enthusiastisch reagieren die Anwesenden in der eigentlich recht gut gefüllten Halle. Woran es nun genau liegt dass THE VISION BLEAK heute irgendwie unter Wert geschlagen werden, kann man nicht sagen. Vielleicht sind die meisten Leute ja doch für den Tritt in die (Oster-)Eier gekommen und nicht für gepflegten, etwas morbiden Gothic Rock. [- Anthalerero -]

Setlist:

- From Wolf To Peacock
- The Night of the Living Dead
- Carpathia
- The Kindred Of The Sunset
- Into The Unknown
- Kutulu!
- By Our Brotherhood With Seth


BÖLZER - Weihrauch und Gebolze

BÖLZER (Werk):
Wenn du BÖLZER heißt, musst du vor allem eines können – Bolzen! Voll auf die Fresse, schmerzverzehrt, mit Vocals die sich aus tiefster Dunkelheit durch den Äther ins Cerebrum bohren – angehaucht mit okkulter Philosophie, ein Bastard aus Death- und Black-Metal, dargeboten vom eidgenössischen Krawallduo HzR und KzR (+3000 XP für diese Pseudonymen!). BÖLZER zeigen sich dabei keinesfalls als billige Rumpelkapelle, die sich auf Minimalanspruch beschränken und einfach nur auf ihren beiden Instrumenten (Gitarre und Drums – böse Zungen behaupten: Für mehr reichte das Geld wohl nicht aus!) herumprügeln – nein, man schafft es die anspruchsvollen Melodien und die Atmosphäre eines „Aura“ und „Soma“ (Herr M. bemühte sich des Krawalls hier und da) auf die Bühne zu transferieren, zuweilen der Geruch von Räucherstäubchen dem Prügel- und Geschreimenü keineswegs abträglich ist. BÖLZER sind ein schmackhaftes Fest für alle mystischen Baumumarmer, okkulten Waldgeisteranbeter und Freunde der anspruchsvollen Unterhaltung – ähnlich URFAUST ein Brett, dass zwar seine Zeit benötigt, um einen für sich zu begeistern, doch wenn man einmal gefangen ist in dieser Welt der Antimetrie die sich wie Licht und Schatten in Monotonie und melodiös durchdachten Passagen manifestiert, dann hauen einem BÖLZER sprichwörtlich die Birne mit der Fackel vom letzten Sonnwendfeuer ein – BÖLZER bolzen heute nicht nur, sie sind eindeutig das Art-House-Kino des Krawallsektors… Entranced by the wolfshook! [- Laichster -]


VELNIAS - putzige Pandabären

VELNIAS (Club):
Nachdem es im Werk, wo gerade BÖLZER wüten, stinkt wie in einem Esoterikladen in dem gerade gefühlte 13.000 Räucherstäbchen abgefackelt werden, ergriff der Schreiberling mit der feinen Nase schnellstens die Flucht. Bei VELNIAS im Club stank es glücklicherweise nicht, auch wenn der Nebelwerfer inzwischen ganze Arbeit geleistet hatte und man in der zähflüssigen Luft fast stecken blieb. Gemeinsam mit AETHERNAEUM und DORNENREICH feierten VELNIAS heute den Tourabschluss und zockten dabei im Club ihren recht geradlinigen Black-Metal - mit deutlich mehr drückendem Sound als ihre Tourkollegen zuvor, aber leider nicht mit viel mehr Nachdruck. Es schien hier bereits eine gewisse Tourmüdigkeit vorhanden zu sein, denn bereits nach kurzer Zeit machte sich eher Langeweile breit und man wandte sich dann doch lieber den Okkult-Exoten von ROOT zu, bei denen unser Terrier bereits in freudiger Erwartung hechelte. [- Anthalerero -]


