5.8.2016, Nepomukteich Waldhausen (AUT), Waldhausen im Strudengau

Lake On Fire Festival 2016 Tag 1

Text: Pedro Kowalsky, Florian Rosenberger, Kalti | Fotos: Kalti
Veröffentlicht am 16.08.2016

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Das LAKE ON FIRE-Festival jährte sich heuer bereits zum fünften Mal. Für meine Wenigkeit war es das vierte Mal, dass ich die Reise nach Waldhausen hin und zurück angetreten hatte. Im Jahr 2013 (zum Bericht von Tag 1 und Tag 2) wagte ich mich erstmals noch ganz alleine, ab 2014 (zum Bericht von Tag 1 und Tag 2) dann in Begleitung von Fotografenhelden Stefan Kuback und 2015 (zum Bericht Tag 1 und Tag 2) mit meinem Bruder samt seiner Braut auf dieses großartige Festival. Da ich bei Festivals vor allem die Gemütlichkeit schätze, war das LAKE ON FIRE-Festival für mich auch 2016 ein Pflichttermin – diesmal aber in Begleitung meines treuen Fotografen-Gefährten „Samweis Kaltschi“ (der seiner Größe nach zu schließen anscheinend zu viel Wasser vom Fangorn Wald getrunken hat) und dem spanischen Waldläufer „Pedrogon“, die sich beide schon sehr auf ihr erstes Abenteuer im Strudengau freuten.

Alsdann holte ich meine zwei Gefährten freitagmittags mit meiner Kutsche von den zwei vereinbarten Treffpunkten ab und begab mich an den gemütlichsten Fleck Festivalerde, den ich zu meinen bisherigen Lebzeiten erleben durfte – Auenland nichts dagegen! Leider kannte der Wettergott bei unserer Ankunft keine Gnade und ließ es beim Zeltaufbau so richtig wascheln, sodass unsere Elbenmäntel ordentlich durchnässt wurden. Als das Lager dann stand, wurde zur Belohnung das erste Dosen-Bier gezwitschert, bevor die Seebühne pünktlich um 16 Uhr unsere nächste Reiseetappe war, um die erste Band des Festivals zu erblicken. (Zuvor hatten wir noch die Wahl der richtigen Fußbekleidung zu treffen. Festival-Routinier Kalti hatte in weiser Voraussicht Gummistiefel dabei. Pedro und ich entschieden uns, um trockenes Schuhwerk für die weiteren Tage aufzusparen, für die Hobbit-Deluxeversion der Festivalflipflops.)

Als wir nach kurzem Fußmarsch das Festivalgelände betraten, hatten sich erst eine Handvoll Festivalgäste aufs Gelände verirrt. Viele bereits am Campingareal angekommene Reisende harrten zu jener Regen-Zeit doch noch in ihren Lagern. Es wurden auch Gerüchte vernommen, dass dort ein böser Zauberer sein Unwesen trieb und so manchen Keksliebhaber mit verwunschenen Substanzen zur Stecke brachte.


Nur die Harten kommen in den Garten

All jene, die zur ersten Band KALEIDOBOLT anwesend waren, wurden mit einem sensationell energetischen Konzert der Finnen belohnt. Auch ich war verzückt von den Klängen des Trios, dessen progressive Songstrukturen mich faszinierten. Vor allem aber groovten KALEIDOBOLT mit fetten Riffs ordentlich und ließen das zweite Bier des Abends genüsslich den Rachen runterlaufen. Der Einstand in das LOF Festival 2016 konnte musikalisch besser kaum begonnen werden (besonders gelungen war auch das beste Schlagzeugsolo, das ich jemals gehört habe). Bereits am Vortag hatten KALEIDOBOLT als Support von RADIO MOSCOW in der Wiener Arena überzeugt, laut Aussage des Ö-Ticket-Reporters Stefan Baumgartner, der bereits zu früher Stunde mit Musik-Expertin Martina Hollauf und seiner Anwesenheit glänzte. In seiner schwarzen Regenjacke, aus der nur ein bärtiges Gesicht hervorlugte, stellte er zudem den perfekten Zwerg-Gimli-Lookalike dar.

