24-09-2016, Kitzmantelfabrik Vorchdorf, Vorchdorf

Runen der Nacht 2016

Text: Anthalerero | Fotos: Anthalerero
Veröffentlicht am 03.10.2016

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Das Runen der Nacht 2016 präsentierte sich top organisiert und lockte mit einem abwechslungsreichen Lineup aus den Bereichen Melodic Metal und Pagan Metal. Ursprünglich auf neun Bands konzipiert, sorgte die verspätete Eingliederung des am gleichen Tag stattfindenden Konzertes der SERIOUS BLACK-Tour für eine Erhöhung auf ganze zwölf Bands. Naturgemäß ließ das das Programm etwas zusammenrücken, und kleinere Verschiebungen bzw Verspätungen in der Running Order waren nicht zu vermeiden, doch die Verzögerungen hielten sich insgesamt für die Anzahl der Bands im Rahmen. Auch die weitläufige Location der Kitzmantelfabrik erwies sich als ideal für das Festival – ausreichend Parkplätze, perfekte Sanitäranlagen, die Bar in einem separaten Raum und ein großer Außenbereich mit Biergarten-Feeling ließen die zehn Stunden Dauerbeschallung (16:00h – 02:00h!) zum Genuss werden. Ein Übriges dazu tat das perfekte, laue Herbstwetter, bei dem man selbst des Nächtens noch draußen sitzen konnte, ohne Frostbeulen zu bekommen. Einziger kleiner Kritikpunkt war die etwas arg laut aufgedrehte Anlage, die zwar ordentlich Druck entwickelte, aber für die Besucheranzahl in der Kitzmantelfabrik (ca. halb voll) einen Zacken zu dominant agierte. Doch Heavy Metal gehört ja auch laut!


Noch kaum richtig angekommen, wüteten auch schon NEMESIS als Opener auf der Nebenbühne. Krawall am frühen Nachmittag hieß die Devise, auch wenn zu so früher Stunde noch relativ wenig Publikum unter die MeloDeath/Metalcore-Panzerketten von NEMESIS kam. Mit unglücklicherweise schlecht abgestimmtem Sound und sehr leise eingestelltem Mikro, blieb von der Gruppe aus Desselbrunn leider nicht sehr viel hängen. So sprachen doch die meisten Leute eher der sozialen Interaktion sowie der Erkundung des weitläufigen Geländes und des kulinarischen Angebts zu.

Melodic Metalcore, Modern Powermetal – wie nennt man das, was CROSSING EDGE da machen? Tatsächlich konnte man viele Elemente -vom Core-affinen Geschrei über melodische Riff-Wände bis hin zu gar ein wenig progressiven Klängen - ausmachen, mit denen die Linzer dem jetzt bereits überraschend zahlreich anwesenden Publikum ordentlich in den Arsch traten. Mit gleich zwei Shoutern und punktgenauem Spiel an den Instrumenten vermochten CROSSING EDGE bereits zu so früher Stunde zu beeindrucken, einzig das einfallende Tageslicht nahm der stimmigen Show ein wenig Atmosphäre. Zum Abschluss des Gigs gab es dann auch noch eine wirklich starke Coverversion des HAMMERFALL-Klassikers „Hearts On Fire“, welches dem inzwischen schon vor der Nebenbühne weilenden Berichterstatter ein fettes Grinsen ins Gesicht tackerte. Starke Vorstellung!


Für die erste handfeste Überraschung des Abends, eigentlich noch Nachmittags, sorgten HAMMERSCHMITT. Die langgediente deutsche Truppe setzte nämlich ein Statement, das bei so manchen die Ohren schlackern ließ! Astreiner teutonischer Schwermetall blies gründlich den Staub aus den Boxen der Anlage und sorgte für heftigen Ohrwurmalarm in der Kitzmantelfabrik. Selbst wenn man noch nie etwas von HAMMERSCHMITT gehört hatte, wippte man schon nach kürzester Zeit zu den schmissigen Titeln mit, und war versucht, beim ein oder anderen Refrain auch ohne Textkenntnis herzhaft mitzugrölen. Die ursprünglich mit rein deutschen Texten im NDH-Bereich unterwegs gewesene Band hat sich inzwischen den englischsprachigen Lyrics gewidmet und musikalisch die Stellschraube auf ein Stückchen härter gedreht – das kann man nur als in jeder Hinsicht erfolgreich bezeichnen! Vor allem, da alles an der Bühnenpräsenz der sympathischen und mit Hingabe posenden Musiker, nach einer deutlich größeren Bühne mit entsprechend umfangreicher dimensioniertem Publikum schreit! Ein Wahnsinnsauftritt und eine riesige Überraschung von HAMMERSCHMITT, die am Runen der Nacht bestimmt eine ganze Menge Fans dazugewonnen haben – den Berichterstatter eingeschlossen!

