09.12.2016, KuFa (Kulturfabrik), Kufstein

RAGE & DARKER HALF & MESSIAH'S KISS

Veröffentlicht am 17.12.2016

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Und wieder einmal sind wir in der KuFa in Kufstein zu Gast! Teutonisch geprägter Heavy/Melodic/True Metal (wie auch immer man es nach persönlicher Präferenz nun nennen mag) stand auf dem Speiseplan und ein gar erkleckliches Häufchen an Besuchern folgte dem Ruf der sattsam bekannten Deutschen von RAGE und fand an diesem Freitagabend den Weg in die KuFa.

Zum Auftakt mit MESSIAH'S KISS gab es gleich einmal interationales Flair, hat die ursprünglich aus Deutschland stammende Band doch zwischenzeitlich besetzungsmäßig in die USA expandiert. Professionell auch das Auftreten der fünfköpfigen Truppe, die ein straightes Set aus knackigen melodischen Nummern in die noch etwas unschlüssig herumstehenden Publikumshäufchen pfefferte. Großen Wiedererkennungswert im an und für sich qualitativ hochwertigen Material konnte man zwar nicht ausmachen, dafür wurde das Gebotene handwerklich stark und ohne Schnitzer dargeboten. Sieht man einmal davon ab, dass Sänger Mike Tirelli auch der sehnig-athletische Körperbau nicht davor bewahren konnte, sich on Stage gleich mehrmals mit seinen Cowboystiefeln in den am Boden stehenden Scheinwerfern zu verfangen. Dank Publikumsnähe (der Gitarrist gniedelte sich mitten im Publikum, unterstützt von einem wild bangenden Fan, einen ab) konnten MESSIAH'S KISS die Anwesenden aber schnell auf ihre Seite ziehen und wurden mit ansprechendem Applaus bedacht.


MESSIAH'S KISS

Die Nächsten im Bunde, DARKER HALF aus Australien, erwischten danach einen etwas holprigen Start. High-pitched Vocals sind ja so eine Sache – die einen lieben sie, die anderen hassen sie – und, im Wechsel mit normaler Tonlage, können richtig gute hohe Einlagen schon ordentlich etwas hermachen. Wenn man allerdings, wie im Falle von DARKER HALF-Sänger Vo Simpson den Einstieg ins Set verpatzt (nicht eingesungen? krank?), wird es etwas schwierig beim verwöhnten Publikum zu landen. Zwar verbesserte sich die Vocalperformance im Verlaufe des Auftrittes deutlich, doch die eigentlich starken, klassisch geprägten Heavy Metal-Songs des Vierers mochten, zumindest bei den Stormbringern, an diesem Abend nicht so wirklich zünden. Glücklicherweise sahen es die Zuschauer anders, denn die Australier konnten sich über regen Zuspruch und amtlichen Beifall in der KuFa freuen. Einzig die stellenweise auftretenden Speed-/Thrash-Einsprengsel vermochten es, die Ohren des Berichterstatters nach oben zucken zu lassen, der Rest des Sets erging sich dann doch leider in nur wenig ausdrucksstarken Titeln, mit eher durchwachsener gesanglicher Leistung. Zum Glück sind Geschmäcker verschieden! Aber am freudigen Beifall der Besucher ändert die persönliche Meinung nun ja auch nichts.


DARKER HALF

Und schon war es an der Zeit für RAGE die Bühne in Beschlag zu nehmen. Nach dem Split des alten Ehepaares Wagner/Smolski hieß es für die teutonische Schwermetall-Institution mit neuer Besetzung "back to the roots". Unter dem Motto "The Devil Tours Again" wurde nicht nur das Material der aktuellen Scheibe "The Devil Strikes Again" (dessen Titeltrack auch passenderweise als Opener des Sets fungierte) gespielt, sondern auch altes Material neu aufgewärmt. Wobei – "aufgewärmt"? Nach einem lauwarmen Aufguss klang das, was RAGE da in Kufstein ablieferten, ganz und gar nicht! Ohne Smolski-Gitarrenbombast, dafür mit songdienlichem Neu-Gitarristen und einem topfitten neuen Drummer (Vassilios Maniatopoulous, manchen vielleicht schon als Sänger der griechischen Bouzouki-Rocker TRI STATE CORNER bekannt) ließen RAGE den Spirit ihrer deutlich aggressiveren, knackigeren Frühwerke wieder aufleben. Das überraschend zahlreiche Publikum in der KuFa goutierte die Vorstellung entsprechend mit lautem Applaus und auch der Mitsingfaktor war sehr hoch. Während musikalisch ganz ordentlich Gas gegeben wurde, sodass der Schlagzeuger aufgrund des hohen Doublebass-Aufkommens gewaltig ins Schwitzen geriet, präsentierte sich Fronter und Metal-Urgestein Peavy entspannt und zum Plaudern aufgelegt. Ein paar Anekdoten durften es schon sein, doch daneben ließen RAGE vor allem die Musik für sich sprechen. So kamen die Titel vom aktuellen Album beim Publikum ausgezeichnet an, Hymnen wie "The Great Old Ones" wurden fleißig mitgesungen und zu den unvermeidlichen Klassikern wie "Don't You Fear The Winter" oder "Higher Than The Sky" (dessen Singalong für die vergleichsweise kleine KuFa ziemlich laut ausfiel) wurde ausgiebig gebangt.

Dass RAGE in ihrer quasi zweiten Neuformierung wieder erstarkt sind, das bewiesen sie an diesem Abend in Kufstein nachhaltig. Klar, wem das verspieltere Material der Smolski-Ära zusagt, der wird mit den abgespeckten, deutlich roher, aber auch energiegeladener wirkenden Stücken der zu alten Qualitäten zurückgefundenen RAGE vielleicht nicht so gut zurechtkommen. Doch dafür gibt es nun ja ALMANAC – während RAGE in bester, keineswegs altbacken wirkender Manier roh und knarzig zu Werke gehen und sich damit des lauten Applauses in Kufstein als würdig erweisen.


Setlist: (Ohne Gewähr!)

  • The Devil Strikes Again
  • Shadow Out of Time
  • Until I Die
  • From the Cradle to the Grave
  • The Final Curtain
  • The Pit and the Pendulum
  • End of All Days
  • Back in Time
  • Medicine
  • Deep in the Blackest Hole
  • Great Old Ones
  • Spirit of the Night
  • Down by Law
  • Don't Fear the Winter
  • My Way
  • Higher Than the Sky

P.S.: Ja, Peavy streckt beim Singen auch noch immer die Zunge raus.


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