Bevor nun die erste österreichische Band die Bühne betrat, wurde von mir zuerst einmal das legendäre LOF-Chili con Carne eingeschnitten, dessen vegane Variante auch unseren spanischen Waldläufer überzeugte, der nun über SAVANAH in einer fremden Sprache berichten wird (keine Sorge, es ist nicht Elbisch). [Florian Rosenberger]

LOF’s lineup offered a good variety of both subgenres from stoner-rock as well as nationalities, which gathered in harmony on the board of the lake Nepomuk stage. I’d like to applaud the LOF organization for supporting local bands and giving us a sneak peek of Austria’s stoner music scene. From what we saw live this weekend we can only say that the machinery is properly greased!

If I had to pick out one of the local bands, I will go for SAVANAH. I was impressed by the energy of this trio from Graz. Although they were the second band of the first day there was already a good crowd present and they slammed our faces from start to finish with their heavy tunes. I really enjoyed the dynamic of their songs with low tempo intros, leading to main mastodontic riff passages, from time to time getting into swamp psychedelic jams with some jaw-breaking guitar solos. I don’t know how long they’ve playing together but the trio functions like clockwork. Apart from the cited guitar solos, I’d also like to mention the groovy bass lines and its distortion as well as the deep dark longing vocals. „Deep Shades” is their latest release and since this weekend it is part of my roster. [Pedro]


FILTHY LUCRE

Schön langsam hörte der Regen zu Abendbeginn auf und damit kam auch zum ersten Mal rechtzeitig zur nächsten Band Festivalstimmung auf. Als dritte handfeste Überraschung stellte sich das australische Duo FILTHY LUCRE heraus. Dass mutige „Crocodile Rider“-Duos aus dem Land der „Brownsnakes“ live eine besondere Erfahrung sind, bewiesen schon vor zwei Jahren JACKSON FIREBIRD in der Wiener Arena. Diese Tradition setzten FILTHY LUCRE mit einer ungeheuren Lässigkeit fort. (Apropos „Ungeheuer“: LOF-Videomann Josef Lichtenberger war nach Abschluss seines sehenswerten Filmprojekts „Ungeheuer“ heuer wieder für sensationelle Aufnahmen vom LOF zur Stelle).

Aber zurück zu FILTHY LUCRE, die Songs ihres genialen Debütalbums „Mara“ zum Besten gaben und einerseits ordentlich groovten - auch mit einer kleinen akustischen Klampfe - andererseits mit fetziger Bühnenaction à la THE VINTAGE CARAVAN punkteten, die alle folgenden Bands des Tages nicht mal ansatzweise erreichten. Die Band zeigte sich bei ihrem ersten Europakonzert äußerst dankbar und war auch von der ungewöhnlichen Location, dem Teich, in dem nun doch einige Partyleute ihr Unwesen trieben, begeistert. Die Strapazen, die Reise von Australien nach Austria anzutreten, haben sich somit für Band und Zuseher mehr als gelohnt. (Hier das amüsante Video zur Bandkampagne dazu.)


THE FLYING EYES

Vor der ersten bekannteren Band des Abends, THE FLYING EYES, versammelte sich die LAKE ON FIRE-Familie, die man wirklich als solche bezeichnen kann. Jahr um Jahr lerne ich weitere lässige Leute kennen, angefangen von den sympathischen Veranstaltern über zahlreiche Musiker – vor allem von österreichischen Bands wie LES LEKIN, CHANGO oder SATIVA ROOT– bis hin zu den treuen Fotografen und -innen, die jährlich den Weg ins malerische Waldhausen auf sich nehmen. Dieses Jahr war es aber für einige Besucher auch die LOF-Premiere, wie beispielsweise für Viperroom-Chef Martin mit seiner Nina oder für den ((szene))-Lichttechniker Denny, der mit seinem Bruder im Geiste und Stoner Rock-Szeneoriginal Tom für die Visuals des Abends zuständig war.

