18.05.2016, Hafen, Innsbruck

MARDUK - Frontschwein Tour

Veröffentlicht am 23.05.2016

Ein stählernes Raunen stört die gepriesene Stille im Heiligen Land, vorbei ist es mit christlicher Andacht und sanfter Naturromantik, die schon Ganghofer gepriesen hat – die Tiger fallen ein! Gebaut aus Panzerstahl, majestätisch in der Bewegung und gnadenlos im Gefecht: Erzittert ihr Feinde, wenn die 8,8 cm KWK erklingen und im Widerhall der Nordkette verkünden – die Panzerdivision MARDUK überrollt uns gandenlos heute Nacht im Innsbrucker Hafen und verspricht uns, die Gesichter mit Blut und Dreck zu beschmieren, während wir selbst im Stacheldraht hängen und während das Kanonenfutter leise „The Old Barbwire“ intoniert und im Gleichschritt in den Tod marschiert. Die Knochenmühle nennt sich nicht Verdun, auch nicht Stalingrad – der Hafen sollte zum heroischen Feld der Ehre werden, auf welchem wir unser Blut vergießen sollten.

Mit an die Front brachte der schwedische Schlächter die Schnelle-Eingreiftruppe BIO-CANCER, die technisch spezialisierten Sturmpioniere ORIGIN und die unterstützend zur Seite stehenden Panzergrenadiere IMMOLATION – Gevatter Tod kennt heute keine Gnade an der Front, viele Mütter sollten weinen und wer das Inferno überlebte, der sollte gezeichnet von der Brutalität der Schlacht traumatisiert davonwandeln und verkünden von einer industrialisierten Tötungsorgie, ohne geringste Rücksicht auf die Genfer Konvention. Carl Sandburg meinte einst: „Stell dir vor, es ist Krieg, und keiner geht hin.“ Doch wir schmeißen uns, unserer journalistischen Pflicht bewusst, in den Schützengraben, um für die Nachwelt zu dokumentieren, was sich zugetragen hat in jener Nacht, als Innsbruck unter den Ketten des stählernen Todes erbebte. So schnallen sich Generaloberst Patsch (Befehlshaber der Fahrradtruppen – jetzt neu mit Panzerfaust-Halterungen) und Feldmarschall Laichster (Befehlshaber der Stormbringer-Panzerdivision und Beauftragter für nukleare Aufrüstung) die Stahlhelme unterm Kinn fest und rücken ihre Uniformen ein letztes Mal zurecht, um durch die stählerne Hölle des Krieges zu marschieren…  gloria fortis miles adversor et admorsus! [- Laichster -]

BIO-CANCER
In der einstigen glorreichen Konzertlocation Hafen konnte man im Laufe der Jahre zahllose, teils sensationelle Konzerte von EUROPE bis SHINING und Kalibern wie MANOWAR und JUDAS PRIEST erleben. Seit Jahren fand der Metal seinen Live-Weg eher in andere Locations und abgesehen vom UNANTASTBAR-Jubliläumskonzert sollte eines der letzten Konzerte, die ich hier besucht habe, tatsächlich vom heutigen Headliner MARDUK gewesen sein (die hier 2011 im fetten Paket mit KATAKLYSM und TRIPTYKON auftauchten). Dank der engagierten Konzertveranstalter fand der harte Metal heute seine Auferstehung im Hafen. Eingangs sorgten BIO-CANCER für Alarm im Haus. Dynamische Thrashbolzen jagten im Tiefflug über die noch spärlich Anwesenden hinweg. Die fünf Griechen gebärdeten sich wie die Thrash-Berserker (allen voran verrenkte sich Shouter Lefteris wohl den einen oder anderen Halswirbel beim Bangen) und zockten ein verdammt kompaktes Live-Set, das die Klasse dieses Fünfers offenbarte.


BIO CANCER - Thrash-Bolzen!