ROOT - rituelle Opferung am Friedhof der Kuscheltiere

ROOT (Halle):
Bringt eure Haustiere zu den Opersteinen, steckt ihnen eure stumpfen Buttermesser ins Herz und huldigt dem Gehörnten Meister – kniet nieder, denn die Pforten der Hölle öffnen sich wenn ROOT die Bühne betreten… Kult, Kult, Kult! Satanismus im Gewand der Theatralik, dargeboten auf kleiner Bühne des Kammerspieles, erschaffen für die Opernhäuser dieser verdammten irdischen Welt. Geführt durch die Unterwelt, gebannt und auf den Pfad der linken Hand geführt durch den Zeremonienmeister Big Boss ergießt sich das Schauspiel aus Kerzen, Kutten und liturgisch gepredigten Heavy-Metal – eine Old-School-Messe erster Güte mit dem Touch einer schwarzen Messe. ROOT sind ein Geheimtipp, waren sie schon immer, aber sie sind es wert – der Preis für Atmosphäre und Authenzität trotz komischer Outfits und durchgeknallten Stageacting geht heute endeutig an die Tschechen! So darf man heute wieder einmal dankbar sein, dass der eiserne Vorhang doch gefallen ist, nicht nur wegen der gebannten Gefahr eines atomaren Weltenbrandes, nein, sonst würde man diese Heavy-Metal-Perle heute nicht wahrhaftig hier stehen sehen und dafür hätte man heute wie damals mit ruhigen gewissen seine Haustiere abschlachten können… Píseň pro Satana! [- Laichster -]


GOD DETHRONED - Das eiserne Kreuz! 

GOD DETHRONED (Werk):
„Manche sind mit weidmännischem Eifer bei der Sache. […] Einmal schneiden sie vielleicht eine schmale Gasse in das Hindernis vor ihrem Postenstand, um einen über diesen bequemen Durchgang erfreuten Kundschafter vor ihre Flinte zu locken, ein anderes Mal schleichen sie sich nach drüben und binden eine Glocke an den Draht, an der sie vom eigenen Graben aus mit einem langen Faden ziehen, um die englischen Posten aufzuregen. Ihnen macht der Krieg eben Spaß.“ – Ernst Jünger, „In Stahlgewittern“. Spaß macht der Krieg auch Geschichtsfreak Henri Sattler, seines Zeichens Mastermind des holländischen Todesbleiaushängeschildes GOD DETHRONED, der uns zuletzt mit „Under The Sign Of The Iron Cross“ (zur Lagebesprechung) in die Schützengräben der Westfront zerrte – Blut, Dreck, Stacheldrahtl Artelleriefeuer und zerfetzte Leichen vor Verdun.

Keine Gnade versuchte man auch heute zu zeigen, auch wenn man zu Recht bemängeln muss, dass die Durschlagskraft doch nachhinkt, so bricht man leider keine Stellungen, der Bass drückt einfach viel zu harmlos gegen des Feindes Ohr, die Kugeln prallen von den Stellungen des Feindes ab – technisch zockt man sich jedoch sauber und ohne Furcht oder Tadel durch die nach Pulverdampf und Gedärmen schmeckende Luft des Niemandslandes. Der Captain bemängelt zwar, der gute Henri möge doch endlich weniger Solos selbst in den Sand setzen, aber der kritische General ist ja doch halber Franzose und der hat es wohl nicht so sehr mit eisernen Kreuzen und mampft lieber sein Baguette. Ganz unrecht hat der Froschschenkelfresser dann aber doch nicht - gesehen hat man GOD DETHRONED wahrlich schon in besserer Verfassung, den "Pour le Mérite" gilt es so beim nächsten Einsatz wieder zu erkämpfen, aber wie heißt es bei Ernst Jünger doch noch so bezeichnend: „Immerhin sind schwächliche Leute von Herz besser als kräftige Feiglinge!“ [- Laichster -]


