29.11.2016, Barclaycard Arena, Hamburg

SCORPIONS & BEYOND THE BLACK

Text: Daria Hoffmann | Fotos: Motte
Veröffentlicht am 08.12.2016

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Fünfzig Jahre! Ein halbes Jahrhundert gibt es die SCORPIONS nun schon. Anlässlich dieses beeindruckenden Jubiläums bereisen sie unter dem Motto „Return to Forever – 50th Anniversary World Tour 2016“ noch einmal den gesamten Globus. Doch nicht nur diese Beständigkeit, sondern auch die über 100 Millionen verkauften Tonträger und annähernd 5.000 gespielten Konzerte in 80 Ländern haben dazu beigetragen, dass die SCORPIONS als legendäre Rock-Giganten in den ganz großen Arenen abgefeiert werden. So auch in Hamburg. Den Gig in der Barclaycard-Arena wollten wir uns nicht entgehen lassen, denn so eine Chance kommt so schnell nicht wieder und da es sich sowieso schon um ein Nachholkonzert der im März aufgrund der Erkrankung Klaus Meines abgebrochenen Konzertreise handelte – nunja – nichts wie hin!

Supported wurden die SCORPIONS von den in der Musikszene äußerst kritisch beäugten Symphonic-Metallern BEYOND THE BLACK – unter Kennern auch: Jennifer Haben und ihre – aus sehr gutaussehenden Boys bestehende – Castingband. Das zumeist etwas ältere Publikum hat diese Musikauswahl wie erwartet zunächst mit einer stoischen Geduld ertragen, dann erstaunt in der Halle umhergeschaut und letztendlich im Takt mitgeklatscht. Beim ersten Song und dem eher ruhigen Part mit Jennifer am Keyboard habe ich zudem selbst direkt vor der Bühne kaum etwas mitbekommen, weil sich um mich herum alle, ohne wenigstens so zu tun als wolle man leise sprechen, angeregt darüber unterhielten, dass Frau Haben äußerliche Reize aufweiste, aber dennoch verachtenswert sei. Das fand ich dann trotz allem ein bisschen respektlos – immerhin haben BEYOND THE BLACK wirklich Vollgas gegeben und an der Musik war qualitativ auch nichts auszusetzen. Der einzige Kritikpunkt, den ich loswerden muss, betrifft die „Band“. Was haben die sich dabei bloß gedacht? Ich habe nie mehr jemanden so künstlich und affektiert grimassieren und posieren sehen, seitdem ich nach einer Begegnung der dritten Art mit dem Musikantenstadl meinen Fernseher auf die Straße geworfen habe. Danke für diese surreale Inszenierung. Applaus gab es zum Schluss trotzdem, denn das war bestimmt anstrengend und lange eingeübt.

Wie es richtig geht, zeigten dann die alten Herren im Anschluss. Nach dem Umbau war die Bühne kaum wiederzuerkennen und dank der eindrucksvollen Projektionen gefühlt doppelt so groß. Mit „Going Out with a Bang“, „Make it Real“ und dem genialen „The Zoo“ hat es dann auch nicht lange gedauert bis man bemerken konnte, warum die Leute alle soviel Geld für die Tickets hingeblättert hatten. Natürlich flötete auch der unvermeidliche "Wind of Change“ durch die Halle, wofür aber großzügig mit einem Akustik Medley, einem Cover von MOTÖRHEADs „Overkill“ und Mickey Dee’s Drumsolo entschädigt wurde. Bei der Zugabe wurde es mit „Still Loving You“ noch einmal romantisch, bevor kurz a capella „Holiday“ angesungen und dann mit „Rock You Like a Hurricane“ das krachende Ende eingeleitet wurde. Als Fazit bleibt zu sagen, dass die SCORPIONS sehr wohl noch da sind – daran besteht nach diesem Abend kein Zweifel – und ich nehme jede halblustige Anspielung über Rollatoren mit Gitarrenhalterung wieder zurück.


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