Setlist: (ohne Gewähr!)

  • Still On Fire
  • Rock Steady
  • Meanstreak
  • One Helluva Night
  • Sanctuary
  • Shout
  • Metalheadz


Einhornalarm auf der Bühne, als der Drachentöter Siegfried samt geschmackvollem Rüschenhemd und Musiker-Gefolge von DRAGONY die Bühne enterte. Dem Ruf des Stormbringer-Hausdrachentöters folgte eine erkleckliche Anzahl von Fans, die sich in der unverhohlen zur Schau getragenen Epik mit sichtlicher Freude suhlten und sämtliche Refrains textsicher mitgrölten. Nach einem kurzen Hoppala mit doppelt eingespieltem Game Of Thrones-Intro rauschten DRAGONY mit sichtlicher Spielfreude durch ihr knackiges Set, hetzten die „Shadowrunners“ auf das Publikum und ließen auch den „Dr. Agony“ vorbeischauen. „Do we need some action?“ - großartige Stimmung wie immer bei dem ebenso großartigen DAVID HASSELHOFF-Cover „True Survivor“, das für viele grinsende Gesichter und ausgelassene Partystimmung sorgte. Als vorläufiger Schlusspunkt fungierte, wie schon beim ersten Auftritt der Wiener Powermetaller am Runen der Nacht 2013, der Titel „Alcador“ vom Debütalbum „Legends“, und hintennach wurden noch die "Wolves Of The North" aufs Publikum losgelassen. So manche Dame im Publikum dürfte wohl ihr Herz an den Drachentöter verloren haben, wie einige schmachtende Blicke auf den Fronter bewiesen – Mädels, auch der Rest der Band darf gerne mit Blicken verschlungen werden! Aber auch nur mit Blicken, gell?

Setlist:

  • Burning Skies
  • Shadowrunners
  • Kiln Of The First Flame
  • Dr. Agony
  • True Survivor
  • Alcador
  • Wolves Of The North


KNAAT hatten im Vorfeld mit Soundcheck-Problemen zu kämpfen und kamen erst ein wenig verspätet dazu anzufangen. Die Probleme setzten sich leider im Set fort, sodass bei KNAAT, die ja schon zum zweiten Mal am Runen der Nacht auftraten, auf der Bühne einiges nicht rund lief. Doch die Band nahm es mit Humor und zockte ihr Setz trotz Abstimmungsproblemen mit sichtlichem Spaß herunter. Musikalisch wurde auf Nummer Sicher gesetzt, es gab keine Überraschungen, dafür aber kitschiges Keyboard, das man an diesem Abend ohnehin noch öfter hören sollte. Und deutsche Texte, im Pagan durchaus üblich, sind ja auch immer so eine zweischneidige Sache – warum es allerdings ausgerechnet „Kräuter im Arsch“ sein mussten, wird wohl ungeklärt bleiben. Der kleine Schreiberling wollte jedenfalls nicht unbedingt wissen, weshalb man sich unbedingt Grünzeug rektal einführen wollte und begab sich lieber auf Erkundungstour.
Zeit also, das Cocktail-Angebot des Festival zu entdecken! Ja, ihr hört richtig – auf dem Runen der Nacht gab es auf vielfachen Wunsch auch eine Cocktail-Bar, deren Zuspruch, wie man hörte, auch ganz ordentlich war. Ein großer Pluspunkt hier auch das Angebot von Alkoholfreien Varianten – ich bin dann mal weg, die Kalorien rufen...
 

Pünktlich zu WISDOM stand man dann wieder vor der Hauptbühne, konnten sich die Ungarn doch schon bei früheren Konzerten hervortun. Und auch heute ließen die inzwischen um Ex-BATTLE BEAST Gitarristen Anton Kabanen verstärkten WISDOM nichts anbrennen. Instrument umhängen, in die Blutgrätsche gehen, den Haarpropeller anwerfen und auf geht’s! Zwischen älteren Uptempo-Krachern wie „Live Forevermore“, Gänsehaut-Titeln wie „Heaven And Hell“ und Material vom aktuellen Dreher wie zB „Raven's Night“ lieferten die Ungarn ein bockstarkes Brett von Auftritt ab, bei dem man einfach nicht mehr anders konnte, als die Matte im Dauerlauf kreisen zu lassen. Auch auf der Bühne regierte der Spaß, so triezten sich Sänger und Gitarrist auf der Bühne ständig, von liebevollen Tritten bis hin zu Würgeattacken war alles drin – im Osten scheint man seine Zuneigung recht rabiat auszudrücken. WISDOM haben längst ihren ureigenen Sound kreiert und können allen Freunden von Uptempo-Powermetal nur wärmstens empfohlen werden, sind sie doch auch eine unglaublich starke Live-Band, die immer wieder aufs Neue mitreißen kann. Der Berichterstatter applaudiert auf´s Heftigste und verlässt mit wohligem Gefühl die Hauptbühne um sich direkt im Anschluss gleich die nächste melodisch orientierte Band reinzuziehen.