DORNENREICH - liebt man, oder hasst man einfach

DORNENREICH (Halle):
Uh, oh. DORNENREICH. Eine sehr spezielle, stark polarisierende Gruppe - von den Einen in den höchsten Tönen gelobpreist und abgefeiert, schlafen manchen Personen bei der Darbietung des Trios wortwörtlich die Füße ein. An dieser Stelle darf ganz ehrlich zugegeben werden - dieser Schreiberling gehört zu zweiterer Sorte. Obwohl man auch ganz offen zugeben darf - zu Dritt (Gitarre, Schlagzeug, Violine) einen so stimmigen, transparenten und trotzdem drückenden Sound auf die Beine zu stellen, dazu gehört schon einiges an Können. Nur leider macht die Backstage-Halle den Dornenreichen an diesem Abend einen Strich durch die Rechnung - eine recht schwachbrüstige Gitarre und Stroboskop-Gewitter (warum?!) lassen sowohl den akustischen als auch den optischen Teil suboptimal ausfallen. Zudem haben DORNENREICH deutlich weniger Spielzeit als auf ihrer Headliner-Tour zur Verfügung, womit das 20-Jahre-Jubiläumsset hier im Backstage in einer eher als "typisch" zu nennenden Show aus weitestgehend Klassikern besteht. Die große Jubelstimmung mag aber, wie schon bei THE VISION BLEAK zuvor, nicht aufkommen. Das ist schade, denn das Publikum bei DORNENREICH hat man - Geschmack hin oder her - schon deutlich enthusiastischer gesehen. [- Anthalerero -]


COMMANDER - Achtung Panzer! 

COMMANDER (Club):
Es gibt Bands, die sind nicht innovativ – eigentlich auch nicht besonders im Songwritting und textlich werden sie dir auch keine Offenbarung sein, aber sie hauen dir das Fressbrett dermaßen ein, dass du dich immer an sie erinnern wirst. Genau aus dieser Kategorie stammt das Münchner Death-Metal-Kommando (Höhö – Wortwitz!), dass heute den Club zu Kleinholz verarbeitet wie ein deutscher Tiger eine Bauernhütte irgendwo vor Kursk – das Blut muss von den Ketten tropfen und wenn der Feind am Boden liegt zermatschen wir ihn noch mit unseren 60 Tonnen Kruppstahl zu einer unkenntlichen Masse und schlingen die Pastete hinunter in unseren gierigen Rachen um unseren Durst nach Blut, Dreck und Zerstörung zu stillen. All das sind COMMANDER, ein tödliches Geschoss, eine Sprenggranate deren Schrapnelle Körperteile abtrennen und mit ihrer Mischung aus MOTÖRHEAD-Rock ´n´ Roll und ASPHYX-Grollen keinen Stein auf dem anderen lässt. Die Hütte brennt und es stinkt nach Napalm, ja COMMANDER schieben einen durch den kleine Club und lassen keinen Zweifel daran, warum sie ihren Namen wahrlich tragen. Wir stehen stramm, schlagen unsere frisch polierten Stiefel zusammen und salutieren ehrerbietend zum Gruß – Hab Acht! Und auf im Stechschritt Marsch in Richtung ROTTING CHRIST, Kompanie ein Lied… Dead but alive! [- Laichster -]


ROTTING CHRIST - Ἐλθὲ Κύριε

ROTTING CHRIST (Werk):
Wie soll man etwas kritisieren, von dem man von vornherein ausgeht, dass es genial sein wird, emotional und erinnerungswürdig? Tja, wer wie ich die Ehre hat, die Nummer Eins des mediterranen Black Metals schon mehrmals erlebt zu haben, kann diese Frage mit Leichtigkeit beantworten. Nämlich gar nicht. Deshalb folgt eine Beschreibung der österlichen Zeremonie, lediglich mit Prisen von Kritik gewürzt.