Thrash Metal der Marke "nicht originell, aber verdammt gut umgesetzt". Fette Gang-Shouts wie in "Bulletproof" und "F(r)iends Or Fiends?" bereicherten das Songmaterial und sorgten ebenso für gute Laune wie die totale Zerstörungsnummer "Boxed Out". Candlelight Records haben den Thrashmaniax mit dem Signing dieser augenscheinlich hungrigen wie fähigen Combo einen Gefallen getan, auch wenn heute einige Tightness und Feinheiten dem grottigen Sound zum Opfer fielen, leider das häufige Los von Openern. Unnötig zu sagen, dass im Thrash Metal fast alles gesagt wurde und echte Akzente nur mehr mit flirrenden Riffgewittern, fetten Moshparts, wüstem Gebange, Uptempo-Saitengewichse und juvenil-spritziger Spielfreude gesetzt werden können, und in diesen Punkten trumpften die krisengebeutelten Hellenen heute groß auf (die Altherrenriege macht dieses Manko mit Coolness und Professionalität wett)! Da rückt hinter den bekannten SUICIDAL ANGELS schon die nächste Riege auf! [- Thomas Patsch -]

ORIGIN:
Die Entwicklung von Maschinengewehren, modernen Kampfflugzeugen, präziserer Artillerie und immer ausgereifterer Technik – Tötungsmechanik aus den Stahlschmieden – trug entscheidend zur Veränderung des Krieges vom Kampf in steifen Formationen hin zu einem Messen der Feuerkraft bei. Was sich im ersten Weltkrieg als erster industrialisierter Krieg bezeichnen lässt, zieht sich seit jeher durch die blutige Menschheitsgeschichte – die Maschine löst den Menschen ab, töten wird zum tausende Kilometer entfernten Knopfdruck. Technische Ausgereiftheit erhöht die Effizienz im blutigen Handwerk – zum Preis von Ethik und Menschenwürde. ORIGIN haben sich diesen Prozess der technischen Abstumpfung ebenso nahezu unterworfen – präzises Todesblei ist das Handwerk der Amis und das auf einem mittlerweile mehr als solidem Niveau. Spielerische Ungenauigkeit gibt es im Waffenarsenal der Death-Metal-Soldaten nicht – mit voller Wucht auf den Stahlhelm und der Herr Kollege muss da schon mal seinen Kinngurt nachschnallen und kurzzeitig in Deckung gehen, wenn ihm die MG-Salven um die Ohren hämmern. Der Schlachtenlärm ist aber doch so ohrenbetäubend und von lauten Explosionsgeräuschen der PA geprägt, dass der Genuss, sich von ORIGIN in Fetzen reißen zu lassen, doch um einiges getrübt wird – Schade, hier steht doch wirklich eine Killer-Formation an der Demarkationslinie und wird vor dem Sturmangriff noch einmal zurück in ihre Löcher gepfiffen. Sozusagen der Dolchstoß durch den Propagandabeauftragten Beschallungsoffizier… oder um den alten Fritz zu zitieren: „Ohne Nachschub ist keine Armee tapfer!“ [- Laichster -]


ORIGIN - Tech-Death-PzKpfW

IMMOLATION
Die Amerikaner sollten meine Wege zuletzt 2010 im Vorprogramm der mächtigen NAPALM DEATH kreuzen und überzeugten schon damals mit ihrer Live-Performance. Während sich die US-Death Metal-Armada im heimischen Wohnzimmer eher selten in die Anlage schleicht, blieb mir dennoch die wuchtige Performance von vor sechs Jahren in Erinnerung. Die in gediegenes Schwarz gewandeten Ostküsten-Deather zeigten auch heute ihre Klasse und zockten, angeführt von Gitarrist und Urmitglied Robert Vigna (der wie immer mit seiner speziellen Art des Geposes ins Auge stach) sowie dem bassenden Fronter Ross Dolan, der einen ob seiner arschlangen Haarpracht die Augen reiben ließ, ein tightes Set voller wuchtiger Death Metal-Hammer à la Pflichtprogramm wie dem Gurgelkracher "Into Everlasting Fire" (vom Debut) oder "Father, You´re Not A Father" sowie neuerem Stoff wie den Titeln von "Kingdom Of Conspiracy" (hat immerhin auch schon drei Jahre auf dem Buckel!), das als absolut würdige Old School Death Metal-Aufwärmrunde für den Headliner fungierte. Den Sprung ins Death Metal-Oberhaus werden die gut aufspielenden New Yorker zwar nicht mehr schaffen, dennoch hat der Vierer seine Fanschar in den fast drei Dekaden ihres Bestehens gefunden und nach der heutigen, von suboptimalem Sound (zu viel Bass, sodass die gitarrentechnischen Feinheiten etwas untergingen) beeinträchtigten Performance werden sich wohl auch einige der Anwesenden die Discographie der Band zumindest einmal genauer anhören, wenn nicht ihre Leidenschaft für das IMMOLATION-Knüppelwerk entdecken. Der mit tollem Livesound versehene Headliner sollte in der Folge selbst die Riege arrivierter Metaller und -innen überraschen, für die Berichterstattung lassen wir einmal mehr Frontschwein Laichster von der Kette! [- Thomas Patsch -]