Bereits etwas verspätet starteten dann SINBREED, die bei einem Gutteil des Publikums auf fruchtbaren Boden fielen. Beim Berichterstatter konnte die Truppe an diesem Abend leider so gar nicht punkten, klangen die Vocals des relativ überdrehten Sängers doch über weite Strecken hinweg schrill, in die Ecke Tobias Sammet auf nervig, der auf Tönen herumknödelt, die ihm einfach nicht liegen. Musikalisch war das Ganze ja wirklich in Ordnung, mitreißend dargeboten und auch trotz der hohen Lautstärke gut abgemischt, aber die Stimme ruinierte den starken Soundteppich. Vermutlich gibt es einfach Stimmlagen, die einem nicht liegen... der Berichterstatter suchte sein Heil in der Shoppingmeile des Festivals, denn SINBREED schienen heute nicht den stärksten Tag erwischt zu haben...

Setlist: (ohne Gewähr!)

  • Bleed
  • Call To Arms
  • Moonlit Night
  • When Worlds Collide
  • Master Creator
  • On The Run
  • Newborn Tomorrow
  • Book Of Life


Die Zeit für eine etwas härtere Kante war dann bei WOLFCHANT gekommen – die Herrschaften aus dem Bayrischen Wald stellten eine epische Breitseite an Schwermetall in die Kitzmantelfabrik, die von dem vor der Bühne hungrig harrenden Wolfsrudel begierig aufgesogen wurde. Trotz der Extraportion an Härte mit ihren typischen zwei Schreihälsen, ähm, Sängern, gliederten sich WOLFCHANT durch ihre eher hymnische Ausrichtung perfekt in das Billing des Runen der Nacht ein. Das konnte man auch anhand des Publikumszuspruchs ersehen, tummelte sich doch die Schnittmenge aus Pagan-Freunden und Melodic-Metallern traulich vereint vor der großen Bühne und ließ sich von der wölfischen Truppe ordentlich durchwalken. Nachdem der Release des neuen Studioalbums „Bloodwinter“ kurz bevor steht, fanden sich naturgemäß auch einige Songs des neuen Epos in der Setlist – das Publikum feierte kurzerhand einfach alles hart ab. Lediglich der Sound erwies sich als etwas suboptimal, schluckte doch die Lautstärke einen Teil der epischen Arrangements, was aber das Gros der Zuseher glücklicherweise nicht zu stören schien – wir sind ja nicht im Studio, wo alles perfekt sein muss! Eine satte Kante Applaus gibt’s oben drauf!

Setlist: (ohne Gewähr!)

  • Schicksalsmacht
  • Eremit
  • A Pagan Storm
  • Element
  • Bloodwinter
  • Naturgewalt
  • Am Schlachtfeld
  • Never Too Drunk
  • Call Of The Black Winds
  • Praise To All


Nahtlos ging es auf der Nebenbühne weiter mit THORONDIR aus der Oberpfalz. Erneut wurde die Pagan-Schiene bedient und von heidnischen Göttern und der Schönheit der Natur gesungen. Im Vergleich zu anderen Bands relativ leiser, aber gut abgestimmter Sound und hochsympathische Bühnenpräsenz machte den Auftritt zu einem Genuss, bei dem man gerne vor der Bühne verweilte. Fein nuancierter, weitestgehend unkitschiger Pagan füllte den Raum vor der Nebenbühne, wo sich ein erkleckliches Häufchen an interessierten Besuchern eingefunden hatte. THORONDIR sammelten durch lockere Interaktion mit dem Publikum ordentlich Pluspunkte, und konnten sich entsprechend auch über kräftigen, verdienten Jubel freuen.

Setlist: (ohne Gewähr!)

  • Reich der Toten
  • Wodan
  • Fenris
  • Bündnis
  • Midsommar
  • Heymoar
  • Seelenschrein
  • Düsterwald