21:00 Uhr, es wird dunkel, es wird düster. Zu den Klängen von Madam Diamanda Galás' diabolischer Stimme ("Orders from the Dead") betreten wir die Welt der Rituale. Und los geht’s mit "Ze Nigmar", der rituellen Dampfwalze vom aktuellen Long-Player. Den Griechen gelingt es bereits beim ersten Song, mindestens die halbe Halle auf sich einzuschwören. Ihre Ausstrahlung ist einfach phänomenal. Solch hohe Professionalität gepaart mit derart augenscheinlicher Spielfreude ist so selten anzutreffen, wie der Osterhase höchstpersönlich. Doch ROTTING CHRIST verstecken keine Eier. Sie spielen, posen und vereinnahmen alle, ob alte Fans oder solche, die es nach diesem Ritus einfach sein werden müssen. Die Nebenpriester Vagelis Karzis (Bass-Hüne) und George Emmanuel (Gitarrenhexer auch bei LUCIFER’S CHILD) sind seit zwei Jahren an Bord der Sekte und bilden zusammen mit Hohepriester Sakis und Perkussionsmeister Themis Tolis eine sakrale Einheit. Für ihre Zeremonie benötigen sie kein Corpse-Paint, keine aufgesetzt-okkulten Outfits oder Symbole, keinen Weihrauch oder sonstige Reliquien. ROTTING CHRIST und ihre Musik selbst sind die Zeremonie.

Es folgen der unaussprechliche Titelsong vom 2013er Output "Κata Τon Daimona Εaytoy" und das seit Jahren in jedem Akt enthaltene "Athanati Este". "Elthe Kyrie", der mit Sicherheit originellste Song vom "Rituals"-Album kommt live leider nicht ganz so zu Geltung, was der Abwesenheit von Danai Katsameni, einer Darstellerin des nationalen hellenischen Theaters [sic!], geschuldet ist. Ihre für den Song essentielle Stimme kommt vom Band und geht im wuchtigen Sound von Drums und Gitarren nahezu unter. Scheiß drauf, Gänsehaut gibt es trotzdem! "Wanna hear some old Rituals?" – begleitet von andächtigem Jubel aus dem Publikum folgen vier Klassiker aus den Anfangstagen der seit 30 Jahren aktiven und immer noch nicht verfaulten Nazarener.  "The Sign of Evil Existence", "Fgmenth, Thy Gift", "The Forest of N’Gai" und "Societas Satanas" werden uns um die Lauscher geknallt und beweisen wieder einmal, wie stark auch das Material aus der ersten Phase der Band ist – speziell live. Eine Neueinspielung der ersten zwei Alben "Thy Mighty Contract" und "Non Serviam" wäre ein wirklich schönes Ostergeschenk fürs nächste Jahr. Zum Abschluss der viel zu schnell vergangenen Show folgen noch "In Yumen - Xibalba" und das mittlerweile zum etatmäßigen Schlussritual beförderte "Noctis Era".


ROTTING CHRIST - Δία Ἔλα 

Jetzt zur Kritik, die ROTTING CHRIST trotz aller Genialität unmissverständlich verdient hat: Sieben (inkl. des richtungsweisenden "Theogonia") von zwölf veröffentlichten Alben wurden im Set nicht berücksichtigt. Geht’s noch? Beschissen war jeder Song, den sie nicht gespielt haben, die Enttäuschung groß. Doch so geht es einem bei Konzerten jeder Band, die mehr als nur ein, zwei starke Veröffentlichungen vorzuweisen hat. Auch wenn es schwer ist, bei einer Spielzeit von nur 50 Minuten muss man damit leben. Jedenfalls hat es der auch abseits der Zeremonie unglaublich sympathische Vierer rund um die Gebrüder Tolis endlich auf den Metal-Olymp geschafft. Bleibt nur zu wünschen, dass sie noch lange alle Ehren einheimsen werden, welche ihnen schon seit ihrem Bestehen gebühren. Warum – verdammt – waren ROTTING CHRIST nicht Headliner? Nichts gegen MY DYING BRIDE, aber während der griechischen Rituale wäre der Osterhase sicher nicht eingeschlafen. [- Captain Critical -]