IMMOLATION - US-Death Armada

MARDUK:
Der Panzer rollt! Und hoffentlich sind die todbringenden Kettenkatzen auch mit den richtigen Seriennummern versehen, sonst ist der gute Morgan Steinmeyer Håkansson nämlich angepisst und kann auch mal in die Luft gehen wie eine 500 Kilogramm-Fliegerbombe – das hat er uns zumindest im Interview zum letzten Propagandameisterwerk „Frontschwein“ (zum Lagebericht) erzählt, als er gerade im Panzerquartett nach seinem Lieblingspanzer suchte – Tiger, Bitch! Der Mann hat Geschmack und das schon seit Jahren – MARDUK ist eine Institution und hat eine musikalische Entwicklung hinter sich, die von einer Black-Metal-Rumpelkapelle bis hin zum martialischen Death-War-Black-Metal-Schlächter der heutigen Tage reicht, ohne sich dabei jemals selbst zu verraten. MARDUK haben immer ihre Art der Brutalität gepredigt – der Krieg ist die Mutter aller Dinge und an Rohheit und seiner elementaren Thematik der Existenz des Seins und des Vergehens nicht zu überbieten. Die schiere Provokation, welche Steinmeyer schon seit dem legendären „Fuck Me Jesus“-Demo betreibt, bildet das Konzept der Band – Provokation ist das Mittel des Denkanstoßes und wer bei einer an Brutalität kaum zu überbietenden Überscheibe wie „Frontschwein“ noch darum herum kommt, sich nicht mit dem Hintergrund der einzelnen Stücke zu beschäftigen, der hat wohl das Konzept der Band nicht verstanden. Und trotz all der lobenden, vielleicht auch aus persönlichem Interesse etwas weit gegriffenen Interpretation, bleibt am Ende immer noch eine Feststellung, die unumstößlich ist: MARDUK ist auf Vinyl gepresster Krieg!


MARDUK - Achtung Panzer!

Genau jenen sollten die Schweden nun auch im Hafen ausbrechen lassen – Artillerie feuert, Panzer rollen, Soldaten stürmen an die Front und Granaten schlagen Löcher in die Erde um uns, die Knochen der Gefallenen fliegen uns in einem Gemisch aus Blut und Erde entgegen. MARDUK treten aus dem Pulverdampf und dirigieren die Schlacht unter dem glasklaren Pfeifen der Stalinorgeln. Kniet nieder ihr „Frontschweine“ und marschiert durch die glühende Hitze in „Afrika“! Der Wüstenfuchs geleitet euch hinab zu euren Gräbern, wo ihr von der blonden Bestie empfangen werdet – you are „Still Fucking Dead“. Die „Panzerdivision Marduk“ überrollt euch und zermatscht eure Kadaver zu einer einzigen pasteteartigen Substanz – „Wartheland“ und „Marterialized In Stone“, diese Propagandaaussendung lässt nichts zu wünschen übrig! Die Schlacht ist geschlagen, die Toten verwesen und „Fistfucking Gods Planet“ überlässt das Leichenfeld der Tristesse und den Ratten… MARDUK sind eine technische Wucht, ein Panzerfaustdirekttreffer, ein Feuersturm – MARDUK ist die schwarzmetallische Verkörperung des Todes, der sich selbst zum Feldmarschall befördert hat und nun mit Tiger und Stuka die verdammten Seelen einsammelt…  Panzer division Marduk continues its triumphant crusade, against Christianity and your worthless humanity! [- Laichster -]


MARDUK - Wartheland! 

Setlist:
- Frontschwein
- The Blond Beast
- Of Hell's Fire
- Still Fucking Dead (Here's No Peace)
- Azrael
- Throne of Rats
- Materialized in Stone
- Afrika
- Cloven Hoof
- To the Death's Head True
- Souls for Belial
- Wartheland
- Panzer Division Marduk
- Wolves
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- Fistfucking God's Planet

Seit Langem wieder ein fetter Metal-Abend, mit top Organisation im Innsbrucker Hafen, für welchen wir uns bei Art.ill.ery-Productions bedanken und auf weitere Großkaliber hoffen, welche uns hoffentlich in Zukunft wieder im Innsbrucker Hafen beehren werden. Stormbringer wird sich auf jeden Fall wieder für euch in den Schützengraben werfen und direkt von der Front berichten, wenn die Tiger rollen und Granaten heulen – Vorwärts Marsch, Hip Hip Hurra! 

 


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