Die zwei Lichtkünstler, die durch die Veranstaltungen UFOCLUB REVIVAL und ROLLING STONED im „Wiener Derwisch“ unter dem Pseudonym UFONAUTEN bekannt sind, zauberten zum ersten Mal am LOF eine spezielle und außergewöhnliche Liquid Light-Show auf den Backdrop der Bühne, die für die Show der Psychedelic-Rocker THE FLYING EYES wie geschaffen war. Viel Bewegung auf der Bühne war nicht wahrzunehmen, viel mehr zogen die Amerikaner die Besucher durch sanfte, umgarnende Soundklänge in ihren Bann. Sollte man nicht genug von der Band bekommen haben, gibt es THE FLYING EYES in Österreich in Kürze noch dreimal zu sehen (31.08.-Salzburg, 01.09.-Wien, 02.09.-Innsbruck).

Der erneute Vorsatz, sich weniger dem Bier als mehr den Bands zu widmen, wurde aufgrund des zahlreichen Freunde-Aufkommens (u.a. Beutlins, Tuks, Pausbackens und Stolzfußens) wieder mal zunichte gemacht. Unter verschiedensten Geschichten blieb vor allem jene in Erinnerung, als der gemeine Quartierdieb Gimli sich der Unterkunft jener Elben bemächtigte, die es gerne in der Nähe des Geländes kuschelig haben und somit ihre Zeit in den letzten Jahren zwar in Waldhausen, aber selten am Festivalgelände verbracht hatten.

Auch zehrte nun der Hunger, wie für stormbringer-Berichterstatter üblich, an meinen Reserven. Leider war im Gegensatz zum vorzüglichen DOME OF ROCK-Festival in Salzburg keine Pizza weit und breit zu erhaschen. Ein LOF-Burger war aber ein würdiger Ersatz und stellte die Kräfte wieder einigermaßen her, damit ich noch einiges von den Niederländern von GOMER PYLE mitbekommen konnte. Deren Show war auch relativ statisch und – zumindest für mich – mehr als Hintergrund-Beschallung dienlich, als ein Ansporn zu sein, mich im Rausch gewisser Substanzen zu verlieren. Einige Passagen ihrer Songs ließen mich aber doch des Öfteren aufhorchen, um für kurze Momente nicht nur dem Bierkonsum zu frönen. Glücklicherweise hielt ein Mann die Stellung, dem nicht mal ein Balrog das Fürchten lernen würde. [Florian Rosenberger]


RADIO MOSCOW

Referring again to the genre variety of the festival, we jump to a more bluesy approach of the stoner style to talk about RADIO MOSCOW’s concert, the US trio led by guitar god Parker Giggs. This guy’s control of his Stratocaster is mind blowing. RADIO MOSCOW's formula? Epic riffs, killer solos, finest crunchy-blues jams and all of it packed together and guided by Giggs characteristic broken voice. Pure pleasure to see these guys on stage, truly lighting the lake on fire. Thanks to the crew for their great effort to engage such high quality bands. [Pedro]

Die besten Bands am Lake On Fire sind die Late Night Specials – hat mir ein Vögelchen gezwitschert – irgendwo in einem unbestimmten Zustand nach CONAN, als ich das schon längst wusste.

Nachdem LOWRIDER ihren Auftritt als letzter Act des Tages leider canceln mussten, sprangen die Briten CONAN in die Bresche und vollzogen eine grandiose Show, die nur durch SUNNATA am Tag darauf getoppt werden sollte. Doom – Sludge – Stoner Metal betiteln sich CONAN stilistisch (zumindest auf der Wikipedia-Seite) und treffen es dabei ziemlich auf den Punkt. Dreckiges Gemetzel am Schlagzeug, malträtierte Gitarre und Bass und zwischenzeitliches Gekreische durch das Mikrofon. Augen zu und durch, bis dass du den Kopf zum finalen Doom-Schlag bis zu den Knien herniederschmetterst. Schade dass so viele Zuschauer schon das Gelände Richtung Zelt und warmen Schlafsack verlassen hatten. Der letzte Act des vielschichtigen ersten Tages war es definitiv wert, noch etwas in der Kälte zu verharren und mit dem Kopf zu wippen. [Kalti]


CONAN


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