Setlist:
- Ze Nigmar
- Κata Τon Daimona Εaytoy
- Athanati Este
- Elthe Kyrie
- The Sign of Evil Existence
- Fgmenth, Thy Gift
- The Forest of N'Gai
- Societas Satanas 
- In Yumen-Xibalba
- Noctis Era


OUTRE - Bei Nebenwirkungen fragen sie ihre Pandadoktor des Vertrauens

OUTRE (Club):
Noch einmal ab in den Club, noch einmal Black-Metal auf die Ohren. Nachdem EREB ALTOR parallel in der Halle beim Schreiberling nicht wirklich zünden konnten - nach dem Abriss von ROTTING CHRIST gerade, ist es aber auch wirklich schwierig sich noch entsprechend hervorzutun - und selbst das Fotografieren mit ausschließlich roter Schummerbeleuchtung (ok, für eine Millisekunde blitzte ein blauer Scheinwerfer auf - muss wohl ein Versehen gewesen sein) keine allzu große Gaudi war, beschloss man also sich an OUTRE zu versuchen. Erneut gab es geradlinige Black-Metal-Kost auf die Ohren, die aber mit deutlich mehr Pfeffer im Arsch vorgetragen wurde als so manche Genrekollegen heute Abend. Ein übriges dazu tat auch der bei OUTRE wirklich gute Sound - schön klar und transparent walzte es aus den Boxen. Die große Innovation gibt es bei den Polen natürlich auch nicht gerade, aber Stumpf ist eben doch mal wieder Trumpf! Da wird geholzt bis der Arzt kommt - im Club kam er tatsächlich, kippte doch während der Show ein Mädel um, das von Sanitätern versorgt und abtransportiert werden musste. Der beinahe bis zur Unerträglichkeit wabernde Nebel hatte bestimmt einen kleinen Anteil daran - größtenteils dürfte aber eher Flüssigkeitsmangel der Grund für den geistigen Ausknipser sein. Apropos Ausknipser, bei anderen war wiederum ein zuviel an Flüssigkeit daran schuld dass der Denkapparat nicht mehr so recht funktionierte - ein beinahe-randalierender Konzertbesucher auf dem Balkon des Clubs konnte noch rechtzeitig gestoppt werden. Jetzt wirds aber bald mal Zeit... [- Anthalerero -]


MY DYING BRIDE - Kult-Doom

MY DYING BRIDE (Werk):
Bei MY DYING BRIDE schließlich hing das Gehirn aufgrund der Dauerbeschallung (als Fotograf tingelte man ja quer durch alle Hallen und wurde neben so manchem Boxenturm ordentlich durchgewalkt) schon ein wenig in Schräglage. Man war neugierig was die Briten nach dem Abriss von ROTTING CHRIST noch tun konnten, um den Spannungsbogen des Abends zu erhalten, oder gar zu seinem Höhepunkt zu führen. Die bleierne Schwere der Doom-Institution senkte sich über das Backstage-Werk und Aaron Stainthorpe gab in Hemd und Krawatte den Zeremonienmeister von Welt. Emotionsgeladen und bittersüß geigen sich MY DYING BRIDE durch den fortgeschrittenen Abend und können dabei durchaus viel Zuschauer mobilisieren - jedoch anders als die Griechen zuvor. Wo beim Vorgänger noch wilde Moshpits und eine apokalyptische Soundwand zu sehen und zu hören waren, regierten bei den Briten die stillen Genießer, die ihr Haupthaar oder sich selbst zu den hypnotisch-trauernden Klängen wiegten. Dennoch sollte man MY DYING BRIDE nicht unterschätzen - denn sie sind auch zu gar brachialen Momenten fähig, in denen sie mit eruptiver Kraft auch die Freunde der härteren, flotteren Gangart versöhnlich zu stimmen mochten. Dennoch kam man, trotz der Perfektion die MY DYING BRIDE zelebrierten, nicht umhin festzustellen, dass der heimliche Headliner des Abends trotz allem ROTTING CHRIST waren. [- Anthalerero -]