Die zweite Headliner-Position gebührte FREEDOM CALL, die mit ihrem Happy Metal das Publikum in Schwung brachten. Bereits zu „Union Of The Strong“ und „The Eyes Of The World“ wurde voller Inbrunst mitgegrölt und auch bei „Hammer Of The Gods“ vom kommenden Album „Master Of Light“ (VÖ 11.11.) erwiesen sich bereits überraschend viele Leute als textsicher. Das Publikum fraß Fronter Chris Bay quasi aus der Hand und selbst die Securitys im Bühnengraben klatschten und winkten mit breitem Grinsen im Gesicht – so geht eine Happy Metal Party! „Power & Glory“, „Tears Of Babylon“, „Freedom Call“ - es gab nichts, das man im Set der Heroen des Kitschs vermissen konnte. Lediglich das Publikum begann hinten raus dann doch ein wenig zu schwächeln, denn erst nach drei Anläufen mit dem Ende der Über-Hymne „Warriors“ zeigte sich Chris mit der Lautstärke der Fans zufrieden. Aber, kräftezehrendes Tagesprogramm hin oder her, zu Songs wie „Land Of Light“ MUSS man einfach abfeiern, egal wie fertig man schon ist! Das tat auch das kleine Stormbringer-Schreiberlein, welches hernach erst einmal seine lichterloh brennenden Stimmbänder löschen musste... „We are warriors born from the light! An army for freedom, defenders of life!“ Keuch.

Setlist: (ohne Gewähr!)

  • Union Of The Strong
  • Eyes Of The World
  • Heart Of A Warrior
  • Island Of Dreams
  • Farewell
  • The Quest
  • Hammer Of The Gods
  • 666 Weeks
  • Power & Glory
  • Tears Of Babylon
  • We Are One
  • Freedom Call
  • Bleeding Heart
  • Warriors
  • Land Of Light


Nachdem das Gehirn des kleinen Berichterstatters nach der stundenlangen Vollbedienung und dem vorangegangenen Exzess bereits ein wenig in Schräglage hing, und sich der Sound bei XIV DARK CENTURIES, trotz Ohrenstöpseln und fortschreitender Vertaubung, als ein klitzekleines Bißchen zu laut herausstellte, beschloss man schweren Herzens, die hochwertige Pagan-Kost der Thüringer im Barbereich auszusitzen. Und wie das so ist, trifft man da und dort wieder bekannte Gesichter, die zu angeregten Diskussionen führen, und als man mit gefülltem Bäuchlein, nach einem kurzen Abstecher zum Soundcheck von SERIOUS BLACK, zurück zur inzwischen glücklicherweise gar nicht mehr so lauten Nebenbühne zurückpilgert – verabschieden sich XIV DARK CENTURIES gerade wieder von der Bühne. Doch mit dem heftigen Abriss in fescher Gewandung, bei dem im Publikum zum Finale noch einmal ordentlich die Matten geschwungen werden, sollte das Festival um fast ein Uhr morgens noch nicht enden...

Setlist: (ohne Gewähr!)

  • Zeit der Rache
  • Skithingi
  • Julenzeit
  • Schlachtgesang
  • Thing
  • Brennen soll das alte Leiden
  • Svava
  • Runnibergun
  • Ahnenland
  • Ich bin das Feuer
  • Bragarful
  • Auf zur Schlacht


...denn auf der Hauptbühne wartete noch die internationale Truppe von SERIOUS BLACK, die die letzten Unentwegten mit melodischem Powermetal vom Allerfeinsten beschallte. Tatsächlich war das Häufchen vor der Bühne schon arg zusammengeschmolzen, hatte doch der kräfteraubende Festivaltag sowohl Publikum als auch Bands und Veranstaltern einiges abverlangt – durch kleinere Verzögerungen hie und da, wie sie eben passieren können, hatte die Running Order auch eine kontinuierliche Verspätung vor sich her geschoben, sodass Urban Breed und Konsorten etwa eine halbe Stunde später als geplant auf die Bühne gingen. Der hochmotivierten Truppe sah man aber zu keinem Zeitpunkt an, dass sie aufgrund des Schluss-Slots mit einem kleineren Publikum vorlieb nehmen mussten – mit einer Setlist aus vorwiegend schnellen Songs wurden keine Gefangenen gemacht. Schlag auf Schlag prasselten Hits und Mitgrölnummern vom ersten und zweiten Album der Band auf die Fans ein. Dass sich nicht alle Anwesenden zum Mitmachen aufraffen konnten, und so manche Augen schon am Zufallen waren, lag aber bestimmt nicht an der energiegeladenen Performance der Musiker, die sich trotz der späten Spielzeit in wirklicher Hochform präsentierten. Einzig ein wenig laut war´s wieder – aber das war man ja schon gewöhnt. Trotz Zuschauerschwundes lieferten SERIOUS BLACK einen großartigen einstündigen Auftritt, der auch entsprechend honoriert wurde, und setzten somit den Schlusspunkt unter ein rundum gelungenes Festival. Chapeau – wir kommen gerne wieder!

Setlist: (ohne Gewähr!)

  • Akhenaton
  • Setting Fire To The Earth
  • Trail Of Murder
  • Sealing My Fate
  • Older And Wiser
  • This Machine Is Broken
  • The Life That You Want
  • Mirrorworld
  • I Seek No Other Life
  • High And Low

 


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