02.12.16, Essigfabrik, Köln

MAX & IGOR CAVALERA

Text: Fred Gasch | Fotos: Fred Gasch
Veröffentlicht am 06.12.2016

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Es ist immer ein schmaler Grat, der bewandert wird, egal, welche Band ein Set spielt. Der Grat zwischen Fiktion und Realität ist sehr oft sehr schmal. Wie real es ist, vor MAX & IGGOR CAVALERA zu stehen, ist einfach unfassbar und gigantisch zugleich. Wie schmal der Grat bei Unterhaltungen & Diskussionen ist, besonders bei sogenannten eingefleischten Fans, ist unwiderleglich. Zugegebenermaßen, gibt es eben Dinge die indiskutabel sind, weil sie eine Art Endgültigkeit besitzen, so wie die Musik von diversen Bands das ausdrückt und interpretiert. Endlosschleifen zum Diskutieren sind hier eben nicht mehr angebracht. Das nötigt eben zu der Frage: Ist das besagte Glas jetzt halb leer oder halb voll? Das zu beurteilen ist jedem Besucher selbst überlassen. Fünfzig Prozent SEPULTURA und Hundert Prozent Return to Roots; die legendäre Platte „Roots“ noch einmal live und in voller Länge zu Gehör zu bekommen, war ein voller Genuss. Letztendlich sind es nach wie vor Wahrheiten mit zeitlosem Charakter. Weshalb diese Musik in dieser Intensität nicht verstummen darf. In jedem Lied lässt sich immer wieder Neues entdecken, vorher Überhörtes an Text und Melodie. Das ist ungefähr so, wie ein Bild im Bild zu sehen. Beim ersten Mal Anhören und/oder Anschauen, kann nicht alles auf einmal erfasst werden. Denn das wäre Reizüberflutung!!! Beim genaueren Hinhören kommen Details zum Vorschein, die man vorher nicht wahrgenommen hat. Warum auch immer. Vielleicht sind dafür die Sinne einfach nicht ausgelegt. Dafür sind diese Sinne an dem heutigen Abend besonders geschärft.

Sänger Dee Snider von TWISTED SISTER hat im Sommer erst gesagt, dass man Bands, die im Nachrücken sind, auch eine Chance geben sollte. Sicher hat er damit nicht ganz unrecht, denn sonst würde die Szene durch ein Tal der Tränen gehen müssen. Doch anders herum gedacht: Welche Band gibt es denn, der man eine Chance geben soll? Man ist ja kein alteingesessener Musikfreak, der nur auf die gute alte Zeit schwört und sich darauf beruht. Und Coverbands, schön und gut: Aber braucht es das wirklich? Es gibt Gruppen, die man nicht covern kann, oder sollte. Dazu gehört zweifelsfrei SEPULTURA in der Urbesetzung mit den Cavalera-Brüdern. Warum es das Aus von SEPULTURA gab, dafür zeichnen sich wohl interne Querelen verantwortlich. Davon ist an diesem Abend nichts zu spüren, und hat mit dem Live–Auftritt nicht viel gemein, denn die internen Diskrepanzen stehen an diesem Abend außen vor. Wer kennt das eben nicht, dass Streit in den besten Familien vorkommt, und man sich damit auseinander setzt und darüber unterhalten kann, um ins Reine zu kommen. Klar kann man sich drüber auch zusätzlich noch das Maul zerreißen, was einem wiederum eine weitere Belastung beschert. Mit der Musik von Max & Iggor tritt die Bescherung, um mal etwas weiter zu spinnen, bereits vor dem Nikolaus und dem Weihnachtmann ein. Knallhart, laut und peitschenhiebartig! Wie man SEPULTURAs Sänger Max Cavalera eben kannte und kennt, wird hier Lyrik (lyrische Weisheiten und Wahrheiten) vom Feinsten serviert. An diesem Album „Roots“ hat der Zahn der Zeit sich seine eigenen Zähne ausgebissen, denn er konnte sich an Nichts greifbares klammern, um zubeißen zu können. Es hat nichts an Intensität eingebüßt oder gar verloren.

Es ist nicht einmal ein Wachrütteln angesichts der Themen. Es ist wohl vielmehr ein in Erinnerung rufen. Dies darf nicht vergessen werden. Wenn man bedenkt, dass dieses Album locker und leicht seine zwanzig Jahre auf dem Buckel hat und Geschichten beinhaltet, die heutzutage noch dringlicher sind, als sie es ohnehin bereits zu damaliger Zeit waren; Da wird sichtbar, wie aktuell Vergangenes sein kann. Man nennt es zeitlos. Ein Schmaus für Auge und Ohr. Musik als Hochgenuss. Das ist beileibe kein Fishing for Compliments, das ist reines giving the Compliments. Thank you for being here!

Setlist:
01. Roots Bloody Roots
02. Attitude
03. Cut-Throat
04. Ratamahatta
05. Breed Apart
06. Straiththate
07. Spit
08. Lookaway
09. Dusted
10. Born Stubborn
11. Itsári
12. Ambush
13. Endangeredd Species
14. Dictatorshit
Encore:
15. Sweat Leaf / Children of the Grave – BLACK SABBATH Cover
16. Procreation (of the Wicked) – CELTIC FROST Cover
17. Policia – (Max und Iggor allein) – TITAS Cover
18. Ace of Spades – MOTÖRHEAD Cover
19. Roots Bloody Roots (2016er Version, schnell)


Alle Songs, soweit nicht zugeordnet, von SEPULTURA. Komisch, dass die gespielten Songs im Netz allgemein als Coversongs von SEPULTURA gehandelt werden...

 

 


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