MY DYING BRIDE - Meister Propper 

MGLA (Halle):
Monothonie ist die Stärke der Polen – unbeschreibliche Monotonie, denn anderswo würde man sich dezent verarscht vorkommen, wenn einem eine Band über eine ganze Albumlänge mit vier Riffs abspeist und dazu ihre nihilistischen Texte keift. Nicht so bei MGLA (Polnisch für „Nebel“ - ich weiß immer noch nicht wie zur Hölle man das richtig artikuliert!), denn jene schaffen es mit „Excercise In Futility“ die Eintönigkeit zu einer neuen Kunstform zu erheben und das fickt alles was die Hochkultur für innovative Musik hält. Ja, hier braucht es kein Orchester, keine progressives Strukturen und schon gar keine Streichorchester, das ist Verneinung sämtlicher Lebensberechtigung verpackt in von tiefen Hass ausgekotzter Brutalität, die sich in der Wiederholung ein und derselben zermürbenden Struktur manifestiert – das ist die große Kunst von MGLA!

Was sich auf Vinyl verewigt zu einer Reise durch die Hölle, Philosphie des Daseins und tiefste Abgründe entpuppt, ist für die große Bühne wohl musikalisch zu (wenig?) anspruchsvoll – die größte Stärke der vermummten Kapuzenmänner mit dem glasklaren Sound und der stoischen Bühnenperformance wendet sich gegen MGLA – der eiserne Wille sich jeglichen Ansätzen rythmischer Tempowechsel und gar hämmernden Melodien zu wiedersetzen, MGLA sind kein rollender Panzer, sie sind der Schleifstein. Ihre Stärke auszuspielen vermögen sie heute nicht mehr – nicht nach einem ROTTING CHRIST-Inferno, nicht um diese Uhrzeit, schlägt es doch schon Geisterstunde und nicht nach einem Tag zermürbenden Bandoverkills. MGLA brauchen den kleinen Rahmen, mit passenden Openern und Fokus auf ihre große Kunst als Grande Finale – heute geht die Düsternis der Monotonie in der Vielfalt des Vorprogramms unter, unmöglich sich auf dieses technisch perfekt dargebotene Schmankerl einzulassen – andere scheinen damit wohl weniger Probleme zu haben als der doch schon etwas erschöpfte Schreiberling, der sich nach der Hälfte der antikosmischen, nahezu depressiven MGLA-Darbietung verabschiedet. Grandiose Band mit dem Los des undankbaren Spätabend-slots… For this night is without an end! [- Laichster -]

Setlist:
- Mdlosci I
- Further Down the Nest I
- Exercises in Futility I
- Mdlosci II
- With Hearts Toward None I
- Exercises in Futility II
- Groza III
- With Hearts Toward None VII
- Exercises in Futility VI

Wieder geht ein Osterfest vorüber, dessen Highlight nicht die alljährliche Eiersuche war, sonder das "Dark Easter Metal Meeting", welches sich wieder perfekt organisiert, in entspannter Atmosphäre präsentierte und bei dem es wie jedes Jahr nichts zu meckern gab. Der Osterhase wurde geschlachtet, das Fell über die Ohren gezogen und das Fleisch zu Gulasch verkocht. Wir freuen uns jedenfalls schon aufs nächste Jahr, wenn der Hase am "Dark Easter Metal Meeting 2017" hoffentlich wieder um sein Leben hoppeln muss - Stormbringer wird auf jeden Fall wieder vor Ort sein und wie gewohnt berichten! Now you bless now you pray for, now you pray for the new god they sent you, sons of god will forgive you and the weapon for new wars will give you!


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